Preisgünstige Stromspeicher Warum sich Solaranlagen in Privathaushalten demnächst rechnen könnten

Die Solaranlage auf dem Dach könnte viel Geld sparen - wenn man den Strom nur günstig speichern könnte. Sonnenfreunde können hoffen: In wenigen Monaten könnten endlich preiswerte Akkus auf den Markt kommen.

Mit Solarzellen ausgerüstetes Einfamilienhaus
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Mit Solarzellen ausgerüstetes Einfamilienhaus

Eine Kolumne von


Anfang 2017 haben in Deutschlands Garagen mehr Akkus Solarstrom gespeichert als Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs waren. Rund 52.000 Solar-Akkus waren in deutschen Privathaushalten und Firmen einer Statistik des Bundesverbands Solarwirtschaft zufolge installiert. Lediglich rund 34.000 Elektroautos kurvten von Ladestation zu Ladestation. Nur wenn man wie die Lobbyisten der Elektromobilität die Plug-In-Hybride dazurechnet, können die Autos mühevoll gleichziehen.

Haben die Hausbesitzer hierzulande den in tonnenschwere SUVs verliebten Autokonzernen tatsächlich innovationstechnisch den Rang abgelaufen? Es sieht zumindest so aus. Im Land der Tüftler und Ingenieure sind praktische Lösungen gefragt. Und ein eigenes Akku-Kraftwerk in der Garage ist immer noch praktischer als ein Elektroauto auf der Suche nach einer Ladestation zwischen Eberswalde und Stralsund. In Stralsund gibt es immerhin zwei Elektrotankstellen.

Solarstrom zu erzeugen, kostet mit einer modernen Anlage heute 10 bis 13 Cent pro Kilowattstunde. 12,3 Cent pro Kilowattstunde bekommen Privatleute mit haushaltsüblichen Anlagen heute vom Netzbetreiber für die Einspeisung ihres Stroms ins öffentliche Stromnetz. Gleichzeitig kostet es knapp 30 Cent, eine Kilowattstunde beim Stromkonzern zu kaufen.

Man muss nicht Mathematik studiert haben, um zu verstehen: Jede Kilowattstunde selbst erzeugter Strom, die ich auch selbst verbrauchen kann, statt sie beim Stromkonzern zu kaufen, spart bares Geld.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Wille und Mathematik allein reichen aber nicht. Denn der Strom, den ich am vergangenen sonnigen Palmsonntag massenweise erzeugen konnte, lässt sich für Privathaushalte so ja nicht speichern. Nötig sind eigene Speichermodule, die den Solarstrom für seine Nutzung im Laufe der Woche festhalten. Mit solchen Akkus kann ein pfiffiger Haushalt den Anteil selbst genutzten Stroms bei der Solaranlage auf bis zu zwei Drittel schrauben. Tatsächlich gibt es die Module seit einigen Jahren. Aber sie sind in kleiner Ausführung für den Hausgebrauch noch so elendig teuer, dass die Freude des Solarfreunds über den billig auf dem eigenen Dach erzeugten Strom in Ärger über den Preis der Batteriespeicher umschlägt.

Die Ankündigungen des Tesla-Chefs Elon Musk, in seiner im Bau befindlichen riesigen Akkufabrik in Nevada 2018 preiswerte und für Privathaushalte passende kleine Batteriespeicher für den Solarfreund zu erzeugen, haben zwar für öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt, sind aber noch Zukunftsmusik. Und auch die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten und die einige Tausend Euro Förderung der staatlichen KfW-Bankengruppe, die es seit 2013 gibt, lassen allein die Zahlen der Solarfreunde noch nicht schwarz werden.

Doch jetzt hat der in Fachkreisen anerkannte sächsische Hersteller Solarwatt angekündigt, im Sommer 2017 kostengünstige Lithium-Ionen-Akkus auf den Markt zu bringen. Diese Akkus passen auch zu kleinsten Solaranlagen. Der Strom ließe sich dann so preiswert speichern, dass der Gesamtpreis für die Kilowattstunde (Erzeugung und Speicherung) unter 30 Cent bleibt, also konkurrenzfähig ist. Das ist in gleich mehrfacher Hinsicht hervorragende Kunde für Verbraucher.

Mit Solarwatt entwickelter E.on-Stromspeicher
OBS/ E.on

Mit Solarwatt entwickelter E.on-Stromspeicher

  • 1) Diejenigen, die jetzt über die Investition in eine Solaranlage auf dem Dach nachdenken (Zinsen gibt es ja ohnehin keine), können auf künftige Ersparnisse durch billigen eigenen Strom hoffen.
  • 2) Diejenigen können Hoffnung schöpfen, die sich gefragt haben, ob es denn keine bessere Verwendung für ihren Strom gibt, als ihn an einem sonnigen Sonntag billig ins Netz einzuspeisen und am grauen Montag dann teuer vom Stromkonzern zurückzukaufen. Förderung gibt es auch für Anlagen, die schon vor Jahren installiert worden sind. Den Rest des Stroms können sie mit Vergleichsrechnern zu einem günstigen Preis finden und sogar auch ökologisch kaufen.
  • 3) Selbst verbrauchter Strom belastet den Strompreis der übrigen Verbraucher nicht unmittelbar. Denn für jede ins öffentliche Netz eingespeiste, privat erzeugte Kilowattstunde gibt es eine Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (kurz EEG-Umlage), die jeder normale Haushalt über seine Stromrechnung mitbezahlen muss.
  • 4) Auch diejenigen können sich freuen, die überlegen, ob sie mit vielen kleinen dezentralen Stromerzeugern nicht einen Teil der großen Überlandleitungen überflüssig machen könnten. Zumindest gibt es die berechtigte Hoffnung, dass sich Überlandleitungen auf die Versorgung von Industriegiganten beschränken und auch von diesen finanzieren lassen könnten.

Die größte Lobbyisten-Gruppe für den Solar-Akku in der Garage wird sich übrigens erst noch bilden. Vom Jahr 2020 an laufen die Einspeisevergütungsverträge für die erste Generation Solaranlagen aus. Alle, die ein solches Gerät auf dem Dach und lange abbezahlt haben, werden sich überlegen, wie sie künftig mehr von ihrem eigenen günstigen Strom nutzen können: mit dem Batteriespeicher in der Garage.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 206 Beiträge
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SIBBESIBBE 15.04.2017
1. Ohne Subventionen?
Wieder so ein Bericht aus den Wahrheitsministerium , das von Winston Smith geleitet wurde: Unwissenheit ist Stärke. Und der Strom wird im Jahre 2020 knapp 40 cent kosten. Die Deutschen können es sich leisten, die Industrie zieht um i Trumps Mittleren Osten. Griechenland lässt grüssen...
alex300 15.04.2017
2. Mathe-Aufgabe
Meine Jahresrechnung für Strom beläuft auf €700 Sagen wir, die Solar Anlage spart mir €100 davon. Pro Jahr. Jetzt die Preisfrage. Wie viele Leben muss ich leben, damit die Anlage sich rentiere? Die Insellösung wäre gut für eine Hütte im Walde. Für ein Einfamilienhaus ist das dagegen Mumpitz.
Gesperrter 15.04.2017
3. Warten wir es ab
Zur Zeit verbrennt man mit einem Akkuspeicher etwa die Hälfte der Investition. Wenn die Preise wirklich sinken, wird es interessant. VW konnte beim E-Golf die Kapazität um 50% steigern ohne großen Aufpreis. Daran erkennt man die derzeitigen Mondpreise für Hausspeicher.
ueberfuehrt 15.04.2017
4. Endlich verständlich....
Vielen Dank Herr Tenhagen, als Bestätigung für das, was ich seit Jahren prognostiziert haben. Wenn man dann die Info, das die Preise für Solarpanels sich noch einmal HALBIEREN werden, dazu nimmt (siehe hier: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/solarenergie-gigantischer-photovoltaik-boom-prognostiziert-a-1143145.html ) dann brauchen wir auch nicht mehr den Bayern zu liebe, Stromtrassen teuer unter die Erde vergraben, weil die in Kürze obsolet sind. Für die Speicherung von kleinen Strommengen, langt übrigens ein Autobatterie-Cluster völlig aus - die gibt es in jemdem Supermarkt ab 60 EUR (plus Pfand)! So kann ich diese Seite endlich mal im Bekanntenkreis rumschicken und sagen: SELBST erzeugter Strom ist billiger als gekaufter Strom!
svizzero 15.04.2017
5. Da ist doch noch was...
Da fehlen doch noch einige Informationen. Die Solaranlagen kosten Geld. Die Akkus kosten Geld. Beide müssen früher oder später ersetzt werden. Das kostet ebenfalls Geld. Das Recycling der Solarpanels und der Akkus kosten Geld. Die Subventionen kosten Geld. Und wenn die Sonne, wie z.B. diesen Januar kaum scheint, dann muss der Strom von woanders her kommen. Auch das kostet Geld. Ich würde es sehr begrüssen, wenn sich die Befürworter der Erneuerbaren dazu durchringen könnten, eine Vollkostenrechnung aufzustellen, in der wirklich, und dabei meine ich wirklich alle Kosten berücksichtigt sind (Gewinnung der Rohstoffe, Produktion, Vertrieb, Installation, Unterhalt, Ersatz, Service, Rückbau, Recycling, Entsorgung, Lebensdauer, usw.). Zudem eine Liste der Vor- und Nachteile mit Fakten und Zahlen, inklusive Informationen über die daraus resultierende Umweltbelastung. Erst dann wird klar, ob die Erneuerbaren tatsächlich das sind, für das was sie uns aktuell verkauft werden.
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