Auswertung von Versicherungsdaten Wo die meisten Räder gestohlen werden

Mehr als 300.000 Fahrraddiebstähle werden bundesweit Jahr für Jahr erfasst. Karten zeigen, wo in Deutschland die Täter zuschlagen - für Berlin, Hamburg, München und Köln auf den Stadtteil genau.

Versuch, ein Schloss zu knacken (Symboldbild): Im Norden wird gerne geklaut
DPA

Versuch, ein Schloss zu knacken (Symboldbild): Im Norden wird gerne geklaut


Es ist die Horrorvorstellung jedes Radlers: Man kommt am Abend kaputt aus dem Büro oder der Uni, möchte nach Hause fahren - und das Fahrrad ist weg. Geklaut. Dann heißt es, den Diebstahl bei der Polizei anzeigen und hoffen, dass das Rad gefunden wird. Doch diese Hoffnung ist in den allermeisten Fällen vergeblich. Die Aufklärungsquote lag in den vergangenen Jahren laut Polizeistatistik relativ konstant bei rund zehn Prozent.

Wie wahrscheinlich es ist, dass das eigene Fahrrad überhaupt gestohlen wird, hängt auch davon ab, wo man es abstellt. In den Großstädten Berlin, Hamburg und Köln verdoppelt sich das Risiko von einem Stadtteil zum anderen, wie eine nicht repräsentative Untersuchung der Versicherung Generali Deutschland zeigt, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Die polizeiliche Kriminalstatistik enthält die Zahl der Fahrraddiebstähle pro 100.000 Einwohner für alle größeren Städte in Deutschland. Die Karte für das Jahr 2014 zeigt ein Nord-Süd-Gefälle. Im Verhältnis wurden die meisten Räder in Magdeburg und Münster geklaut, die wenigsten Diebstähle wurden in Hagen und Remscheid angezeigt (klicken Sie auf eine Stadt, um mehr Informationen anzuzeigen):

Hier werden die meisten Räder geklaut
Ein großes Problem seien Banden, sagt die Sprecherin der Polizei Münster, Antonia Linnenbrink: "Die Täter fahren mit Transportern herum und laden in Sekundenschnelle ein nicht angeschlossenes Fahrrad ein." Sind sie erst mal davon gefahren, sei es schwer die Täter später noch zu ermitteln. "Außer ein Zeuge beobachtet das Einladen oder der Transporter wird auf seiner Fahrt noch kontrolliert", sagt Linnenbrink. Die gestohlenen Räder würden auf Flohmärkten, im Internet oder sogar im Ausland verkauft.

Räder im Süden sind im Schnitt teurer

Wird das Rad nicht wiedergefunden und die Ermittlungen eingestellt, kann man den Schaden bei der Versicherung einreichen. Wie teuer die Fahrräder den einzelnen Städten im Schnitt waren, hat die Generali Deutschland berechnet.

Dazu hat die Versicherung 34.500 Schadensmeldungen zu Fahrraddiebstählen von Versicherten der Generali Versicherungen und der AachenMünchener analysiert. Die Zahlen stammen aus den Jahren 2012 bis 2014. Anders als bei den Diebstählen zeigt sich bei den Preisen kein Nord-Süd-, sondern eher ein Süd-Nord-Gefälle: Die Räder in südlichen Städten waren im Schnitt teurer. So betrug die durchschnittliche Schadenshöhe in Stuttgart 618 Euro, in Duisburg dagegen nur 384 Euro. Der bundesdeutsche Durchschnitt lag bei 438 Euro.

Für die Großstädte Berlin, Hamburg, München und Köln hat die Generali zudem das Diebstahlrisiko auf den Stadtteil genau berechnet. Dazu wurde zunächst ausgewertet, wie groß der Anteil der Versicherten war, die in den Jahren 2012 bis 2014 einen Fahrraddiebstahl gemeldet haben. Diese Größe wurde dann in ein Diebstahlrisiko für einen Zeitraum von zehn Jahren umgerechnet. Die Analyse berücksichtigt, dass in unterschiedlichen Stadtteilen unterschiedlich viele Haushalte bei der Generali versichert sein können.

Die Ergebnisse zeigen, dass in manchen Hamburger Stadtteilen mehr als elf Prozent der Versicherten innerhalb von zehn Jahren einen Fahrraddiebstahl meldeten, in anderen sind es zwischen drei und fünf Prozent. "Sicherlich gibt es Schwerpunkte", bestätigt auch die Sprecherin der Polizei Hamburg, Karina Sadowsky. "Da, wo viel Fahrrad gefahren wird, werden auch viele Räder gestohlen."

Sehen Sie die Analyse für die Großstädte in der Fotostrecke:

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Hamburg, Berlin, München, Köln: In welchen Stadtteilen die meisten Räder geklaut werden

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insgesamt 73 Beiträge
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aggelbagg 06.08.2015
1. Ach was!
Die Statistik ist für die Tonne. die meisten gestohlenen Räder werden gar nicht bei der Polizei gemeldet, wenn keine Versicherung besteht. Mir wurden in den letzten 10 Jahren etwa 6 Räder gestohlen. Ich zähl schon gar nicht mehr. Davon als gestohlen gemeldet: null. Wofür? Selbst wenn mal Diebe geschnappt werden, passiert ihnen doch nichts, ist doch ein Kavaliersdelikt.
DocFG 06.08.2015
2. Kein Interesse, Keine Ermittlung
Mich erwischte es bereits 2 Mal in Berlin. Der Umgang mit der Anzeige machte zweifelsfrei klar, daß nicht das geringste Ermittlungsinteresse besteht. Die Meldung wurde widerwillig angenommen, eher als Belästigung der gemütlichen Kaffeerunde auf der Wache angesehen. In einem Fall war das Fahrrad nach Einbruch aus dem Keller entwendet, dabei zwei Türen aufgebrochen worden: Keine Interesse am Tatort, nix, völlige Gleichgültigkeit. Verstehe nicht, wo überhaupt die 10% Aufklärungsquote herkommen? Beifang bei zufälligem Fund von Diebesgut ?
PowlPoods 06.08.2015
3. Wie
kommt denn bitte die Aufklärungsquote zustande? Bringen die Diebe die Räder zur Polizei? Da wird doch überhaupt nicht gefahndet. Anzeige aufgenommen, nach 6 Wochen kommt die Einstellung, oft mit falschen Daten aus der Anzeige. Lachhaft. Die Beamten sind doch zum Dumm, einen Einbruch in ihre eigene Hose aufzuklären.
bekkawei 06.08.2015
4.
Zitat von aggelbaggDie Statistik ist für die Tonne. die meisten gestohlenen Räder werden gar nicht bei der Polizei gemeldet, wenn keine Versicherung besteht. Mir wurden in den letzten 10 Jahren etwa 6 Räder gestohlen. Ich zähl schon gar nicht mehr. Davon als gestohlen gemeldet: null. Wofür? Selbst wenn mal Diebe geschnappt werden, passiert ihnen doch nichts, ist doch ein Kavaliersdelikt.
Natürlich ist die Statistik Unsinn. In Freiburg gibt es mehr Fahrraddiebstähle als in Berlin. Sowas aber auch. Woran das wohl liegt? An der Anzahl der Fahrradfahrer oder -besitzer? Oder sind die Badenser einfach krimineller als die Berliner?
hansbriegel 06.08.2015
5. In Münster kann man sein Fahrrad auch kaum irgendwo anschließene
Relativ zur Anzahl der Fahrräder gibt es kaum Möglichkeiten diese anzuschließen. Neben anderen Problemen ignoriert die Polizei und die Stadtverwaltung in Münster auch dieses Problem.
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