Berlin - Das Versprechen ist ambitioniert: Ab 1. Januar sind Hausbesitzer und Vermieter dazu verpflichtet, in Neubauten und bei grundlegenden Renovierungen intelligente Stromzähler einzubauen. Durch die Technik soll es bald flexible Abrechnungssysteme geben: Stromtarife, die je nach Angebot und Nachfrage stundenaktuell schwanken und Verbrauchern zum Energiesparen animieren. Bis Ende 2010 sollen die Konzerne solche Tarife anbieten.
Die Realität sieht weniger gut aus: Bislang haben Deutschlands Verbraucher kaum Interesse an schlauen Stromzählern. Das hat eine Forsa-Umfrage ergeben, die das Meinungsforschungsinstitut im Auftrag des Bundesverbands der Verbraucherzentralen durchgeführt hat - und aus der Energie-Fachbereichsleiter Holger Krawinkel am Montag in Berlin erste Ergebnisse vorgestellt hat.
Nur 18 Prozent der Befragten wären demnach bereit, für ein Gerät Geld zu bezahlen, mit dem sie den eigenen Energieverbrauch messen und steuern können. 20 Prozent wollen einen solchen Smart Meter überhaupt nicht. 74 Prozent würden sich immerhin einen - wohlgemerkt kostenlosen - Basiszähler in die eigene Wohnung oder ins Haus einbauen lassen, mit dem sich zwar der Verbrauch zeitnah auslesen lässt, der aber keine Signale an Haushaltsgeräte wie den Kühlschrank oder die Waschmaschine senden kann.
Das aber wäre genau das Ziel: Das Stromnetz der Zukunft soll nach Willen der Regierung zu einer Plattform werden, auf der jeder mit jedem kommuniziert. Die Waschmaschine mit dem Wäschetrockner, der Energiezähler mit der Solaranlage auf dem Dach, der Offshore-Windpark in der Nordsee mit dem lokalen Energieversorger. Profitieren sollen davon alle: die Umwelt, da durch die präzisere Abstimmung der Versorgungsnetze ein höherer Anteil an erneuerbaren Energien verkraftbar wird; die Strom- und IT-Konzerne, da neue, lukrative Geschäftsfelder entstehen; und der Verbraucher, der durch effizientere Ressourcennutzung Kosten spart.
Bislang aber verstehen die meisten Menschen diese Vision nicht. "Viele können sich gar nicht vorstellen, wie das Stromnetz der Zukunft funktionieren soll", sagt Krawinkel SPIEGEL ONLINE. "Das Smart Grid ist von ihrer Lebenswirklichkeit sehr weit entfernt." Die Unternehmen müssten erst attraktive Angebote entwickeln, die Verbrauchern die Vorzüge schlauer Zähler verständlich machen.
Die Bundesnetzagentur müsse zudem rasch die Voraussetzungen für flexible Stromtarife schaffen. Denn bislang seien diese technisch noch gar nicht realisierbar. "Und ich bin skeptisch, dass die Regierung ihr Versprechen noch einfalten kann - und bis Ende 2010 die Voraussetzungen für flexible Tarife schafft."
ssu
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