Belastete Eier Was der Fipronil-Skandal für Verbraucher bedeutet

In Deutschland sind Millionen Eier in den Handel gekommen, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sind. Auch Mayonnaise oder Eierlikör könnten betroffen sein. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Was ist passiert?

Offenbar hat ein belgischer Hersteller das Reinigungsmittel Dega-16 verkauft, dem das Schädlingsbekämpfungsmittel Fipronil beigemischt war. Tierhalter haben das Reinigungsmittel in Geflügelställen eingesetzt, ohne zu wissen, dass der Stoff enthalten war.

Wie groß ist das Ausmaß des Skandals?

Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministers sind möglicherweise mehr als zehn Millionen mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden in deutschen Supermärkten verkauft worden. Die Eier wurden insgesamt in zwölf Bundesländern vertrieben. Besonders betroffen sind Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Wie haben die Lebensmittelhändler reagiert?

Aldi hat alle Eier aus dem Verkauf genommen. Sowohl Aldi Süd als auch Aldi Nord entschieden, deutschlandweit sämtliche Eier aus den Regalen zu nehmen, teilten die Discounter mit. Dabei handele es ich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Die Rewe-Gruppe verzichtet bisher auf solch einen radikalen Schritt. Der Discounter hatte aber vor wenigen Tagen bereits Eier aus den Niederlanden aus seinen Rewe- und Penny-Läden genommen. Kunden können bereits gekaufte Eier aus den Niederlanden zurückgeben und bekommen den Verkaufspreis erstattet.

Auch Edeka sieht bislang keinen Grund für einen Verkaufsstopp. Die Eier seiner Eigenmarken stammten ausschließlich aus Deutschland. "Bislang liegen uns hier keine Nachweise von Fipronil vor", teilte die Edeka-Zentrale in Hamburg mit. Es gebe aber einen "engen Austausch" mit Lieferanten und den zuständigen Behörden.

Konkurrent Lidl erklärte, die Kette beziehe Eier nur von Lieferanten, die "nachweislich negativ auf Fipronil beprobt sind". Der Discounter sehe keine Veranlassung, kategorisch auf Eier zu verzichten.

Die Supermarktkette Real hat Eier aus den Niederlanden sowie die aus Deutschland betroffene Ware aus dem Verkauf genommen. Real führe zudem eigene Laboruntersuchungen durch und überprüfe Lieferanten. Metro will einer Sprecherin zufolge Eier aus den Großmärkten entfernen, die Kennzeichnungen aus den Niederlanden tragen.

Woran erkennt man, ob ein Ei belastet ist?

Verbraucher können anhand der aufgestempelten Nummern selbst überprüfen, ob Eier in ihrem Kühlschrank mit dem Insektizid belastet sind. Entsprechende Hinweise stehen auf dem Portal lebensmittelwarnung.de - dort sind Informationen aus mittlerweile zwölf Bundesländern hinterlegt, die laufend aktualisiert werden.

Video: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt zum Fipronil-Skandal

REUTERS

Was passiert, wenn man Eier mit Fipronil-Spuren isst?

Vermutlich nichts, denn die derzeit gemessenen Fipronil-Werte der Eier sind nicht sehr hoch: "Für Erwachsene ist das noch nicht gefährlich", sagte eine Sprecherin des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). In höheren Dosen kann Fipronil bei Menschen Haut und Augen reizen sowie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen.

Auf Basis der Berechnung des BfR kann ein Erwachsener mit 65 Kilo Körpergewicht sieben mit Fipronil belastete Eier innerhalb von 24 Stunden essen, ohne ein erkennbares gesundheitliches Risiko zu erleiden.

Wegen Analyseergebnissen in Belgien hatte das BfR allerdings vor einem potenziell akuten Gesundheitsrisiko für Kinder beim Verzehr der Eier gewarnt. Sie haben aufgrund ihres geringeren Körpergewichts die Dosis schon viel früher erreicht.

Wie werden mit Fipronil belastete Eier entsorgt?

Regulär über die Restmülltonne. Wer will, kann die betroffenen Eier zum Händler zurückbringen und sein Geld zurückfordern.

Sind auch andere Lebensmittel wie Fleisch oder Nudeln betroffen?

Hinweise, dass auch von Geflügelfleisch eine Gesundheitsgefahr ausgehen könnte, gibt es laut dem niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) derzeit nicht. Legehennen werden sowieso nicht für den menschlichen Verzehr gezüchtet.

Das Untersuchungsamt in Münster geht aber davon aus, dass auch andere mit Eiern erzeugte Lebensmittel betroffen sein können. "Es ist nahe liegend, dass es bei Eiern nicht bleiben wird", sagte Peter Fürst, Vorstandsvorsitzender des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Münsterland-Emscher-Lippe. Rückstände von Fipronil seien möglicherweise auch in Produkten wie Mayonnaise, Nudeln oder Eierlikör zu finden, für die Eier weiterverarbeitet wurden.

Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden?

Niederländische Geflügelhalter rechnen mit Einnahmeverlusten von mehr als zehn Millionen Euro. Seit Beginn der Fipronil-Krise Ende Juli verlieren die Produzenten in den Niederlanden nach Angaben eines Sprechers täglich mehrere Tausend Euro pro Betrieb. Noch immer sind 138 Betriebe gesperrt und dürfen keine Eier verkaufen.

"Deutschland ist unser größter Kunde", sagte ein Sprecher des Geflügelzüchterverbandes. In den Niederlanden werden jährlich rund zehn Milliarden Hühnereier produziert. 60 bis 70 Prozent davon sind für den Export bestimmt, vor allem nach Deutschland.

Auch Zwischenhändler, die die Eier an deutsche Discounter verkauft haben, dürften Einnahmeeinbußen drohen. Inwieweit deutsche Lebensmittelketten unter dem Skandal leiden, ist bisher unklar.

Was geschieht mit den Fipronil-Hühnern?

Hennen, die älter und schwer belastet sind, werden wahrscheinlich notgeschlachtet, ihr Fleisch wird entsorgt. Weniger belastete Hennen können auf Diät gesetzt werden. Wenn sie weniger Kalorien zu sich nehmen, verlieren sie Federn und Fett und damit auch Reste des schädlichen Insektizids. Das Entgiften dauert nach Schätzung von Experten aber mindestens sechs Wochen. Bei Legehennen, in deren Eiern nur sehr geringe Spuren von Fipronil gefunden wurden, können Geflügelzüchter auch einfach abwarten. Experten gehen davon aus, dass die Hühner dann ohne weitere Maßnahmen in etwa zwei Wochen wieder schadstofffrei sind.

hej/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
CoraU 04.08.2017
1. Auch ohne Fipronil...
...sind Eier aus Massentierhaltung ohne Biosiegel ekelhaft und mit wirklichem Tierleid behaftet, auch das ist Gift! Wer einmal so eine Anlage gesehen hat, kann das nicht mehr essen. Unsere Eier vom Bauern um die Ecke sind weiter superlecker die Hühner scharren in der Obstwiese und kosten tut´s auch kaum viel mehr.
ohne_mich 04.08.2017
2.
CoraU hat völlig Recht. Eier direkt vom Erzeuger (und keine Metropole ist so groß, daß man nicht irgendwo einen Hühnerhalter in Reichweite hat) sind nur geringfügig teurer aber eine ganz andere Klasse als solche aus der Massenhaltung. Den Unterschied schmeckt man sogar als Laie.
hermannheester 04.08.2017
3. Das Millionenspiel
Die Millionen Eier, die hier immer noch im Umlauf sind, sind nur der Rattenschwanz dessen, was uns in der Vergangenheit blühte. Es wurde nie auf diesen Stoff geprüft. Also haben wir die berechtigte Aussicht, schon seit langem mit GIfteiern gesegnet gewesen zu sein.
biobayer 04.08.2017
4. Sämtliche Geflügelprodukte potentiell kontaminiert
Der Fipronil-Skandal bedeutet insbesondere, dass sämtliche Geflügelprodukte betroffen sein dürften: Geflügelfleisch, Geflügelwurst, mit Eiern verarbeitete Produkte wie Kuchen, Teigwaren etc. . Dies sind alles Produkte, die in viel größeren Mengen verzehrt werden. Dagegen dürfte das tägliche Frühstücksei mengenmäßig harmlos sein.
eule_neu 04.08.2017
5. Die Sommerflaute ...
Ich habe schon darauf gewartet, es wird Sommer und kein Lebensmittel-Skandal in diesem Jahr? Nun ist er da, die Medien haben ihren Auflagenerhöher. Was hatten wir im Sommer nicht alles schon für Nahrungsskandale, Pferdefleisch, junge Keime und vieles mehr. Ich nehme an, auch im nächsten Sommer wird wieder ein Nahrungs-Skandal aufgedeckt, sonst ist es kein richtiger Sommer. Mann straft eine ganze Branche ab, die Hysterie feiert fröhlichen Urstand, die Vernunft bleibt auf der Strecke. Die Verursacher muss man vor den Kadi zitieren, aber die Hysterie - auch bei diesem Discounter mit A am Beginn - ist unverständlich. Anscheinend ist ein Hühnerei nichts mehr wert, wo die die Leute jeden Tag soviel Eier am Tag essen. Aber so ein Skandal wird die Medien auf dem absteigenden Ast auch nicht retten, warten wir auf den nächsten ...
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