Mode Was taugen Ethik-Labels für Kleidung?

Blauer Engel, Textiles Vertrauen oder Fairtrade - wer sauber hergestellte Kleidung sucht, findet eine Vielzahl von Siegeln. Doch was versprechen Labels überhaupt? Und was taugen sie? Der Check.

Textil-Label

Textil-Label


Frösche und Pandas, Engel und Blumen - über tausend solcher Siegel und Labels gibt es mittlerweile in Deutschland. Doch eine genaue Siegelkunde scheint schwer, beim großen Moral-Monopoly blickt kaum ein Verbraucher noch durch. Auch im Textilsektor wimmelt es von Stickern und Zeichen. Weil Moral und Nachhaltigkeit sich zu lohnen scheinen, machen sich manche Unternehmen ihre Labels sogar selbst.

Glaubwürdiger als diese Sticker Marke Eigenbau sind Labels von Non-Profit-Organisationen wie etwa der Fair Wear Foundation (FWF). An den Kleidungsstücken finden sie sich allerdings selten - nur wenige als sehr nachhaltig bewertete Firmen dürfen das Siegel auch an ihre Produkte heften.

Korrekte Klamotten, die fair und zugleich ökologisch sind, gibt es kaum. Meist achten Firmen bisher entweder auf das eine oder das andere. Wer wissen will, wie transparent eine Firma ist, muss nachfragen und recherchieren. Und er sollte darauf achten, wie glaubwürdig die Initiativen sind, denen sich die Unternehmen angeschlossen haben und wie unabhängig sie sich kontrollieren lassen. Ein Überblick.


Wagner, Vanessa

Wagner, Vanessa

Kaum einer, der ihn nicht kennt: Der Blaue Engel des Umweltministeriums ist das älteste und wohl bekannteste Umweltzeichen. Seit 2011 wird er auch für Textilien vergeben.

Die Umweltrichtlinien (Bio-Baumwolle, Verzicht auf gesundheitsgefährdende Chemikalien, Verbot von genmanipuliertem Saatgut) scheinen so hoch, dass bisher kein Produkt ausgezeichnet wurde.

Die sozialen Standards sind weniger streng: Zwar werden die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO eingefordert, es fehlen jedoch unabhängige Kontrollen unter Einbeziehung lokaler Akteure sowie die Forderung nach existenzsicherndem Lohn.


OEKO-TEX

Textiles Vertrauen: 14 Prüfinstitute aus Europa und Japan haben das Oeko-Tex-Label im Jahr 1992 entwickelt.

Das weit verbreitete Siegel prüft allerdings lediglich die Schadstoffrückstände am Endprodukt. Die Verwendung vieler Schadstoffe verbietet es nicht. Auch die Herstellungsbedingungen werden nicht untersucht.


2016 hat Fairtrade einen neuen Textilstandard veröffentlicht.

Ein an jedem Kleidungsstück angebrachtes Siegel soll dem Konsumenten künftig faire Produktionsbedingungen entlang der gesamten Herstellungskette garantieren, von der Baumwollspinnerei bis zur Verpackung des fertigen Kleidungsstücks. Unternehmen würde allerdings sechs Jahre Zeit eingeräumt, bevor sie existenzsichernde Löhne zahlen müssten, bemängeln Kritiker.


Unter dem Begriff "Conscious" bewirbt der schwedische Konzern H&M seit 2011 seine Nachhaltigkeitsaktivitäten.

Das Siegel Marke Eigenbau zeichnet etwa Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle oder recyceltem Material aus. H&M, einer der weltweit größten Abnehmer von Bio-Baumwolle, hat "einiges in Transparenz und soziale Verantwortung investiert", attestiert selbst die auf Recherchen in der Textilbranche spezialisierte Christliche Initiative Romero (CIR).

Bemängelt wird, dass als "Conscious" immer nur einzelne Kleidungsstücke oder Kollektionen beworben werden. Zudem, so die CIR, werde die Conscious Collection ohne die Berücksichtigung grundlegender Sozialstandards in Bangladesch genäht, wo H&M auf Zulieferer setzt, bei denen oft katastrophale Arbeitsbedingungen herrschen.


Das Siegel Global Organic Textile Standard (GOTS) wurde im Jahr 2008 von vier internationalen Naturtextilverbänden aus Deutschland, England, Japan und den USA ins Leben gerufen.

Die ökologischen Kriterien sind streng, GOTS regelt die gesamte Wertschöpfungskette vom Anbau der Rohstoffe bis zum fertigen Produkt.

Nicht ganz so streng sind die sozialen Anforderungen. Die Formulierung zu existenzsichernden Löhnen etwa, kritisiert die Christliche Initiative Romero, sei "vage". Dennoch ist GOTS Vorreiter in Sachen Transparenz: Sogar die Fabrik-Audits werden in einer Datenbank veröffentlicht. Ein Label an den Kleidungsstücken gibt es auch. Nach GOTS-Standard arbeiten etwa armedangels oder Grüne Erde.


Die Fair Labour Association (FLA) wurde 1999 gegründet. Mitglieder sind Sportmarken wie Adidas, Puma und Nike.

Die Zusammenarbeit der Organisation mit lokalen Nichtregierungsorganisationen etwa bei Schulungen hält die Christliche Initiative Romero für "vorbildlich". Geht es aber um harte Dinge wie existenzsichernde Löhne, ziehe sich die FLA auf "inhaltsleere Phrasen" zurück. Ökologische Kriterien stehen nicht im Fokus, ein Label an der Kleidung gibt es auch nicht.


Die Fair Wear Foundation (FWF) ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation. Sie wurde 1999 von Wirtschafts- und Handelsverbänden zusammen mit Nichtregierungsorganisationen gegründet, um Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern zu verbessern.

Die sozialen Standards (existenzsichernde Löhne, lokale Beschwerdestellen für Arbeiter) gelten als sehr hoch. Obwohl diese Standards - wie die aktuelle SOMO-Studie zeigt - nicht immer eingehalten werden, müssen betroffene Unternehmen sofortige Verbesserungen bei ihren Zulieferern veranlassen. Die Herkunft des Endprodukts ist für Verbraucher oft nicht nachvollziehbar.

Ihre Kleidung labeln dürfen nur Unternehmen, die als vorbildliche "Leader" auditiert wurden. FWF-Mitglieder sind etwa Takko und Hess Natur und viele Outdoorunternehmen wie Vaude, Mammut oder Jack Wolfskin.

Die Business Social Compliance Initiative (BCSI) ist eine Initiative der Industrie. Sie wurde 2003 unter dem Dach der europäischen Foreign Trade Association gegründet. Mehr als 1700 Handelsunternehmen wie Aldi, Lidl oder Otto sind dort Mitglied und lassen sich von Prüfern wie etwa dem TÜV Nord auditieren.

Die Umsetzung grundlegender Standards liegt allerdings vorwiegend bei den Zulieferbetrieben. Örtliche Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften sind in die Initiative nicht gleichberechtigt eingebunden. Immer wieder fielen BSCI-Mitglieder wie Metro in der Vergangenheit zudem durch miserable Arbeitsbedingungen auf.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
ctwalt 10.02.2017
1. Augenwischerei
Diese dient nur dazu, Zwischenhändler und Vertriebe reich zu machen. Einzig Herr Grupp (Trigema) macht es ansatzweise vernünftig.
Flying Rain 10.02.2017
2. Problematisch
Problematisch ist ja dass viele dieser Labels einfach nur erfunden werden um den Unsatz zu steigern und sich bei genauerer Betrachtung wie auch die Flut an Bio-Siegeln zumeist dann als Papiertiger herausstellen.
maierstill 10.02.2017
3. CE Zeichen für Kleidung und soziale Mindeststandards einschließen
Allgemein funktioniert der Handel und freie Wettbewerb natürlich nur unter der Prämisse, dass der preiswerteste Anbieter seine Produkte auch am Besten verkauft. Eine Forderung an Handelsketten und Markenhersteller freiwillig mehr für ihren Einkauf zu bezahlen, in der Erwartung dadurch die Löhne und Arbeitsbedingungen der Arbeiter in der Fertigung zu verbessern, ist unsinnig, da sie dadurch weniger konkurrenzfähig würden als ihre Wettbewerber. Label sind eine Möglichkeit der Kleidung einen Mehrwert zu geben. Leider sind sie in jedweder Hinsicht zu kompliziert. Eigentlich haben wir in der EU bereits ein sehr gutes System, um Produktsicherheit zu gewährleisten: Das CE Zeichen. Das Zeichen ist Vorschrift und schiebt den schwarzen Peter dem Handel und der Industrie zu. Wenn ein Produkt nicht den Regeln entspricht, wird derjenige bestraft, der es in Verkehrt bringt und erleidet durch hohe Strafen einen finanziellen Nachteil. Wenn die Regeln um soziale Mindeststandards ergänzt würden, wären alle Händler/Hersteller für deren Einhaltung verantwortlich. Die Wettbewerbssituation wäre wieder hergestellt und man kann davon ausgehen, dass Verstöße gegen die geschaffenen Regeln von Konkurenzbetrieben, Zoll, Presse, Zivilgesellschaft, etc. aufgedeckt würden. In jedem Fall wäre es die Pflicht eines Händlers, nachzuweisen, dass alle Regeln zu sozialen Mindeststandards eingehalten wurden. Bei Importen von Lebensmitteln muss der Handel jetzt auch schon nachweisen, dass die Produkte nicht belastet sind und das geht ja auch in jedem Supermarkt.
Subco1979 10.02.2017
4. Lobbyisten schreien...
Lobbyisten und von denen überzeugte "Aktivisten" schreien immer: Der Verbaucher ist schuld! Hier wird endlich mal deutlich, wo das Problem liegt: Wenn ich garantiert faire Kleidung will, laufe ich überwiegend nackt rum - oder muss sie von der Ressource aus selbst produzieren. Die Labels sind - auch bei den transparenten - nur durch Audits zertifiziert. Da kommt ein Prüfer, der die Interna der Unternehmen nicht(!) kennt, nach Voranmeldung(!) vorbei und erhält von speziell zugewiesenen Personen die Sätze erzählt, die vorher intern durchgesprochen und antrainiert worden sind. ... Nicht dass das bei anderen Branchen anders wäre. Am Ende sei der Verbraucher schuld, heißt es. - Aber warum? 1.) Weil es bequem ist, die Aufmerksamkeit von den wahren Schuldigen (Konzern, Fabrikbesitzer, Politiker hierzulande und in den 3.-Welt-Staaten) abzulenken. 2.) Weil es den Gewinn steigert, wenn der Verbraucher statt eines 25-50 Euro T-Shirts ein 100-Euro-T-Shirt kauft, das aus derselben Fabrik stammt wie die anderen und auch wie die 5-Euro-T-Shirts.
unzensierbar 10.02.2017
5. Ethik ist Zynismus
Ethischen Konsum gibt es im Kapitalismus nicht. Man kann noch so sehr tun als würde man sich um Tiere oder Menschen scheren. Tiere werden aber weiterhing wie Abfall behandelt werden, weil es profitabler ist. Und Menschen, die die wirkliche Arbeit leisten, vor allem diese in der dritten Welt, werden genauso immer unter dem Kapitalismus ausgebeutet werden. Wie soll sich denn sonst der Vorstand und die Manager ihre 3 Ferienwohnung und 4 Luxusautos leisten? Da muss der Afrikaner halt mal hungern und eventuell auch sterben. Wenn ich so darüber nachdenke ist es schon eine Frechheit diesen menschengeschaffenen Hunger und Tod nicht als Völkermord zu bezeichnen.
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