EuGH-Urteil Pfälzer Wein darf nicht "bekömmlich" sein

Pfälzer Winzer müssen sich wohl ein neues Werbeattribut suchen. Der EuGH urteilte, dass Wein nicht mehr als "bekömmlich" angepriesen werden darf. Der Grund: Der Hersteller suggeriere, das alkoholische Getränk sei gut für die Gesundheit.

Wein: Genossenschaft scheiterte mit Verweis auf geringen Säuregehalt
DPA

Wein: Genossenschaft scheiterte mit Verweis auf geringen Säuregehalt


Luxemburg - Pfälzer Winzer dürfen ihren Wein nicht länger als "bekömmlich" bewerben. Das entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Donnerstag. Derartige gesundheitsbezogene Angaben sind bei alkoholischen Getränken in der EU verboten.

Damit bekam die zuständige rheinland-pfälzische Behörde recht. Sie wollte die Etikettierung stoppen, mit denen die Winzer ihre Rebsorten Dornfelder und Burgunder anpreisen. "Gesundheitsbezogene Angaben" seien bei Getränken mit einem Alkoholgehalt über 1,2 Volumenprozent unzulässig.

Die Genossenschaft Deutsches Weintor vermarktet bestimmte Weine der Rebsorten Dornfelder sowie Grauer und Weißer Burgunder in einer "Edition Mild - sanfte Säure". Aufgrund eines besonderen "Schonverfahrens zur biologischen Säurereduzierung" seien diese Weine besonders "bekömmlich", heißt es auf den Etiketten.

Die Genossenschaft klagte gegen das Verbot: Die Bezeichnung "bekömmlich" beziehe sich nur auf den geringen Säuregehalt der Weine und stelle keinen Gesundheitsbezug her.

Negative Folgen unterschlagen

Die Richter in Luxemburg wiesen die Argumentation aber zurück. Es sei verboten, Rebsorten mit dem Hinweis auf eine vorübergehend vorteilhafte Wirkung für den Magen zu bewerben. Denn es werde trotz des potentiell schädlichen Verzehrs "die Erhaltung eines guten Gesundheitszustands suggeriert".

Genau dies sei bei den Weinen der Winzergenossenschaft der Fall: Die Werbung mit dem Wort "bekömmlich" suggeriere eine geringe Belastung des Verdauungssystems und damit "eine nachhaltige positive physiologische Wirkung". Negative Folgen, insbesondere "bei häufigem Verzehr", würden unterschlagen.

"Somit stellt diese Bezeichnung eine verbotene gesundheitsbezogene Angabe dar", urteilte der EuGH. Das Verbot gelte auch dann, "wenn diese Angabe für sich genommen zutrifft". Ein Verstoß gegen Grundrechte liege darin nicht. Das Verbot "gesundheitsbezogener Angaben" für alkoholische Getränke schaffe "ein angemessenes Gleichgewicht" zwischen dem Gesundheitsschutz und der unternehmerischen Freiheit der Erzeuger.

Endgültig entscheiden muss nun das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

cte/dapd/AFP

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
dick_&_durstig 06.09.2012
1. Kopfschmerzfrei
Zitat von sysopDPAPfälzer Winzer müssen sich wohl ein neues Werbeattribut suchen. Der EuGH urteilte nun, dass Wein nicht mehr als "bekömmlich" angepriesen werden darf. Der Grund: Der Hersteller suggeriere, das alkoholische Getränk sei gut für die Gesundheit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,854251,00.html
Wenn es ihnen gelingt keinen Schwefel mehr einzusetzen, können sie mit kopfschmerzfrei, da ohne Sulfite werben.:)
caecilia_metella 06.09.2012
2. Was konsequenterweise noch folgen müsste
Alkohol ist also nicht gut für die Gesundheit, wenn er getrunken wird. Jetzt müssten auf die Etiketten noch entsprechende Warn-Bilder: Bilder von geschädigten Organen, Bilder von Männern mit roter Nase und wirrem Blick, Bilder von Pennern auf Parkbänken. Penner werden Penner genannt, weil sie ihr Leben am liebsten verschlafen. Und ein Spruch: "Kaufen Sie das bloß nicht! Trinken Sie lieber Traubensaft oder Milch." Aber auch davon nicht zu viel! Ach, Sie Unwissender wissen schon wieder nicht, wieviel "zu viel" ist? Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, der wird Ihnen sagen, wieviel ml das genau pro kg in welchem Zeitraum sein dürfen. So ein Arzt kann natürlich auch gleich die passende Dosis Dopamin verschreiben, so fühlt sich auch ein Obdachloser gleich viel glücklicher und freier. Trotz aller Verbote.
funnyone2007 06.09.2012
3.
Zitat von sysopDPAPfälzer Winzer müssen sich wohl ein neues Werbeattribut suchen. Der EuGH urteilte nun, dass Wein nicht mehr als "bekömmlich" angepriesen werden darf. Der Grund: Der Hersteller suggeriere, das alkoholische Getränk sei gut für die Gesundheit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,854251,00.html
Endlich mal ein Urteil der EU das Sinn macht. Bekömmlich deuetet wirklich auf "nicht gesundheitschädigend" hin und ist im Bezug von Alkohol fatal. Bekannter von uns ist Alkoholiker. der fast nur Wein trinkt. Man kann also auch von Wein abhängig werden, auch wenn das viele nicht einsehen wollen. (sind die , die nicht mal 14 Tage ununterbrochen auf ihr Glas Wein verzichten können)
ChrisQa 06.09.2012
4. Biertrinker
Zitat von dick_&_durstigWenn es ihnen gelingt keinen Schwefel mehr einzusetzen, können sie mit kopfschmerzfrei, da ohne Sulfite werben.:)
Eben, wäre auch ein Qualitätsmerkmal. An dem Urteil wird ausserdem deutlich, dass die Richter des EUGh und der Gutachter in dem Fall keine Weintrinker sind, sonst wüssten sie, dass das Wort 'bekömmlich' bei Wein einem Fachbegriff gleich kommt. Das ist so ähnlich wie 'sparsam' bei einem Auto.
SPONU 06.09.2012
5. Na gottseidank...
...steht da jetzt nicht mehr "bekömmlich" auf der Flasche. Millionen Verbrauchern werden jetzt die Augen geöffnet ob der Schädlichkeit von zuviel "bekömmlichem" Alkohol. Und wer kümmert sich um die Analphabeten mit Leberschaden? Erinnert mich an eine Klage einer Hausfrau in USA gegen Ferrero (Nutella). Da glaubte die doch tatsächlich, dass eine Creme aus Fett und Zucker für ihr Kind gesund wäre bzw. dass man der Frühstückswerbung von Nutella glauben könne. Weshalb lassen wir dem Darwin-Prinzip seinen Lauf? Weshalb müssen die Leute vor ihrer eigenen Dummheit geschützt werden? Wer mit dem Fön baden will soll's tun.
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