Belastete Eier Vier deutsche Betriebe nutzten Insektizid

Niederländische Behörden haben in weiteren Eiern das Insektizid Fipronil gefunden. Verbraucher sollen die betroffenen Chargen nicht essen. Auch in mehreren deutschen Betrieben kam das Mittel zum Einsatz.

Eier auf einem Hühnerhof im Kreis Cloppenburg (Archivbild)
DPA

Eier auf einem Hühnerhof im Kreis Cloppenburg (Archivbild)


In den Niederlanden werden immer mehr belastete Eier gefunden. Die Lebensmittelkontrollbehörde NVWA rief die Niederländer auf, die betroffenen Eier nicht mehr zu essen. Das giftige Insektizid Fipronil sei in den Eiern von weiteren 17 Geflügelbetrieben gefunden worden, teilte die Behörde mit. 180 Geflügelzüchterbetriebe sind gesperrt worden.

In den Niederlanden und Belgien sind Millionen Eier mit dem Insektizid verseucht worden - insgesamt rund 2,2 Millionen davon gelangten nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Niederländischen Behörden hatten Millionen Eier aus Supermärkten zurückrufen lassen, auch in Deutschland gibt es Rückrufe.

Deutsche Betriebe betroffen

Auch vier deutsche Legehennenbetriebe haben das Insektizid Fipronil verwendet. "Nach unserem jetzigen Kenntnisstand haben 100 niederländische, vier deutsche und ein belgischer Betrieb das Desinfektionsmittel DEGA 16 bezogen", teilte der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) mit.

Die betroffenen Produzenten seien für das sogenannte KAT-System umgehend gesperrt worden. "Wir prüfen derzeit, ob und in welchem Umfang die von den genannten Betrieben erzeugten Eier tatsächlich mit Fipronil belastet sind", sagte ein KAT-Sprecher. KAT betreibt ein Kontrollsystem für Eier, dem sich Unternehmen aus der Hennenaufzucht über die Futtermittelhersteller bis hin zur Nahrungsmittelindustrie angeschlossen haben.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) erklärte am Mittwoch, dass ein Betrieb aus der Grafschaft Bentheim Selbstanzeige gestellt habe. Dort seien Rückstände gefunden worden. Der betroffene Betrieb mit 40 000 Freilandlegehennen sei gesperrt.

Darüber hinaus wurden Meyer zufolge nach Ermittlungen der niederländischen Behörden vier weitere niedersächsische Betriebe mit dem Putzmittel beliefert. Sie seien ebenfalls gesperrt worden.

Kinder sollten Eier nicht essen

Fipronil wird zur Bekämpfung von Flöhen, Läusen, Schaben, Zecken und Milben eingesetzt. Es ist in Lebensmitteln nicht zugelassen. Das Mittel kann in hoher Dosis Schäden an Leber, Schilddrüse oder Niere verursachen, sagte eine Sprecherin der niederländischen Lebensmittelaufsichtsbehörde NVWA.

Die deutschen Behörden raten nicht grundsätzlich vom Verzehr der Eier ab. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist bei normalem Verzehr für Erwachsene nicht von einer Gesundheitsgefahr auszugehen. Kinder sollten die Eier jedoch nicht essen, warnte das Institut.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hatte es geheißen, die niederländische Lebensmittelkontrollbehörde fordere die Niederländer auf, vorerst keine Eier mehr zu essen. Die Behörde hat ihre Warnung mittlerweile auf die betroffenen Höfe beschränkt - andere Eier könnten weiter gefahrlos gegessen werden. Wir haben den Text entsprechend aktualisiert.

sep/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
olli08 02.08.2017
1. Details bitte !!!
Lückenhaft recherchiert, oder halten sich die Behörden mal wieder bedeckt? Ich wüsste gerne, um was für Eier es sich handelt: Bio-, Freiland-, oder Qualhuhn-Ei?
freigeistiger 02.08.2017
2. Mangelnde Information
"Kinder sollten die Eier jedoch nicht essen, warnte das Institut." + "Putzmittel "Dega16" Guter Hinweis von SPON. Jeder Verbraucher kann zuhause die Eier auf die Insektizide messen. Ein Hinweis auf die betroffenen Chargen oder die Stelle, wo die Information ist, wäre hilfreich gewesen. Empathie!
allessuper 02.08.2017
3. Ja Sie haben Recht. Erst einmal sollten aber Verbraucher wissen,
Zitat von olli08Lückenhaft recherchiert, oder halten sich die Behörden mal wieder bedeckt? Ich wüsste gerne, um was für Eier es sich handelt: Bio-, Freiland-, oder Qualhuhn-Ei?
was es damit auf sich hat.. und diese Information fehlt ebenso: Hier ist sie für alle. https://utopia.de/ratgeber/kaufberatung-ei-bio-freiland-eier/ Deutsche essen durchschnittlich knapp 220 Eier pro Jahr und Kopf, insgesamt etwa 15.000.000.000 (15 Milliarden) Stück. Zu Ostern essen wir besonders viele – Zeit also, sich über die Qualität, Herkunft und Entstehung der Eier Gedanken zu machen. Die wichtigsten Tipps: Kaufe stets Bio-Eier. Weiche nur in besonderen Fällen auf Freilandeier aus. Meide Eier aus Bodenhaltung. Achte auch bei verarbeiteten Produkten auf das grüne EU-Bio-Siegel. Immerhin: In Deutschland kommen die meisten Eier aus heimischer Produktion, etwa 75 Prozent. Aus Bio- oder wenigstens Freiland-Haltung stammen indes längst nicht alle, wie beim Ei(n)kauf jeder selbst am Eier-Code erkennen kann. Der Code auf dem Ei: Was heisst „0-DE-1234567“? Seit 2004 haben Eier eine einheitliche Kennzeichnung. Die führende Ziffer des Eiercodes informiert dabei über eine der vier Haltungsformen: 0 = Ökologische Erzeugung („Bio-Eier“) 1 = Freilandhaltung („Freilandeier“) 2 = Bodenhaltung 3 = Käfighaltung Das Kürzel des Produktionslandes zeigt, aus welchem EU-Land das Ei kommt: DE = Deutschland AT = Österreich IT = Italien NL = Niederlande etc. Ei-Kennzeichnung, Bio-Eier erkennst du an der 0-… Ei-Kennzeichnung, Bio-Eier erkennst du an der 0-… ((C) utopia) „0-DE-1234567“ ist also ein Bio-Ei aus Deutschland. Vorsicht: Das gilt nur für den Aufdruck auf dem Ei selbst! Es kann gut sein, dass ein ähnlicher Code auf der Verpackung DE (als Ort der Verpackung) ausweist, während die Bio-Eier jeweils ein NL tragen (weil Hennen im Nachbarland sie legten). Der mehrstellige Code am Ende (im Beispiel: „1234567“) verrät, aus welchem Bundesland und von welchem Produzenten die Eier stammen. Ohne Hilfsmittel ist dieser Zahlencode allerdings schwer zu durchschauen – hier hilft die iPhone-App Eiercode oder die Webseite was-steht-auf-dem-ei.de. Infos zum Eiercode auch in der Bilderstrecke: Was auf dem Ei steht.
spaceagency 02.08.2017
4. Eine Frage
ich seh immer bei Bio Eier dass dort keine Angaben zur Haltung stehen. Sind diese automatisch auch aus Freilandhaltung odr werden die Hühner einfach nur mit bio Futter gefüttert?
MCR 02.08.2017
5. Eier-Stempel ist hilfreich ...
Laut Radio und anderen Medien (bgl. https://www.derwesten.de/region/riesen-rueckruf-in-nrw-daran-erkennst-du-die-vergifteten-eier-id211434183.html) sind bisher die Eier mit Stempel 1-NL 4128604 oder 1-NL 4286001 (Legedaten liegen zwischen dem 9. bis 21. Juli 2017) betroffen. Vertriebsmarken derzeit noch unklar. Laut Radiobericht heute morgen: Die Belastung ist für Erwachsene unbedenklich, für Kinder allerdings nicht.
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