Tipps zum Energiesparen Wie Sie das Klima schützen - und dabei Geld sparen

Die deutsche Politik agiert zögerlich beim Kampf gegen die Erderwärmung. Nehmen wir die Sache also selbst in die Hand. Hier lesen Sie, wie Sie das Klima schützen und den Geldbeutel schonen.

DPA


Vor 22 Jahren, beim ersten Klimagipfel überhaupt, war Angela Merkel als deutsche Umweltministerin die Gastgeberin. Das war 1995 in Berlin. Und auch ich hatte einen kleinen Part auf diesem Gipfel: Ich habe für Umweltverbände die Pressearbeit koordiniert und versucht, die damalige Ministerin ein bisschen unter Druck zu setzen, mehr fürs Klima zu tun.

Die Arbeit mit Umweltaktivisten aus aller Welt hat riesigen Spaß gemacht. Der Blick auf die deutsche Politik dagegen war schon damals ernüchternd: Der Bundesregierung ging es beim überhaupt ersten Weltklimagipfel vor allem darum, das Sekretariat der Uno-Klimakonferenz nach Bonn zu holen und damit in der Ex-Hauptstadt neue Arbeitsplätze zu schaffen beziehungsweise alte zu sichern. Und tatsächlich findet deshalb der aktuelle Gipfel gerade wieder in Bonn statt.

Schon damals haben viele Bürger und Umweltaktivisten den Klimaschutz selbst in die Hand genommen: Sie diskutierten mit ihrem Klempner über die solare Warmwassererzeugung auf dem Dach, die die Heizung unterstützen sollte. Die vielen Diskussionen im Vorfeld des ersten Gipfels inspirierten das Abgeordnetenhaus im gastgebenden Berlin zu dem Beschluss, für jedes neue Berliner Dach eine Solaranlage zu verlangen. Heute gibt es zwar viele solcher Dächer, doch der Anstoß des Abgeordnetenhauses blieb - wie sich zeigen sollte - auf Seiten der Verwaltung komplett folgenlos.

Das Merkwürdige ist: So ähnlich ist die Situation heute wieder. In Bonn treffen sich 25.000 Menschen zum Klimagipfel, die deutsche Regierung ist abgewählt - und auch sonst praktisch nicht existent. Sie hat auf dieser Konferenz keine für die Bürger wahrnehmbaren Ziele. Schon gar nicht ist sie der klimapolitische Antreiber, als der sie sich gerne inszeniert. Man hat sich der Trägheit eines Großteils der Staatengemeinschaft angepasst.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Bei den Verhandlungen über eine künftige Jamaika-Regierung haben die Grünen es für vernünftig gehalten, während der Uno-Konferenz ihre ambitionierten Klimaziele abzuräumen.

Den Unionsparteien und der FDP ist Klimaschutz sogar ein Ärgernis. Vorgaben für Elektroautos überlässt man lieber der chinesischen Regierung. In China werden ohnehin schon heute viermal so viele Autos gebaut wie hierzulande.

Wenn also die Politik schon wieder unwillig ist, den Klimaschutz entscheidend voranzubringen, dann müssen wir selbst etwas tun. Und das tut nicht einmal weh, denn Klimaschutz lohnt sich auch finanziell. Für jeden von uns. Und man muss dafür auch kein Tüftler oder Ingenieur mehr sein.

Hier also meine Anleitung für jedermanns persönlichen Klimagipfel:

So können Sie wunderbar Fortschritt für Klima und Portemonnaie verbinden. Und treffen dabei vielleicht auf unerwartete Verbündete. Der größte Hersteller von E-Autos hierzulande ist ausgerechnet die Deutsche Post, die gerade mit selbst gebauten E-Autos ihren Fuhrpark umrüstet.

Als Nächstes kommen vielleicht die deutschen Landwirte. Die haben die meisten Solaranlagen auf ihren Stalldächern. Und so viel Solarstrom, dass sich eine kleine, feine dezentrale Stromtankstellen lohnen könnte.

Solange die Regierung nicht so richtig vorankommt, helfen wir uns also selber. Und vielleicht kann man damit auch die Politik ein wenig anstupsen. Wir Bürger jedenfalls sparen solange schon mal richtig viel Geld.

insgesamt 77 Beiträge
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sotraluz 11.11.2017
1. Eine solare Wärmeanlage ...
... rechnet sich meist für den Klempner, für den Verbraucher nur in besonderen Fällen. Eine vierköpfige Familie im Einfamilienhaus jedenfalls kommt, unter Berücksichtigung sämtlicher Faktoren, wie Sonnenstunden, Kessellaufzeiten, Entnahmeschwerpunkte, usw., mit elektronischen Durchlauferhitzern deutlich günstiger weg. Sowohl bezüglich Verbrauchs-, als auch Installationskosten und Erhaltungsaufwand.
soulbrother 11.11.2017
2.
Bei der "Wärmeanlage" (Solarthermie) gibt es im Winter zu wenig und im Sommer zu viel Wärme, die einfach ungenutzt verpufft. Bei PV (Photovoltaik) kann jede erzeugte kwh genutzt oder eingespeist werden, dies ist also der effizienteste Weg, wenn man etwas für Klima und Geldbeutel tun möchte und ein geeignetes Dach hat. Wer Geld vernichten will kauft sich einen Speicher dazu, denn das ist weder ökologisch noch okonomisch.
justin_klein1998 11.11.2017
3. Man übersieht dabei immer die Hälfte...
Der von den Menschen verursachte Klimawandel hat 2 große Seiten, bei denen die eine eigentlich immer außer acht gelassen wird. Tipps zum Energiesparen und weniger Wasser verbrauchen und co. sind jedem mehr als geläufig und zwingen den „Normalbürger“ zu kleinen aber wichtigen Schritten, wie die oben erwähnten, um was gegen den Klimawandel zu tuen. Das Problem dabei ist, dass diese Maßnahmen für die „Normalbürger“ eine unmittelbare Rechtfertigung dafür schaffen, sich nicht weiter Gedanken in Richtung Klimaschutz zu machen, weil man ja schon Energie spart und „was tut“. Die zweite Hälfte des Klimaproblems, welche leider von vielen Medien viel zu selten und unspektakulär angesprochen wird, ist unsere Viehwirtschaft, welche 52% aller Treibhausgasemmissionen ausmacht weltweit. Der übermäßige Konsum von Fleisch in unserer Westlichen Welt, die Gier nach mehr, die wachsende Nachfrage durch das weltweite Bevölkerungswachstum, dem damit verbundenen Ressourcenbedarf sowie Fläche und Wasserverbrauch die dafür notwendig sind überhaupt erst Nahrung für unsere Nahrung zu produzieren, ruinieren unser Weltklima sowie seine Natur enorm. Das bedeutet nicht zwingend, dass wir alle Vegetarier werden sollten, dennoch kann eine weltweite Verhaltensänderung unserer Ernährung in Richtung FleischREDUKTION wahrscheinlich mehr ausmachen, als wenn wir nur die eine Seite des Problems bekämpfen. Also: Essen Sie WENIGER (nicht kein) Fleisch und Viehprodukte und Sie tuen mehr für das Klima, als nur den Stecker vom Aufladekabel zu ziehen und zu sagen: „ich spare Energie, das passt Scho“!
Byrne 11.11.2017
4. Gezahlt wird alles von den Endverbrauchern
Die Energiewende wird durch das EEG gefördert und finanziert von allen, die nicht davon pro profitieren, weil sie aus was für Gründen auch immer (z.B. kein Dach, kein Geld) nicht von den EEG-Geldern profitieren können. Stromanbieterwechsel bringt evt. was fürs eigene Portemonnaie und lenkt Gewinne weg von Tasche A in Tasche B, bringt aber für die Energiewende nichts. Es gibt keinen einzigen Grünstromanbieter, der EE-Erzeugungsanlagen in einem nennenswerten Umfang betreibt, dass sind alles Alibi-Projekte und so winzig kleine, dass diese für die Stromerzeugung keine Rolle spielen. Solarthermie ist die einzige Maßnahme im stationären Bereich, die hilft CO2 zu sparen, aber die rechnet sich nicht für den Betreiber der Anlage, sondern nur für den Installateur und die Umwelt. Nur bei der Fortbewegung kann man auch bei fehlendem Eigenkapital was machen, aber dicke SUVs werden von dieser Klientel sowieso eher selten gefahren.
littleworry 11.11.2017
5. Diese Denke ist leider Teil des Problems!
Zitat von sotraluz... rechnet sich meist für den Klempner, für den Verbraucher nur in besonderen Fällen. Eine vierköpfige Familie im Einfamilienhaus jedenfalls kommt, unter Berücksichtigung sämtlicher Faktoren, wie Sonnenstunden, Kessellaufzeiten, Entnahmeschwerpunkte, usw., mit elektronischen Durchlauferhitzern deutlich günstiger weg. Sowohl bezüglich Verbrauchs-, als auch Installationskosten und Erhaltungsaufwand.
Warum soll/ muss sich eine Investition in eine energiesprende Anlage eigentlich rechnen? Ist das ein Naturgesetz? Nein, ist es nicht! Wer es ernst meint mit dem Bemühen, fossile Energie einzusparen, setzt sich eine solche Anlage auf's Dach, egal ob's sich rechnet oder nicht. Denn beim Autokauf z. B. kommt niemand auf die Idee, dass sich 'ein Auto rechnen' muss. Ein gutes, funktionales Auto kann man für z. B. 15.000 € kaufen, aber die Leute geben massenhaft 30, 40, 50.000 und mehr für ein Auto aus. Was bitte, rechnet sich denn da?!?
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