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Expo 2010: Der Knall vor der Superschau

Mehr Pavillons, mehr Besucher, mehr Polizeikontrollen - die Weltausstellung in Shanghai bricht alle Rekorde. Eine gigantische Multimedia-Show eröffnete jetzt die Expo 2010. Proteste von Menschenrechtlern begleiteten die Feier, auch Grünen-Politiker Volker Beck griff die chinesische Regierung an.

Shanghai - Es soll eine Weltausstellung der Superlative werden. Zumindest mit der Eröffnungsfeier kam Shanghai diesem Anspruch schon einmal ganz nah. Mit einer Multimedia-Show ist die Expo 2010 eröffnet worden, Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao versprach eine "großartige und unvergessliche" Ausstellung.

"Eine Eröffnungsfeier dieser Größe für eine Weltausstellung hat es noch nie zuvor gegeben", sagte der künstlerische Leiter David Atkins.

An der Feier mit Feuerwerk, Wasserspielen und Lasershows im Ufo-förmigen Kulturzentrum der Ausstellung nahmen mehr als 20 Staats- und Regierungschefs teil. Die Expo 2010 findet unter dem Motto "Eine bessere Stadt, ein besseres Leben" statt. Mit knapp 250 Ländern und Organisationen gibt es mehr Teilnehmer als je zuvor.

Den Auftakt der Expo, die am Samstag die Pforten für Besucher öffnet, begleiteten die strengsten Sicherheitsmaßnahmen in der Geschichte der 18-Millionen-Metropole Shanghai. Überall auf den Straßen waren Polizisten präsent. In U-Bahnen, Flughäfen und Hotels wurden Taschen kontrolliert.

Deutscher Pavillon kostet 50 Millionen Euro

In den nächsten sechs Monaten werden 70 Millionen Besucher in der Hafenmetropole erwartet, darunter fünf Millionen aus dem Ausland. Bei der Expo in Hannover vor zehn Jahren waren es rund 18 Millionen. Mit fünf Quadratkilometern ist das Gelände auf beiden Seiten des Huangpu-Flusses das größte in der 159-jährigen Geschichte der Expos. Nie zuvor wurde so viel Geld in eine Weltausstellung gesteckt. Die Kosten liegen bei geschätzten 40 Milliarden Euro.

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11  Bilder
Expo 2010: Feuerzauber in Shanghai
Deutschland lässt sich seinen bisher größten Expo-Auftritt rund 50 Millionen Euro kosten. Der deutsche Pavillon, in den 45.000 Besucher passen, steht unter dem Motto "Balancity - Die Stadt im Gleichgewicht" und wird von der Bundesregierung finanziert. Lösungen für urbane Probleme zeigen in Shanghai auch die deutschen Städte Hamburg, Bremen, Freiburg und Düsseldorf.

Nordkorea und die USA feiern ihre Expo-Debüts

Rund 170.000 Freiwillige, meist Studenten, sind für die Expo mobilisiert worden. Hotels, Restaurants, Geschäfte und Taxifahrer spekulieren auf gute Geschäfte. Besucher müssen sich aber auf stundenlange Wartezeiten einstellen. Ein Besuch im traditionell roten chinesischen Pavillon, der 63 Meter hohen "Krone des Orients", muss eigens gebucht werden.

Mit chinesischer Hilfe nimmt erstmals auch das verarmte Nordkorea an einer Expo teil. China hat ferner afrikanischen Nationen einen großen gemeinsamen Pavillon zur Verfügung gestellt. Mit Blick auf den lukrativen chinesischen Wachstumsmarkt sind die USA erstmals wieder mit einem eigenen Länderpavillon bei einer Expo dabei. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte 60 Millionen US-Dollar an Spenden gesammelt, da nach US-Recht keine öffentlichen Gelder ausgegeben werden dürfen.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren Chinas Regierung

Menschenrechtsgruppen kritisierten die Verfolgung von Bürgerrechtlern im Zusammenhang mit der Expo. So war die Wohnung des bekannten Kritikers Feng Zhenghui in Shanghai durchsucht worden. Seine Computer wurden beschlagnahmt. Er wollte eine "Expo der Ungerechtigkeit der Justiz" im Internet veröffentlichen. Tibetische Aktionsgruppen kritisierten den Tibet-Pavillon auf der Expo. Die Organisation Free Tibet sprach von einem "plumpen Versuch" der chinesischen Regierung, über die Menschenrechtsverletzungen in Tibet hinwegzutäuschen.

Auch Grünen-Politiker Volker Beck griff das Gastgeberland scharf an. "Mit der Expo bekommt China einmal mehr die Möglichkeit, sich triumphal zur Schau zu stellen, ohne auf die Einhaltung der Menschenrechte achten zu müssen", sagte Beck. Die teilnehmenden Unternehmen trügen dazu bei, dass China die Menschenrechte ignoriere, so der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.

Beck warf unter anderem der Staatengemeinschaft und der für die Expo verantwortlichen Organisation "Bureau International des Expositions" (BIE) vor, China nicht genug unter Druck zu setzen, ein Mindestmaß an Menschenrechten einzuhalten.

jok/AP/Reuters/dpa

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Informationen zu Shanghai
Anreise
Lufthansa, Air China und China Eastern fliegen täglich von Deutschland nach Shanghai. Der Flug dauert etwa zwölf Stunden. Vom Flughafen Pudong lässt sich mit dem Taxi (150 bis 200 Yuan) oder der Magnetschnellbahn Transrapid (50 Yuan) in die Stadt fahren. Es gibt auch Airport-Shuttle-Busse zu Metrostationen oder großen Hotels.
Formalitäten
Deutsche benötigen einen noch sechs Monate gültigen Pass und ein Visum: Botschaft der Volksrepublik China, Brückenstraße 10, 10179 Berlin (Tel.: 030/27 58 85 72, www.china-botschaft.de).
Klima und Reisezeit
Für Reisen am besten sind das Frühjahr (März bis Mai) und der Herbst (Oktober bis November). Die Expo 2010 geht vom 1. Mai über den feuchtheißen Sommer bis zum 31. Oktober. Die Temperaturen können im Sommer 40 Grad erreichen, während sie im Winter bis auf den Nullpunkt fallen können.

Währung
Zehn Yuan, auch Renminbi (RMB) genannt, sind ein Euro. Große Hotels, teure Restaurants und Kaufhäuser nehmen Kreditkarten. An Geldautomaten kann auch mit der EC-Karte Bargeld abgehoben werden.
Gesundheit
Behandlungen in Krankenhäusern müssen sofort bezahlt werden. Kreditkarten werden nur in wenigen Kliniken angenommen. Eine Reisekrankenversicherung mit Rückholservice nach Europa ist sinnvoll. Leitungswasser ist nicht trinkbar, zum Zähneputzen aber in Ordnung.
Weitere Informationen

Fotostrecke
Expo in Shanghai: Schau der Superlative

Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1367,820 Mio.

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

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