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Fallender Ölpreis: Verbraucher zahlen so wenig für Energie wie Ende 2011

Von (Text) und Christina Elmer (Grafiken) 

Erdölpumpen in North Dakota: Heftiger Preisverfall Zur Großansicht
AFP

Erdölpumpen in North Dakota: Heftiger Preisverfall

Deutschlands Verbraucher profitieren vom Crash am Ölmarkt. Ihre Energiekosten sind im November auf ein Dreijahrestief gesunken, zeigt eine Auswertung der European Climate Foundation, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Hamburg - Der Absturz des Ölpreises hat die Energiekosten für Deutschlands Verbraucher im November massiv sinken lassen. Gegenüber Oktober verbilligten sich die durchschnittlichen Preise für Energie um 1,1 Prozent, heißt es im aktuellen Energiepreis-Monitor der European Climate Foundation, der am Montagmittag veröffentlicht werden soll und der SPIEGEL ONLINE vorab vorliegt. Demnach mussten die deutschen Konsumenten so wenig für Energie zahlen wie zuletzt im Dezember 2011.

Der Rückgang der Ölpreise hat in den vergangenen Wochen atemberaubendes Tempo erreicht. Im November lag der durchschnittliche Preis, der an den Weltbörsen für ein Fass (159 Liter) Rohöl gezahlt werden muss, bei nur noch 77 Dollar. Noch im Juni mussten für ein Fass Rohöl knapp 110 Dollar gezahlt werden. Der Trend könnte sich in den kommenden Monaten fortsetzen: Mitte Dezember kostete die US-Sorte WTI zeitweise weniger als 60 Dollar.

Als Hauptgrund für den Preisverfall gilt die starke Eintrübung der Weltkonjunktur in den Sommermonaten. Hinzu kommt ein Überangebot am Ölmarkt, da es den Ölförderländern nicht gelang, sich auf eine Verringerung der Förderung zu einigen.

Mittlerweile hat die Verbilligung von Energie solche Ausmaße erreicht, dass dies die Konjunktur zu stützen beginnt. Nach Schätzungen des Münchner Ifo-Instituts wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland 2015 um einen Viertel Prozentpunkt höher ausfallen, als es ohne den Rückgang der Ölpreise der Fall gewesen wäre.

Der Ölpreis-Crash kommt allerdings nur zum Teil bei Deutschlands Verbrauchern an. Denn auch der Euro-Wechselkurs ist im Vergleich zum Dollar gefallen. Einfuhren von Energierohstoffen werden aber meist in Dollar abgerechnet. Entsprechend wurde der Preisverfall am Ölmarkt in der Eurozone etwas abgeschwächt.

Die Benzinpreise fielen im November um 3,3 Prozent gegenüber Oktober - was im historischen Maßstab ein selten starker Rückgang ist. Die Preise für Kraftstoffe insgesamt fielen um 2,8 Prozent.

Die Preise für Heizöl sind zum Vormonat um 1,6 Prozent gefallen und liegen inzwischen fast 10 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Sie sind im November deutlich schwächer gefallen, als die Rohölpreise. Das lässt sich durch einen Anstieg des Deckungsbeitrags erklären, den die Mineralölwirtschaft für einen Liter Heizöl berechnet, und in dem neben diversen Kosten für Transport und Lagerhaltung auch die Gewinnmargen enthalten sind. Dieser Deckungsbeitrag erhöhte sich um 1,3 Cent und war mit 4,2 Cent so hoch wie zuletzt im November 2010.

Etwas gefallen sind im November auch die Preise, die Deutschlands Verbraucher für Gas sowie Zentralheizung und Fernwärme bezahlen mussten - sie sanken um jeweils 0,2 Prozent.

Unverändert blieben die Preise für Strom. Da diese, wie die Preise für Gas und Fernwärme, meist in längerfristigen Verträgen festgelegt sind, machen sich kurzfristige Entwicklungen der Großhandelspreise dort nur langsam bemerkbar.

Der erneute Rückgang der Energiepreise macht sich auch bei den Verbraucherpreisen bemerkbar. Die Jahresinflation wäre im November um 0,3 Prozentpunkte höher ausgefallen, wären die Energiepreise gegenüber im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Einschließlich des Energiepreisrückgangs lag die Inflationsrate im November bei nur 0,6 Prozent. Die Europäische Zentralbank strebt eine Rate von rund zwei Prozent an.

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insgesamt 112 Beiträge
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1. Die Überschrift ist polemisch
klacksklacks 14.12.2014
Verbraucher zahlen viel, nicht wenig für Energie. So viel wie 2011. Wenig für Energie habe ich Anfang der Neunziger gezahlt, als ich in den Niederlanden an der Küste den Liter LPG für 17 Gulden-Cent, entsprechen 0,08 EUR bezahlt habe.
2.
marthaimschnee 14.12.2014
"Mittlerweile hat die Verbilligung von Energie solche Ausmaße erreicht, dass dies die Konjunktur zu stützen beginnt. " ist doch schön und wunderbar, daß sich immer irgendwie ein Grund findet, um sich von heute nach morgen zu mogeln, und bloß nicht dieses Pfuschsystem endlich mal anfassen zu müssen, um es auf Nachhaltigkeit umzubauen. Weiter so! Es reicht nicht, daß der Motor qualmt, Öl verliert und kaum noch Leistung bringt, er muß uns scheinbar wirklich irreparabel um die Ohren fliegen, bis was passiert.
3. Gehirnwäsche...
rolandjulius 14.12.2014
und der Ölpreis sank um 60%
4. Wenn das Volk etwas
Badischer Revoluzzer 14.12.2014
spart, wird das sicherlich sofort eine Raktion der Regierung hervorrufen und irgendeine Steuer wird erhöht werden, oder man erfindet schnell eine neue, um sofort abschöpfen zu können.
5. Peak of Oil
günter1934 14.12.2014
Dass das Öl billiger wird, ist weiter nicht verwunderlich. Denn, der Peak of Oil verschiebt sich immer weiter in die Zukunft! Die erkundeten Vorräte weltweit waren noch nie so hoch. http://www.faz.net/aktuell/politik/peak-oil-these-durch-einsatz-neuer-technologien-ueberholt-13316138.html
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