Werbung Vitamine versprochen, Fett und Zucker bekommen

Was Vitamine enthält, gilt als gesund, deshalb werben viele Hersteller damit. Doch laut einer Foodwatch-Studie ist das oftmals eine Täuschung. Die meisten Produkte sind zu süß, zu salzig oder zu fettig.

foodwatch

Von Ann-Kathrin Terfurth


"Enthält wichtige Vitamine", "gut versorgt in den Tag mit 11 Vitaminen und Calcium", "deckt den Tagesbedarf an Magnesium" - solche Werbesprüche stehen auf vielen Produkten im Supermarkt. Beim Kunden entsteht so der Eindruck, dass es sich um ein gesundes Produkt handelt. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat diese vermeintlich guttuenden Lebensmittel untersucht.

Sie fand heraus, dass die Produkte gar nicht so gesund sind wie sie vorgeben. Ganz im Gegenteil: Fast 90 Prozent der untersuchten Lebensmittel sind demnach als ungesund einzuschätzen. Von den 214 Produkten enthalten laut Foodwatch 190 zu viel Zucker, Fett oder Salz.

Als Grundlage für die Untersuchungen hat Foodwatch die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für ausgewogene Lebensmittel genutzt. Die WHO beurteilt Produkte nach ihrem Anteil an Fett, Zucker und Salz, dem Kaloriengehalt und zugefügten Süßstoffen.

Foodwatch beklagt vor allem, dass die Verbraucher mit den Werbeversprechen getäuscht werden. Durch die Vitaminwerbung auf den Verpackungen werde suggeriert, dass Kunden mehr Vitamine zu sich nehmen müssen, um gesund zu leben. Doch ein Vitaminmangel herrsche in Deutschland nicht, so Foodwatch. "Für die Hersteller ist das ein profitables Geschäft: Zuckergetränke und Süßigkeiten sind günstig zu produzieren und versprechen hohe Gewinnspannen - durch den künstlichen Zusatz von billigen Vitaminen können die Produkte dann auch noch als besonders gesund vermarktet werden", heißt es.

Ein Beispiel: Dass die "Trolli Apfelringe" nicht so gesund sind wie ein echter Apfel, überrascht nicht. Auf der Verpackung heißt es allerdings "mit 7 Vitaminen und leckerem Apfelsaft". Aus Sicht von Foodwatch wird versucht, ein gesundes Image für die Süßigkeit zu erwecken. Doch gleicht man die Inhaltsstoffe mit den WHO-Kriterien ab, wird deutlich, dass die Apfelringe trotz der zugesetzten Vitamine ungesund sind.

Die Mederer GmbH, zu der die Trolli-Produkte gehören, weist eine Täuschungsabsicht zurück. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE teilte das Unternehmen mit: "Für den Verbraucher ist klar und offensichtlich, dass es sich bei dem Produkt um eine Süßigkeit handelt. Dieses wird zusätzlich durch ein Sichtfenster dem Verbraucher gegenüber klar verdeutlicht."

Auch der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde wehrt sich gegen den Vorwurf der Irreführung. Verbraucher könnten sich durch die verpflichtende Nährwerttabelle auf den Verpackungen jederzeit über die Zusammensetzung der Produkte informieren, teilte der Verband mit. "Der Vorwurf der Irreführung ist deshalb strikt von der Hand zu weisen."

Foodwatch plädiert für die Einführung der WHO-Bewertungsmaßstäbe auf EU-Ebene. Eigentlich sollten bis 2009 entsprechende Standards eingeführt werden. Doch das ist bisher nicht geschehen. Auf Druck der Lebensmittellobby soll laut Foodwatch sogar Mitte April im EU-Parlament darüber abgestimmt werden, diese Standards ganz aus dem entsprechenden Gesetz zu streichen.

Doch auch wenn der EU-Vorschlag umgesetzt würde, wären die Vorgaben deutlich niedriger als die der WHO. Ein Beispiel: Frühstücksflocken dürften nach dem Vorschlag der EU bis zu 25 Prozent Zucker enthalten, um noch als gesund beworben zu werden. Die WHO empfiehlt dagegen nur maximal 15 Prozent Zucker für eine gesunde Ernährung.

Weitere Beispiele für Produkte mit vermeintlich gesundem Image sehen Sie in unserer Bildergalerie.

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insgesamt 138 Beiträge
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gf256 05.04.2016
1. Ach neeeeeee!!!!!
Wer sich sowas nicht denken kann/konnte, bitte die Hand heben? Das ist doch nun wirklich nichts neues. Schon vor 25 Jahren, als ich noch im Kindergarten war, haben meine Eltern und Großeltern gewusst, dass das nur Marketing ist uns uns entsprechend sensibilisiert. Wo ist hier die Neuigkeit?
Fricklerzzz 05.04.2016
2. Das leben mit ausgewogener Ernährung führt auch unweigerlich in den Tod
Das Süssigkeiten ungesund sind weiß jeder, nur sind sie halt auch lecker. Und "Konsum mit geringem\ ohne Risiko" wird uns doch bei allen Produkten vorgegaukelt. Viel schlimmer finde ich die mangelnde Auflistung der Zutaten, viel zu viele Zutaten werden weggelassen. Zucker schmeckt super ist aber ungesund, darauf könnte sich der Beitrag reduzieren. Fricklerzzz
he.ro.lito 05.04.2016
3. Überflüssiges Zeug
Mag ja lecker sein, das eine oder andere, aber mal ehrlich: wer nur einigermaßen ernsthaft einkauft wird nicht zu diesen Produkten greifen, wenn er etwas besonders Gesundes will. Man kann sich auch selbst etwas vormachen... Das heißt aber auch nicht, dass die Hersteller bewußt irreführen dürfen!
isswasgarist 05.04.2016
4. Doof
OMG, wenn Konsumenten sich halb so viel um Ihr Essen und Trinken kümmern würden, wie Sie Aufhebens um die Wahl eines Smartphones machen, werden sie Ungesund und Gesund schon auseinander halten können. Gewohnheitsmäßige und impulsive Kaufentscheidungsprozesse müssen eben hinterfragt werden, sonst wird man den gestiegenen Ansprüchen an die eigene Ernährung eben nicht gerecht. Und zahlt dann die entsprechende Rechnung - so what! Selbstverständlich muss Kontrolle sein und einige Anbieter treiben sicher auch Missbrauch, denen wird dann auf die gierigen Finger gehauen. Aber die völlige Entmündigung des Verbrauchers sollte es m.M.n. ebenso wenig bei Nahrungsmitteln geben, wie auf allen Autos steht: "Schnell fahren kann Unfälle provozieren" etc. Selbstbestimmung enthält eben auch Verantwortung. Wann wird das endlich akzeptiert?
fairp 05.04.2016
5. Klare Täuschung
Es gibt unendlich viele Beispiele klarer Täuschung bei Lebensmitteln. In einer Reihe mit Direktsaft, auf denen groß "100%" und dann kleiner "Direktsaft" steht, stehen vereinzelt Säfte mit der Aufschrift "100%" und kleiner: "fruchtig". Letztere sind dann mit Wasser und Zucker versetzt. Der schnelle Einkäufer wird "100%" lesen und den Zuckersaft einpacken. Cerealien, mit Aufschrift "Vegan, 60% Vollkorn, Laktosefrei, fettarm", allerdings 40% Zucker.
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