Jahreswechsel So bekommen Sie 2019 mehr Geld (ohne etwas dafür tun zu müssen)

Das neue Jahr wird für viele finanziell besser - der Staat spült Millionen Menschen mehr Geld in die Kasse. Der Überblick.

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Nie war es so einfach wie zu diesem Jahreswechsel, ein paar Tausend Euro herauszuholen. Nicht mal gute Vorsätze brauchen Sie, denn die Große Koalition hat eine Reihe von Vorhaben umgesetzt, die quasi von allein für mehr Geld in Ihrer Haushaltskasse sorgen werden.

Der wichtigste Vorteil ist die Änderung der Aufteilung der Krankenkassenkosten. Weil künftig die Arbeitgeber und die Rentenkasse wirklich wieder die Hälfte zahlen, profieren die meisten der 56 Millionen Mitglieder der Krankenkassen. Bei 3000 Euro Bruttogehalt bleiben übers Jahr bei einem Prozent Zusatzbeitrag 180 Euro mehr in der Haushaltskasse. Und dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass man auch die Krankenkasse wechseln kann. Die günstigsten Kassen nehmen 1,2 Prozent weniger Beitrag als die teuersten. Hier sind noch mal knapp 220 Euro im Jahr drin.

Am meisten werden Selbstständige profitieren, die ganz wenig Geld verdienen. Der Gesetzgeber hat nämlich auch die Regeln für ihren Beitrag zur Krankenkasse geändert mit der Folge, dass ein Selbstständiger mit 1000 Euro Gewinn im Monat nur noch halb so viel für die Krankenkasse bezahlt wie vorher. Ab 2500 Euro Gewinn bleibt für Selbstständige alles beim Alten.

Hilfreich wird im nächsten Jahr auch die Senkung des Beitrags für die Arbeitslosenversicherung. Der zu gleichen Teilen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlte Beitragssatz sinkt von 3 auf 2,5 Prozent des Gehalts. Für den Durchschnittsverdiener mit 3000 Euro fallen hier 7,50 Euro Ersparnis im Monat an, 90 Euro im Jahr. Genauso viel spart der Arbeitgeber. Für die meisten Arbeitnehmer ist das etwa genauso viel wie sie für die Pflegekasse 2019 draufzahlen sollen. Hier steigt der Beitrag von 2,55 Prozent auf 3,05 Prozent. Das gleicht sich also aus.

Eltern können sich zudem darauf freuen, dass Mitte 2019 das Kindergeld um 10 Euro pro Kind steigen wird. Das macht bis Jahresende 2019 dann 60 Euro mehr pro Kind. Zudem steigt bei der Einkommensteuer der Kinderfreibetrag 2019 für beide Elternteile zusammen um 192 Euro. Damit dürfen Eltern 7620 Euro pro Kind im Jahr verdienen, ohne dafür Steuern zu zahlen.

Bei der Einkommensteuer steigt der Grundfreibetrag um 168 auf 9168 Euro. Außerdem darf man künftig etwas mehr verdienen, ohne dass der Steuersatz steigt, die Inflationsrate von 1,84 Prozent wird berücksichtigt. Das sollte den allermeisten Beschäftigten zu mehr Netto vom Brutto verhelfen.

Im Juli 2019 wird auch die Rente wieder spürbar erhöht. Da die Rentensteigerung von der Lohnentwicklung abhängig ist und die Löhne zuletzt kräftig gestiegen sind, sind drei bis vier Prozent brutto drin. Wer aber viel Rente hat, wird einen Teil der Steigerung verlieren, weil er dafür Steuern zahlen muss.

Nichts von all der Staatsknete haben arme Familien und arme Rentner. Wer Grundrente oder Hartz IV bezieht, wird feststellen, dass alle Steigerungen von Rente und Kindergeld mit den anderen Sozialleistungen verrechnet werden. Das Portemonnaie bleibt so leer wie zuvor. Am meisten hilft Haushalten mit wenig Geld vielleicht noch, dass der Mindestlohn ab 1. Januar auf 9,19 Euro steigt, Anfang 2020 soll er dann auf 9,35 Euro steigen.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Mehr Geld kommt wegen der genannten staatlichen Reformen also automatisch. Der Einzelne muss nichts dafür tun. Ganz einfach können Sie aber selbst noch etwas für die Haushaltskasse tun. Wie in jedem Jahr sind es vor allem drei Themen, um die Sie sich kümmern sollten:

  • Senken Sie die Kosten für Energie, also für Strom, Heizung und Sprit. Das geht ziemlich leicht, ziemlich schnell und spart in wenigen Stunden Hunderte, wenn nicht Tausende von Euro.

  • Behalten Sie die Kosten für Handy und Telekommunikation im Griff. Insbesondere, wenn ein (weiteres) Kind im Haushalt ein Handy bekommen hat. Die preiswertesten Handytarife sparen gegenüber teuren Angeboten oft 20 Euro im Monat. Das sind 240 Euro pro Jahr.

  • Sparen Sie sich Kontogebühren. Seit zwei Monaten gilt ein neues Gesetz: Die Bank muss Ihnen einmal im Jahr alle Kosten Ihres Kontos komplett zusammenstellen. Die ersten werden diese Übersicht mit dem Kontoabschluss für 2018 bekommen (leider zunächst nur mit allen Kosten seit Einführung des Gesetzes Ende Oktober). Damit können Sie endlich klar erkennen, wie sehr sich die vielen kleinen Posten und Gebühren zusammenläppern. Ausgewiesen wird dann auch, wie viel etwa für die Dispozinsen noch obendrauf kommt. 150 Euro im Jahr fürs Konto plus ein Hunderter für jeden Tausender im Dispo sind üblich. Einen Großteil dieser Kosten können Sie mit einem Wechsel vermeiden.

Und nun wünsche ich Ihnen ein wunderschönes Jahr 2019!



insgesamt 95 Beiträge
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harronal 29.12.2018
1. Selbstständige und KK-Mindestbeitrag
Den absolut niedrigsten Krankenkassen-Beitragssatz mit ca. 181-187 Euro/Monat (für die gesetzlichen Kassen) konnten sich Selbstständige mit sehr geringen monatlichen Einkünften schon seit ein paar Jahren sichern - man musste nur das Tarifdickicht-Geschreibsel auf deren Webseiten genau durchforsten und die entsprechenden, gut versteckten Antragsformulare finden. Eine aktuelle "Wohltat" der GroKo ist das nicht, Herr Tenhagen. Was zahlt Ihnen das Kanzleramt für diese geschönte Wahlwerbung?
Lagrange 29.12.2018
2. ...
... ich frage mich echt, warum ich diese Kolumne jede Woch lese. Eigentlich steht da nie etwas gehaltvolles drin und ich bin jedes mal wieder enttäuscht :(.
dagmar1308 29.12.2018
3. Dämliche Headline
das Geld kommt nicht von Gott und erst recht nicht von Politikern. Es ist wie bei der verordneten Abgabe auf den Lohn nur eine geringere Entnahme von oben. Aber der Großteil der vermeintlichen Gaben wurde nur, oft unbemerkt, aus anderen Taschen entwendet. Oft auch aus den Taschen der jetzt „Beschenkten“, die dafür dummerweise unüberlegt alle vier Jahre ihr Kreuz als Dank abgeben.
Andiken21 29.12.2018
4. Sparen Eltern jetzt doppelt ?
Im Text hört es sich zumindest so an. Da bekommt man mehr Kindergeld und ZUDEM wird der Kinderfreibetrag erhöht. Soweit ich weiß ist das ein entweder - oder. Wer Kindergeld nimmt, kann den Kinderfreibetrag NICHT ansetzen - und wer den Kinderfreibetrag geltend macht, bekommt kein Kindergeld. Vielleicht könnte man das klarer herausstellen. Ich wußte nicht, daß der Pflegebeitrag steigt - danke dafür. (wobei es ein Unding ist, daß Ledige/Familien mit Kindern hier genauso belastet werden wie Ledige/Verheiratete ohne Kind - aber die Gesetzgebung wird nun einmal von Personen im Bundestag gemacht, und da würde mich echt mal der Prozentsatz der MdBs mit KInd interessieren ;-) )
stef_ma 29.12.2018
5. @horronel Nr. 1
Da irren Sie aber leider. Nur wer nebenberuflich selbstständig war und einen Gewinn von unter 450 Euro hatte konnte diese niedrigen Beiträge zahlen.
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