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Elektromobilität

Polen und Deutschland wollen gemeinsame Batteriezellproduktion

Deutsche Autohersteller geraten im Bereich der Elektromobilität angesichts der weltweiten Konkurrenz unter Druck. Nun plant Wirtschaftsminister Peter Altmaier eine enge Zusammenarbeit mit Polen.

Von , Warschau

DPA

Ein Ladestecker steckt in einer Stromtankstelle des Volkswagen-Werks in Wolfsburg

Mittwoch, 05.09.2018   19:23 Uhr

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Die deutschen Autokonzerne klammern sich an den Verbrennungsmotor. Nur zögerlich präsentieren sie erste rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge, wie etwa Daimler gestern den Geländewagen EQC. Auch die Autozulieferer sind zurückhaltend bei der Investition in die Elektromobilität. Bosch hat den Wunsch der Bundesregierung für den Bau einer Batteriezellenfabrik bereits dankend abgelehnt. Doch jetzt hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) einen Verbündeten im Osten gefunden: Polen.

Auf seiner Visite in Warschau verkündete er zusammen mit seiner Amtskollegin Jadwiga Emilewicz eine Kooperation im Bereich Batteriezellen, die in dem Aufbau einer gemeinsamen Produktion der Energiespeicher münden soll. Man habe "intensiv über konkrete Anwendungsfälle gesprochen", sagte Altmaier.

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Angedacht ist dabei offenbar eine Herstellung in der Lausitz und im benachbarten Westpolen. Emilewicz, die Ministerin für "Unternehmertum und Technik" in Polen, hob im Anschluss an das Treffen die großen Fortschritte hervor, die man in Polen mit der Elektromobilität gemacht habe. Unter anderem werden in ihrem Land Elektrobusse hergestellt und eine ganze Reihe kleiner und mittelständischer Unternehmen fertigen Materialien für die Produktion von Batteriezellen.

Diese Firmen, so erklärte sie heute Nachmittag, könnten Bestandteil eines europäischen Gemeinschaftsunternehmens werden, mit dem man den großen asiatischen Batterieproduzenten Paroli bieten könnte. Als Vorbild nannte sie dabei den Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus, der vor einem knappen halben Jahrhundert unter anderem von den Regierungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien gegründet worden war.

EU arbeitet an einer "Europäischen Batterie Allianz"

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Für Altmaier hat das Projekt, das Anfang kommenden Jahres auf einer deutsch-polnischen Wirtschaftskonferenz weitere Gestalt annehmen soll, eine ganze Reihe von Vorteilen. Der Unionsmann steht zum einen unter Druck, weil die wichtige deutsche Autoindustrie unter Druck gerät, unter anderem durch Elektroautohersteller wie Tesla aus den USA oder chinesische Unternehmen. Seit Langem will die Bundesregierung die Herstellung von Stromspeichern in Deutschland etablieren, weil "ein bedeutender Teil der Wertschöpfung bei Elektroautos aus der Batterie stammt", so Altmaier.

Würde Polen einsteigen, könnten außerdem staatliche Gelder wesentlich einfacher fließen, ohne dass die EU-Kommission dies als unerlaubte Beihilfen verbieten könnte. Dort schmiedet man bereits an einer Europäischen Batterie Allianz. Altmaier will diese natürlich unter starker deutscher Führungsbeteiligung wissen - analog zu Airbus.

Und dann kommt ihm noch ein weiterer Gesichtspunkt entgegen, der mit der geographischen Lage Polens zusammenhängt. Das Land grenzt an die Lausitz, jene Braunkohleregion, die durch den Ausstieg aus den fossilen Energien vor einem einschneidenden Strukturwandel steht. Altmaier will dort neben wissenschaftlicher Forschung und Entwicklung im Bereich Erneuerbarer Energien und Elektromobilität auch eine Produktion von Batteriezellen etablieren.

Das würde den Menschen eine konkrete Perspektive für die Zeit nach dem Braunkohletagebau bescheren. Dazu hat der Minister eine Kommission eingerichtet, die den Strukturwandel und den Ausstieg vorbereiten soll. Je konkretere Formen zukunftsfähige, neue Wirtschaftszweige für die ostdeutsche Region annehmen, desto mehr hofft er auf die Bereitschaft der Menschen dort, den Kohleausstieg zu akzeptieren. Ein Abschwung der Region, so die Befürchtung in Berlin, könnte dem Erstarken der AfD im Osten weiteren Vorschub leisten.

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