Geplante Rücknahmepflicht Elektroschrott soll in die Läden - nicht in die Tonne

Deutsche produzieren im Jahr durchschnittlich 23 Kilo Elektroschrott, der sehr oft im Hausmüll landet. Das will die Regierung ändern - mit einer Rücknahmepflicht von Händlern.

Ausrangierte Elektrogeräte auf einem Entsorgungshof (Archiv)
DPA

Ausrangierte Elektrogeräte auf einem Entsorgungshof (Archiv)


Berlin - Wohin mit den alten Haartrockern, elektrischen Zahnbürsten und Toastern? Verbrauchern, die bislang zu faul waren, zum Recyclinghof zu fahren, dürften die Ausreden künftig schwerer fallen: Die Bundesregierung will Hersteller und Handel nämlich dazu verpflichten, Elektroschrott anzunehmen. Große Händler - mit mehr als 400 Quadratmeter Verkaufsfläche - sollen dazu gebracht werden, Altgeräte beim Neukauf eines gleichwertigen Geräts zurückzunehmen. Das geht nach Informationen der "Ruhr Nachrichten" und der "Rheinischen Post" aus einem Gesetzentwurf von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hervor, der am Mittwoch vom Bundeskabinett beraten werden soll.

Kleingeräte mit einer Kantenlänge von weniger als 25 Zentimetern müssen demnach auch dann zurückgenommen werden, wenn kein entsprechendes Neugerät erworben wird. Bisher sei die Rücknahme für die Händler freiwillig. Mit der Verpflichtung solle die weitgehende Wiederverwertung von Rohstoffen in den Altgeräten sichergestellt werden. Im Schnitt produzieren Bundesbürger nämlich 23 Kilo Elektroschrott pro Jahr, der noch zu großen Teilen im Hausmüll landet - obwohl sie das schon seit 2006 nicht mehr tun sollen.

Handel hält Verpflichtung für übertrieben

Dem Bericht zufolge sollen auch Onlinehändler künftig verpflichtet werden, Altgeräte zurückzunehmen. Mit dem Gesetz setze Umweltministerin Hendricks europäische Vorgaben um.

Der deutsche Einzelhandel sieht eine gesetzliche Verpflichtung als unnötig an. "Anders als in anderen EU-Ländern funktioniert die Rücknahme von Elektroaltgeräten bereits heute auf sehr hohem Niveau", sagte der Geschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Kai Falk. Dazu trage neben den Wertstoffhöfen die flächendeckende freiwillige Rücknahme durch Elektrofachmärkte, Baumärkte und auch den Lebensmitteleinzelhandel bei. "Eine gesetzliche Verpflichtung wäre daher eigentlich überflüssig gewesen."

Grüne nennen geplante Regelung "halbherzig"

Grünen-Chefin Simone Peter kritisiert die geplante Neuregelung dagegen als zu halbherzig. "Die Beschränkung der Rücknahmepflicht auf wenige große Geschäfte schränkt den Nutzen für die Verbraucher erheblich ein", sagte Peter. "So ist zu befürchten, dass weiter zu viele Elektrogeräte im Hausmüll landen." In Deutschland fielen rund 700.000 Tonnen Elektroschrott im Jahr an.

Insgesamt aber gehe die Reform in die richtige Richtung. "Durch die Rücknahmepflicht hat der Handel künftig ein Eigeninteresse, die Müllmengen zu verringern und langlebigere, reparaturfähige Produkte zu verkaufen", betonte Peter.

yes/dpa/AFP

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dweird 07.03.2015
1. Nicht in die Tonne?
Interessanterweise sagten die Mitarbeiter am Wertstoffhof in Leipzig mir vor Kurzem noch, dass Kleingeräte (Toaster, Fön, Lockenstab u.ä.) in die graue Tonne sollen...?! Und auch in Berichten über Entsorgungsanlagen hört und sieht man immer wieder, dass die Trennung von Wertstoffen aus dem Hausmüll kein Problem sei. Die Mülltrennung in Deutschland gilt ja als weltweit vorbildlich - nur scheint sie in Wahrheit immer noch ein großes Mysterium zu sein, gespickt mit Halbwahrheiten, Lobbyismus und ökologischem Wunschdenken.
noalk 07.03.2015
2. Wenn ... dann
Wenn sie eigentlich überflüssig gewesen wäre, dann macht's ja auch nix, wenn sie kommt. Die Kosten zahlt eh der Verbraucher.
colopatiron 07.03.2015
3. Das wird der Endverbraucer bezahlen...
... was auch richtig ist! Natürlich wird der Einzelhandel die Kosten an den Käufer "weitergeben" — vielleicht pflegen wir den Kram dann mal besser und beginnen uns zu fragen, ob wir wirklich jedes Jahr ein neues Funktelefon benötigen
telltaleheart 07.03.2015
4. The Barbara Hendricks Experience
Langlebigere, reparaturfähige Geräte, wären, denke ich, im Sinne der Umwelt und der weniger begüterten Verbraucher schon eine feine Sache. Vorausgesetzt, die Reparaturen wären erschwinglich. Dennoch kann man nur hoffen, dass diese Gesetzesinitiative ein wenig reflektierter umgesetzt wird als z.B. seinerzeit dieses Pfandflaschendebakel. Ich weiß gar nicht wie oft ich schon Flaschen wieder mit nachhause schleppen musste, weil der Markt, bei dem ich sie abgeben wollte, sie nicht annehmen wollte. Einmal sogar obwohl ich sie in eben diesem Markt gekauft hatte. Ich hoffe doch nicht, dass ich künftig meine Waschmaschinen und Kühltruhen zum örtlichen Elektro-Dealer und widrigenfalls wieder nachhause schleppen muss, weil er sie aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen nicht annehmen kann. Ansonsten finde ich, dass die Elektroschrottentsorgung derzeit ganz gut funktioniert. Man muss meist ein bissel lange warten bis das Zeug abgeholt wird, aber ansonsten sehe ich da keine Probleme. Hoffentlich wird hier nicht wiedermal etwas verschlimmbessert!
Badischer Revoluzzer 07.03.2015
5. Wir haben eine
graue Tonne, eine grüne Tonne, eine gelbe Tonne eine braune Tonne und extra eine Glasabfuhr. Die gelbe Tonne ist für alle recyclefähigen Materialien. Weshalb kann da der Elektroschrott nicht mit ´rein. Hier wiehert wieder der lebensfremde Amtsschimmel.
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