Studie zur Preis-Diskriminierung Frauen zahlen oft mehr als Männer

In Deutschlands Friseurläden und Drogerien herrscht Ungleichheit: Viele Dienstleistungen und Produkte sind für Frauen oft deutlich teurer als vergleichbare Produkte für Männer.

Haarschnitt
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Frauen zahlen für viele Dienstleistungen mehr als Männer. Das ist ein Ergebnis der heute vorgestellten Studie "Preisdifferenzierungen nach Geschlecht in Deutschland" von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Demnach müssen Kundinnen bei etwa 30 Prozent der untersuchten Angebote tiefer in die Tasche greifen als männliche Verbraucher. Insgesamt haben die Autoren 1682 Produkte und 381 Dienstleistungen ausgewertet, die gezielt entweder Männer oder Frauen ansprechen.

Besonders groß sind die Unterschiede demnach bei Friseuren und in Textil-Reinigungen: Für Kurzhaarfrisuren zahlen Frauen im Schnitt 12,50 Euro mehr als Männer, die Reinigung von Blusen kostet durchschnittlich 1,80 Euro mehr als die von Hemden. Bei Friseuren ist die unterschiedliche Preisgestaltung besonders weit verbreitet. 89 Prozent der untersuchten Friseurgeschäfte betreiben dieses sogenannte "Gender Pricing". Der Zentralverband des Friseurhandwerks und der Deutsche Textilreinigungs-Verband begründen die Preisunterschiede mit einem höheren Aufwand bei Frauen.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, empfiehlt den Branchenverbänden Selbstverpflichtungen. Dienstleistungen sollten nach der konkreten Art der Leistung und nicht pauschal nach Geschlecht angeboten werden. Vorbild könne Österreich sein: "Dort hat die Friseurinnung gemeinsam mit der Gleichbehandlungsanwaltschaft ein Muster zu geschlechtsneutralen Preislisten erarbeitet", sagt Lüders.

Rosa kostet mehr als blau

Auch für manche Produkte müssen Frauen mehr zahlen: Preisunterschiede treten hier allerdings deutlich seltener auf als bei Dienstleistungen. Hier zahlten Frauen bei 2,3 Prozent der untersuchten Produkte mehr, bei 1,4 Prozent zahlten männliche Kunden mehr.

So gibt es einige Produkte, die ohne triftigen Grund in der Produktvariante für Frauen mehr kosten als für Männer. Die "Razor"-Rasierklingen für Frauen kosten bei Aldi 4,49 Euro, die exakt gleichen Klingen für Männer kosten 3,89 Euro. Der einzige Unterschied der beiden Produkte ist die Verpackungsfarbe: Bei Frauenklingen ist sie rosa, bei Männerklingen blau. Auch bei Produkten für Kinder wird sogenanntes Gender-Pricing betrieben: Das Kinderschaumbad "Prinzessin Sternenzauber" in Märkten der Drogeriekette dm 2,95 Euro, die Variante "Saubär" für Jungs nur 1,75 Euro.Frühere Untersuchungen der Verbraucherzentrale hatten bereits massive Preisunterschiede für Frauen und Männer bei Parfüms, Rasierschaum oder Deodorants festgestellt.

Das Verbraucherschutzministerium reagierte auf die Untersuchung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. "Fragen Sie nach, seien Sie kritisch und tragen Sie damit zu einem Bewusstseinswandel beim Thema Geschlechterdiskriminierung bei", empfahl Staatssekretär Gerd Billen. Das Ministerium werde sich auch dafür einsetzen, "Informationsdefizite sowohl bei Verbraucherinnen und Verbrauchern als auch bei Anbietern zu beseitigen." Den Vorschlag der Antidiskriminierungsstelle zur Überwachung der Preise wolle man prüfen.

hej/dpa



insgesamt 149 Beiträge
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Seite 1
marty_gi 20.12.2017
1. da gehoeren immer 2 dazu
Das mit den Preisen laesst sich nur so lange machen, wie es die Leute mitmachen und bezahlen. Wo ist denn die Kundin, die es beim Friseur direkt anprangert und nach Rechenschaft fragt, warum die gleiche Leistung fuer sie teurer ist? OK finde ich die Unterschiede auch nicht, aber wer das aendern will, darf sich nicht auf Institutionen verlassen und es bis dahin hinnehmen, sondern muss es direkt ansprechen. So wie ich, der ich es auch nicht OK finde, dass der Busfahrer allerhoechstens nochmal kurz fuer eine schoene Frau anhaelt und die Tuer aufmacht, nachdem er eigentlich schon losgefahren ist - dass soll er bitte auch fuer Maenner tun! Das ist naemlich auch sexistisch
M. Michaelis 20.12.2017
2.
Preise werden auch dadurch gebildet wieviel die Kunden bereit sind zu bezahlen. Wenn Frauen bereits sind für den Friseur und Drogerieprodukte mehr zu bezahlen dann sind die Preise höher. Die Wertschätzung von Männern ist in diesem Bereich offenbar geringer.
Rohrbruch 20.12.2017
3. Angebot und Nachfrage
Bei Männern dauert der Friseurbesuch 15 Minuten, bei Frauen teils Stunden. Männer kaufen irgendwelche Pflegeprodukte, vielleicht aus Gewohnheit oder weil sie billig sind, Frauen investieren hier weit mehr Geld und Zeit. Außerdem... wozu die Aufregung? Laut Gender-Bewegung gibt es überhaupt keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Ergo gibt es auch keine spezifischen Dienstleistungen und Produkte für Mann und Frau. Frau kann sich in der Drogerie also einfach am "Männerregal" - das es ja nicht gibt - bedienen. Oder einen raschen Kurzhaarschnitt beim Männer-Friseur ordern.
chrismuc2011 20.12.2017
4.
Wie sagte mein verstorbener Lehrherr über die Preisbildung: Doof ist nicht der der viel verlangt, sondern der der viel bezahlt. Nachfrage bestimmt Angebot und Preis. Ein Mann geht oft nur zum Frisör für einen Trockenschnitt ohne Waschen und Föhnen, bei Frauen kommt noch hier und da Waschen und Föhnen, Haarspray, Festiger, Kur etc. dazu. Beispiel Rasierklingen: Warum nehmen Frauen dann nicht die blauen Verpackungen, oder sind sie noch in den Erziehungsmustern aus Ihrer Babyzeit verhaftet, wo sie rosa Strampelanzüge gehabt haben. Irgendwie kann man es mit der Genderdebatte auch mal übertreiben. Warum protestieren Frauen ( und auch Männer) nicht mal dagegen, dass Baby- oder Kinder schuhe und Kleidung teurer sind als Erwachsenenkleidung, obwohl nur 1/20 des Materials und Stundenlohn darauf anfallen? Sie bezahlen es, weil sie Ihr Kind niedlich haben wollen. Da wird auch eher kein Secondhandpullover vom älteren Schwesterchen oder der Nichte wiederverwendet, sondern es muss neu sein.
Herr Knigge 20.12.2017
5. Ursache - Wirkung
Die Ergebnisse dürften wenig überraschen. Was mir allerdings fehlt ist der Hinweis auf ein dahinter liegendes Problem: wenn Frauen sich genau wie viele Männer weniger um ihr Aussehen kümmern würden, dann würde sich das auch von selbst regulieren. Angebot-Nachfrage ist hier das Stichwort. Besonders bei dem Beispiel Rasierklinge kann man sich doch nur noch an den Kopf fassen. Dann kauft man halt das Männerprodukt. Wenn alle das machen, würde Aldi ziemlich schnell selbst auf die Idee kommen, dass das wohl eher nicht funktioniert mit zwei Preisen für gleiche Produkte.
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