Flugzeugabsturz in Egelsbach: Der Todesflughafen von Warren Buffett

Von Nicolai Kwasniewski

Der Absturz eines Business-Jets am vergangenen Donnerstag in Frankfurt-Egelsbach war nicht der erste tödliche Unfall am Promi-Flughafen des US-Milliardärs Warren Buffett. Vieles deutet darauf hin: Bei der Geschäftsfliegerei geht der Druck, Zeit und Geld zu sparen auf Kosten der Sicherheit.

Flugzeugunglück: Absturz im Wald Fotos
dapd

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Hamburg - Schnurgerade habe die Cessna Citation X über die Baumwipfel den Flugplatz Egelsbach angeflogen. Der Jet-Pilot hatte Kontakt mit dem Tower aufgenommen, sagte die Flughafensprecherin: Alles sei perfekt gewesen. Sekunden später zerschellte der Businessflieger am vergangenen Donnerstag im Wald. Die Trümmer verteilten sich über Hunderte Meter, fünf Menschen kamen ums Leben. Ein Unglück, das möglicherweise hätte verhindert werden können.

Das Flugzeug kam aus dem österreichischen Linz, es gehörte einer US-Firma, an Bord waren drei Männer und zwei Frauen - mehr ist nicht bekannt. Bei Privatflügen sind keine Passagierlisten vorgeschrieben, innerhalb des Schengen-Raums sind auch keine Passkontrollen notwendig. Zwar berichtete die "Bild"-Zeitung, der Pilot sei ein deutscher Textilmillionär mit Wohnsitz in London, mit an Bord seien ein C&A-Geschäftsführer aus Österreich, eine Deutsche, ein Amerikaner und eine Ukrainerin gewesen - die Polizei wollte das aber nicht kommentieren.

Sicher ist dagegen, dass Egelsbach, der größte regionale Flughafen Deutschlands, zum Imperium des legendären US-Investors Warren Buffett gehört und vor allem bei Managern und Prominenten sehr beliebt ist. So beliebt, dass mittlerweile 80.000 Starts und Landungen stattfinden und die wohlhabenden Kunden das Risiko in Kauf nehmen, auf einem Flugplatz zu landen, der als einer der gefährlichsten in Europa gilt, auch weil ihm ein sogenanntes Instrumentenlandesystem (ILS) fehlt. Erst im Juni 2010 starb beim Absturz eines Sportflugzeugs in der Nähe des Flugplatzes ein 54-Jähriger, im Dezember 2009 stürzten drei Geschäftsleute mit einem zweimotorigen Kleinflugzeug ab - unweit der jetzigen Unfallstelle und ebenfalls im Nebel. Insgesamt stürzten seit 2003 fünf Flugzeuge ab - zehn Menschen kamen ums Leben, weit mehr als an Verkehrsflughäfen vergleichbarer Größe.

Groß genug für Business-Jets - klein genug für schnelle Abfertigung

Den Flughafen gibt es zwar schon seit 1955, aber die Bürgerproteste gegen den Fluglärm nehmen jetzt erst zu. Vor allem zur Internationalen Automobilausstellung steigen die Starts und Landungen steil an - im Minutentakt, klagten die Anwohner im vergangenen September, donnerten die Jets über die Dächer. Zur IAA reisen vor allem die ranghohen Manager über Egelsbach an, denn für sie ist es der ideale Flugplatz: Groß genug für Business-Jets wie die jetzt abgestürzte Cessna Citation X - eine 16-Tonnen-Maschine mit 12 Sitzplätzen, die als eines der schnellsten Geschäftsflugzeuge der Welt gilt.

Gleichzeitig ist Egelsbach aber klein genug, dass auf lästig langwierige Sicherheitskontrollen verzichtet werden kann und lange Wartezeiten entfallen. Zudem liegt der Flugplatz nur gut zehn Kilometer südlich vom Hauptflughafen Frankfurt am Main - die Landegebühren sind aber um ein Vielfaches billiger. So wurde Egelsbach zur Lieblingspiste der Wirtschaftselite.

Die verwöhnten Geschäftsleute können zudem mit Blick auf das Rollfeld im "Check-Inn" beim Sternekoch Alfons Schuhbeck speisen und bei Fasanenbrust im Brotmantel diskret ihre Geschäfte besprechen. Oder, wie Ende 2007 der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und der damalige Chef der Lokführergewerkschaft GdL Manfred Schell, ihre Tarifkonflikte beilegen.

Stützpunkt für Buffetts fliegende Büros

Vor knapp drei Jahren übernahm der legendäre Investor Warren Buffett die Mehrheit an dem Kleinflughafen. Der Multimilliardär war dort zwischengelandet, auf der Suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten in Europa. Der beschauliche, aber extrem günstig gelegene Flugplatz hatte es Buffett wohl angetan. Seine Business-Charter-Firma NetJets installierte dort gleich einen Teil der Jet-Flotte - eine exquisite Auswahl von lederbestuhlten fliegenden Büros.

Der einzige Haken: Auf das Wetter in Hessen ist nicht immer Verlass und der Nebel stellt Piloten vor manch eine Herausforderung. Weil der Flughafen kein Instrumentenlandesystem hat, müssen die Piloten auf Sicht fliegen, zudem ist die Landebahn sehr kurz. Egelsbach sei für Piloten "eine Herausforderung", sagt Jörg Handwerg von der Pilotenvereinigung Cockpit (VC). Die VC will deshalb jetzt die Mängelliste, die sie jährlich für Verkehrsflughäfen erstellt, auch auf Business-Flughäfen ausweiten.

Business-Piloten unter Druck

Immer wieder ein Problem ist offenbar der Druck, den die Manager auf ihre Piloten ausüben, trotz widriger Bedingungen auf dem kleinen Airport zu landen. Egelsbach ist ein sogenannter unkontrollierter Platz. Der Tower muss keine Landefreigabe erteilen - er entscheidet lediglich darüber, welche Landebahn anzufliegen sei. Ob das Wetter gut genug ist, entscheidet der Pilot. Und der ist wiederum abhängig von den Kunden, die häufig von den Ledersesseln in der Kabine zur Eile mahnen. Ein Umweg über den Großflughafen Frankfurt am Main könnte ja Stunden kosten.

Im September 2009 waren drei Manager beim Anflug in dichtem Nebel abgestürzt und auch im aktuellen Fall war die Sicht schlecht - ob das der Grund für den Absturz war, ist zwar unklar. Sicher ist aber, dass die Landung mit einem Instrumentenlandesystem (ILS) auch bei schlechtem Wetter möglich gewesen wäre.

Der Flughafen verweist darauf, dass er ein ILS einführen will, einen entsprechenden Antrag habe man beim zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt bereits gestellt. Ein Sprecher des Regierungspräsidiums sagte hingegen: Bisher habe Egelsbach nur angefragt, ob das ILS installiert werden müsse, wenn der Flughafen ausgebaut würde.

Wann der defizitäre Airport das plant, ist allerdings vollkommen unklar. Und so werden wohl auch künftig die verwöhnten Elitepassagiere in ihren Privatjets in Egelsbach größere Risiken eingehen als jeder Economy-Class-Passagier im nahen Frankfurt am Main. Aber die bekommen dafür ja auch keine Fasanenbrust im Brotmantel.

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1.
stesoell 05.03.2012
Zitat von sysopDer tödliche Absturz eines Business-Jets in Frankfurt-Egelsbach zeigt: Bei den Geschäftsfliegern geht der Druck, Zeit und Geld zu sparen, auf Kosten der Sicherheit. Es war nicht der erste tödliche Unfall am Promiflughafen des US-Milliardärs Warren Buffet. Flugzeugabsturz in*Egelsbach: Der Todesflughafen von Warren Buffet - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,819349,00.html)
Der Beitrag hat leider einige Sachfehler (IFR installieren? Sie meinen ILS? Tower erteilt natürlich Lande/Startfreigabe,...), darum geht es mir aber nicht. Dem Beitrag fehlt es weiter an Substanz, blendet den human factor völlig aus (Cockpit Crew Management). Wir haben hier es hier mit dem Owner und PIC vs angestellten FO zu tun. Citation 750 down in Egelsbach. - Page 4 - PPRuNe Forums (http://www.pprune.org/biz-jets-ag-flying-ga-etc/478763-citation-750-down-egelsbach-4.html#post7064526) .... Alles ein bissi komplexer als der Artikel es vermutet,....
2.
pzf85jj 05.03.2012
Zitat von sysopDer tödliche Absturz eines Business-Jets in Frankfurt-Egelsbach zeigt: Bei den Geschäftsfliegern geht der Druck, Zeit und Geld zu sparen, auf Kosten der Sicherheit. Es war nicht der erste tödliche Unfall am Promiflughafen des US-Milliardärs Warren Buffet.
Das ist wieder einmal ein "toller" Artikel. Die BFU hat ist noch mitten in den Untersuchungen aber SPON weiss schon die Unglückursache. Super. Daneben können dann gleich noch einige weitere Vor- und Falschurteile abgehandelt werden: Fraport/Frankfurt-Rhein Main will das ILS verhindern, damit nicht noch mehr Flieger nach Egelsbach gehen. Richtig ist: FRA hat kaum Slots frei für solche Flieger. Wenn man aber einen Slot bekommt, dann ist auch eine Landung oder ein Abflug von Rhein-Main eine Minutensache. FRA hat ein sehr gutes General Aviation Terminal. Die Fasanenbrust im Brotmanten bekommt übrigens jeder, der das Restaurant besucht, das Gericht bestellt und dafür bezahlt. Ausserdem: "Todesflughafen ..." Nicht zu fassen!
3. Und warum machen die Verkehrslandeplätze Miese?
webergy 05.03.2012
Weil sie statt eines EGNOS Approachs, den man für wenig Geld installieren könnte, ein richtiges (und kein bisschen besseres) ILS installieren sollen. Für Millionen, die keiner hat. Und weil die Verkehrslandeplätze durch immer skurrilere "Sicherheits" Auflagen an den Rand des erträglichen gequetscht werden. Zäune, die keiner braucht, Beleuchtungen (des Vorfelds und der Abstellflächen), die kein Mensch braucht, "Flugleiter" die nichts zu sagen haben, aber dennoch so tun als säßen sie im Frankfurter Tower, dabei aber echtes Geld kosten... Dann muss eine Feuerwehr vorgehalten werden, als ob nicht die "normale" Berufsfeuerwehr in der Nähe reichen würde, Kosten, Kosten, Kosten für jeden Mist, aber für die Approaches: sorry, kein Geld mehr da.
4. Sehr geehrter Herr Redakteur....
Der_zu_spät_geborene 05.03.2012
Ich fliege Vorstände eines DAX Unternehmens und tue dies seit mehr als 20 Jahren. Mich hat noch nie irgendjemand gezwungen bei schlechter Sicht nach VFR anzufiiegen oder unter dem Minimum zu landen. Ein naher Verwandter von mir hat die selbe Tätigkeit über 40 Jahre lang ausgeübt. Auch hier kein Zwang. Mitnichten fliegen 'die Manager' nach Egelsbach weils hier so toll ist, nein, es gibt Airportslots. (googlen Se mal FHKD - Flughafen Koordinator Deutschland, ein gewisser Herr Claus Ullrich mit der Lizenz zum Gelddrucken) Und in Frankfurt gibt solche leider äußerst selten und ein gewisser Herr Siim Kallas (googlen se mal, Herr Redaktor) will der Geschäftsreiseluftfahrt auch die wenigen vorhandenen wegnehmen. Weil nämlich ein Airbus mit 300 Passagieren mehr Luftverkehrssteuer bringt als ne Karre mit 3 'Paxen'. DAS ist die Wahrheit. Plain and Simple. Nichts desto trotz kann man bei Herrn Schuhbeck gut speisen, diesen Teil der Geschichte haben Sie tatsächlich richtig recherchiert. Achja, auch second/thirdhand Äußerungen eines Herrn Handweg der VC bringen Sie nicht weiter, der Herr hat nen Businessjet m.W.n. noch nie von Ihnen gesehen und lebt seine Lufthanseaten-Arroganz mal gerne aus. Da steht Er in guter VC Tradition.
5. Unserioese Berichterstattung
alex_spiegelt 05.03.2012
Mehrmals im Artikel wird betont, dass der Flugplatz Warren Buffett gehöre. Mit keinem Wort wird Berkshire-Hathaway erwähnt, die Aktiengesellschaft, die es wirklich besitzt. Warren Buffett ist zwar der Geschäftsführer da, besitzt aber gerade mal 23% der Firma, und damit des Flugplatzes.
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