Haus und Wohnung Was der Schutz vor Einbrechern bringt

Jahr für Jahr steigt die Zahl der Einbrüche in Deutschland. Viele Bewohner rüsten jetzt auf und investieren in Sicherheitstechnik. Die Branche freut sich - doch was nützen die Schutzmaßnahmen?

Schon ein Schraubenzieher reicht
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Schon ein Schraubenzieher reicht

Von Ann-Kathrin Terfurth


Akten liegen verstreut im Wohnzimmer, die geliebte Stereoanlage steht nicht mehr an ihrem Platz. Der Kleiderschrank wurde durchwühlt. Die Schmuckkiste: leer. Es wurde eingebrochen.

So eine Situation erleben immer mehr Menschen in Deutschland, denn die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt Jahr für Jahr. Die noch nicht veröffentlichte Kriminalstatistik für das Jahr 2015 weist einen Anstieg von 9,9 Prozent zum Vorjahr aus - auf nun gut 167.000 Fälle.

Nicht nur der "Umsatz" der Einbrecherbanden steigt, sondern auch der der Sicherheitsbranche. Man erlebe eine erhöhte Nachfrage im Privatsektor, heißt es beim BHE Bundesverband Sicherheitstechnik. So seien 2015 laut Schätzung erstmals mehr als 700 Millionen Euro mit Einbruchmeldetechniken umgesetzt worden. Mehr als die Hälfte der Verbandsmitglieder habe sogar Bedarf an neuen Mitarbeitern. "Ein Grund für die guten Umsätze in unserer Branche ist sicherlich die steigende Zahl der Wohnungseinbrüche", sagt Anke Sepp vom BHE.

Einbrüche in Einfamilienhäuser erfolgten meist über Fenstertüren und Fenster, sagt Harald Schmidt von der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. In Mehrfamilienhäusern diene die Wohnungseingangstür oft als Einstieg. Hinzu kommt unvorsichtiges Verhalten der Bewohner: "Gekippte Fenster, nicht abgeschlossene Wohnungstüren, Einstiegshilfen wie Mülltonnen oder Leitern machen es den Dieben leicht, einzudringen."

Der durchschnittliche Schaden liegt bei 3250 Euro

Wie einfach es Einbrecher oft haben, ergab eine repräsentative Umfrage der AachenMünchener Versicherung. Jeder Zweite lässt demnach gelegentlich Türen und Fenster offen stehen, wenn er das Haus verlässt. Fünf Prozent passiert das sogar häufig. Zwölf Prozent ziehen die Tür in der Regel nur zu, ohne sie abzuschließen.

Haben Einbrecher zugeschlagen, liegt der durchschnittliche Schaden bei 3250 Euro. Das ergab der Einbruch-Report 2015 des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Wenn die Bewohner eine Hausratversicherung abgeschlossen haben, kommt der Versicherungsdienstleister für den Ersatz des Diebesgutes und mögliche Reparaturkosten auf. Laut Studie zahlten die Versicherer insgesamt 490 Millionen Euro. Um die Schäden schnell erstattet zu bekommen, ist es sinnvoll, Kaufbelege wertvoller Gegenstände aufzubewahren sowie Beweisfotos von Erbstücken zu machen.

Doch es sind nicht nur die materiellen Folgen eines Einbruchs, die schmerzen können. Fast die Hälfte der Opfer leidet noch ein Jahr später an den psychischen Folgen des Einbruchs: Angst, ein Gefühl der Machtlosigkeit und Schlafstörungen. Zu diesem Ergebnis kam das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen, das 1.300 Betroffene befragt hat. Fast jeder Vierte ist nach der Tat umgezogen oder wäre es zumindest gerne.

Die Studie ergab auch, dass zwei Drittel der Betroffenen nach dem Einbruch Sicherheitstechniken installierten, denn diese machen es den Dieben deutlich schwerer. So scheitert laut Kriminalstatistik mehr als ein Drittel aller Einbrecher daran, dass Häuser oder Wohnungen gut gesichert sind.

Zuschüsse von der KfW

Um sein Heim erfolgreich gegen Diebe zu schützen, helfen die polizeilichen Beratungsstellen. Beamte zeigen kostenlos Sicherheitslücken auf und geben Tipps, wie man diese schließt. Die Nachfrage nach Beratungen sei in den vergangenen Jahren bundesweit angestiegen, sagt Kriminaloberrat Schmidt.

Türen und Fenster können mit verschiedenen Produkten gesichert werden. Wird neu oder umgebaut, sollten direkt einbruchhemmende Fabrikate eingesetzt werden, aber auch Nachrüsten ist möglich. Die Polizei empfiehlt Modelle ab der Widerstandsklasse RC 2. Ein Herstellerverzeichnis von geprüften und zertifizierten einbruchhemmenden Produkten hat die Polizei Bayern zusammengestellt. Auch Alarmanlagen und Bewegungsmelder erhöhen die Sicherheit des Eigenheims. Um vollkommenen Schutz zu gewährleisten, sollte auf Experten gesetzt werden. "Sicherungen können ihren Zweck nur dann erfüllen, wenn sie fachgerecht eingebaut werden", sagt Kriminaloberrat Schmidt.

Wer sein Heim sichern möchte, erhält von der bundeseigenen Förderbank KfW finanzielle Unterstützung. Plant man die Anschaffung von Sicherheitstechnik oder will zum Beispiel seine Fenster austauschen, kann ein Antrag auf einen Zuschuss gestellt werden. Die KfW gibt dann einen zehnprozentigen Zuschuss auf die Investitionskosten. So können Eigentümer und Mieter bis zu 1500 Euro extra erhalten.

"Bisher ist das Programm gut angelaufen", sagt eine Sprecherin der KfW. "Viele Bürger haben interessiert nachgefragt." Im November und Dezember vergangenen Jahres seien bereits knapp 4000 Anträge gestellt worden. Seit 1. April können zudem bis zu 50.000 Euro Kredit über die KfW in Anspruch genommen werden. Das Geld dafür stammt vom Bundesbauministerium.

Weitere Verhaltenstipps gegen Einbrecher:

  • Türen und Fenster abschließen. Gekippte Fenster sind offene Fenster.
  • Schlüssel nicht draußen verstecken.
  • Bei einem verlorenen Haustürschlüssel das Schloss auswechseln .
  • Lampen mit Bewegungsmeldern im Außenbereich installieren.
  • Keine Einstiegshilfen wie Leitern oder Gartenstühle liegen lassen.
  • Zur Urlaubszeit: Briefkasten von Nachbarn leeren lassen, Tageszeitungen abbestellen und das Licht im Haus über eine Zeitschaltuhr steuern. Keine Abwesenheitsnotizen auf dem Anrufbeantworter hinterlassen oder in Sozialen Medien veröffentlichen.
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insgesamt 95 Beiträge
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Seite 1
shardan 30.04.2016
1. Leider...
..werden auch hier die meisten dieser Tipps ungehört verhallen. Standardausreden wie "Ich war doch nur schnell bei der Nachbarin" oder "Nur mal eben Brötchen holen" sind das tägliche Geschäft der Polizei. Einbruchmeldeanlagen nützen nicht so viel, wie man denken sollte. Sie werden nicht aktiviert, wenn Mutti mal schnell auf 'nen Klönsnack bei der Nachbarin reinschaut, sie werden vergessen und lösen dann so oft Fehlalarm aus, dass es keinen mehr interessiert. Gut dagegen sind z.B. einbruchhemmende Wohnungstüren, bei denen zusätzlich zum normalen Schnapper noch 2...3 weitere solche Schnapper einrasten - Tricksereien wie das Öffnen mit einer Scheckkarte sind da chancenlos. Die draußen an der Wand hängende Leiter mit einer massiven Stahlkette und einem guten Vorhängeschloss sichern hilft auch ungemein. Nützt alles nichts, wenn man das offen stehende Kellerfenster vergisst oder die dauertratschende Nachabarin im Mietwohnungsbau dauernd die Haustür offen stehen lässt.
Ein_denkender_Querulant 30.04.2016
2. Läherlich
Der Schaden durch Einbrecher ist minimal, die Wahrscheinlichkeit gering. Alle 180 Jahre wird in einer Wohnung durchschnittlicheingebrochen. Viel sinnvoller ist es, anstatt Geld in überflüssige und Diebe nur anlockende Sicherheitstechnik zu stecken, jeden bekennenden Steuerhinterzieher im Bekanntenkreis konsequent anzuzeigen. 10 mal ein Steuerhinterzieher vom Schlage eines Herrn Hoeness erzeugen denselben volkswirtschaftlichen Schaden, wie 180.000 Einbrüche. Wo sitzt der Feind?
t_w_adorno 30.04.2016
3. Krass: 1/2 Mrd. Schaden...
... und dafür das Theater. Die Kosten für 2 Wochen Olympia entsprächen den Schäden durch Einbrecher der letzten 20 Jahre. Und besonders witzig: Die Deutschen geben wesentlich mehr für Verhütung als für die Schäden aus. Für jeden Euro Einbruchsschaden geben wir 1,50 EUR aus (und das sind ja fast 3 DM!)
jufo 30.04.2016
4. bringt nur relativ etwas
Bei uns in der Siedlung gab es in 7 Tagen 14 Einbrüche oder Einbruchsversuche. In meinem Fall blieb es beim Versuch; eine stabile Terassentür und ein paar abschreckende Maßnahmen haben das Eindringen verhindert, die Tür samt Rahmen muss ersetzt werden. Kostenvoranschlag 2000 Euro. Die Polizei war natürlich vor Ort, verwertbare Spuren gab es keine. Ich habe nicht den Eindruck, dass da irgendetwas verfolgt wird. Das bedeutet, dass die Bande weiter machen wird. Beim nächsten Versuch werden sie mehr Gewalt anwenden und irgendwann klappt es; da man sie nicht verfolgt können sie ja munter weiter üben. Sie riskieren ja nicht viel. Ich befürchte zum Einen ein Wettrüsten bei der Abschreckung in der Hoffnung, dass die Ganoven dann zum Nachbarn gehen. Ich möchte mein Haus aber nicht zum Gefängnis machen, da säße dann der Falsche drin. Schlimmer ist noch dass, wenn der Staat bei der Strafvervolgung so eklatant versagt, sich die Bürger einzeln oder in Gruppen zur Wehr setzen werden. Wäre schade, wenn unser Staat sein Gewaltmonopol so einfach aus der Hand gäbe.
kenterziege 30.04.2016
5. Das ist zwar sachlich richtig - und so sehen es auch...
Zitat von shardan..werden auch hier die meisten dieser Tipps ungehört verhallen. Standardausreden wie "Ich war doch nur schnell bei der Nachbarin" oder "Nur mal eben Brötchen holen" sind das tägliche Geschäft der Polizei. Einbruchmeldeanlagen nützen nicht so viel, wie man denken sollte. Sie werden nicht aktiviert, wenn Mutti mal schnell auf 'nen Klönsnack bei der Nachbarin reinschaut, sie werden vergessen und lösen dann so oft Fehlalarm aus, dass es keinen mehr interessiert. Gut dagegen sind z.B. einbruchhemmende Wohnungstüren, bei denen zusätzlich zum normalen Schnapper noch 2...3 weitere solche Schnapper einrasten - Tricksereien wie das Öffnen mit einer Scheckkarte sind da chancenlos. Die draußen an der Wand hängende Leiter mit einer massiven Stahlkette und einem guten Vorhängeschloss sichern hilft auch ungemein. Nützt alles nichts, wenn man das offen stehende Kellerfenster vergisst oder die dauertratschende Nachabarin im Mietwohnungsbau dauernd die Haustür offen stehen lässt.
....die Versicherungen. Aber Sie Verlagen die Schuld auf den Wohnungs-/Hausbesitzer. Natürlich gibt es jetzt nur noch die Methode Fort-Knocks, um sein Haus bombensicher zu machen, weil Einbruch inzwischen zu einem Massendelikt geworden ist. Die Frage ist nur: Welche politischen Entwicklungen haben dazu geführt und wer trägt die Verantwortung dafür? Ich wohne in der Nachbarschaft eines früheren Top-Bundesministers der noch jahrelang nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst den Schutz erster Klasse für sein Eigenheim genoss. Allein die Poliziepräsenz hier im Ort hat jeden davon abgehalten, auf dumme Gedanken zu kommen. Jetzt nachdem die Schutzfrist abgelaufen ist, wird hier eingebrochen, wie anderswo. Und wenn dann solche Leute gefasst werden, entlässt sie der Richter wieder in die Freiheit. Der Nachweis des Wohnortes reicht. Derweil können die weiterklauen. Und passiert es, dass bei einem Sportschützen eingebrochen wird, und der erschiesst den Dieb, dann hat er ( nicht der Dieb ) ein Problem. Einbrüche werden zu sehr unter den Aspekt der Sachbeschädigung betrachtet. Es ist mehr; es ist Körperverletzung, wenn eingebrochen wird. Und so muss das auch behandelt werden. Ich habe meinen Neubau von vornherein "dicht" gemacht und nun noch mal 5000 € für eine Superalarmanlage investiert. Ich hoffe , dass dies in Kombination mit wachsamen Nachbarn nützt. Ich bin nach dem Krieg auf dem Land aufgewachsen. Trotz der vielen Flüchtlinge hat da niemand abgeschlossen. Aber wir haben inzwischen eine professionell international organisierte Klau-Mafia. Und unsere Polizei arbeitet auf dem untersten Niveau. Kein Wunder, dass Sicherheitsdienste aus dem Boden schießen. Privatschulen, Private UNI's, Privatpatienten - der Staat zieht sich in Zeiten der höchsten Steuereinnahmen zurück, weil das Geld an anderen Stellen verschwendet wird. Ein Blick in das Schwarzbuch des Bundesrechnungshofes reicht!
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