Heizsaison So sinkt die Gasrechnung

Öl wird immer billiger - und Gas? Keine Spur. Solange die Anbieter uns für dumm verkaufen, müssen wir selbst zur Tat schreiten. Drei Tipps zum Geldsparen.

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Gastherme: Mit einfachen Mitteln weniger verbrauchen
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Gastherme: Mit einfachen Mitteln weniger verbrauchen


Vergangenen Dienstag habe ich erstmals in diesem Herbst die Heizung angedreht. Es wird kühler. Noch am gleichen Abend fragte ich mich, ob ich eine Preissenkung meines lokalen Gasanbieters nicht bemerkt habe. Denn eigentlich sind doch die Preise für Energie schon das ganze Jahr über gefallen. Und sogar an den Tankstellen ist der Preis für Super wieder unter 1,30 Euro angekommen.

Ein Anruf in der Pressestelle der Berliner Gasag ergab: Ich hatte nichts verpasst. Tatsächlich hat der Gasanabieter in diesem Jahr die Preise nicht gesenkt. "Ich kann mich an die letzte Preissenkung gar nicht erinnern", sagte die Sprecherin.

Ich fragte nach: Der Gaspreis habe sich doch immer am Ölpreis orientiert und müsse doch also fallen, wenn der Ölpreis so stark nachlasse wie zuletzt. Sie widerspricht: Die klare Korrelation zwischen Gas- und Ölpreis gebe es schon seit Jahren nicht mehr. "Wir kaufen unser Gas an der Börse."

Inzwischen weiß ich: Die Sprecherin hat recht. Wieder was gelernt. Ich schaue also auf die Notierungen an der Börse - und entdecke starke Indizien für Nepp. Die entsprechenden Indexpapiere beweisen: Der Gaspreis an der Börse liegt aktuell um mehr als 35 Prozent unter dem des Vorjahres. Am 7. Oktober des Vorjahres zeigte die Börse für das Gaspapier einen Preis von 3,94 Dollar, in diesem Jahr lag er bei 2,49 Dollar. Davon habe ich als Kunde nichts gespürt.

Der Index-Preis für Heizöl an der Börse ist zwar noch stärker gefallen, von 2,60 Dollar auf 1,59 Dollar. Aber das können Heizöl-Kunden, die heute Öl kaufen, auch auf der Abrechnung sehen.

Nutzen Gasanbieter die mangelnde Kenntnis ihrer Kunden aus? Auch der Deutsche Mieterbund hat in seinem diese Woche erschienenen jährlichen Heizspiegel registriert, dass Mieter in Häusern mit Gasheizung und Fernwärme derzeit nicht von den Preissenkungen an den Energiemärkten profitieren. Während der Heizölpreis im Schnitt um 8,5 Prozent gefallen sei verglichen mit dem Vorjahr, sei es beim Gas für die Kunden nur ein Bruchteil davon: 0,5 Prozent. Die behördliche Preisaufsicht in dem Markt scheint jedenfalls nicht zu funktionieren.

Was mache ich da als Verbraucher? Die Antwort ist ganz einfach. Bis die Ergebnisse der Gaspreisbörse beim Kunden ankommen, muss ich selbst zur Tat schreiten.

1. Vom teuren zum preiswerteren Anbieter wechseln

Eine schöne Musterrechnung gibt es für die Stadt Köln. Eine vierköpfige Familie in einer 100 Quadratmeter großen Wohnung bezahlt beim Grundversorger GVG für einen Standardverbrauch rund 1000 Euro im Jahr. Beim günstigsten Anbieter für 50858 Köln kann man die gleiche Heizleistung für 637,41 Euro bekommen. Die Familie spart mehr als 360 Euro. Und das ganz ohne Boni und Fußangeln. Die Tarife auf Platz zwei oder drei des von Finanztip.de angepassten Rankings bei Verivox sind Ökotarife, die Ersparnis beträgt immer noch 340 Euro im Jahr.

Vor dem Wechsel sollten Sie fünf Minuten in unserem Ratgeber lesen, um beim neuen Vertragsabschluss auch wirklich die Fußangeln zu vermeiden.

2. Mit einfachen Mitteln weniger verbrauchen

Dafür gibt's eine Klassik- und eine Techno-Variante. Ein Wollpulli, ein kuscheliger Pyjama und eine zwei Grad niedrigere Raumtemperatur im Wohnzimmer und Schlafzimmer bringen rund 12 Prozent Heizkostenersparnis. Programmierbare Thermostate, kleine Bordcomputer und Apps helfen, Ihre Heizkörper und den Brenner zu steuern. Das Stichwort heißt "Smart Home".

3. Nachhaltig sparen mit neuer Heizanlage und Wärmedämmung

Heiztechnik aus den Achtziger- und Neunzigerjahren ist reine Energieverschwendung. Ein neuer Kessel, ein neuer Brenner und eine neue Umwälzpumpe können die Heizkosten drastisch reduzieren. Bevor Sie aber als Eigentümer von Haus, Wohnung oder Ihrer Gasetagenheizung ein paar tausend Euro in die Hand nehmen, nutzen Sie einen unabhängigen Energieberater, der ermittelt, wie Sie mit möglichst wenig Geld möglichst viel Heizkosten einsparen. Das Wirtschaftsbundesamt fördert solche Beratungen mit bis zu 800 Euro für ein Einfamilienhaus.

Der Berater wird Ihnen auch vorrechnen, ob und ab wann sich bei Ihrem Haus auch die Dämmung von Keller- und Bodendecken lohnt. Für das ganz große Dämmpaket mit Außenwänden und Fenstern lohnt es sich oft sogar, einen Kredit aufzunehmen. Zumal die Angebote der staatlichen KfW-Bankengruppe Zinsen von deutlich unter einem Prozent bieten. Falls Sie das Geld in der Tasche haben, bekommen Sie von der KfW alternativ auch Tausende Euro Zuschüsse. Das aber schaffen Sie erst für die Heizsaison im kommenden Jahr.

Am Abend des Anrufs bei der Gasag-Sprecherin finde ich in meinen E-Mails noch eine schriftliche Antwort der Gasag. Da heißt es unter anderem: "In unseren langfristigen Lieferverträgen haben wir keine Ölpreisbindung mehr und dies schon seit drei Jahren… Das Erdgas besorgen wir heute zum großen Teil an der Börse." Und weiter: "Wir puffern Preisschwankungen, die es ja an der Börse häufig gibt, für den Kunden durch einen stabilen Preis ab."

Dachte ich's mir doch.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.



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insgesamt 70 Beiträge
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günterjoachim 10.10.2015
1. Wer's glaubt...
Große Dämmpakete rechnen sich vielleicht über einen Zeitraum von 20-30 Jahren. Eine seriöse Prognose ist da nicht möglich. Die optimistischen Modellrechnungen über kürzere Amortisationszeiten sind absolute Lachnummern.
Grafensteiner 10.10.2015
2. Das stimmt doch einfach nicht
Mein Gasanbieter hat mir vor 2 Monaten ein Angebot gemacht, das meine Versorgungskosten mit sofortiger Wirkung um ca. 20 % senkte. Freiwillig. Ihr lächerlicher Krieg gegen Versorgungsunternehmen scheut vor keiner Lüge zurück.
zeisig 10.10.2015
3. Ich bin zwar Schwabe,
aber ich habe keine Zeit, mich um die Tenhagen Tips zu kümmern. Oder deutlicher gesagt, dafür ist mir meine Zeit zu schade. Ob Autoversicherung, sonstige Versicherung oder Energie - ich bezahle meine Rechnung und basta. Sollen doch andere, die nichts besseres zu tun haben, den Anbieter wechseln und so durch Konkurenzdruck die Preise drücken. Darüber freue ich mich natürlich.
martin281 10.10.2015
4. einfach mal recherchieren
Einfach mal eecherchieren wie sich der Gaspreis zusammensetzt - dann weiß man warum sich der Börsenpreis kaum auswirkt. Kleiner Tipp: Konzessionsabgabe Erdgassteuer EnwG Abgabe Umsatzsteuer ....
syracusa 10.10.2015
5.
Zitat von günterjoachimGroße Dämmpakete rechnen sich vielleicht über einen Zeitraum von 20-30 Jahren. Eine seriöse Prognose ist da nicht möglich. Die optimistischen Modellrechnungen über kürzere Amortisationszeiten sind absolute Lachnummern.
Das ist eine völlig sinnfreie, von jeder Sachkenntnis ungetrübte Meinung. Ob überhaupt, und falls ja, über welche Zeiträume sich eine Haussanierung mit "großen Dämmpaketen" lohnt, hängt von den individuellen Gegebenheiten am Bau und von der Finanzierung der Sanierungsmaßnahme ab. Das können ganz erheblich kürzere Zeiträume als die genannten 20 bis 30 Jahre sein, es kann aber auch sein, dass sich die Maßnahme niemals ökonomisch auszahlt. Unabhängig davon spielt für viele Hausherren die ökonomische Rendite nicht die wichtigste Rolle. Da geht es schließlich nicht um ein Renditeobjekt, sondern um das selbst bewohnte Haus, also um Emotionen.
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