Energie Intelligente Stromzähler berechnen Verbrauchern zu viel

Die Stromrechnungen vieler Kunden könnten falsch sein, weil ein Teil der neuen digitalen Zähler viel zu hohe Verbrauchswerte ausweist - in manchen Fällen das Fünffache.

Strommasten in NRW
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Strommasten in NRW


Eigentlich sollen die neuen digitalen Stromzähler beim Sparen helfen. Von den Herstellern werden sie deshalb sogar als "intelligente" Geräte angepriesen. Doch das Gegenteil könnte der Fall sein. Stromkunden, deren Haus oder Wohnung bereits mit einem der neuen Apparate ausgestattet ist, zahlen möglicherweise zu hohe Rechnungsbeträge an ihre Versorger.

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Heft 11/2017
Erdogans Deutschland - Geschichte einer Spaltung

Diesen Verdacht legt eine Studie der Universität Twente in den Niederlanden nahe. Der Wissenschaftler Frank Leferink hatte dort die Genauigkeit von neun handelsüblichen und teilweise auch in Deutschland verbauten Digitalzählern überprüft - mit erstaunlichen Ergebnissen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Mehr als die Hälfte der Stromzähler wiesen Werte aus, die weit über dem tatsächlichen Verbrauch lagen, teilweise um bis zu 582 Prozent. Grund für die hohen Abweichungen sei die zunehmende Anzahl von Stromspargeräten in den Haushalten, so die Studie.

Der Grund: Sie folgten bei der Stromaufnahme nicht mehr der bislang üblichen Wellenbewegung, sondern einem "abrupteren Muster". Darauf seien die beanstandeten Zähler jedoch nur unzureichend vorbereitet und lieferten somit fehlerhafte Werte, so das Ergebnis der Versuchsreihen.

In den Niederlanden haben Verbraucherschützer und Netzbetreiber bereits reagiert. Sie fordern, dass die Geräte flächendeckend überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden. Leferink rät auch deutschen Kunden, ihren Verbrauch zu kontrollieren und sich bei Verdacht mit ihrem Versorger in Verbindung zu setzen.

Bei der Bundesnetzagentur in Bonn ist die Studie bislang nur in Grundzügen bekannt. Man werde sich die Ergebnisse ansehen und gegebenenfalls reagieren, heißt es dort. Hierzulande sind bislang rund sechs Millionen der digitalen Stromzähler verbaut worden. In den nächsten Jahren sollen sie Zug um Zug alle herkömmlichen Zähler ersetzen.

  • Hintergrund: Wie es zum Planungschaos bei den intelligenten Zählern kam, erfahren Sie hier.

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insgesamt 118 Beiträge
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Seite 1
th.diebels 10.03.2017
1. diese sogen. intelligenten
Stromzähler braucht kein Mensch ! Diese Maßnahme dient wohl eher dazu, mit parlamentarischem Segen den Verbrauchern Geld aus der Tasche zu ziehen ! Sowas nennt man "gängeln" !
marcnu, 10.03.2017
2. Die digitalen Stromzähler benötigen selbst auch noch Strom, und zwar 24 Stunden am Tag.
Dieser Stromverbrauch sollte auch mal gemessen werden, denn er muss zusätzlich bezahlt werden.
readme74 10.03.2017
3. Deshalb heissen sie ja auch
Ist halt schlau, dass man den Strom-Kunden auf diese Weise noch viel mehr Geld aus der Tasche ziehen kann als vorher... Mir kommt sowas eh nicht ins Haus. Allein schon aus Datenschutz-Gründen nicht. Wieviel Strom ich wann und zu welcher Tageszeit in meinen vier Wänden verbrauche, geht keinen was an.
thoms1957 10.03.2017
4. Smartmeter halt.
Intelligente Stromzähler machen so für die Stromlieferanten doppelt und dreifach Sinn: Die Netzauslastung lässt sich optimieren, jede Menge Kundendaten lassen sich sekundär nutzen und als besondere Zugabe: es bringt auch noch mehr Geld ein. Das Abkassieren nimmt kein Ende und demnächst kommt auch noch die Maut...
Alkyone 10.03.2017
5. Thema
Klingt nach Dieselintelligenz. War bestimmt keine Absicht!
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