Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ende der materiellen Wirtschaft: Angriff der Körperfresser

Ein Essay von

Bücher, CDs und Geldnoten sind ebenso große Klimasünder wie Kohlekraftwerke: Sie werden aufwendig produziert und CO2-intensiv um die Welt geschickt. Dabei gibt es digitale Pendants, die genau denselben Zweck erfüllen. Die materielle Wirtschaft muss radikal schrumpfen!

"Körperfresser"-Filmplakat: Konsum frisst Planeten auf Zur Großansicht
ddp images

"Körperfresser"-Filmplakat: Konsum frisst Planeten auf

In dem Horrorroman "Die Körperfresser kommen" vertilgen außerirdische Pflanzenparasiten Menschen und ersetzen sie durch emotionslose Doppelgänger. Die düstere Erzählwelt, die mehrfach verfilmt wurde, lässt mehrere Lesarten zu. Eine ist die Umkehr der Machtverhältnisse zwischen Natur und Mensch: Es sind nicht mehr wir, die den Planeten verschlingen - der Planet frisst jetzt uns.

Der Vorwurf, der in Jack Finneys Geschichte aus dem Jahr 1956 mitschwingt, ist heute aktueller denn je. Unser Massenkonsum überfordert die Erde, verzehrt den Planeten. Das Worldwatch Institute, eine der weltweit renommiertesten Forschungsstellen zum Thema Nachhaltigkeit, hat unseren verschwenderischen Lebensstil kürzlich gar als "Klimakiller Nummer eins" verbrämt.

In seinem "Bericht zur Lage der Welt 2010" schreibt das Institut, dass ein durchschnittlicher Europäer 43 Kilogramm Materialien wie Metalle, Lebensmittel oder Öl verbraucht - täglich. Ein Amerikaner bringe es gar auf 88 Kilogramm. Würden alle Erdenbewohner wie US-Bürger leben - der Planet könnte gerade 1,4 Milliarden Leute ernähren. Der Rest der gut sieben Milliarden Menschen auf der Erde müsste verhungern.

Unser ausufernder Konsum ist zudem Raubbau an der Natur. Der Umweltforscher Friedrich Schmidt-Bleek hat ausgerechnet, dass man mehr als 30 Tonnen Material braucht, um eine Tonne Auto herzustellen, und 30.000 bis 40.000 Liter Wasser für ein Kilo rohe Baumwolle. "Viele Alltagsprodukte haben einen gewaltigen Materialbedarf", moniert er. "Wir machen etwas grundsätzlich falsch, wir müssen den Nutzen, den wir aus der Natur ziehen, mit viel weniger Natur schaffen."

Google, Apple, Microsoft: die neuen Körperfresser

Tatsächlich gibt es eine neue, mächtige Wirtschaftselite, die genau diese Ressourceneffizienz fördert: IT-Konzerne wie Google Chart zeigen, Apple Chart zeigen, Microsoft Chart zeigen. Auch sie sind eine Art Körperfresser, allerdings vertilgen sie nicht uns, sondern unsere Industrieprodukte. Und sie fressen den alten Herrschern der Industriegesellschaft ihre Märkte und Margen weg.

Musik ist ein gutes Beispiel dafür: Im 19. Jahrhundert wurde Schall noch mit überdimensionalen Apparaturen auf Zinnfolien und Wachswalzen festgehalten. Später hörte man Songs auf Schallplatten, auf Zelluloid, vulkanisiertem Hartgummi, auf Schellack und ab 1948 schließlich auf Vinyl. Seit 1963 zogen Künstler wie Tschaikowski, Elvis und die Beatles ressourcensparend auf Kassetten um, Anfang der achtziger Jahre dann auf die CD.

Seit Mitte der neunziger Jahre setzen sich nun die MP3s als virtuelles Musikformat durch. Apples iTunes-Store machte diese Technologie letztlich massenmarktfähig - zum Leidwesen der Musikindustrie. Denn der Verkauf einzelner MP3s lässt ihre Margen schmelzen. Zudem begünstigt die digitale Vervielfältigung Raubkopien.

In anderen Geschäftsbereichen passiert dasselbe: Der Siegeszug der digitalen Fotografie hat die Herstellung und Entwicklung analoger Filme zerstört; EC-Karten und mobile Bezahldienste lassen Bargeld aus dem Alltag verschwinden. Generell gilt: Das Produkt bleibt, nur seine materielle Form verändert sich. Lebensqualität geht dadurch kaum verloren, im Gegenteil: Die virtuelle Ware ist haltbarer, platzsparender, universell verfügbar - und unschlagbar ressourceneffizient.

Fotostrecke

20  Bilder
Fotostrecke: Strategien für eine nachhaltige Konsumgesellschaft
Gewaltige Energieersparnis

Zwar braucht man etwa zum Abspielen von MP3s noch Geräte wie iPod oder Laptop. Zwar verbraucht auch der Kauf eines virtuellen Lieds Material und Energie. Zwar wurden die Server des Online-Musikladens material- und energieintensiv produziert und schlucken Strom, und die Kabel, durch die die Daten flitzen, wurden aufwendig verlegt.

Insgesamt aber ist digitale Musik nachhaltiger. Über die einmal geschaffene Infrastruktur werden Billionen Songs verschickt, der Strom, den Rechenzentren, Online-Router und Endgeräte verbrauchen, wird in den kommenden Jahren immer mehr durch erneuerbare Energien gespeist - und die Produktion von Kunststoff-CDs und Plastikhüllen und deren Transport entfallen ganz.

Forscher der Stanford-Universität untersuchten im Sommer 2009 in einer Studie im Auftrag von Microsoft und Intel die Vorteile des Vertriebs virtueller Musik gegenüber dem Verschicken von CDs. Berechnete CO2- und Energieersparnis: 40 bis 80 Prozent. "Das Bewegen digitaler Daten ist stets weniger energieintensiv und umweltschädlich als das Bewegen von Atomen."

Erhebungen der auf CO2-Berechnungen spezialisierten Agentur ClimatePartner kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Demnach lässt sich der CO2-Ausstoß von Zeitungsanzeigen um gut drei Viertel reduzieren, wenn Ansichtsexemplare nicht mehr wie bisher per Post an die Verlage geschickt werden, sondern über ein gemeinsam genutztes Online-Portal. Und Wahlen, die im Internet abgehalten und bei denen die Zugangsdaten per E-Mail verschickt werden, haben gegenüber der klassischen Briefwahl eine CO2-Ersparnis von bis zu 96 Prozent (siehe Grafiken unten).

Die Energieeffizienz lässt sich sogar noch steigern, indem man die Ressourcen jener Apparate, die materielle Waren überflüssig machen, optimal nutzt. Das gilt gerade für Geräte wie Computer oder Smartphones. "Bei den meisten Metallen einschließlich den heute so nützlich gewordenen Hightech-Metallen wie Indium, Gallium, Neodym oder Yttrium geht sehr viel Energie in die Primärproduktion", sagt Ernst von Weizsäcker, Co-Vorsitzender des International Panel for Sustainable Resource Management. "Dennoch ist laut Professor Thomas Graedel von der Yale Universität die Recyclingrate vom Endprodukt her gesehen niedriger als ein Prozent." Da sei noch viel rauszuholen.

Fotostrecke

3  Bilder
Grafiken: Effekte der Dematerialisierung
Neben der Entmaterialisierung von Produkten gibt es noch weitere Möglichkeiten, CO2 und Energie einzusparen - zum Beispiel im Vertrieb. Das Start-up Myfab etwa umgeht Großhändler, Zwischenlager und Warenhäuser komplett. Der Kunde ordert seine Sofas und Lampen im Internet und bekommt sie direkt nach Hause geschickt. Die Preise sind dadurch deutlich niedriger als die anderer Möbelhäuser, auch die Umwelt profitiert: Es werden stets nur so viele Waren produziert wie vom Kunden nachgefragt, Transportwege werden deutlich verkürzt.

Allerdings kämpfte das Start-up zuerst mit Kinderkrankheiten. Kunden beschwerten sich bei SPIEGEL ONLINE, ihre Waren seien mit mehreren Wochen Verzögerung geliefert worden. Das Unternehmen entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten, wechselte den Logistiker und gibt an, die Probleme seitdem behoben zu haben. Insgesamt zeigt Myfab aber ein Geschäftsmodell der Zukunft: Produkte werden billiger, Vertriebswege nachhaltiger - und viele Stufen der gängigen Wertschöpfungskette überflüssig.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bitte genauer hinsehen
Iggy Rock, 05.04.2010
Zitat von sysopBücher, CDs und Geldnoten sind ebenso große Klimasünder wie Kohlekraftwerke: Sie werden aufwendig produziert und CO2-intensiv um die Welt geschickt. Dabei gibt es digitale Pendants, die genau denselben Zweck erfüllen. Die materielle Wirtschaft muss radikal schrumpfen! http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,686648,00.html
Sinkender Konsum ist der größte Klimafreund. Der Mensch braucht materielle Dinge, sollte sie allerdings auch möglichst Lange nutzen, beides trifft auf sämtliche Geräte für den Digitalkonsum nicht zu, dort ist der Fortschritt noch wesentlich schneller, und Klimaschädlicher, als bei unzähligen anderen materiellen Waren. Welche Gefahren eine steigende Vernetzung nebst zunehmender Datenmenge und Hochgeschwindigkeit im Netz haben wird, kann man sich zudem kaum ausmalen, auch wenn bislang nur einige Serverfarmen in der Energiebilanz in die Medien gerutscht sind.
2. Naja
Hercules Rockefeller, 05.04.2010
Also ich teile nicht die Euphorie des Autors. Speziell im Bereich Möbel ist es doch Quatsch, diese übers Internet zu bestellen. Das mag ja bei Lampen noch gehen, aber ein Sofa muss man wirklich probesitzen, sonst fährt der Möbeltransporter mehrmals und nichts wurde eingespart. Und man soll sich eben nicht täuschen, welchen Energieaufwand die Serverfarmen haben, die nötig würden, wenn die ganze Welt auf Onlineshopping umgestellt wird. Plus die ganzen Retourefahrten, die dann aufkommen würden. Kauft der Kunde direkt vor Ort, lassen sich Transportfahrten auf ein Minimum reduzieren.
3. Einsparungen
FrancoisVillon 05.04.2010
Es sind noch weitere Einsparungen möglich: Statt eines Bildschirms können in Zukunft Computer und das Internet sich per USB-Anschluss mit dem Gehirn eines Menschen verbinden. Man muss nur einen passenden Gehirnwellenadapter entwickeln. Der Mensch liegt dann ergonomisch korrekt im Bett in einer Art Träum-/Schlafzustand und bekommt die Bilder direkt eingespeist. Weitere Vorteile: Man kann Büroarbeitsplätze und deren Ausstattung komplett einsparen und der Mensch braucht außerdem viel weniger Nahrung und benötigt keine Verkehrsmittel. Sex würde virtuell ähnlich wie im Film "Demolition Man" stattfinden. Die Ansteckungsgefahr beträgt Null und man könnte endlich das Gesundheitssystem wieder bezahlbar machen. Es wäre außerdem eine effektive Verhütung und würde die Bevölkerungsexplosion und damit ihren steigenden Resourcenbedarf eindämmen. Allerdings, wenn die Erde nur 1,4 Milliarden Europäer auszuhalten hätte, bräuchte man wohl sich wohl keine Gedanken um die Umwelt zu machen. Warum sind Menschen nur so Nachwuchsgeil...?
4. jep
lalito 05.04.2010
Zitat von sysopBücher, CDs und Geldnoten sind ebenso große Klimasünder wie Kohlekraftwerke: Sie werden aufwendig produziert und CO2-intensiv um die Welt geschickt. Dabei gibt es digitale Pendants, die genau denselben Zweck erfüllen. Die materielle Wirtschaft muss radikal schrumpfen! http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,686648,00.html
Jeden der Spezies digitalisieren und dann sind alle Probleme vom Tisch. Schöne neue Welt. Und so nachhaltig, bis halt irgendeine Ratte am entscheidenden Kabel zieht . . .
5. Orwell sei mit uns!
hbschierling 05.04.2010
Die Offline-Wirtschaft hat einen Charme, den kein noch so großer CO2-Spareffekt aufwiegen kann: Sie ist demokratisch, anonym, jederzeit infrastrukturunabhängig verfügbar und an der Schnittstelle zm Kunden (wenn man nicht gerade Payback oder sonstige Schnüffelkarten benutzt) konzernneutral. Was passiert denn mit den Daten, die bei der Benutzung der tollen neuen Online-Strukturen entstehen? Bei den gigantischen vernetzten Rechenzentrumskapazitäten ist es ein Klacks, diese Informationen zusammenzuführen und ein Konsumprofil zu erstellen. Diese schöne neue Welt für schnurstracks in Überwachungsstrukturen jenseits der schlimmsten Orwellschen Phantasien. Ohne demokratische Kontrolle, ohne jegliche Legitimation (nicht, dass es dadurch besser würde). Jaja, diese Regeln muss man schaffen. Tut man aber nicht. Bis es zu spät ist. Wie effizient unsere Politik (die weltweite, meine ich jetzt) bei der Schaffung und Durchsetzung von Kontrollstrukturen zum Wohle der Bevölkerung ist, lässt sich an den "neuen strikten Regeln" für Börse und Banken im Lichte der Wirtschaftskrise 2009 beobachten. Wer garantiert senn dafür, dass nicht irgendwann die führenden Konzerne (Google, Apple, Ebay mit Paypal, Facebook etc.) zusammengeschlossen werden zu einem Datenmoloch, der jeden Aspekt unseres Lebens kontrollieren kann? Das Kartellrecht hat da nix dagegen, ein derartiger Zusammenschluss würde keine marktbeherrschende Stellung in einem der beackerten Marktbereiche schaffen oder verstärken. Ich persönlich misstraue Unternehmen, staatlichen Stellen und sonstigen Vereinigungen zutiefst und spreche diesen die Befähigung ab, mit meinen Daten zu meinem Nutzen verantwortungsvoll umzugehen. Aus diesem Grunde ist der Gedanke, vitale Teile der Realwirtschaft in solche Hände zu legen, böse und verantwrotungslos. CO2 hin oder her.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Video-Vorlesung: Saul Griffith über den globalen Klimawandel

Vote
Hand aufs Herz

Was wären Sie bereit zu tun, um den Klimawandel zu bekämpfen?

Fotostrecke
Myfab.com: Möbel zu Dumpingpreisen

Wer wie viel CO2 reduzieren will
EU
Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.
Russland
Russland will sich dem EU-Ziel von 20 Prozent weniger Treibhausgasen bis 2020 anschließen. Basisjahr soll 1990 sein. In einem zweiten Schritt könnte die Einsparung sogar auf 25 Prozent erhöht werden. Russlands CO2-Ausstoß ist infolge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs Anfang der neunziger Jahre ohnehin massiv zurückgegangen.
USA
Die USA planen bis 2020 eine Verminderung um 17 Prozent, allerdings bezogen auf das Basisjahr 2005. Verglichen mit 1990 bedeutet das nach Berechnungen der Bundesregierung nur ein Minus von rund sechs Prozent. Bis 2025 sollten sie dann um 30 Prozent und bis 2030 um 42 Prozent sinken - jeweils bezogen auf 2005. Ob der Senat - dort wird derzeit über ein Klimaschutzgesetz gestritten - diese Ziele unterstützt ist unklar.
Japan
Das Land hat zugesagt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um mindestens 15 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 zu reduzieren. Das soll unter anderem durch den Bau neuer Kernkraftwerke geschehen. Umweltschützer kritisieren, dass sich bezogen auf das Basisjahr 1990 nur eine Reduktion um acht oder neun Prozent ergibt - und Japan bereits sechs Prozent Reduktion nach dem Kyoto-Protokoll zugesagt hat.
Brasilien
Brasilien hat größere freiwillige Emissionssenkungen in Aussicht gestellt. Der CO2-Ausstoß soll im Jahr 2020 zwischen 36,1 und 38,9 Prozent niedriger liegen als die bisher prognostizierten Werte. Damit lägen die Emissionen wieder auf dem Niveau von 1994. Gegenüber dem Niveau des Jahres 2005 würde der Schritt einen Rückgang von rund 20 Prozent bedeuten. Etwa ein Viertel der Zielvorgabe soll dadurch erreicht werden, dass erheblich weniger Regenwald abgeholzt wird.
China
Peking will bisher keine bindenden CO2-Reduktionsziele akzeptieren. Als freiwillige Maßnahme will China aber dafür sorgen, dass der Ausstoß an Treibhausgasen in Zukunft nicht mehr ganz so stark zulegt wie das Wirtschaftswachstum des Landes. Die Treibhausgase, die für jeden Yuan Wirtschaftsleistung ausgestoßen werden, sollen demnach bis zum Jahr 2020 um 40 bis 45 Prozent verringert werden. Vergleichsjahr ist 2005.
Indien
Auch Indien hat mehrfach klargemacht, dass sich das Land formalen Reduktionsverpflichtungen definitiv verweigern will.
Australien
Das Land arbeitet seine Reduktionsverpflichtungen derzeit noch aus. Diskutiert werden Vorschläge der Regierung, bis zum Jahr 2020 den CO2-Ausstoß um fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2000 zu verringern. Wenn andere Staaten sich ebenfalls zu Reduktionen verpflichten, ist ein Minus von 15 Prozent für denselben Zeitraum in Aussicht gestellt.
Fotostrecke
Startup barcoo: Nachhaltigkeit via Handy

Interaktive Grafik
SPIEGEL ONLINE
Klimaschutz-Index 2010: Die zehn größten CO2-Emittenten
CO2-Ausstoß von IT
Klicken Sie auf die Überschriften, um Details angezeigt zu bekommen.
Deutsche Rechenzentren
In Deutschland gab es 2007 es rund 50.000 Rechenzentren. Diese verbrauchen 8,67 Milliarden Kilowattstunden Strom. Laut mehrerer Quellen produziert die Kilowattstunde Strom auf der Grundlage des deutschen Energiemixes 636 Gramm Kohlendioxid. Die jährliche CO2-Emission aller deutschen Rechenzentren beläuft sich damit auf rund 5,6 Millionen Tonnen.

Das Atomkraftwerk Mühleberg liefert 2,7 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr. Um den Strombedarf der deutschen Rechenzentren zu decken, müssten demnach mehr als drei Atomkraftwarke das ganze Jahr im Dauerbetrieb laufen.

Bis 2010 steigt der Verbrauch auf schätzungsweise 13 Milliarden Kilowattstunden und 8,5 Mio Tonnen Kohlendioxid. Um diesen Bedarf zu decken bräuchte es fünf Atomkraftwerke à la AKW Mühleberg.

Die Stromkosten liegen derzeit bei 610 Millionen Euro, bis 2010 steigen sie voraussichtlich auf 910 Millionen. (Prognose: Borderstep Institut)
Rechenzentren weltweit
Den weltweiten Energieverbrauch durch Rechenzentren taxierte eine Studie 2007 auf mehr als 120 Milliarden Kilowattstunden, was Kosten in Höhe von 7,2 Milliarden US-Dollar (5,48 Milliarden Euro) und der Leistung von 44 Atomkraftwerken vom Typ Mühlenbergs entspricht.

In der Datenbank "Strom-Mix international" ist für die Kilowattstunde Strom im globalen Vergleich ein CO2-Ausstoß von 516 Gramm angegeben. Die jährliche CO2-Emission aller Rechenzentren weltweit beliefe sich damit grob geschätzt auf 62 Millionen Tonnen. (Quelle: Sustainable Partner GmbH)

Bis 2010 wird der globale Energiebedarf aller Rechenzentren voraussichtlich um weitere 40 Prozent steigen. (Quelle: Jonathan Koomey/IDC)
Internet weltweit
Die Münchner Beratungsfirma ClimatePartner hat für SPIEGEL ONLINE grob überschlagen, wie viel Kohlendioxid das Internet produziert.

Zugrunde gelegt wird ein Kohlendioxid-Ausstoß von 516 Gramm pro Kilowattstunde. Die Internet-Infrastruktur verbrauchte 2007 schätzungsweise 208 Milliarden Kilowattstunden Strom. Um den zu erzeugen, bräuchte es 77 Mühlenberger Atomkraftwerke.

Hinzu kommt der geschätzte Stromverbrauch aller PC-Arbeitsplätze - was insgesamt eine CO2-Emission von rund 246 Millionen Tonnen ergibt. "Das ist natürlich nur eine ganz grobe Schätzung", sagt Moritz Lehmkuhl von ClimatePartner. "Die Größenordnung kommt aber hin."

Der Schätzung lagen verschiedene Faktoren zugrunde: der Stromverbrauch von PC-Arbeitsplätzen (PCs, Monitore, Drucker) sowie der Stromverbrauch der Internet-Infrastruktur (Server, Schaltstellen, Klimaanlagen). Indirekte Emissionen wie der CO2-Ausstoß bei Herstellung und Transport wurden der Einfachheit halber nicht berücksichtigt.
IT-Branche weltweit
Analysten des Marktforschungsunternehmens Gartner wollen herausgefunden haben, dass die Gesamtemission an CO2-Belastungen durch die globale Informations- und Kommunikationsindustrie etwa genau so groß ist, wie die CO2-Umweltbelastungen durch den globalen Flugverkehr. Die weltweite Informations- und Kommunikationstechnik (ITK) ist demnach für rund zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.

Die zur Ermittlung Ergebnisse herangezogenen Zahlen beinhalten die Nutzung von Festnetz- und Mobiltelefonie, Büro-Telekomanlagen, PCs, Servern und Großrechnern, Local Area Networks (LAN), Kühlanlagen und Druckern. Ebenfalls berücksichtigt wurden die anfallenden CO2-Mengen bei Design, Produktion und Vertrieb von Massen-Kommunikationsmitteln wie Handys und PCs, sowie den Betrieb der entsprechenden Infrastruktur im kommerziellen und behördlichen Einsatz. Nicht eingeschlossen sind Konsumelektronik-Geräte wie Fernseher oder DVD-Spieler.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: