Pferdefleisch-Skandal: EU-Staaten starten flächendeckende Gen-Tests

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Pferdefleisch: Lebensmittel im großen Stil vernichtet

Der Pferdefleisch-Skandal weitet sich massiv aus: Neuen Erkenntnissen zufolge steckt das falsch deklarierte Fleisch in Lasagne, Ravioli, Gulasch, Pastete. Handelsketten vernichten Zehntausende Fertiggerichte. In 27 EU-Staaten werden flächendeckende Gen-Tests durchgeführt.

Berlin - Der Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch schlägt immer größere Wellen. Um dem Skandal auf den Grund zu gehen, wollen die 27 EU-Staaten flächendeckende DNA-Tests durchführen. Innerhalb eines Monats sollen in allen EU-Ländern stichprobenweise Rinderprodukte auf den Gehalt von Pferdefleisch getestet werden, erklärte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Freitag in Brüssel.

Insgesamt sollen innerhalb eines Monats 2250 Proben in allen 27 Mitgliedstaaten genommen werden. Falls notwendig, wird die Untersuchung noch länger fortgesetzt. Zudem soll bei Pferdefleisch geprüft werden, ob es Rückstände des bei Pferden eingesetzten Medikaments Phenylbutazon gibt. Je 50 Tonnen Pferdefleisch werde eine Probe gezogen, hieß es weiter.

Zehntausende Packungen mit Fertiglasagne werden voraussichtlich vernichtet, weil sie statt Rindfleisch Pferdefleisch enthalten könnten. Handelsketten nehmen massenhaft Ware aus den Regalen, in Kühlhäusern gelagerte Produkte werden sichergestellt. Die Packungen würden in der Regel sofort zerstört, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums von Mecklenburg-Vorpommern.

  • Allein in Brandenburg blockierten die Behörden rund 26.000 Packungen, auch wenn es noch keine Hinweise gibt, dass falsch deklarierte Ware in den brandenburgischen Handel gelangt ist. Sicher ist sicher, lautet die Devise.
  • In Mecklenburg-Vorpommern wurden bisher 11.380 Packungen Lasagne unter Pferdefleisch-Verdacht aus Lagern und Kühlregalen genommen. Wie ein Sprecher des Agrarministeriums in Schwerin mitteilte, haben die Handelskonzerne die Waren zurückgezogen. "Es werden definitiv noch mehr Packungen werden", kündigte der Ministeriumssprecher an.
  • Hamburger Behörden entdeckten Spuren von Pferdefleisch in Tiefkühlkost.
  • Niedersachsen ordnete nach Angaben des Agrarministeriums an, keine Fertiggerichte des französischen Herstellers Comigel mehr aus einem Kühlhaus bei Verden auszuliefern. Andere Bundesländer zogen ebenfalls Fertiggerichte aus dem Verkehr.

Pferdefleisch in Ravioli, Gulasch und Pastete

Comigel steht nach Angaben von Ermittlern inzwischen im Zentrum des Skandals. Die Firma soll rund 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Pferdefleisch der Firma Spanghero hergestellt haben - die dann an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden.

Spanghero hatte 42 Tonnen Pferdefleisch von zwei rumänischen Schlachthöfen gekauft. Dieses wurde verarbeitet und laut den Ermittlern an Comigel weiterverkauft. Rindfleisch kostet viermal so viel wie Pferdefleisch. In sechs Monaten soll Spanghero mit diesem Geschäftsmodell mehr als 500.000 Euro Gewinn gemacht haben.

Der Lebensmittel-Discounter Aldi Süd hat zwei Fertiggerichte aus den Regalen genommen, nachdem eigene Analysen darin Pferdefleisch nachgewiesen haben. Bei den betroffenen Produkten handele es sich "Ravioli, 800-Gramm-Dose (Sorte Bolognese)" und um "Gulasch, 540-Gramm-Dose (Sorte Rind)". Kunden können die betroffenen Produkte in den Filialen von Aldi Süd gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgegeben.

Die Großhandelskette Metro stoppte vorsorglich den Vertrieb der "Lasagne Bolognese Capri", bislang seien jedoch noch keine Verunreinigungen gefunden worden, betonte ein Sprecher.

Auch beim Discounter Lidl gibt es einen ersten Verdacht auf ein mit Pferdefleisch angereichertes Produkt. Man habe "Tortelloni Rindfleisch" des Herstellers Gusto GmbH der Hilcona AG aus dem Verkauf genommen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Lidl habe zuvor eine Meldung der österreichischen Behörden erhalten, in der es hieß, in Tortelloni sei ein "nicht deklarierter Anteil an Pferdefleisch" gefunden worden.

In Großbritannien schlug der Skandal weitere Wellen. Wie der Sender BBC am Freitag unter Berufung auf die Lebensmittelaufsicht FSA berichtet, wurden Pferdefleischspuren in 29 von 2500 getesteten Produkten gefunden, unter anderem in Lasagne und Rindfleisch-Hamburgern der Hotel- und Kneipenkette Whitbread's. In der Grafschaft Lancashire wurden Fleischpasteten wegen Pferdefleischspuren aus den Schulkantinen entfernt.

ssu/dpa/Reuters

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Läukämie
Ober_Gumbo 15.02.2013
Tja - Phenylbutazon verursacht Schäden im Blutbild - auch bei kleinsten Dosen. Vulgo: Kinder und Erwachsene werden an Läukamie erkranken, daran sterben und niemand wird wissen woher es kam. Denn es gibt keinen "ursächlichen Zusammenhang". Willkommen in der schönenen neuen Wirtschaftdiktatur....
2. Stimmen aus Deutschland
Pandora0611 16.02.2013
Zitat von sysopREUTERSDer Pferdefleisch-Skandal weitet sich massiv aus: Neuen Erkenntnissen zufolge steckt das falsch deklarierte Fleisch in Lasagne, Ravioli, Gulasch, Pastete. Handelsketten vernichten Zehntausende Fertiggerichte. In 27 EU-Staaten werden flächendeckende Gen-Tests durchgeführt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/firmen-vernichten-zehntausende-fertiggerichte-a-883720.html
■ Als ich gestern meinen *Tiefkühlburger* in der Mikrowelle zubereitete, wieherte er! ■ Als ich gestern meinen *Karnichchenbraten *in die Röhre schob, miaute er! ■ Die Fischstäben und der Rechteckfisch meiner Kinder bestand aus 100% *Formfisch!* ■ Das *Schweinegullasch* bestand aus 100% *Hundefleisch*! ■ Das *Schweinegeschnetzelte - Gyros Art* bestand aus *Formfleich/Gammelfleisch!* ■ Im Brot findet man *Mäusekot!* ■ Sprossen enthalten *Ehec* ■ Bioeier sind *Dioxinverseucht!* Aber wir *"fessen"* ja alles! *_Hauptsache *billig!*_*
3. Was melden Sie da für hysterischen Quatsch?
georgkeckl 19.02.2013
Sie melden: "Spanghero hatte 42 Tonnen Pferdefleisch von zwei rumänischen Schlachthöfen gekauft. Dieses wurde verarbeitet und laut den Ermittlern an Comigel weiterverkauft. Rindfleisch kostet viermal so viel wie Pferdefleisch. In sechs Monaten soll Spanghero mit diesem Geschäftsmodell mehr als 500.000 Euro Gewinn gemacht haben.", das steht nun 3 Artikeln von Ihnen. Mal nachgerechnet: Wenn ich mit 42t Pferdefleisch = 42000 kg 500.000 Euro Gewinn machen will, so hätte ich pro kg 11,90 € Gewinn machen müssen, den Warenpreis noch gar nicht berücksichtigt! Wir sprechen hier von Rinderhack, das konstet zur Zeit bei famila um die Ecke 5,49 €/kg insgesamt. Nun bitte Butter bei die Fische: wo, wer, wieviel, Testergenisse in % der Menge und Charge - und mit Gegenprobe. Grüße: Georg Keckl
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