München - Millionen Versicherte machen sich Sorgen: Die Rendite aus ihren privaten Lebens- und Rentenversicherungen schrumpft immer weiter. Wegen des Dauerzinstiefs werden viele Lebensversicherer auch im kommenden Jahr die laufende Verzinsung zurückfahren müssen. 2012 lag sie im Schnitt noch bei 3,8 Prozent. So mancher Kunde sieht gar schon seinen Garantiezins in Höhe von 1,75 Prozent wackeln. Eine Gesetzesänderung zum 21. Dezember sorgt dafür, dass viele Kunden nicht mehr wie bisher kräftig von den stillen Reserven auf festverzinsliche Wertpapiere profitieren. Sprich: Manche kriegen vermutlich noch einmal weniger heraus als geglaubt.
"Lebensversicherungskunden müssen in Zukunft sicherlich mit sinkenden Überschussbeteiligungen rechnen", sagt der Vorstandsvorsitzende beim Bund der Versicherten (BdV), Axel Kleinlein. Grund zur Panik gebe es aber nicht, betont Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Vor allem Altkunden sollten nicht vorzeitig kündigen, sondern durchhalten. Ein Ausstieg bringe nur noch mehr Verluste. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale empfiehlt dagegen, jeden Vertrag auf den Prüfstand zu stellen. Unzählige Versicherte müssen um ihr Finanzpolster fürs Alter bangen.
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Warum gibt es immer weniger Geld?
Ursache ist vor allem die anhaltende Niedrigzinsphase. Versicherer sind verpflichtet, das Geld der Kunden sicher anzulegen, etwa in Staatsanleihen, Bundeswertpapiere oder Pfandbriefe. Über 80 Prozent der etwa 280 Milliarden Euro Kundengelder in Deutschland sind festverzinslich investiert. Doch damit ist kaum etwas zu verdienen.
Bleiben die Zinsen auf Dauer im Keller, laufen finanzschwache Gesellschaften Gefahr, nicht einmal mehr den Garantiezins zahlen zu können. Im Bundesfinanzministerium wird nicht ausgeschlossen, dass "einzelne Unternehmen künftig in Schwierigkeiten geraten können", weil es immer schwieriger wird, die Zinsen für die Verträge ihrer Kunden und die gesetzlich vorgeschriebenen Zinsreserven zu erwirtschaften. Schieflagen sind spätestens ab 2018 möglich.
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Was wurde versprochen?
Sicherheit gibt es nur beim Abschluss des Vertrages: Die Kunden wissen, was sie einzahlen müssen. Aber nicht, was im Alter herauskommt. Zugesichert wird ihnen nur der Garantiezins. Für Altverträge gibt es noch 4 Prozent, für neue nur noch 1,75 Prozent. Weil Verwaltungskosten an der Garantie nagen, muss davon jeweils mindestens ein ganzer Prozentpunkt abgezogen werden.
Die Überschüsse bekommen Sparer zusätzlich als Bonus in Aussicht gestellt. Völlig unverbindlich. Jedes Jahr wird neu entschieden, wie hoch die Überschussbeteiligung ausfällt. Wer bis zum Ende durchhält, bekommt außerdem eine Schlussbeteiligung ausgezahlt - wiederum abhängig von der Finanzlage des Versicherers. Schon ein kleiner Zinsabstrich kann deshalb die Rendite deutlich drücken.
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Was bereitet Anlass zur Sorge?
Viele schöne Prognosen zur Ablaufleistung haben sich mittlerweile in Luft aufgelöst. Wer von seinem Versicherer vor 20 Jahren einmal vorgerechnet bekam, am Vertragsende 100.000 Euro herauszukriegen, muss sich plötzlich mit nur noch 60.000 Euro bescheiden. "Auf Kunden können bei Laufzeitende Einbußen von 30 Prozent zukommen, vielleicht noch mehr", sagt Thorsten Rudnik vom BdV. Was zusätzlich Löcher reißen kann, sind die Folgen der Gesetzesänderung ab 21. Dezember. Danach müssen Versicherte am Laufzeitende nicht mehr automatisch mit der Hälfte an den stillen Reserven beteiligt werden. "Das kann sein, muss aber nicht", betont Gatschke.
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Was können verunsicherte Kunden tun?
Langjährige, steuerfreie Policen, die bereits vor 2005 abgeschlossen wurden, sollten möglichst nicht gekündigt werden, rät Gatschke. Auch nicht auf die Gefahr hin, dass die Verzinsung in den nächsten Jahren noch weiter absinkt. Verbraucherschützer Nauhauser rät dagegen dazu, jede Police auf eine vorzeitige Kündigung prüfen zu lassen. Wer vor kurzem erst eine Police für eine Lebens- oder Rentenversicherung unterschrieben hat, sei häufig gut bereiten, sofort die Reißleine zu ziehen und zu kündigen.
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Gibt es Alternativen zum Storno?
Ja. Beispielsweise die Laufzeit verkürzen. Das hängt aber stark vom Anbieter ab. Möglich ist auch, die Police beitragsfrei zu stellen. Dabei fallen aber ebenfalls Stornoabzüge an. Zudem wird der Tarif neu berechnet, sinnvolle Zusatzversicherungen für Berufsunfähigkeit fallen weg. Eine inkludierte Unfalltod-Zusatzversicherung gehört in der Regel gekündigt, weil sie den Gewinn schmälert. Verbraucherzentralen können beraten, was am besten zu tun ist. Wer seine Rendite selbst ausrechnen will, kann den Internet-Rechner von "Finanztest" nutzen.
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