Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Farbstoffe: Süßigkeitenhersteller drücken sich um Warnhinweispflicht

Seit Juli muss auf Lebensmitteln mit synthetischen Farbstoffen ein Warnhinweis stehen. Doch bei einer Stichprobe von Verbraucherschützern fehlte der Aufdruck bei allen getesteten Produkten. Dabei sind die Stoffe für Allergiker durchaus gefährlich.

Süßigkeiten im Supermarkt: Hersteller nutzen Übergangsfristen Zur Großansicht
AFP

Süßigkeiten im Supermarkt: Hersteller nutzen Übergangsfristen

Hamburg - Der synthetische Farbstoff Tartrazin (E102) ist knallgelb und kann bei Allergikern zu heftigen Reaktionen führen. Dies thematisierte auch der "Tatort" am Sonntagabend, ein Teenager stirbt darin an einem allergischen Schock. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat nun verschiedene Produkte darauf getestet, ob auf ihnen ein Warnhinweis steht. Dazu sind die Lebensmittelhersteller seit Juli verpflichtet.

Das Ergebnis ist jedoch ernüchternd: In der Stichprobe von 13 Süßigkeiten fanden die Verbraucherschützer bei keinem Produkt den entsprechenden Hinweis. Auch freiwillige Informationen zur allergenen Wirkung für Asthmatiker und Neurodermitiker gebe es nicht. Die Verbraucherzentrale hat die Ergebnisse auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Illegal ist das Verhalten der Unternehmen allerdings trotz der gültigen Warnhinweispflicht nicht. Die Süßwarenfirmen nutzen lange Übergangsfristen. Das heißt: Was sie vor Juli produziert haben, dürfen sie noch verkaufen.

Warnhinweis "nur ein halbherziger Kompromiss"

Doch für Armin Valet von der Verbraucherzentrale soll damit nun Schluss sein: "Die Verordnung wurde schon im März verabschiedet", sagt er. Die Firmen hätten lange genug Zeit gehabt, sich auf die neue Rechtslage einzustellen.

Aus Sicht der Verbraucherschützer reicht der Warnhinweis zudem nicht aus. Wörtlich lautet er: "Kann die Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen". Das sei ein halbherziger Kompromiss und ein Zugeständnis an die Industrie, kritisiert Valet - und fordert, die chemisch-synthetischen Azofarbstoffe in Lebensmitteln ganz zu verbieten. Als erfreulich wertete er, dass einige Anbieter die bedenklichen Stoffe bei ihren Produkten bereits gegen andere Färbemittel ausgetauscht haben.

Folgende Azofarbstoffe müssen mit Warnhinweisen gekennzeichnet werden: E 102 Tartrazin, E 104 Chinolingelb, E 110 Gelborange S, E 122 Azorubin, E 124A Chochenillerot A und E 129 Allurarot.

cte

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Und
sickofit 25.10.2010
was lernen wir daraus? Nur Biosaft mit Mineralwasser oder Cola trinken. Alles was schon hellblau leuchtend aus der Flasche kommt, kann halt nicht gesund sein, da brauche ich keinen Warnhinweis. Wers aber trotzdem kauft, wird sich von einem Warnhinweis auch nicht hindern lassen, das Zeug zu trinken.
2. ...
kästchen 25.10.2010
Die waren doch schon verboten, wurden aber im Zuge einer EU-Regelung wieder zugelassen. (Zumindest in Österreich war dies auf jeden Fall so, in Deutschland bin ich nicht sicher...)
3. Hinweispflicht ist notwendig
bodenseekoenig 25.10.2010
Jegliche synthetische Nahrungsmittelzusätze, wie Farbstoffe, Aromastoffe, Süßstoffe und Konservierungsstoffe aus der Chemiefabrik, deren Moleküle noch nicht einmal mit den natürlichen Stoffen identisch sind, sollten unbedingt einer fetten Hinweispflicht unterworfen werden. Man erkennt das Zeug nämlich überhaupt nicht auf den ersten Blick. Ich rate jedem, mal das Kleingedruckte auf seinen Lebensmitteln zu lesen. Wir Menschen sind dafür gemacht, das zu essen, was auf unserem Planeten natürlich vorkommt und nicht das, was in Farben und Lacken vorkommt. Min ist was man isst. Guten Appetit.
4. Die Industrie braucht diesen Staat nicht zu fürchten,
vantast64 25.10.2010
er gehört ihr schon, also der Lebensmittelindustrie, der Pharmamafia, den Rüstungskonzernen, den Banken, Versicherungen, usw. Er ist ihnen gegenüber ein zahnloser Tiger, der höchstens mal mit dem Zeigefinger droht und dabei lächelt: Du,du,du...nur den Schwachen gegenüber übt der Staat volle Strenge. Bismarck läßt grüßen.
5. waren sie auch
anders_denker 25.10.2010
Zitat von kästchenDie waren doch schon verboten, wurden aber im Zuge einer EU-Regelung wieder zugelassen. (Zumindest in Österreich war dies auf jeden Fall so, in Deutschland bin ich nicht sicher...)
zumindest teilweise... tja, der EU sei Dank!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Negativ-Preis: Der Goldene Windbeutel

Verbraucherzentralen
Verbraucherzentralen sind gemeinnützige Vereine ohne Gewinnerzielungsabsicht. Unter dem Dach des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) sind 16 eigenständige Verbraucherzentralen in den Bundesländern sowie 25 weitere Organisationen gebündelt. Die Arbeit wird teils aus dem Verkauf von Broschüren, maßgeblich aber aus öffentlichen Mitteln bestritten. Der VZBV arbeitet als gemeinnütziger Verein und ist eigenen Angaben zufolge parteipolitisch neutral. Der Verband vertritt die Interessen der Verbraucher gegenüber der Politik. Aufgabe in den Regionen wiederum ist die direkte Beratung der Verbraucher. Die Verbraucherzentralen betreuen das Portal Lebensmittelklarheit.de. Dort können Kunden sich seit Juli 2011 über Tricks der Hersteller beschweren.
Fotostrecke
Lebensmittel: Vorsicht vor Clean Labels!


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: