Kiel - Neue Enthüllung im Dioxinskandal: Bei Futterfetten der Firma Harles und Jentzsch ist der Grenzwert für das Gift extrem überschritten worden. In neun von zehn Fällen war die Belastung zu hoch. Nach Angaben des Kieler Agrarministeriums war in manchen Proben knapp 77-mal so viel Dioxin enthalten wie erlaubt. Das ergaben Laboruntersuchungen von weiteren Proben. Am Donnerstag hatte das Ministerium mitgeteilt, die Dioxinbelastung in Futterproben des Unternehmens betrage das Zehnfache des Grenzwertes. Der liegt bei 0,75 Nanogramm.
Das Fett sei nicht für die Futtermittelherstellung geeignet, so das Ministerium. Insgesamt liegen der Behörde bislang 30 Laborergebnisse vor. Harles und Jentzsch wies den Vorwurf zurück, in kriminelle Machenschaften verwickelt zu sein. Siegfried Sievert, Geschäftsführer und Gesellschafter der Firma, sagte im Interview mit SPIEGEL TV Magazin: "Wir haben keine Fette benutzt, die nicht erlaubt sind", sagte er. Woher die Dioxinbelastung stammt, wisse er angeblich auch nicht: "Ich kann es ihnen nicht sagen. Wir sind am Untersuchen, wir arbeiten mit den Behörden eng zusammen. Uns hat es eiskalt erwischt."
Tierfutter schon seit Monaten verseucht
Dagegen bestätigte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Kiel einen Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", wonach bereits am 19. März 2010 ein privates Labor in einer Probe des Fettlieferanten Harles und Jentzsch doppelt so viel Dioxin gemessen hatte wie erlaubt. Die Firma meldete dies aber nicht. Das Agrarministerium habe erst am 27. Dezember von der Grenzwertüberschreitung erfahren, heißt es in dem Bericht. Das Ministerium stellt Strafanzeige. Seinen Angaben zufolge wurden verseuchte Industriefette schon seit längerem zu Tierfutter verarbeitet.
Unklar ist laut SPIEGEL TV Magazin zudem die Rolle des Zwischenhändlers Olivet. Die Holländer hatten die Mischfettsäuren bei der Raffinerie Petrotec gekauft, um sie anschließend an Harles und Jentzsch zu verkaufen. Offensichtlich weiß die Firma mehr, als sie zugibt. Auf die Frage, ob er sich erklären könne, wie das passieren konnte, sagte der Seniorchef van Gelder: "Natürlich kann ich das. Aber wenn ich hier etwas sage, dann wird ein riesiges Theater gemacht. Und deswegen sage ich gar nichts."
Verbraucher lassen sich indes nicht von dem Skandal beeindrucken: Zwei Drittel der Kunden gaben in einer Umfrage an, sie hätten ihr Ernährungsverhalten nicht verändert. Nur 14 Prozent wollen demnach weniger Eier essen, vier Prozent vorerst ganz auf Eier verzichten.
Die Behörden hatten im Zuge des Skandals fast 5000 Betriebe geschlossen. Er hatte begonnen, nachdem bekannt geworden war, dass ein Lieferant aus Schleswig-Holstein nach offiziellen Angaben rund 3000 Tonnen dioxinverseuchter Industriefette an Hersteller von Tierfutter in mehreren Bundesländern geliefert haben soll. Das von diesen erzeugte Futter war an zahlreiche Bauernhöfe geliefert und an Legehennen und Masttiere verfüttert worden.
Mehr über die Hintergründe des Dioxinskandals bei SPIEGEL TV Magazin, Sonntag, 23.10 Uhr RTL.
ulz/dpa
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