Flugticket-Irrsinn: Der Preis ist Glückssache

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150 Euro? Oder doch 600? Wie viel eine Flugreise kostet, berechnen komplexe Computer-Algorithmen ständig neu. Angebote der Airlines miteinander zu vergleichen, wird so fast unmöglich. Die Fluglinien sagen, anders gehe es leider nicht. Wirklich?

Lufthansa-Passagiere am Flughafen Tegel: Haben die Anbieter Angst vor Transparenz? Zur Großansicht
DDP

Lufthansa-Passagiere am Flughafen Tegel: Haben die Anbieter Angst vor Transparenz?

Seit einiger Zeit toure ich als Vortragsreisender durch die Republik und häufe dabei Reisespesen an. Solange ich mit Bahn oder Auto unterwegs bin, ist das unproblematisch. Aber sobald ich fliegen muss, kommt es immer wieder zu folgender Diskussion:

Veranstalter: Was kostet uns denn Ihr Flug von München nach Berlin?

König: Das, was auf dem Ticket steht.

Veranstalter: Aber Sie müssen mir doch den exakten Preis sagen können.

König: Leider nein.

Veranstalter: Also mit Air Berlin bin ich letzten Monat für 150 Euro...

Und so weiter.

Ich habe München-Berlin schon für hundert Euro geschafft; ein anderes Mal musste ich 600 Euro blechen. Ich würde meinen Veranstaltern gerne die genaue Summe mitteilen, aber kaum etwas ist unwägbarer als die Ticketpreise der Airlines. Voraussagen sind da praktisch unmöglich, eher glaube ich Dax-Prognosen oder dem 14-Tage-Wetterbericht.

Die Ticketpreise werden täglich zigmal neu berechnet. Auch andere Branchen arbeiten mit solchen automatischen Rechenmaschinen, aber keines ist so ausgefeilt wie das der Fluglinien. Man könnte auch sagen: Keines ist derart irrwitzig und nervtötend.

Dass die Preise nach Angebot und Nachfrage berechnet werden, ist nur die halbe Wahrheit. Weitere Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen, etwa Tageszeit, Zugehörigkeit zu Vielfliegerprogrammen, von Reiseveranstaltern reservierte Kontingente und vieles mehr.

Reisen als Lottospiel

Das Resultat ist ein für den Kunden völlig undurchsichtiges System. Es macht jede Reiseplanung zu einem langwierigen Hin und Her, dem Geschacher auf einem Basar nicht unähnlich. Lufthansa oder Air Berlin? Ist der Air-France-Flug bei Expedia.de vielleicht günstiger als auf Airfrance.de?

Vor einiger Zeit wollte ich von Hamburg nach Lissabon. Während die Lufthansa für den Flug etwa 350 Euro aufrief, bot die Swiss (eine Lufthansa-Tochter) die Strecke für unter 90 Euro an. Den ersten Teil meines Flugs bis Zürich absolvierte ich in einer Lufthansa-Maschine - mit vielen anderen Reisenden, die für ihr Ticket vermutlich viel mehr bezahlt hatten als ich für mein Swiss-Billett.

Weil das System so byzantinisch ist, kursieren unter Reisenerds allerlei seltsame Theorien. Zum Beispiel, dass, am Mittag zu buchen, ein No-Go ist. Oder dass Tickets dienstagabends am billigsten sind.

Ich würde auf diesen Quatsch gerne verzichten und einen höheren Preis akzeptieren - wenn mir die Airlines im Gegenzug garantierten, dass mich ein Flug zwischen zwei deutschen Großstädten stets 300 Euro kostet. Sogar dienstagabends.

Unlösbare Gleichung

Die Argumentation der Airlines lautet: Leere Sitze sind entgangene Umsätze. Anders als Pullover oder Autoreifen kann man sie nicht zu einem späteren Zeitpunkt erneut auf den Markt werfen, da die tägliche Passagierkapazität unveränderlich ist.

Das ist meiner Ansicht nach eine Ausrede. Kinobetreiber haben schließlich dasselbe Problem. Trotzdem haben deren Plätze einen festen Preis. Auch Airline-Finanzmanager könnten die Grenzkosten eines Sitzes errechnen (unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Auslastung). Dies hätte freilich zur Folge, dass jeder Verbraucher plötzlich wüsste, wer welche Strecke am billigsten bedient. Könnte es sein, dass die Gesellschaften vor so viel Transparenz Angst haben?

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Studie des Mathematikers Carl de Marcken. Er untersuchte die Preisalgorithmen von Airlines. Sein Ziel: Das billigste Angebot für einen Flug von Boston nach San Francisco (und zurück) zu finden. De Marckens Team errechnete dafür 25 Millionen möglicher Varianten - für eine Gesellschaft, wohlgemerkt. Bei einem Dreiecksflug wären es noch viel mehr, etwa 10 hoch 36. Druckte man alle diese Tickets aus und legte sie hintereinander, dann reichten sie von hier bis zum vier Lichtjahre entfernten Proxima Centauri.

Aber welches der Angebote war das billigste? Das konnte de Marcken nicht herausfinden, denn die Preis-Algorithmen waren derart komplex, dass es auf diese Frage, mathematisch betrachtet, keine Antwort gab. Zumindest keine schnelle: Selbst ein Supercomputer bräuchte mehrere Milliarden Jahre, um das preiswerteste Ticket zu finden.

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insgesamt 131 Beiträge
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1. Txl<->muc ...
stauchert 25.12.2011
Zitat von sysop150 Euro? Oder doch 600? Wieviel eine Flugreise kostet, berechnen komplexe Computer-Algorithmen ständig neu.*Angebote der Airlines miteinander zu vergleichen, wird*so fast unmöglich. Die Fluglinien sagen, anders gehe es leider nicht. Wirklich? http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,803807,00.html
mit San Franciso Boston (mit bis zu 2 Zwischenstopps) zu vergleichen, macht nun wirklich keinen Sinn. Im Grund ist bei Flügen zwischen deutschen Großstädten doch ganz einfach, da es normalerweise nur 1-3 Anbieter gibt (in der Urlaubszeit etwas mehr, wenn man bereit ist in einem Ferienflieger mitzufliegen). Flüge mit Zwischenlandungen wird innerhalb Deutschlands kein vernünftiger Mensch buchen. Je später (zum Reisetermin hin nicht zur Tageszeit) man bucht, desto teurer wird es. Und Flüge im Berufsverkehr (8.00-10.00, und 18.00-20.00) sind teurer als zu anderen Tageszeiten. Zu Messezeiten kann es auch höheren Preisen kommen, wenn auch längst nicht so unverschämt, wie es bei Hotels oftmals der Fall ist.
2.
DMenakker 25.12.2011
Entschuldigt bitte, wenn ich so nassforsch bin. Aber der Artikel ist das dümmste, was ich jemals zum Thema Flugpreise gelesen habe. Jede Airline teilt ihre Sitze in Sogenannte Buchungsklassen auf ( nicht zu verwechseln mit Serviceklassen, Also Eco, Business und First ). Jede dieser Buchungsklassen haben bestimmte Nettopreise und ggf. sogar unterschiedliche Steuern. Denn oft genug kann ein bestimmter Sonderpreis erst dann erreicht werden, wenn der Flugpreis nicht nur extrem niedrig ist, sondern auch die sonstigen Kosten ( Abflugsteuer, Kerosinzuschläge ) noch einmal heruntersubventioniert werden. Auch ist es nunmal so, dass jede dieser einzelnen Buchungsklassen unterschiedliche Tarifbestimmungen hat. So verlangt der eine Tarif eben eine Vorausbuchungsfrist von 1 Woche, der andere erlaubt am selben Tag zu buchen. Es ist durchaus unübersichtlich. Aber ein großes Geheimnis dahinter gibt es nicht. Wann welche Buchungsklassen von den Airlines freigegeben werden, oder auch nicht - und HIER kommen die vom Autor vollkommen aus dem Zusammenhang gerissenen Algorithmen vor, nämlich in der sogenannten Yield Steuerung - das ist eine Wissenschaft für sich. Aber jeder, der mit dem System ein bisschen Erfahrung hat, wird dennoch in der Lage sein, dem Autor bei seiner Planung zu helfen. Man darf halt nur nicht so dumm sein und meinen das Internet wisse alles, sondern man vergesse "Geiz ist geil", zahle eine angemessene Gebühr und buche beim Fachmann ( Reisebüro des Vertrauens ). Viel komplizierter wird es doch erst auf Langstrecken. Wer mit Lufthansa von Frankfurt nach Los Angeles fliegt, vielleich sogar in den teureren Klassen und dabei noch den billigst möglichen Flugpreis ab Frankfurt ergattert hat, darf sich nicht wundern, wenn in der gleichen Kabine Menschen mitfliegen, die bereits einen 5 Stunden Zubringerflug hinter sich haben und dennoch deutlich weniger zahlen, als man selbst. Ein Beispiel: Los Angeles mit Swiss, Business Kabine, Buchungsklasse Z ohne Ausnutzung der immer wiederkehrenden Specials: Ab Frankfurt via Zürich kostet der Flug EUR 2964 plus Steuern und Gebühren. Wer aber nur den kurzen Eco Sprung nach Mailand macht und von dort via Zürch nach Los Angeles fliegt, selbstverständlich im gleichen Sitz und dem gleichen Langstreckenflugzeug, zahlt plötzlich nur noch 2.149 ++. Plus nochmals 100 EUR für den Mailand Zubringer. 3 h Umweg, über 800 EUR gespart. Aber auch hier gilt: Fragen Sie doch einfach jemanden, der Ahnung hat, am besten das Reisebüro Ihres Vertrauens. Wer glaubt selber schlau sein zu müssen ist meistens der gelackmeierte.
3.
DMenakker 25.12.2011
Zitat von sysop150 Euro? Oder doch 600? Wieviel eine Flugreise kostet, berechnen komplexe Computer-Algorithmen ständig neu.*Angebote der Airlines miteinander zu vergleichen, wird*so fast unmöglich. Die Fluglinien sagen, anders gehe es leider nicht. Wirklich? http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,803807,00.html
Und zum Vorschlag des Autors, der Preis für ein innerdeutsches Ticket möge doch feststehen. Was macht der Autor denn, wenn sich Lufthansa dran hält und wirklich 300 EUR von jedem verlangt? Na logisch, Air Berlin für 150 fliegen, was denn sonst?
4. Ein Weihnachtswunder!
spontiki 25.12.2011
Zitat von sysop150 Euro? Oder doch 600? Wieviel eine Flugreise kostet, berechnen komplexe Computer-Algorithmen ständig neu.*Angebote der Airlines miteinander zu vergleichen, wird*so fast unmöglich. Die Fluglinien sagen, anders gehe es leider nicht. Wirklich? http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,803807,00.html
Oh Wunder, die Swissair ist wiederauferstanden! Und das zu Weihnachten :-) Sie meinten wohl die Swiss (So What It' Still Swissair...) Schönes Fest noch!
5.
Johann Grabner 25.12.2011
---Zitat--- Ich würde auf diesen Quatsch gerne verzichten und einen höheren Preis akzeptieren - wenn mir die Airlines im Gegenzug garantierten, dass mich ein Flug zwischen zwei deutschen Großstädten stets 300 Euro kostet. Sogar dienstagabends. ---Zitatende--- bis auf den exakten Preis können sie das sofort haben, denn das sind die jederzeit umbuchbaren Tickets, die man auch noch 10 min vor Boarding kaufen kann. Die anderen Preise werden ja nur deshalb gemacht, weil viele den höheren Preis eben nicht akzeptieren. Ich würde zB für 300€ in meiner Freizeit innerhalb Europas nicht fliegen, für 100€ aber schon. Dafür nehme ich Flugbindung und lange Vorausbuchungsfristen in Kauf. Im Geschäftsbereich ist das aber irrelevant. Daher können Sie ihrem Veranstalter natürlich den Flugpreis nennen. Genau solche Geschäftsreisende subventionieren ja die Tickets der Freizeitpassagiere. Der Vergleich mit den Kinotickets hinkt, da die Grenzkosten für einen Sitzplatz im Kino weit geringer sind. Die Preissensitivität der Kunden ist auch geringer, wenn es darum geht, ob eine Kinokarte 5 oder 8€ kostet. Aber ob ein Flug 100 oder 300€ kostet, das macht einen großen Unterschied in der Nachfrage.
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