Young-Money-Blog In acht Schritten zum ersten eigenen Aktienfonds

Auch junge Menschen mit wenig Geld können mit Aktien und Fonds ordentliche Renditen erzielen. Das ist gar nicht so schwer, wie viele denken. Eine Anleitung.

SPIEGEL ONLINE

Von und (Grafik)


Schritt 1: Das Grundprinzip

Für junge Anleger, die monatlich einen bestimmten Betrag zur Seite legen wollen, eignen sich sogenannte Aktienfonds-Sparpläne (warum Aktien grundsätzlich eine gute Idee sind, lesen Sie hier).

Die Funktionsweise ist simpel: Bei Aktienfonds-Sparplänen können Sparer monatlich einen bestimmten Betrag in einen Fonds einzahlen (bei den meisten Banken bereits ab 50 Euro). Und wer einmal die Raten nicht bedienen kann, kann die Einzahlungen aussetzen.

Das Gute an Sparplänen ist, dass man nicht sein ganzes Geld auf einmal investiert, sondern Monat für Monat einen bestimmten Betrag zur Seite legt. Das Geld wird automatisch vom Girokonto abgebucht, so dass man das Sparen im Alltag kaum bemerkt.

SPIEGEL ONLINE

Und weil jeden Monat die Kurse schwanken, können Anleger bei niedrigen Kursen mehr Anteile kaufen als bei hohen. Das ist günstiger als regelmäßig die gleiche Anzahl von Anteilen zu kaufen. So profitieren Anleger vom sogenannten Cost-Average-Effekt.

Schritt 2: Aktiv oder passiv?

Dann stellt sich nur noch die Frage: Welchen Fonds nimmt man am besten?

Anleger haben die Wahl zwischen passiv und aktiv verwalteten Aktienfonds. Bei einer Bank bekommt man meistens letztere Variante angeboten. Denn diese Fonds werden aktiv von einem Fondsmanager gemanagt (er entscheidet, also in welche Aktien der Fonds investiert). Und diese Arbeit muss bezahlt werden. Die Folge: Die Fonds verschlingen horrende Gebühren. Bei einem klassischen Fonds, den Banken verkaufen, müssen Anleger oftmals einen Ausgabeaufschlag in Höhe von 5 Prozent plus eine jährliche Verwaltungsgebühr in Höhe von rund 1,5 Prozent zahlen. Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro gehen also im ersten Jahr rund 650 Euro an die Bank. Geld, das man besser für einen Sommerurlaub ausgibt.

Young-Money-Blog
  • Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 26 Jahre alt, seit der Kindheit. Seine erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, der erste eigene Aktienfonds folgte ein paar Jahre später. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog.

Banken rechtfertigen die hohen Gebühren für Anleger immer mit dem Argument, Fondsmanager würden durch ihr Expertenwissen die besten Aktien auswählen und deshalb auf Dauer bessere Renditen abwerfen als der Vergleichsindex.

Doch unzählige Studien haben das Gegenteil bestätigt: Der Wirtschaftsnobelpreisträger Eugene Fama hat etwa bewiesen, dass so gut wie kein amerikanischer Fondsmanager auf Dauer eine bessere Wertentwicklung erzielt als große Börsenbarometer wie der amerikanische Dow Jones. Laut einer Studie scheiterten 98 Prozent der global anlegenden aktiven Aktienfonds in den vergangenen zehn Jahren an ihrem Vergleichsindex - ein miserables Ergebnis.

Deshalb ist es besser auf passiv verwaltete Indexfonds (ETF) zu setzen, die einfach stumpf per Computerprogramm einen Index nachbilden - zum Beispiel den deutschen Leitindex Dax. Steigt beispielsweise der Dax um 10 Prozent, legt auch der Indexfonds um 10 Prozent zu. Verliert der Dax dagegen 10 Prozent, ist der Indexfonds ebenfalls mit 10 Prozent im Minus.

SPIEGEL ONLINE

Da diese Fonds von keinem Fondsmanager gesteuert werden, sondern von einem Computer betreut werden, sind sie viel günstiger für Anleger - meist kosten sie zwischen 0,1 bis 0,5 Prozent Verwaltungsgebühr im Jahr. Anleger können also mit einem ETF im Vergleich zu einem teuren aktiven Fonds über die Jahre einige tausend Euro Verwaltungskosten sparen - und nach Kosten eine bessere Rendite erzielen als mit den teuren Fondsprodukten der Banken.

Sogenannte physische ETFs sind übrigens genauso sicher wie Aktiv-Fonds, weil sie vollständig den Aktienkorb kaufen, der den Referenzindex ausmacht. Das Geld der Anleger ist als sogenanntes Sondervermögen speziell geschützt, selbst im Falle einer Pleite des Anbieters ist der Einsatz nicht verloren. Synthetische ETFs hingegen kopieren den Index mit sogenannten Swaps, sie lassen sich also von einer Partnerbank die Wertentwicklung des jeweiligen Index zusichern. Ein Ausfallrisiko entsteht, wenn die Partnerbank Insolvenz anmelden muss, aber selbst dann ist laut Verbraucherschützern das Risiko eher theoretischer Natur.

Schritt 3: Online-Depot-Anbieter auswählen

Um einen ETF-Sparplan einzurichten, braucht man als erstes ein Online-Depot bei einer Direktbank, denn die bieten Sparpläne kostenlos an. Die Online-Depot-Anbieter berechnen also nichts für den Kauf und die Verwahrung der ETFs. Auch verlangen die Banken keine Gebühren für das Online-Depot.

Derzeit gute Anbieter hierfür sind: Flatex, Comdirect (Commerzbank-Tochter), Consorsbank (BNP-Paribas-Tochter) und Maxblue (Deutsche-Bank-Tochter).

Schritt 4: Online-Depot eröffnen

Hat man sich für einen der Anbieter entschieden, muss man nur die Website ansteuern und dort ein Online-Depot eröffnen. Zur Kontoeröffnung gibt man seine persönlichen Daten und ein Referenzkonto an, von dem das monatliche Geld für den Sparplan eingezogen werden soll - in den meisten Fällen bietet sich hier das schon bestehende Girokonto an.

Im Anschluss daran druckt man den ausgefüllten Antrag aus und schickt ihn an die angegebene Adresse der Bank. Nachdem man seine Identität bestätigt hat, schickt die Bank die Zugangsdaten, mit denen man sich einloggen kann.

Schritt 5: Sparplan einrichten

Dann auf den Button "Sparplan anlegen/einrichten" klicken, und los geht's. Im nächsten Schritt wählt man aus, wie viel Geld man pro Monat einzahlen will und über wie viele Jahre der Sparplan laufen soll.

Schritt 6: Den passenden Index finden

Als nächstes möchte der Online-Depot-Anbieter wissen, in welchen ETF das Geld monatlich fließen soll. Das ist die entscheidende Frage!

In einer Maske kann dafür eine ISIN- bzw. WKN-Nummer eingegeben werden, also die Identifizierungsnummer des Wertpapiers. Die Auswahl ist dabei groß, die Online-Broker haben meist mehrere tausend ETFs zur Auswahl. Wie sich da entscheiden?

Als guter Einstieg und Basisanlage für einen langen Zeitraum eignet sich der internationale Weltmarktaktienfonds MSCI World, der rund 1600 Unternehmen aus 23 Ländern umfasst und damit fast die gesamte Weltwirtschaft abdeckt. In diesem Fonds stecken Unternehmen von A wie Apple bis Z wie Zalando. So gut wie jedes bekannte Unternehmen ist darin enthalten (hier gibt es eine Liste aller Unternehmen, die im MSCI World gelistet sind).

Das Gute am MSCI World: Der Index ist breit über die gesamte Welt gestreut, geht es einer Firma schlecht, gleicht der Erfolg einer anderen Firma das aus. Der Fonds schwankt deshalb vergleichsweise wenig. Klar ist aber auch: Es ist kein Fonds mit dem man reich wird, weil er eben breit diversifiziert ist. Aber seit 1970 hat der MSCI World eine durchschnittliche Rendite von 7,1 Prozent pro Jahr erzielt - trotz mehrerer heftiger Weltwirtschaftskrisen.

Schritt 7: Den passenden ETF finden

Doch es gibt unzählige Anbieter, die ETFs auf den MSCI World abbilden. Wichtig ist es deshalb, einen ETF auszuwählen, der beim jeweiligen Online-Depot-Anbieter ohne Kauf- und ohne Börsengebühr angeboten wird. Es fallen dann nur jährliche Verwaltungsgebühren von rund 0,2 Prozent an - bei einer monatlichen Einzahlung von 100 Euro, gehen also 20 Cent an den Online-Broker.

Hier eine Übersicht kostenloser MSCI-World-ETFs bei den jeweiligen empfohlenen Online-Depots:

Übersicht kostenloser MSCI-World-ETFs

Online-Broker Name des ETF ISIN
Flatex ComStage MSCI World TRN UCITS ETF LU0392494562
iShares Core MSCI World UCITS ETF IE00B4L5Y983
Consorsbank ComStage MSCI World TRN UCITS ETF LU0392494562
Maxblue ComStage MSCI World TRN UCITS ETF LU0392494562
db x-trackers MSCI WORLD INDEX UCITS ETF 1C LU0274208692
Comdirect ComStage MSCI World TRN UCITS ETF LU0392494562

Quelle: SPIEGEL-ONLINE-Recherche

Übrigens: Diese Fonds sind alle thesaurierend. Das heißt, sie legen die erwirtschafteten Renditen automatisch wieder an. Das Fondskapital wächst also durch die Rendite. Sparer können auch ausschüttende Fonds wählen, da werden die Erträge dann regelmäßig ausgeschüttet. Für junge Anleger, die langfristig Vermögen aufbauen wollen, eignen sich aber vor allem thesaurierende Fonds, damit das Kapital schön anwächst.

Dann noch die jeweilige ISIN-Nummer angeben und fertig! Von da an wird monatlich der gewünschte Betrag vom Konto eingezogen und in den Sparplan gesteckt.

Schritt 8: Warten und nichts tun

Alles geschafft! Jetzt heißt es warten (am besten fünf bis zehn Jahre) und nichts tun. Und falls die Kurse gerade kurz nach Beginn fallen sollten, heißt es: cool bleiben. Denn genau das ist gut. Anleger erhalten die Fondsanteile dann günstig und profitieren von späteren Erholungen umso mehr.

Und falls es zu einem Crash kommt, am besten nicht ins Depot schauen und die Ruhe bewahren - Durchhaltevermögen zahlt sich an der Börse aus.

Mehr zum Thema


insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kamatipura 15.06.2017
1. ja die Experten werden immer jünger...
"Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 26 Jahre alt, seit der Kindheit. Seine erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, der erste eigene Aktienfonds folgte ein paar Jahre später." Oh da ist aber jemand schon richtig lange an der Börse unterwegs. Seit wann haben wir noch mal stetig steigende Kurse, so dass wir jetzt z.B. im Dax und beim Dow auf dem Allzeithoch sind?
phipse 15.06.2017
2. Zwei Anmerkungen
Guter Artikel mit ein paar kleineren Mängeln: 1) Genauso wie es keinen Sinn macht bei Aktien alles auf eine Karte zu setzen, macht dies auch bei der Wahl der Assetklasse keinen Sinn. Die Autoren hätten daher gut daran getan darauf hinzuweisen, dass man seinen Aktiensparplan mit verzinsten Anlagen (traditionell Staatsanleihen, momentan wohl eher Bankeinlagen) ergänzen sollte. So lässt sich das Gesamtportfolio relativ einfach auf die persönliche Risikobereitschaft anpassen. Und Rebalancing innerhalb wie auch zwischen den Assetklassen sollte nach größeren Kursbewegungen oder alle paar Jahre schon auch gemacht werden. 2) Thesaurierende Fonds sind für junge Anleger steuerlich gesehen meist nicht die erste Wahl, da sich so nicht der häufig kaum genutzte Sparerfreibetrag ausnutzen lässt. Mit ausschüttenden ETFs kann ich nach und nach auf einfache Art ohne Umschichtungen zukünftige Steuern sparen indem ich in der Gegenwart Gewinne steuerfrei realisiere. Das einzige Problem dabei ist, dass es gerade am Anfang mit bescheidenen Mitteln gar nicht so einfach ist den Sparerfreibetrag allein mit Ausschüttungen auszureizen. Dennoch würde ich tendenziell eher zu ausschüttenden ETFs raten. Die Wiederanlage der Ausschüttungen lässt sich auch sehr einfach über eine leichte Erhöhung der Sparrate realisieren.
kvikmynd 15.06.2017
3. Haften Journalisten für eine Falschberatung?
Ich finde es gut junge Menschen zum Sparen zu bewegen. Auch die Geldanlage selbst zu steuern finde ich gut. Bei der Reichweite von Spiegel Online und Bento mit Verkaufsargumenten wie dem Cost-Average-Effekt zu verführen, wie es sonst nur Finanzvertriebe tun, lässt am journalistischen Verantwortungsbewusstsein der Redakteure zweifeln. Der Cost-Average-Effekt ist Unsinn und exsitiert nur in der Vorstellung wenig wissenschaftlich Denkender: https://de.wikipedia.org/wiki/Durchschnittskosteneffekt#Kritik Jedoch müssen Finanzvertriebe eine (zugegebenermaßen magere) Ausbildung haben und bei Falschberatung mit Ihrer Vermögenschadenhaftpflichtversicherung haften. Wie ziehe ich als junger Leser eigentlich einen Journalisten für eine Falschberatung zur Verantwortung?
Darwins Affe 15.06.2017
4. Aufpassen
Man sollte vor thesaurierenden Fonds, die nicht in Deutschland (kein DE am Beginn des ISIN) aufgelegt sind, absolut die Finger lassen. Entweder hat man Ärger mit dem Finanzamt wegen nicht-versteuerter Dividende oder man hat Verluste beim Verkauf durch Doppelversteuerung.
paradonym 15.06.2017
5. Der Grundsatz ist aber immer...
... ohne regelmäßiges Nachschauen ist das nichts... Es gibt keine profitable "Geld weg und zurücklehnen" Anlagemöglichkeit wie es damals Festgeld und co darstellte... Bei ETFs würde ich mir die Regel setzen dass ein mal die Woche immer mal kurz gegengeprüft werden muss - bei Aktien eventuell sogar zwei bis drei mal in der Woche...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.