Studie Einwegmüll verärgert Stadtbewohner

Was früher Hundekot war, ist heute der Coffee to go: Einwegmüll sorgt einer Studie zufolge für großen Unmut in deutschen Städten. Die Forscher empfehlen, die Hersteller in die Pflicht zu nehmen.

Einweg-Kaffeebecher in Berlin
DPA

Einweg-Kaffeebecher in Berlin


Müll aus Einwegverpackungen wird in deutschen Städten zunehmend als Problem wahrgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vorstellte. Take-away-Verpackungen als Müll im öffentlichen Raum würden von den Stadtbewohnern "signifikant häufiger" wahrgenommen als im Jahr 2005, sagte Rebekka Gerlach von der Humboldt-Universität Berlin zu den Ergebnissen. So fallen allein in Deutschland 320.000 Einwegbecher an - pro Stunde.

Im Gegensatz dazu sei das Problem durch Hundekot - noch 2005 als sehr häufig und extrem störend eingeschätzt - im Urteil der Befragten deutlich kleiner geworden, so Gerlach. Befragt wurden Menschen in Berlin, Frankfurt am Main, Köln und Hamburg.

Der To-go-Trend wirkt sich auch auf die Entsorgungsbetriebe aus: Packungen zur Mitnahme seien "meist sehr voluminöses Material", sagte Tanja Wielgoß, Chefin der Berliner Stadtreinigung. Am Berliner Alexanderplatz müssten die Mülleimer inzwischen teils dreimal täglich geleert werden.

Den Trend zu kleineren Portionen und damit auch zu mehr Verpackungen beklagen Umweltschützer schon länger. Dieser Abfall lande nicht nur in Müllbehältern, sagte Katherina Reiche vom VKU. Es brauche daher ein Umdenken hin zu weniger Verpackungsmüll und ökologischeren Verpackungen.

Fast 50 Tonnen jeden Sonntag

Allein aus den Parks in Köln würden an einem Sonntagmorgen 49 Tonnen Müll gesammelt, so Reiche. Die "Mediterranisierung" in Deutschland - bei der sich immer größere Teile des Lebens im öffentlichen Raum abspielten, sei zwar "einerseits schön, aber nicht jeder fühlt sich dafür zuständig". Nötig sei deshalb der Dreiklang "Sammeln, Sinne schärfen, sanktionieren". Bußgelder seien dabei jedoch das letzte Mittel - auch weil dies mehr Personal erfordern würde.

Grundsätzlich plädiert der VKU dafür, Hersteller und Anbieter von To-go-Verpackungen an den Reinigungskosten zu beteiligen. Außerdem müssten die Hersteller durch die Politik zu einem umweltbewussteren Design gelenkt werden.

Denkbar sei auch ein finanzieller Vorteil für Kunden, die einen Mehrwegbecher für Kaffee mitbringen, sagt Reiche (Lesen Sie hier mehr über Alternativen zum Wegwerfbecher). Eine bloße Steuer könne hingegen dazu führen, dass die Mehrkosten lediglich eingepreist und an die Kunden weitergegeben würden.

Dass sich das Verhalten durchaus bessern kann, zeigen die Studienergebnisse. Demnach können sowohl Appelle ans Unrechtsbewusstsein als auch konkrete Maßnahmen wie etwa Hundekot-Tütenspender sowie ein dosierter aber konsequenter Einsatz von Bußgeldern funktionieren. Auch ein starkes örtliches Verbundenheitsgefühl wirkt sich positiv aus.

Insgesamt hat sich das Sauberkeitsempfinden der Studie zufolge durchaus gebessert. Sowohl die Sauberkeit der Stadt als auch die Arbeit der Reinigungsunternehmen wurde 2015 besser eingeschätzt als zehn Jahre zuvor. Als besonders kritisch gegenüber Verschmutzungen erweisen sich der Studie zufolge Kinder und Jugendliche.

dab/dpa/AFP



insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
kraftmeier2000 25.04.2018
1. Es gibt da doch ein ganz einfaches Mittel,
sofortiges Verbot für diesen Müll (und auch anderem), oder aber "abkassieren", 3€ pro Becher, obwohl ich glaube, das diese 3€ nicht ausreichend sind. Aber dafür sind unsere Minister in der Regierung einfach zu Feige, da setzt man wie immer auf eine Europäische Lösung, und das kann dauern, mindestens bis wir alle in dem Müll erstickt sind.
dasfred 25.04.2018
2. Deutsche Leitkultur
Becher leer, fallen lassen, weitergehen. Bald gibt es ein Forschungsprojekt von der MacStarbuck Universität, die uns erklärt, dass das alles ein natürlicher Reflex ist, über den der Mensch keine Kontrolle hat. Im Zuge der Evolution hat der Mensch ja leider verlernt, sich ohne Getränke und Lebensmittel im Straßenverkehr fortzubewegen. Wenn wir dass endlich als Teil unsere Kultur akzeptieren, empfinden wir den Müll endlich als Zeichen unseres Wohlstands.
meiner_einer 25.04.2018
3. Was spricht gegen einen richtig hohen Pfand bei Einwegverpackungen?
Wer partout keinen eigenen Becher verwenden will und stattdessen einen Einweg-Becher nutzt, soll eben 10€ Pfand zahlen, um damit sicherzustellen, daß der Becher nach Benutzung wieder sinnvoll entsorgt wird. Oder eben, falls er achtlos weggeworfen wird, den zusätzlichen Reinigungsaufwand dafür finanziert.
BahnCard50 25.04.2018
4. Wieder mehr Mülleimer aufstellen?
In meiner Umgebung hat sich die Anzahl der öffentlichen Mülleimer in den letzten 30 Jahren massiv reduziert. Z.B. an jeder Bushaltestelle war früher einer; heute hängen nur noch die, die in den letzten 20 Jahren nicht angezündet worden sind und wo kein Wartehäuschen (ohne Mülleimer) gebaut wurde. Ebenso an Spielplätzen, vor Schulen oder vielen Spazierwegen. Selbst am Top-Aussichtspunkt der Stadt steht nur noch ein einsames 60-Liter Eimerchern.
moev 25.04.2018
5.
Witzig, wo der Großteil davon doch von den Stadtbewohnern selbst fallen gelassen wird.
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