Flixbus kauft Postbus Was die Fernbusfusion für Fahrgäste bedeutet

Flixbus schluckt Postbus - damit gehen die zwei größten deutschen Fernbusbetreiber zusammen. Steigen jetzt die Preise? Schadet das der Umwelt? Und wie finden Sie die günstigste Verbindung? Die Antworten.

Postbus und Flixbus in Hamburg
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Postbus und Flixbus in Hamburg

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Was ist passiert?


Der Marktführer Flixbus übernimmt das Geschäft des Konkurrenten Postbus. Die ersten Linien der Fernbussparte der Deutschen Post sollen bereits ab November in das Flixbus-Netz integriert werden.


Warum schließen sich die beiden Firmen zusammen?


Der Zusammenschluss hat mehrere Gründe:

  • Branchenführer Flixbus will seine Marktmacht ausbauen. Schon jetzt hat das Unternehmen in Deutschland einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Nach dem Zusammenschluss mit Postbus könnten es mehr als 80 Prozent sein.
  • Flixbus will sich zudem neue Zielgruppen erschließen. "Während wir durch unsere Positionierung vor allem ein junges, onlineaffines Publikum ansprechen, hat die Post durch Offline-Vertriebskanäle auch Senioren oder Familien erreicht", sagte Flixbus-Chef André Schwämmlein.
  • Gleichzeitig entledigt sich die Post einer defizitären Geschäftssparte. Die eigene Strategie sei "wirtschaftlich unattraktiv" gewesen, gab Post-Finanzchef Lawrence A. Rosen zu.

Steigen jetzt die Preise?


Zunächst ist damit nicht zu rechnen. "Fernbusbetreiber wie Flixbus konkurrieren auch mit innerdeutschen Billigfluglinien, Spezialangeboten der Deutschen Bahn und mit Mitfahrdiensten wie BlaBlaCar", sagt Anja Smetanin vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Der Konkurrenzkampf im Verkehrssektor sei so stark, dass sich Flixbus kurzfristige Preissteigerungen wohl nicht erlauben kann. Mittelfristig dürften die Preise aber schon steigen - auf Dauer ist die Dumping-Strategie von Flixbus nicht nachhaltig.

Kartellrechtlich hat der Zusammenschluss keine Konsequenzen. Der Zusammenschluss gilt als nicht anmeldepflichtig, da das Vorhaben die geltenden Umsatzschwellen nach Angaben der Behörde nicht erreicht.


Was ändert sich sonst noch für mich?


Ein Vorteil ist, dass künftig noch mehr Städte per Fernbus erreichbar sein sollen. "Wir wollen zum Beispiel die Küste häufiger anfahren", sagt Flixbus-Chef Schwämmlein. Profitieren würden zudem Kleinstädte, die bisher noch nicht an das Fernbusnetz angeschlossen sind.

Qualitativ unterscheiden sich die Angebote von Postbus und Flixbus eher wenig. Bei beiden Linien gibt es verstellbare Sitze, WLAN und ein breites Angebot an Filmen und Serien, die man unterwegs anschauen kann. Beide Linien haben hohe Standards für Sicherheit und Sauberkeit. In Kundenumfragen lag Postbus in Sachen Sauberkeit und Freundlichkeit jedoch stets vor Flixbus, sodass leichte Einbußen zumindest möglich sind.


Warum boomt der Fernbusmarkt eigentlich so?


Der Boom im deutschen Fernbusmarkt geht auf eine Änderung des Personenbeförderungsgesetzes zurück. Seit Anfang 2013 dürfen in Deutschland parallel zu Strecken, auf denen Bahnverkehr angeboten wird, auch Linienbusse fahren. Mit der Freigabe des Fernlinienbusverkehrs entwickelte sich eine große Dynamik.

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Marktanteile der Fernbusriesen nach Fusion: Diese Fernbuslinienanbieter bleiben noch übrig

So stieg das Fernbusangebot von 86 Linien im Jahr 2012 auf 250 Verbindungen im Jahr 2014. Die wachsende Konkurrenz führte zu sehr niedrigen Ticketpreisen. In der Folge sind viele kleine Anbieter wieder vom Markt verschwunden. Andere Unternehmen haben sich zusammengeschlossen, sodass neben dem Marktführer Flixbus der BerlinLinienBus aktuell der letzte große Konkurrent ist.

Die Zusammenschlüsse haben zu einer Angebotsausweitung geführt. So werden mittlerweile auch Kleinstädte angefahren, die nur schlecht an das Fernverkehrsnetz angeschlossen sind, und es gibt Nacht- und Expressverbindungen.


Ist der Bus-Boom schlecht für die Umwelt?


Nicht unbedingt. Denn die günstigen Fernbusverbindungen bewegen immer mehr Menschen dazu, das eigene Auto stehenzulassen. Laut Umweltbundesamt werden bei einer Fernbusreise pro Kilometer und Sitzplatz rund 32 Gramm Treibhausgase ausgestoßen, beim Pkw sind es 142 Gramm.

Rein rechnerisch stoßen Fernbusse also sogar weniger CO2 aus als die Züge der Deutschen Bahn: Bei einem Fernzug sind es durchschnittlich 41 Gramm. Ein weiteres Plus ist, dass Fernbusse oft besser ausgelastet sind als Züge - was ihre Ökobilanz weiter verbessert.

Faktisch ist die Bahn jedoch oft umweltfreundlicher, denn Busse stoßen noch massig andere Schadstoffe aus, zum Beispiel besonders viele Stickoxide. Zudem wird die Bahn mit wachsendem Ökostromanteil in den deutschen Netzen immer umweltfreundlicher. Verbände wie der VCD fordern daher, die Bahn im Konkurrenzkampf gegenüber Fernbussen zu stärken, zum Beispiel indem man die Trassengebühren senkt.


Bahn, Bus, Billigflieger - wie finde ich die beste Verbindung?


Im Internet gibt es eine Vielzahl von Vergleichsportalen wie busliniensuche.de, goeuro.de, checkmybus.de, fernbusse.de. Diese beziehen außer Fernbussen zum Teil Bahnverbindungen, Mitfahrgelegenheiten und innerdeutsche Flüge mit ein und geben einen guten ersten Überblick. Vor der Buchung empfiehlt es sich dennoch, auch direkt auf die Seiten der jeweiligen Anbieter zu gehen, da nicht jedes Portal alle Möglichkeiten berücksichtigt.

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Mit Material der Agenturen



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FFMer 03.08.2016
1. Schönrederei
Natürlich werden bei 80% Marktanteil die Preise steigen. Warum ist diese Übernahme im Sinne des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen eigentlich legal?
nachfrager2015 03.08.2016
2. wer lesen kann ist klar im Vorteil
-> "...die geltenden Umsatzschwellen nach Angaben der Behörde nicht erreicht".
ollis.post 03.08.2016
3.
kartellrechtlich ist da nix zu machen. die Busse sind gemeinsam im Topf aller Verbindungen. Bahn, Bus und auch Flüge. Die Busse haben insgesamt den geringsten Prozentanteil aus, und haben so gemeinsam keine Markmacht.
nk222 03.08.2016
4. wie konnte sich BerlinLinienBus
das Wortspiel BerlinienBus entgehen lassen? reg ich mich jedesmal drüber auf, wenn ich so einen überhole...
noalk 03.08.2016
5. Immer noch gute Alternative
Zitat von FFMerNatürlich werden bei 80% Marktanteil die Preise steigen. Warum ist diese Übernahme im Sinne des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen eigentlich legal?
Die Antwort auf Ihre Frage steht im Artikel. Bin gerade erst wieder mit Flixbus gefahren. Auf 400 km Strecke 2½ Std. Verspätung am Ziel, wegen verstopfter Autobahnen. Muss man halt einkalkulieren. Was die Sauberkeit betrifft: Die liegt doch sehr im Einflussbereich der Fahrgäste. Der Bus war bei Fahrtantritt sauber. Es gibt halt leider Fahrgäste, denen die Durchsagen der Busfahrer am Ohr vorbeigehen. Preiserhöhungen? Werden bestimmt kommen. Warum auch nicht, würde jeder so machen. Wem es nicht passt, der kann ja mit der Bahn fahren oder den Flieger nehmen. Die kleinen Fernbusbetreiber sind ja genau deswegen kaputt gegangen, weil nix zu verdienen war.
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