Geld für Verbraucher EU will Banken zur Abgabe von Provisionen zwingen

Zum Schutz der Verbraucher vor teuren Fehlinvestitionen will die EU laut einem Bericht des "Tagesspiegels" die lukrative Gebührenpolitik von Banken durchkreuzen. Die Institute sollen Provisionen demnach an die Kunden weiterreichen. Die Branche wehrt sich gegen den Plan.

Bank-Berater im Kundengespräch: Streit über lukrative Provisionen
dapd

Bank-Berater im Kundengespräch: Streit über lukrative Provisionen


Berlin - Im Kampf gegen schlechte Finanzberatung will die EU offenbar Banken strenger regulieren. Wie der "Tagesspiegel" berichtete, sollen Institute dazu gezwungen werden, Provisionen für Finanzprodukte an ihre Kunden weiterzugeben. Dies sei der gegenwärtige Stand in der Diskussion über die europäische Finanzmarktrichtlinie Mifid II, hieß es.

Der Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments will demnach am Mittwoch über den Vorschlag beraten. Im Oktober solle es eine Einigung im Ministerrat geben. 2013 solle die Richtlinie verabschiedet werden. "Das wäre das Ende der durch Provisionen manipulierten Beratung", sagte der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold der Zeitung.

Auch der zuständige Berichterstatter im Europaparlament, Markus Ferber (CSU), lobte die Pläne. "Wenn die Banken ihre Provisionen durchreichen müssen, führt das zu Produkten, die den Anlegern einen Mehrwert bieten", sagte er.

Berater seien angehalten, Kunden möglichst provisionsträchtige Produkte zu verkaufen, sagte der Bankenexperte vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, Manfred Westphal. Das führe zu Interessenkonflikten. Laut "Tagesspiegel" wird der Schaden für deutsche Anleger durch Falschberatung auf 20 bis 30 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Die Banken und Sparkassen äußerten sich kritisch zu den EU-Plänen. "Die deutsche Kreditwirtschaft setzt sich nachdrücklich dafür ein, die provisionsbasierte Beratung und Honorarberatung gleichberechtigt bestehen zu lassen", sagte Steffen Steudel, Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

EU-Parlamentspräsident zweifelt an Zeitplan für Bankenaufsicht

Die Schuldenkrise in Europa hat die Banken stärker in den Blickpunkt der EU gerückt. Derzeit arbeitet die Kommission an Regeln für eine gemeinsame europäische Bankenaufsicht. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Binnenmarktkommissar Michel Barnier haben das Ziel ausgegeben, dass die Europäische Bankenaufsicht im Januar 2013 ihre Arbeit aufnimmt.

Doch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) hält diesen Zeitplan für unrealistisch. Er rechne damit, dass die EU-Regelungen frühestens im kommenden Jahr verabschiedet werden könnten, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Er sehe im Parlament für ein solches Gesetz, das differenziert und länderspezifisch sein müsse, zwar eine breite Mehrheit, sagte Schulz. Als Zeitrahmen für das Gesetz rechne er allein im Parlament aber mit etwa sechs Monaten. Anschließend hätten nationale Regierungen über den Europäischen Rat Vorbehaltsrechte.

Schulz erwartet, dass etwa Großbritannien seine Zustimmung so lange wie möglich hinauszögern werde, um die Rolle Londons als Europäisches Bankenzentrum nicht zu schmälern. Von Anfang 2014 an sollen alle 6000 Geldhäuser in den 17 Euro-Ländern - auch die deutschen Sparkassen und Volksbanken - der europäischen Kontrolle unterliegen. Die Bankenaufsicht soll verhindern, dass durch laxe nationale Aufsicht mitverursachte Probleme von Instituten den gesamten europäischen Finanzsektor ins Wanken bringen.

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Ernesto_de_la_Vita 24.09.2012
1. Keine falschen Illusionen!
.... die Bankenlobby wird sich schon zu helfen wissen und es in ihrem Sinne regeln. Solange hier nicht die Spielregeln verändert werden, kann sich auch nichts zum Positiven wenden.
Gerdtrader50 24.09.2012
2. Banken-Bashing grüner Spezialisten
ich bin nun wirklich nicht mit allem einverstanden, was Banken machen. Da es ja aber mittlerweile Mode zu sein scheint, jegliches Recht zu brechen, siehe unkündbare Verträge ESM, sanktioniert durch BVG, wollen nun grüne Nichtsnutze das Recht auf Geldverdienen wegdiktieren. Bei der Regulierung der von ihrer Bundesregierung (SPD,Grüne) selbst dereguglierten Finanzmärkte haben sie weder die Ahnung noch die Durchsetzungskraft, weder brd-weit noch eu-weit und erst recht nicht global, da wollen sie nun einem Versicherungsvermittler seine Provision streitig machen. Ein Kunde, der eine Bank benötigt, um Versicherungen abzuschliessen, der braucht doch nicht auch noch die Provision des Gewerbetreibenden zu kassieren, dafür, dass er beraten wird. Bis diese Politheinis mit der Bankenbranche fertig sind, siehe jetzt hier, siehe Basel-Vorschriften, wird es bald ein Bankensterben geben, dass die Geldhinauswerfer dann nicht mehr stoppen können. Man kann alles treiben und übertreiben. Kann man denn diese überbezahlten Typen nicht mittels ihrer horrenden Diäten endlich dazu verurteilen, öfter mal die Klappe zu halten, spart Nerven.
kabian 24.09.2012
3. Die Abzocke ist seit Jahrzehnten bekannt
Und spätestens seit dem Bankendesaster im Jahr 2007 ist es für jedermann mehr als offenkundig. Wenn die Politik tatsächlich für so eine Kleinigkeit so lange Zeit braucht und die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken nicht schafft, ist das eine Bankrotterklärung ohne Beispiel. Weder sind die Banken und deren Umfeld transparenter geworden, noch sind sie gewillt die Zockermentalität abzulegen. Beim nächsten Crash wird es noch teurer. Da kommt die Politik mit ein paar Milliarden nicht davon. Wie wird gewährleistet, das keine Bank mehr "systemrelevent" ist, wie es Frau Merkel 2008 versprochen hat? Wie wird eine Bank abgewickelt im Notfall? Wie wird sichergestellt, das die Kosten nicht wieder auf den Steuerzahler abgewälzt werden? Die Politik hat bis jetzt nicht eine Antwort gefunden. Dafür ist die Finanzmarktlobby kräftig am arbeiten. Die Politik müßte als erstes ein Gesetz beschließen, das verantwortliche Politiker mit ihrem persöhnlichen Vermögen in diesen Fragen haften. Wenn sie verstorben sind, müßten die nachfolgenden Generationen zahlen. Nur so sehe ich die Möglichkeit, das Politiker für "das Volk" entscheiden, und nicht für ihr eigenes Wohl. Das schlimme ist, das sich die Politiker genau bewußt sind, was sie tun und was sie lieber lassen.
review 24.09.2012
4.
Zitat von Gerdtrader50ich bin nun wirklich nicht mit allem einverstanden, was Banken machen. Da es ja aber mittlerweile Mode zu sein scheint, jegliches Recht zu brechen, siehe unkündbare Verträge ESM, sanktioniert durch BVG, wollen nun grüne Nichtsnutze das Recht auf Geldverdienen wegdiktieren. Bei der Regulierung der von ihrer Bundesregierung (SPD,Grüne) selbst dereguglierten Finanzmärkte haben sie weder die Ahnung noch die Durchsetzungskraft, weder brd-weit noch eu-weit und erst recht nicht global, da wollen sie nun einem Versicherungsvermittler seine Provision streitig machen. Ein Kunde, der eine Bank benötigt, um Versicherungen abzuschliessen, der braucht doch nicht auch noch die Provision des Gewerbetreibenden zu kassieren, dafür, dass er beraten wird. Bis diese Politheinis mit der Bankenbranche fertig sind, siehe jetzt hier, siehe Basel-Vorschriften, wird es bald ein Bankensterben geben, dass die Geldhinauswerfer dann nicht mehr stoppen können. Man kann alles treiben und übertreiben. Kann man denn diese überbezahlten Typen nicht mittels ihrer horrenden Diäten endlich dazu verurteilen, öfter mal die Klappe zu halten, spart Nerven.
Solange die Banken regelmäßig bei den "Politheinis" auf der Matte stehen und betteln dass ihre missratenen Geschäfte vom Steuerzahler ausgeglichen werden, also solange das Recht auf Geldverlieren nicht auch für systemrelevante Banken absolut gilt, solange sollten sich auch Bankberater nicht mehr Berater, sondern nur noch Vertreter nennen dürfen.
Bernhard65 24.09.2012
5. Gebühren und Provisionen die schwindlig machen
Eine Info über die Höhe der Gebühren würde vielen Menschen die Augen öffnen. Einen Info-Rechner findet man unter http://www.fonds-etf.de/Vergleichsrechner_ETF-Fonds_zu_aktiven_Fonds?Zp=99 hier sieht man um welche Beträge es sich handelt, schon bei ganz normalen Fonds - meist ohne das Wissen der Verbraucher. Unglaublich wie die Politik dies tolerieren kann.
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