Germania, FlyBMI und andere So bekommen Sie Ihr Geld bei einer Flugpleite zurück

Air Berlin, Germania, FlyBMI: Die Pleiten von Fluggesellschaften häufen sich, die Kunden bleiben oft auf den Kosten sitzen. Dabei geht es anders. Eine Anleitung.

Passagiere am Hamburger Flughafen (Archivbild)
DPA

Passagiere am Hamburger Flughafen (Archivbild)

Ein Kolumne von


Flugreisen sind eine zunehmend unsichere Angelegenheit für Urlauber. Nicht, weil der Flieger vom Himmel fällt - das glücklicherweise nicht. Sondern weil die Fluglinie zwischen Buchung und Flug pleitegehen kann. Dann ist das Geld für die Buchung häufig weg.

Germania, Air Berlin, Niki, Alitalia, Monarch, FlyBMI - schon jetzt ist klar: Weitere Pleiten werden folgen. Und immer noch stellen sich einige Banken quer, wenn die geschädigten Kunden das Geld über ihre Kreditkarte zurückerhalten wollen. Dabei geht das recht einfach.

Eigentlich gibt es beim Flugpreisrisiko zwei klassische Gegenmaßnahmen:

  • Erstens: Man bucht den Flug als Pauschalreise. Dazu reicht es schon, den Flug gemeinsam mit den ersten beiden Hotelübernachtungen oder dem Mietwagen gebucht und bezahlt zu haben. So regelt es seit 2018 das neue EU-Pauschalreiserecht. Dann ist der Geschäftspartner dieser Pauschalreise dafür verantwortlich, Sie entweder mit einer anderen Fluglinie zum Ziel zu bringen oder Ihnen das Geld zurückzuerstatten.

  • Oder Sie buchen, zweitens, den Flug wie oben angedeutet mit Ihrer Kreditkarte. Die großen Kreditkartenfirmen sehen vor, dass man sein Geld zurückbekommt, wenn die Leistung nicht erbracht wird. Das gibt es lange schon. "Chargeback" heißt das im Fachjargon. Abwickeln muss das die Bank, die einem die Kreditkarte ausgestellt hat.

"Die Banken haben bei Air Berlin viel gelernt", sagte mir Mastercard-Sprecherin Juliane Schmitz-Engels. Vor zwei Jahren hatten bei der Pleite der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft zahlreiche Kunden erst lange mit ihrer Bank argumentieren müssen, bevor die Bank das Geld wie nach den Regeln von Mastercard und Visa vorgesehen zurücküberwies. Hunderttausende Kunden hatten Tickets gekauft und konnten dann nicht fliegen. Kreditkartenkunden waren wegen des Chargeback eigentlich im Vorteil, ihre Banken haben ihnen aber oft nichts gesagt. "An und für sich sollte das heute funktionieren," so Schmitz-Engels.

Germania-Kunden wurde es nicht leicht gemacht

Das Wort der Kreditkartenfirmen in Gottes Ohr. Doch so einfach wollen es manche Banken den 260.000 Germania-Kunden nicht machen, die bezahlt haben und deren Tickets auf einmal nichts mehr wert waren.

Zum Beispiel Comdirect: Für Flüge, die nicht abgehoben haben, ist die Lösung noch relativ einfach. "Reklamationen für die nicht erbrachte Leistung von Germania können eingereicht werden", schreibt mir die Bank. Liegt der Flugtermin hingegen noch in der Zukunft, mauert Comdirect: Erst "wenn der Insolvenzverwalter schriftlich bestätigt, dass die Ansprüche des Kunden nicht bedient werden, kann ein Chargeback unter Vorlage der Buchungsbestätigung sowie der schriftlichen Ablehnung eingereicht werden". Besonders nett die anschließende Warnung: Würde der Antrag unvollständig eingereicht und abgelehnt, könne er nicht noch einmal eingereicht werden.

Oder die Postbank, die nur "unter gewissen Voraussetzungen" überhaupt die Möglichkeit sieht, eine Rückerstattung zu "beantragen". Wenn der Insolvenzverwalter der Fluglinie die Zahlung ablehne, könne die Postbank "versuchen", für ihre Kunden "eine Rückerstattung zu veranlassen". So sorgen sich die beiden Banken um Ihre Kunden.

Auch der Insolvenzverwalter schert sich keinen Deut um die betroffenen Fluggäste. Auf seiner Homepage schreibt er bloß: "Eine rechtsverbindliche Auskunft ist leider derzeit nicht möglich. Zunächst können Forderungen gegen die insolvente Germania Fluggesellschaft mbH überhaupt erst im eröffneten Insolvenzverfahren angemeldet werden." Das soll überhaupt erst im April starten.

Andere Banken sind tatsächlich klarer: Die Comdirect-Mutter Commerzbank schreibt, die Kunden sollten einfach eine "Erläuterung über den Klärungsversuch mit dem Insolvenzverwalter sowie das Datum des Klärungsversuchs" darlegen - dann laufe das. Auch bei der HypoVereinsbank heißt es, man unterstütze die Kreditkarteninhaber rund um die Uhr, die Mitarbeiter im Kartenservice seien mit den Problemen vertraut, wenn ein Ablehnungsschreiben vom Insolvenzverwalter der Fluggesellschaft komme.

Deshalb hier noch einmal für alle Flugreisenden die Bedienungsanleitung:

  • Kaufen Sie Ihre Flugtickets künftig zum Beispiel über Paypal. Bei dem US-Bezahldienstleister sind Sie durch einen unkomplizierten Käuferschutz geschützt. Das gilt offenkundig insbesondere für Kunden der Commerzbank-Tochter Comdirect oder der Postbank.
  • Zahlen Sie Flugtickets ansonsten mit Kreditkarte, keinesfalls per Überweisung. Eine kostenlose Bezahlmöglichkeit mit einer gängigen Kreditkarte muss der Ticketverkäufer anbieten. Wenn er das nicht tut, sollten Sie ihn sowieso meiden. Bei den meisten Banken klappt die Rückabwicklung über Chargeback.
  • Oder buchen Sie gleich eine Pauschalreise, die besteht aus mindestens zwei Teilen, also beispielsweise Flug und Hotel, oder Flug und Mietwagen oder Flug und Hoteltransfer - gemeinsam gebucht. Dann sind Sie durch einen Reisesicherungsschein geschützt.
  • Ganz kurz vor dem Reisetermin können Sie auch per Lastschrift bezahlen, falls das angeboten wird. Denn auch eine Lastschrift können Sie acht Wochen lang zurückholen.

Sofern dann aber der Ernstfall eintritt, gilt Folgendes:

  • Bei der Lastschrift müssen Sie sich beeilen - die Acht-Wochen-Frist bei Ihrer Bank läuft.
  • Bei Paypal beantragen Sie auf der Homepage eine Klärung und anschließend Käuferschutz.
  • Und bei der Kreditkarte stoßen Sie bei Ihrer Bank das Chargeback an.
  • Als Pauschalreisender muss Ihr Veranstalter Sie anders ans Ziel bringen oder das Geld zurückerstatten.

Bleiben Sie stur!

Manch Reisender hat das Ticket bei einem Tickethändler gekauft, nicht bei der Fluglinie selbst. Die drohen dann nach dem Chargeback schon mal mit einem Inkassobüro. Bleiben Sie stur. Denn Ihre bezahlte Leistung wurde nicht erbracht. Das reicht für Kreditkartenkonzerne und Ihre Bank. Der Tickethändler hat mit dem Ticket sozusagen auch das Risiko des Chargeback bei der Fluglinie eingekauft, der könne sich dann an den Insolvenzverwalter halten, hieß es bei Visa.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Mein Tipp: Schauen Sie auf den Flugportalen nach den günstigen Angeboten und buchen Sie lieber bei den Fluglinien selbst. Das ist in der Regel kaum teurer, in der Abwicklung aber einfacher.

Am Ende geht es bei jeder Fluglinienpleite natürlich auch um Politikversagen. Seit 25 Jahren gibt es Reisesicherungsscheine für Pauschalreisen, ein ähnliches System der Insolvenzabsicherung braucht es auch für Flugreisen. Dann müssten die Fluglinien das Problem selbst lösen und nicht Banken und Reisebüros. Kommende Woche diskutiert der Bundestag das wieder. Und die Nummer Ihres zuständigen Europaabgeordneten finden Sie hier.

Auf dem Weg dahin könnte man wenigstens mal die Vorkasse abschaffen. Eine Anzahlung fürs Ticket müsste auch reichen. Schließlich genügt das den Fluggesellschaften bei Pauschalreisen ja auch.



insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Didoxion 09.03.2019
1. PayPal schützt überhaupt nicht.
Käuferschutz wurde abgelehnt, weil opodo vermittelt hat. Und deren Reiseversicherung schreibt in den kleingedruckten Erläuterungen zu den Kleingedruckten Versicherungsbedingungen ganz hinten, dass ein insolvenzbedingter Ausfall nicht versichert ist. PayPal ist für uns gestorben.
markus_wienken 09.03.2019
2.
Wie ich aus einem Vorgängerforum von anderen Foristen gelernt habe, kann man auch für kleines Geld zur Flugbuchung meist auch eine Versicherung gegen solche Fälle abschließen, die dann zahlen würde.
frank_n_furter 09.03.2019
3. Kundenanzahlungen vorrangig bedienen
Der Gesetzgeber sollte das Insolvenzrecht dahingehend ändern, dass Anzahlungen von Endkunden im Insolvenzfall vorrangig bedient werden, und alles ist gut! Oder stünde dem etwas im Wege?
three-horses 09.03.2019
4. Betrachten Sie das als Spende für eine gute Tat.
Zitat von frank_n_furterDer Gesetzgeber sollte das Insolvenzrecht dahingehend ändern, dass Anzahlungen von Endkunden im Insolvenzfall vorrangig bedient werden, und alles ist gut! Oder stünde dem etwas im Wege?
So weit mir bekannt...Löhne, Finanzamt...die Schlange ist lang...und Endkunde kommt nicht vor. Der ist nur das Geld aus dem sich die Anderen bedienen.
gammoncrack 09.03.2019
5. Selbst Schuld!
Zitat von DidoxionKäuferschutz wurde abgelehnt, weil opodo vermittelt hat. Und deren Reiseversicherung schreibt in den kleingedruckten Erläuterungen zu den Kleingedruckten Versicherungsbedingungen ganz hinten, dass ein insolvenzbedingter Ausfall nicht versichert ist. PayPal ist für uns gestorben.
Wer über Opodo bucht, sollte sich nun wirklich nicht beklagen, wenn was schief läuft und dann keine Hilfe kommt. Nur einmal die Bewertungen zu Opodo im Internet angucken, dann bucht man dort nichts. Und vielleicht erklären Sie einmal folgendes: https://flug.idealo.de/shop/Opodo-6/ Laut Opodo wird die Zahlung über Paypal überhaupt nicht angeboten. Wie haben Sie das hinbekommen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.