SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

15. Februar 2013, 17:59 Uhr

Pferdefleisch-Skandal

EU-Staaten starten flächendeckende Gen-Tests

Der Pferdefleisch-Skandal weitet sich massiv aus: Neuen Erkenntnissen zufolge steckt das falsch deklarierte Fleisch in Lasagne, Ravioli, Gulasch, Pastete. Handelsketten vernichten Zehntausende Fertiggerichte. In 27 EU-Staaten werden flächendeckende Gen-Tests durchgeführt.

Berlin - Der Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch schlägt immer größere Wellen. Um dem Skandal auf den Grund zu gehen, wollen die 27 EU-Staaten flächendeckende DNA-Tests durchführen. Innerhalb eines Monats sollen in allen EU-Ländern stichprobenweise Rinderprodukte auf den Gehalt von Pferdefleisch getestet werden, erklärte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Freitag in Brüssel.

Insgesamt sollen innerhalb eines Monats 2250 Proben in allen 27 Mitgliedstaaten genommen werden. Falls notwendig, wird die Untersuchung noch länger fortgesetzt. Zudem soll bei Pferdefleisch geprüft werden, ob es Rückstände des bei Pferden eingesetzten Medikaments Phenylbutazon gibt. Je 50 Tonnen Pferdefleisch werde eine Probe gezogen, hieß es weiter.

Zehntausende Packungen mit Fertiglasagne werden voraussichtlich vernichtet, weil sie statt Rindfleisch Pferdefleisch enthalten könnten. Handelsketten nehmen massenhaft Ware aus den Regalen, in Kühlhäusern gelagerte Produkte werden sichergestellt. Die Packungen würden in der Regel sofort zerstört, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums von Mecklenburg-Vorpommern.

Pferdefleisch in Ravioli, Gulasch und Pastete

Comigel steht nach Angaben von Ermittlern inzwischen im Zentrum des Skandals. Die Firma soll rund 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Pferdefleisch der Firma Spanghero hergestellt haben - die dann an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden.

Spanghero hatte 42 Tonnen Pferdefleisch von zwei rumänischen Schlachthöfen gekauft. Dieses wurde verarbeitet und laut den Ermittlern an Comigel weiterverkauft. Rindfleisch kostet viermal so viel wie Pferdefleisch. In sechs Monaten soll Spanghero mit diesem Geschäftsmodell mehr als 500.000 Euro Gewinn gemacht haben.

Der Lebensmittel-Discounter Aldi Süd hat zwei Fertiggerichte aus den Regalen genommen, nachdem eigene Analysen darin Pferdefleisch nachgewiesen haben. Bei den betroffenen Produkten handele es sich "Ravioli, 800-Gramm-Dose (Sorte Bolognese)" und um "Gulasch, 540-Gramm-Dose (Sorte Rind)". Kunden können die betroffenen Produkte in den Filialen von Aldi Süd gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgegeben.

Die Großhandelskette Metro stoppte vorsorglich den Vertrieb der "Lasagne Bolognese Capri", bislang seien jedoch noch keine Verunreinigungen gefunden worden, betonte ein Sprecher.

Auch beim Discounter Lidl gibt es einen ersten Verdacht auf ein mit Pferdefleisch angereichertes Produkt. Man habe "Tortelloni Rindfleisch" des Herstellers Gusto GmbH der Hilcona AG aus dem Verkauf genommen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Lidl habe zuvor eine Meldung der österreichischen Behörden erhalten, in der es hieß, in Tortelloni sei ein "nicht deklarierter Anteil an Pferdefleisch" gefunden worden.

In Großbritannien schlug der Skandal weitere Wellen. Wie der Sender BBC am Freitag unter Berufung auf die Lebensmittelaufsicht FSA berichtet, wurden Pferdefleischspuren in 29 von 2500 getesteten Produkten gefunden, unter anderem in Lasagne und Rindfleisch-Hamburgern der Hotel- und Kneipenkette Whitbread's. In der Grafschaft Lancashire wurden Fleischpasteten wegen Pferdefleischspuren aus den Schulkantinen entfernt.

ssu/dpa/Reuters

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH