Heidelberg/Mannheim - Die guten Vorsätze der Verbraucher in Sachen Ökostrom haben sich nach dem ersten Schock über die Atomkatastrophe in Japan offenbar gelegt. Direkt nach dem Unglück von Fukushima verzeichneten Ökostromanbieter eine Rekordnachfrage, doch allmählich flaut das Interesse wieder ab. Im April hätten vier von fünf wechselwilligen Stromkunden nach einem Tarif mit erneuerbaren Energien verlangt, teilte das Vergleichsportal Verivox mit. Im Juni sei der Anteil auf 55 Prozent gesunken, was in etwa dem Wert von vor dem Unglück entspricht.
"Wir konnten bereits in der Vergangenheit beobachten, dass Störfälle in Kernkraftwerken zu einem kurzzeitigen Anstieg der Ökostromanfragen führten", sagte Verivox-Experte Peter Reese.
Strompreisvergleiche könnten für Verbraucher in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Denn der Ausstieg aus der Atomenergie wird nach Meinung von Experten nicht ohne deutliche Preissteigerungen zu haben sein. Bei einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 200 Energiemarktexperten gingen 70 Prozent der Teilnehmer davon aus, dass der Preisanstieg deutlich über der allgemeinen Inflationsrate liegen wird. Knapp 30 Prozent der Experten rechnen mit einem Plus auf dem Niveau der allgemeinen Inflationsrate.
Der geplante Atomausstieg ist nach Einschätzung der Energiemarktexperten technisch machbar. Eine Mehrheit hält demnach einen Zeitraum von zehn Jahren für lang genug, um sicherzustellen, dass es nicht zu Beeinträchtigungen der Netzstabilität kommt. 73 Prozent der Experten gehen davon aus, dass bei einer schrittweisen Abschaltung der Atomkraftwerke bis zum Jahr 2022 ein stabiler Netzbetrieb möglich ist. 23 Prozent sind dagegen der Meinung, dass ein Ausstiegszeitraum von 15 Jahren notwendig ist, um die Netzstabilität nicht zu gefährden.
mmq/dapd/Reuters
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