Energetische Sanierung: Wärmer wohnen im Plattenbau

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Jedes Jahr werden in deutschen Häusern Milliarden verheizt. Wärmedämmung kann für Hausbesitzer zu einem guten Geschäft werden - auch dank üppiger Förderung.

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Wärmedämmung an einer Hausfassade: Sanierung lohnt sich oft auch finanziell

Hamburg - Es gibt in der Energiewende wenig, auf das man sich dauerhaft verlassen sollte: Solarzellen galten vor wenigen Jahren noch als lukrative Ökoanlage, jetzt könnte sogar die Förderung bestehender Anlagen gekürzt werden, um den Strompreis zu bremsen. Dann waren Offshore-Windparks die Lösung für Deutschlands Energieproblem. Bis jemand feststellte, dass Leitungen auf hoher See schwer zu verlegen sind.

Eine simple Tatsache überdauert aber alle Moden: Die beste Energie ist die, die man nicht verbraucht. Deswegen möchte die Bundesregierung den sogenannten Primärenergieverbrauch in Deutschland bis 2020 um 20 Prozent unter das Niveau von 2008 senken. Ob das gelingt, entscheidet sich bei den Deutschen zu Hause.

Denn mehr als 30 Prozent der Energie werden in Privathaushalten sprichwörtlich verheizt. Und viel davon hält nicht einmal warm, sondern geht durch undichte Fenster und Türen verloren. Das ist ärgerlich - und teuer: Laut Umweltbundesamt lag die durchschnittliche jährliche Gasrechnung in einem unsanierten Einfamilienhaus 2010 bei mehr als 3000 Euro.

Wer das ändern will, kann aus üppigen Fördertöpfen schöpfen:

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt den Anbau von Dämmplatten oder neuer Türen und Fenster mit Krediten von bis zu 50.000 Euro für Einzelmaßnahmen oder 75.000 Euro für eine Komplettsanierung. Der Zins von einem Prozent pro Jahr ist für zehn Jahre festgelegt. Wer mehr eigenes Kapital einbringen will, kann auch einen Zuschuss von bis zu 25 Prozent der Sanierungskosten beantragen.

Bei besonders ambitionierten Projekten gibt es 18.750 Euro direkt aufs Konto. Zum 1. März wurde das Programm ausgeweitet: Nun kann zum Beispiel auch der Einbau von Heizungen, die erneuerbare Rohstoffe nutzen, gefördert werden. Außerdem bieten Bundesländer und Kommunen Förderprogramme, die mit den KfW-Hilfen verknüpft werden können.

Für Hauseigentümer zahlt sich die Sanierung häufig auch finanziell aus: Nach Berechnungen des Bremer Energie-Instituts sparten Verbraucher, die 2011 mit KfW-Hilfe ihr Haus saniert hatten, im Folgejahr durchschnittlich 690 Euro Heizkosten. Zwar liegt die Einsparung in den ersten Jahren meist unter den Investitionskosten. Eine Untersuchung der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (Dena) von 480 sanierten Einfamilienhäusern ergab aber, dass sich über einen Zeitraum von 25 Jahren auch ehrgeizige Projekte lohnen: Im Schnitt brachten selbst Vorhaben, die den Energieverbrauch auf 70 Prozent des Bedarfs eines vergleichbaren Neubaus senken sollten, ihre Kosten wieder rein.

Um die Kosten des Einbaus von Dämmplatten oder neuen Fenstern niedrig zu halten, sollte man ihn aber mit anderen Reparaturen verbinden: "Wenn etwa ein Gerüst gestellt werden muss, um das Dach zu reparieren, ist der Zusatzaufwand nicht sehr hoch", sagt Stephan Kohler, Geschäftsführer der Dena. Auch Steffen Cordes, Energieexperte beim TÜV Rheinland, empfiehlt, alles in einem Rutsch zu erledigen: "Es nützt ja nichts, wenn man eine moderne Heizung einbaut und die Wärme dann durch undichte Fenster rauszieht."

"Schimmel oder Zugluft - einen Tod muss man sterben"

Aber selbst wenn die sinkende Öl- oder Gasrechnung die Kosten der Investition nicht reinholt, spricht laut Dena-Chef Kohler vieles für eine Sanierung: "Es steigert den Wert des Hauses und seine Vermietbarkeit. Außerdem erhöht sich der Wohnkomfort."

Der letzte Punkt ist unter Experten umstritten. Zwar weht durch die dicken Styroporplatten kein kalter Luftzug, doch kann Feuchtigkeit auch kaum nach außen gelangen. "In gedämmten Häusern muss viel mehr gelüftet werden als in zugigen Altbauten", sagt Cordes. Es gebe zwar Alternativen, aus Sicht des TÜV-Experten ist aber keine perfekt. Belüftungsanlagen seien teuer, und durch Schlitzlüftungen in Fenstern oder unter Türen dringe wieder kalter Wind. "Schimmel oder Zugluft - einen Tod muss man sterben", sagt Cordes.

Stephan Kohler sieht das ganz anders: "Dass Schimmel häufiger in wärmegedämmten Häusern auftritt, ist ein modernes Märchen. Das Gegenteil stimmt." Der Dena-Chef verweist auf eine Studie des Forschungsinstituts AI Bau: Danach tritt Schimmel in Gebäuden mit moderner Dämmung seltener auf als in anderen Wohnhäusern. Und wenn es im gedämmten Haus doch schimmelt, sind laut der Studie oft vermeidbare Bau- und Installationsmängel schuld.

Die zu verhindern, sei ohnehin das Wichtigste. "Lassen Sie einen Bausachverständigen durchs Haus gehen", rät Steffen Cordes. Der unabhängige Experte könne beurteilen, ob die Energiesparmaßnahmen, die der Architekt vorschlägt, zusammen sinnvoll seien. Stephan Kohler sieht das genauso: "Das sichert die Qualität und ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen energetischen Sanierung."

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1. na ja
andy69 06.03.2013
Zitat von sysopDPAJedes Jahr werden in deutschen Häusern Milliarden verheizt. Wärmedämmung kann für Hausbesitzer zu einem guten Geschäft werden - auch dank üppiger Förderung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/energetische-sanierung-daemmung-lohnt-sich-oft-finanziell-a-885894.html
Soo üppig ist die Förderung meist auch nicht, da es im Zuge der Sanierung meist zu ungeplanten Zusatzinvestitionen kommt (Motto: "wenn wir schon mal dabei sind...") und darum die Kosten für ein Durchschnittshaus ganz schnell in Richtung Sechsstellig gehen (35.000.- Fassade, 25.000 Fenster/Rolläden und Türen, 20.000.- Heizung und dann noch der ganze Kram drumherum wie z.B. Kältebrücken wegschlagen usw. Dach noch gar nicht eingerechnet...) Wer die volle Förderung will, muss extrem viel machen und das rechnet sich je nach Haus nicht immer - vor allem, wenn vor einigen Jahren bereits z.B das Dach gemacht wurde, aber für die Förderung schon wieder für viel Geld nachgebessert werden müsste. Ich habe mein Haus 2010 sanieren lassen und brauche wohl ca. 30-40 Jahre, um das Geld wieder rein zu holen. Ist also eher eine Gewissensfrage als schnöde Rechnerei. Ich bin zwar kein fanatischer Öko-Frosch, freue mich aber schon auch, wenn der Energieverbrauch sinkt oder mir die Sonne im Sommer das Duschwasser heizt- anstatt wie früher das Heizöl. Ich würde es wieder machen.
2. Schwarzbuch Wärmedämmverbundsystem - März 2013
jos777 06.03.2013
Zitat von sysopDPAJedes Jahr werden in deutschen Häusern Milliarden verheizt. Wärmedämmung kann für Hausbesitzer zu einem guten Geschäft werden - auch dank üppiger Förderung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/energetische-sanierung-daemmung-lohnt-sich-oft-finanziell-a-885894.html
Schwarzbuch: Wärmedämmverbundsystem Styroporplatten, welche an die Außenwand geklebt werden, sollen Energie sparen helfen. --- Die Wahrheit: - Styroporplatten halten die Sonnenwärme im Frühling und Herbst von der Hauswand ab, es geht also Energie verloren. - Styroporplatten verursachen Feuchtigkeit (Kondenswasser) zwischen dem Styropor und der Außenwand. Nicht sofort, aber auf Sicht von 10-20 Jahren können viele Hauswände enorme Feuchtigkeitsschäden aufweisen. - die Energieeinsparung durch Styroporplatten wird mit bis zu 30% angegeben. In der Realität kann dies bis zu 5% sein, oft dreht es sich sogar ins Gegenteil, wenn die Wände mit der Zeit Feucht werden und weil die totalgedämmten Häuser die Bewohner dazu animieren, ständig zu lüften. - Alternativen wie integrierte Wohnraumlüftungen sind extrem teuer und haben oft die Nachteile, daß nach 10-20 Jahren sich in den Lüftungsrohren Schmutz, Schimmel, etc. absetzt. In Holland ist man deshalb z.B. bereits wieder dabei, keine Lüftungssysteme mehr zu installieren. In Deutschland ist die "Lüftungsmafia" aber immer noch stark vertreten bzw. hat viel Einfluß auf die Politik und Medien. - Einspar-Lüge: Wärmedämmverbundsysteme rechnen sich oft erst nach 25 bis 40 Jahren, sofern die WDVS überhaupt funktionieren würden. Das erleben häufig die Wohnungsbesitzer gar nicht mehr, sofern diese sich bereits im Rentenalter befinden. Würde man ein optimales WDVS installieren, also mit Hinterwandlüftung, dann wäre es schlichtweg unbezahlbar. - Umweltschädlich: Die WDVS sind hochgradig umweltschädlich, weil dafür Millionen Liter an Öl verbraucht werden (Styroporplatten). Auch die Entsorgung der Platten nach 20-40 Jahren ist umweltschädlich und teuer. Ebenso muß eine Hauswand mit WDVS alle 4-6 Jahre gestrichen werden, weil ansonsten sich Risse im Oberflächenmaterial bilden. Die Wandfarbe selber enthält zudem Schimmelabweisende Stoffe, welche ins Grundwasser gehen ! - Steuergelder: Der ganze Unsinn wird sogar noch mit Steuergeldern finanziert, indem es Förderungen dafür gibt. --- Fazit: Bitte die Fördermilliarden sinnvoll verteilen: - neue Haustüren, neue Fenster fördern - atmungsaktive Dachbodendämmung und Dachdämmung, weil Wärme bekanntlich nach oben steigt und deshalb hier am meisten Energie verloren geht - neue Heizsysteme - Wärmekammern (z.B. Vorhaus vor Haustüre)
3. Zurück zum Plattenbau
sir_stevie 06.03.2013
schöne neue Welt: überall Einheitsfassaden, in denen Vögel nisten, die gut brennen und an denen man nicht mal problemlos eine Lampe oder Markise befestigen kann - ich dachte, wir hätten den Plattenbau endlich hinter uns gebracht. Wer, um Himmels willen, will in einer Polystyrol-Sondermüll Plastiktüte wohnen? Ein grosses, deutsches Wirtschaftsmagazin hat zu diesem Thema in seiner März Ausgabe einen lesenswerten Artikel geschrieben.
4. Andere Dämmarten bevorzugt
saiid 06.03.2013
Bei uns haben wir letztes Jahr eine Einblasdämmung vorgenommen - sofern man ein zweischaliges Mauerwerk hat bzw. einen Dachboden, der noch nicht ausgebaut wurde, kann man damit ähnliche Effekte erzielen - dabei ist das ganze sogar weit günstiger gewesen und ließ sich recht schnell durchführen. hier mal ein paar Infos dazu: http://www.daemmen-und-sanieren.de/daemmung/lose/einblasdaemmung Was meine Vorredner angeht, ist der Vorteil davon natürlich klar: keine Einheitsfassade oder Plattenbau ;)
5. CAPITAL bildet!
gustavsche 06.03.2013
Die aktuelle Ausgabe von CAPITAL enthält einen sehr fundierten Beitrag über Wärmedämmung. Der Beitrag ist eine vernichtende Kritik.
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