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Drohende Prokon-Insolvenz: "Das geht in den Bereich der Erpressung"

Prokon-Zentrale in Itzehoe: Unternehmensführung warnt Anleger Zur Großansicht
DPA

Prokon-Zentrale in Itzehoe: Unternehmensführung warnt Anleger

Bei Prokon spitzt sich die Lage zu. Der Ökokonzern warnt seine Investoren davor, weiter Kapital abzuziehen - sonst drohe die Pleite. Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger spricht von "Erpressung" und warnt davor, Geld nachzuschießen.

Zur Person
  • sdk
    Daniel Bauer ist Mitglied im Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Er hat Volkswirtschaftslehre studiert und ist seit 2004 bei der SdK, 2009 wurde er in den Vorstand gewählt.
SPIEGEL ONLINE: Der Ökokonzern Prokon droht Anlegern mit der Insolvenz. Was sollten Investoren jetzt tun?

Bauer: Anleger sollten jetzt auf keinen Fall neue Prokon-Genussrechte kaufen. Bei der unsicheren Lage könnte es sein, dass man jetzt Geld einzahlt und bereits in der kommenden Woche ist es nur noch die Hälfte wert. Wer bereits gekündigt hat, sollte es auch dabei belassen. Dann könnte es sein, dass die Ansprüche vorrangig bedient werden.

SPIEGEL ONLINE: Und Anleger, die noch nicht gekündigt haben?

Bauer: Das ist strittig. Unsere Anwälte gehen davon aus, dass die Ansprüche dann bei einer Insolvenz trotzdem nachrangig wären.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, andere Gläubiger würden zuerst bedient werden. Also ist es jetzt schon zu spät?

Bauer: Wahrscheinlich ja. Im Endeffekt werden Gerichte entscheiden müssen. Die Frage ist, ob es sich lohnt, einen Anwalt einzuschalten, wenn man 20.000 Euro investiert hat. Da sollte man eher vorsichtig sein.

SPIEGEL ONLINE: Was sagen Sie zu der Drohung von Prokon, wer jetzt kündige, trage zur Insolvenz des Unternehmens bei?

Bauer: Das geht in den Bereich der Erpressung und ist nicht akzeptabel. Prokon ist selbst schuld an seiner Lage. Die Transparenz und die Kommunikation mit der Presse waren nicht angemessen. Die Kritik ist berechtigt und die hohe Kündigungsquote nachvollziehbar. Anleger sollten sich nicht unter Druck setzen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Prokon fordert im Falle einer Kündigung, diese "fair" zu begründen, man habe Schreiben mit "vorgeschobenen, unehrlichen Begründungen" erhalten. Was halten Sie von dieser Forderung?

Bauer: Das ist Quatsch. Eine Kündigung ist eine Kündigung. Der Anleger muss sich nur auf die Genussrechtsbedingungen berufen. Da ist klar geregelt, dass man mit vier Wochen Frist zum Monatsende kündigen kann. Weitere Begründungen braucht man nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sind die Anleger nicht auch ein wenig selbst schuld? Immerhin haben sie auf acht Prozent Rendite spekuliert bei einem Unternehmen, das seine Hoffnungen sehr weit in die Zukunft gerichtet hat.

Bauer: Die Anleger trifft natürlich eine Mitschuld. Man muss sich erkundigen, in was man investiert. Das Transparenzniveau von Prokon ist allerdings weit unter dem, was man erwarten muss und kann. Prokon hat ungefähr so viel Geld eingesammelt wie ein SDax-Konzern. Bei der Berichterstattung liegen aber Welten dazwischen. Einiges von dem, was Prokon berichtet, ist zudem nicht plausibel. Wir finden abweichende Zahlen, wir finden keine Kapitalschlussrechnung, das heißt: Wie profitabel die Windkraftsparte wirklich ist, kann man gar nicht beurteilen. Und wenn man als Anleger keine richtigen Informationen hat, dann sollte man auch nicht investieren.

SPIEGEL ONLINE: Aber Prokon hat selbst auf das Risiko bei den Genussscheinen hingewiesen.

Bauer: Ja, das kann man ihnen nicht vorwerfen. In den Bedingungen ist von Totalverlust die Rede, von unternehmerischem Risiko, das muss jedem bewusst gewesen sein.

SPIEGEL ONLINE: Prokon wirft der SdK und den Medien vor, Anleger verunsichert und damit Kündigungen ausgelöst zu haben.

Bauer: Das ist Schwachsinn. Wir haben unseren Mitgliedern nicht empfohlen, ihre Genussrechte zu kündigen. Wir haben gesagt: erst mal abwarten, und sind auch im Gespräch mit Prokon. Und die Kritik von Journalisten war ja berechtigt, wie sich jetzt zeigt. Die Vorwürfe, man sei Opfer einer Verschwörung, sind sehr weit hergeholt. Die Bilanzsumme von Prokon ist gerade mal doppelt so hoch wie die von der Volksbank Itzehoe, das ist die Geschäftsbank von Prokon. Das Unternehmen interessiert mit seiner Größenordnung keinen. Da von einer Verschwörung des Großkapitals und der Energiekonzerne zu sprechen, ist schlicht realitätsfremd.

SPIEGEL ONLINE: Die Krise von Prokon hat sich schon länger abgezeichnet. Was war der Hauptgrund dafür?

Bauer: Der wichtigste Grund war die mangelnde Transparenz. Durch die Kritik der Medien wurden Anleger verunsichert und Kapital abgezogen. Aber Prokon ist daran selbst schuld. Denn das Unternehmen ist nicht auf die Kritik eingegangen und hat keine Medienanfragen beantwortet. Das muss man aber als professioneller Akteur. Es kann ja sein, dass die Kritiker falsch liegen, aber man muss doch wenigstens auf sie eingehen. Das hat Prokon aber verweigert. Und hat sich damit erst recht verdächtig gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Gab es weitere Fehler?

Bauer: Ja, auch die Refinanzierung von Prokon ist falsch angelegt. Man hat komplett auf Bankdarlehen verzichtet und sich die Beziehung zu den Geldhäusern komplett versaut, indem man ständig über sie geschimpft hat. Wenn man langfristige Investitionsgüter wie Windkraftanlagen kauft und die kurzfristig refinanziert, dann hat man ein Problem. Das hat schon einige Unternehmen in die Insolvenz getrieben. Eine Firma, die Windkraftanlagen baut, muss einen Großteil der Kosten langfristig refinanzieren, zum Beispiel mit einem Darlehen, das 20 Jahre läuft. Dann hätte man das Risiko vermieden, dass innerhalb von wenigen Tagen so viele Kapitalgeber weglaufen und das Unternehmen seine Liquidität einbüßt.

SPIEGEL ONLINE: Worauf müssen die Prokon-Anleger sich jetzt einstellen?

Bauer: Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte es zu einer Insolvenz kommen. Eine Planinsolvenz wäre am sinnvollsten, bei der Prokon sich von unrentablen Geschäftsbereichen trennt und das Unternehmen als reinen Windkraftbetreiber fortsetzt. Denn diese Sparte dürfte werthaltig sein. Und dann müsste man die Refinanzierung umstellen. Anlegern dürfte dabei ein Verlust drohen.

Das Interview führte Christian Teevs

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 221 Beiträge
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1.
neu_ab 13.01.2014
*Wenn* hier jemand erpresst wird, dann die normale Bevölkerung, die diesen ganzen Ökoschwindel bezahlen muß. Bei den nun leer ausgehenden Ökoinvestoren allerdings empfinde ich erhöhte Schadenfreude, das gebe ich gerne zu. :)
2. Was sollten Investoren jetzt tun?
Luna-lucia 13.01.2014
Zitat von neu_ab*Wenn* hier jemand erpresst wird, dann die normale Bevölkerung, die diesen ganzen Ökoschwindel bezahlen muß. Bei den nun leer ausgehenden Ökoinvestoren allerdings empfinde ich erhöhte Schadenfreude, das gebe ich gerne zu. :)
alles was noch greifabr ist, sofort abheben! Sonst geht jede Einlage in einem zu erwartenden Insolvenzpaket, verloren. Was bleibt dann noch? Jahrelanger Streit ...
3.
dig 13.01.2014
Zitat von neu_ab*Wenn* hier jemand erpresst wird, dann die normale Bevölkerung, die diesen ganzen Ökoschwindel bezahlen muß. Bei den nun leer ausgehenden Ökoinvestoren allerdings empfinde ich erhöhte Schadenfreude, das gebe ich gerne zu. :)
Ich bezahle lieber diesen ganzen Ökoschwindel als den ganzen AKW-Schwindel.
4.
bikenstrings 13.01.2014
Das stimmt doch nicht-keine Transparenz! Genau die Transparenz Prokons war der Grund für viele in Gen.-Rechte zu investieren. Schaut man auf die Homepage von Prokon ( http://www.prokon.net/index.php?id= ), so kann man Transparenz überall feststellen. Wenn jetzt nicht endlich diese Medienhetze aufhört, dann ...weiß ich auch nicht.
5.
hubertrudnick1 13.01.2014
Zitat von sysopDPABei Prokon spitzt sich die Lage zu. Der Ökokonzern warnt seine Investoren davor, weiter Kapital abzuziehen - sonst drohe die Pleite. Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger spricht von "Erpressung" und warnt davor, Geld nachzuschießen. Drohende Prokon-Insolvenz: Anlegerschützer kritisiert Drohungen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/drohende-prokon-insolvenz-anlegerschuetzer-kritisiert-drohungen-a-943265.html)
Prokon hat das übliche Spiel wie fast alle anderen auch nur betrieben, es wurde den Anlegern potemkinsche Dörfer versprochen, die aber niemals zu erwarten waren und der Anleger fällt doch auf jede gut verpackte Wetter Vorhersage herein, weil es bekannt ist, darum haben solche Unternehmen auch immer den scheinbaren Erfolg. Aber die Unfähigkeit und betrügerische Absichten vermiesen nun mal den Erfolg und das Nachsehen hat der Anleger, das ist das gewöhnliche Spiel im ganz normalen Kapitalismus. Da muss man nicht aufschreien, denn das alles ist so gewollt und keiner wird gegen solche Art von Geschäften was unternehmen können.
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