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Gesetzesänderung: Freistellungsaufträge ab 2016 nur noch mit Steuer-ID wirksam

Haben Sie sich bereits seit Jahren nicht mehr um Ihre Freistellungsaufträge gekümmert? Dann sollten Sie in den kommenden Tagen Ihre Unterlagen prüfen - sonst leihen Sie dem Fiskus bald unfreiwillig Geld.

Symbolbild zu Freistellungsauftrag: Ab 2016 immer mit Steuer-ID Zur Großansicht
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Symbolbild zu Freistellungsauftrag: Ab 2016 immer mit Steuer-ID

Wer Kapitalgewinne vor dem - zumindest vorübergehenden - Zugriff des Fiskus bewahren will, sollte seine Freistellungsaufträge überprüfen. Denn ab 1. Januar 2016 verlieren alle Freistellungsaufträge ohne Steueridentifikationsnummer ihre Gültigkeit. Darauf weisen das Bundeszentralamt für Steuern und mehrere Steuervereine hin.

Ab dem 1. Januar 2016 seien Freistellungsaufträge nur noch wirksam, wenn die Steueridentifikationsnummer des Sparers vorliege, heißt es. Bereits seit dem 1. Januar 2011 können Freistellungsaufträge nur unter Angabe der Steueridentifikationsnummer des Auftraggebers und gegebenenfalls des Ehepartners geändert oder neu erteilt werden. Seitdem gilt aber eine Übergangsfrist. Innerhalb dieses Zeitraums gelten die bei Banken vor 2011 erteilten Freistellungsaufträge auch ohne Steuer-ID noch weiter. Diese Frist läuft aber nun Ende 2015 aus.

Betroffen sind also Bankkunden, die vor dem Jahr 2011 einen unbefristeten Freistellungsauftrag erteilt haben und diesen seitdem nicht mehr erneuert haben.

Bankkunden sollten also prüfen, ob sie für alle Freistellungsaufträge ihre Steuer-ID nachgereicht haben. Ehepaare müssen bei gemeinsam gestellten Anträgen die IDs beider Eheleute angeben.

Wer ab 2011 einen Freistellungsauftrag erteilt hat, sollte keinen Handlungsbedarf haben: Seitdem muss bereits auf dem Formular die Steuer-ID angegeben werden.

Geld lässt sich auch nachträglich zurückholen

Bei Kapitalerträgen in Form von Zinsen, Dividenden oder Kursgewinnen steht dem Finanzamt Abgeltungssteuer zu - allerdings erst ab einem gewissen Betrag. Kapitalerträge bis zu 801 Euro im Jahr sind für Alleinstehende steuerfrei, bei Verheirateten sind es 1602 Euro. Wenn Sparer verhindern wollen, dass der Fiskus auf diese eigentlich steuerfreien Erträge dennoch zugreift, müssen sie jedem Kreditinstitut, bei dem sie Geld angelegt haben, einen entsprechenden Freistellungsauftrag erteilen.

Allerdings gilt der Freibetrag selbstverständlich auch, wenn keine Freistellungsaufträge erteilt wurden - oder wenn die Steuer-ID bis 2016 nicht an die Bank übermittelt wurde. Dann können Sparer die einbehaltene Kapitalertragssteuer über die Einkommensteuererklärung zurückfordern. De facto leihen sie dem Fiskus dann aber für die Zwischenzeit Geld.

Die Steuer-ID haben alle Steuerpflichtigen vom Bundeszentralamt für Steuern erhalten. Sie ist zum Beispiel auf dem Einkommensteuerbescheid oder der Lohnsteuerbescheinigung zu finden. Zudem kann die Identifikationsnummer per Onlineformular beim Bundeszentralamt für Steuern abgefragt werden. Die Behörde sendet die ID dann per Post zu.

Steuer-ID auch beim Kindergeld künftig nötig

Auch beim Kindergeld gibt es im Hinblick auf die Steuer-ID Änderungen. Eltern müssen ab 2016 ihre eigene Steueridentifikationsnummer sowie die des jeweiligen Kindes beim Antrag auf Kindergeld bei der zuständigen Familienkasse angeben. Die neue Regelung soll eine doppelte Auszahlung des Kindergeldes verhindern.

mmq

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insgesamt 7 Beiträge
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1. immer mehr Daten
fce41497 07.12.2015
Die Bürger werden immer mehr durchleuchtet. (vorratsdatenspeicherung, speicherung der fluggastdaten, demnächst noch streichung des bargeldes usw. usw.) willkommen in der stasizeit
2. irreführend ...
keldana 07.12.2015
"Dann können Sparer die einbehaltene Kapitalertragssteuer über die Einkommensteuererklärung zurückfordern. De facto leihen sie dem Fiskus dann aber für die Zwischenzeit Geld." Auch wenn die eigentliche Aussage so richtig ist, klingt dies doch nach einer negativen Sache. Holt man sich das Geld allerdings nachträglich vom Fiskus wieder und dies am besten nach möglichst langer Zeit (4 Jahre), dann bekommt man auf dieses Geld einen Zinssatz von 0,5% pro Monat. Da sich diese auf bis zu 3 Jahre summieren können, landet man im günstigsten Fall bei einem Zinssatz von 18% auf 4 Jahre. Macht nach Adam Riese einen Satz von 4,5% pro Jahr. Und das OHNE Anlagerisiko.
3.
quark2@mailinator.com 07.12.2015
Herr Ries käme wohl eher auf 4,225% p.a wg. des Zinseszins ... oder ich vertu mich hier auch ;-). In jedem Fall haben Sie recht, daß sich das im Moment ziemlich lohnt.
4. Der Freibetrag war mal 5200 DM
a.weishaupt 07.12.2015
Die Steuer ist ein schönes Beispiel dafür, wie der einfache Arbeitnehmer immer weiter ausgequetscht wird. 5200 DM Freibetrag waren mal einiges an Geld. Nachbarländer wie Frankreich oder GB haben Freibeträge von bis zu 20.000€ pro Jahr. Wer auf eigene Verantwortung jahre- oder jahrzehntelang für eine Immobilie oder die Altersvorsorge spart, und das ohne die staatlich geförderten Versicherungsprodukte, darf schnell mal einen Großteil des Reingewinns (nach der Inflation) abgeben. Eine von vielen Frechheiten hier - Reichen kann es relativ egal sein, ob der Freibetrag nun 800€ ist oder €8000.
5.
7eggert 08.12.2015
Zitat von quark2@mailinator.comHerr Ries käme wohl eher auf 4,225% p.a wg. des Zinseszins ... oder ich vertu mich hier auch ;-). In jedem Fall haben Sie recht, daß sich das im Moment ziemlich lohnt.
Sie liegen richtig. 1.04225 * 1.04225 * 1.04225 = 1.18 = 118 %. Formel: Gesamtzinssatz ^ (1/Zeiteinheiten) = Zinssatz pro Zeiteinheit. (In diesem einfachen Fall hier geht auch 4. Wurzel aus dem Gesamtzinssatz.)
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