EU-Verbot von Halogenlampen Die Letzte macht das Licht aus

Nach der Glühbirne verbietet die EU-Kommission nun auch die Halogenlampe. Folgt jetzt ein erneuter Aufschrei? Die Erfolgsgeschichte der LED zeigt: alles kein Drama.

Halogenlampe der Energieeffizienzklasse D
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Halogenlampe der Energieeffizienzklasse D

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Regt sich heute noch jemand über das Ende der Glühbirne auf? Eben. Dabei ist es erst sechs Jahre her, dass die EU-Kommission auch die Letzten der kleinen Energieschleudern verboten hat.

Die Reaktionen wirkten, als fürchteten viele das Ende des Abendlandes: Hamsterkäufer zogen durch Bau- und Supermärkte. Bürger und Politiker gelobten Widerstand gegen das Diktat aus Brüssel. "Ich werde alles tun, um das Glühbirnenverbot in der EU doch noch zu kippen", tönte unter anderem der damalige CDU-Europaabgeordnete und heutige NRW-Innenminister Herbert Reul.

Reul und seine Mitstreiter hatten bekanntlich keinen Erfolg. Und nun droht auch der Halogenlampe das ewige Dunkel: Am 1. September tritt die letzte Stufe der EU-Ökodesign-Richtlinie in Kraft. Dann gilt ein Vertriebsverbot für fast alle Halogen-Leuchtmittel. Endlich.

Moderne LED-Leuchtmittel sind nicht nur billiger, da viel sparsamer und haltbarer. Sie sind auch in jeder Hinsicht besser. Und wer seinen Räumen unbedingt Retrocharme verpassen möchte, findet längst sogar LED-Lampen im Look des 19. Jahrhunderts, die glühbirniger aussehen als Glühbirnen.

Es spricht vieles dafür, dass diese rasante technische Entwicklung viel langsamer oder auch nie erfolgt wäre, wenn die EU Industrie und Verbraucher nicht durch das stufenweise verschärfte Verbot unter einen gewissen Druck gesetzt hätte. Denn es stimmt nun einmal nicht, dass die Industrie ganz von allein fortschrittliche Lösungen anbietet. Unternehmen verkaufen, was Profit verspricht - und zwar so lange es irgendwie geht, egal, ob es theoretisch bessere technische Lösungen gäbe. Die deutsche Autoindustrie und der Verbrennungsmotor lassen grüßen.

Verbrauchern wiederum kann man kaum vorwerfen, dass sie wenig Lust auf die LED- und Energiesparlampen vom Anfang dieses Jahrhunderts hatten: Sie waren sündhaft teuer, und das bisschen Licht, das sie abgaben, verbreitete eine Stimmung wie auf dem Flur der örtlichen Klinik. So wäre es wohl auch geblieben, wenn das Verbot die Industrie nicht unter Zugzwang gesetzt hätte.

Die Erfolgsgeschichte der LED-Lampe könnte nun immerhin dazu führen, dass es beim Halogen-Verbot nicht erneut zu einem Aufschrei kommt. Oder zu Hamsterkäufen. Der Blick auf die verstaubenden Glühbirnen-Berge im Keller könnte durchaus abschreckend wirken.



insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
ade 23.08.2018
1. Muß
der Umsatz wieder einmal angekurbelt werden ?
Denker0815 23.08.2018
2. Energieersparnis positiv, gesundheitliche Langzeiteffekte unklar
So sehr ich selbst Energiesparlampen, speziell LED-Leuchtmittel aus den im Artikel aufgeführten Gründen grundsätzlich befürworte, bleiben doch Restzweifel ob der gesundheitlichen Auswirkungen von reiner LED-Beleuchtung auf das menschliche Auge. Zumindest in tierexperimentellen Studien gibt es starke Hinweise auf eine Schädigung der Netzhaut bei Langzeitexposition: A. Krigel, M. Berdugo, E. Picard, R. Levy-Boukris, I. Jaadane, L. Jonet, M. Dernigoghossian, C. Andrieu-Soler, A. Torriglia, F. Behar-Cohen, Light-induced retinal damage using different light sources, protocols and rat strains reveals LED phototoxicity, Neuroscience, Volume 339, 2016, Pages 296-307. Es bleibt epidemiologisch abzuwarten ob die Prävalenz von Netzhauterkrankungen mit zunehmender Verbreitung der LEDs steigt.
muzepuckel 23.08.2018
3. Legende
Die ach so lange Lebensdauer der LEDs kann ich nicht bestätigen. Bei mir sind die bis jetzt alle nach 1-2 Jahren übern Deister gegangen. UNd zwar alle, egal ob teure Markenware, oder billig aus Fernost. Die Hersteller, die eine Garantie anbieten, setzen offensichtlich darauf, daß die Kunden die Rechnung wegschmeissen. Abgesehen davon ist der hohe Anteil von Blau im Licht der LDS wahrscheinlich schlecht für die Augen und sorgt für Einschlafschwierigkeiten. Die guten alten Glühlampen hatten ein wärmeres Licht und im Winter noch die Bude mitgeheizt. Die kurze Lebensdauer war von den Herstellern gewollt. (siehe Phoebuskartell ) In der Feuerwache von Livermore (Kalifornien) brennt eine Glühbirne seit ca 117 Jahren. Bei den Glühbirnen habe ich s verschnarcht, aber bei den Halogenlampen werde ich mir einen Lebensvorrat zulegen.
dasfred 23.08.2018
4. Herrlich unaufgeregt
Kurz und knapp wird das Thema Halogen Leuchtmittel beerdigt. Sie hatten ihre Zeit, die passenden Leuchten haben auch meist längst den Reiz des hippen und modernen verloren. LED haben bei mir schon in den meisten Räumen Einzug gehalten. Für das eine oder andere Design Objekt, welches sich nicht umrüsten lässt, kann man noch ein paar Birnchen zur Seite legen. Mit LED kann man plötzlich auch sehr preiswert tolle Lichtkonzepte umsetzen und auch die restlichen Quecksilber Lampen sicher entsorgen. Anfangs war ich auch skeptisch, aber an kaum etwas habe ich mich schneller gewöhnt.
steevieb 23.08.2018
5. Nein der Umsatz muß nicht angekurbelt werden
Schließlich geht es ja nicht darum bereits in Nutzung oder Besitz befindliches zu verbieten sondern den Neuverkauf der Rest sollte eigentlich mit ein wenig logischem Denkvermögen zu erfassen sein....
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