Zoff mit Geflügelzüchtern: Tierschützer trauen Transparenzversprechen nicht

Eine Aktion der Geflügelwirtschaft stößt auf Skepsis. Die Züchter wollen in den kommenden Jahren ihre Ställe öffnen, um dem Misstrauen der Verbraucher zu begegnen. Grüne und Tierschützer sprechen von einer reinen PR-Kampagne.

Putenküken in Lorup, Kreis Emsland: Wie werden die Tiere gehalten? Zur Großansicht
dapd

Putenküken in Lorup, Kreis Emsland: Wie werden die Tiere gehalten?

Sögel - Mehrere Skandale um die Haltung von Geflügel haben den Züchtern in den vergangenen Jahren zugesetzt. Nun will die Niedersächsische Geflügelwirtschaft (NGW) mit einer Transparenzoffensive punkten. "Wir möchten den Vorbehalten, die uns entgegengebracht werden, etwas entgegensetzen", sagte der NGW-Vorsitzende Wilhelm Hoffrogge in Sögel im Kreis Emsland. 60 Geflügelhalter wollen im Rahmen der neuen Initiative ihre Stalltüren öffnen und in den kommenden drei Jahren Einblicke in die moderne Geflügelwirtschaft geben.

Die Grünen und der Umweltverband Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisierten die Initiative. "Meistens werden die Leute hereingelassen, wenn die Tiere gerade erst eingestallt wurden. Am Anfang sieht alles noch ganz possierlich aus", sagte der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff. "Entscheidend ist aber die Phase ein bis zwei Tage vor der Schlachtung. Dann drängen sich 22 bis 24 rund 1,6 Kilo schwere Hühnchen auf einem Quadratmeter."

Ostendorff befürwortete die Öffnung der Betriebe, wenn die Verbraucher auch einen realistischen Einblick bekommen: "Wenn die Leute für 1,99 Euro Hähnchen kaufen wollen, dann müssen sie auch sehen, unter welchen Bedingungen diese Hähnchen gehalten werden müssen." Eine ehrliche Debatte könne nur entstehen, wenn die Realität dargestellt werde.

"Die Luft wird dünn"

Ähnlich kommentierte der BUND-Agrarexperte Tilman Uhlenhaut das Projekt: "Die Endphase kurz vor der Ausstallung, wo tote Tiere herumliegen und es schrecklich aussieht, wurde bislang noch nie gezeigt." Das werde sich wohl auch bei dieser Initiative nicht ändern. Der Stallbesuch zeige zudem nicht, wie viele Medikamente die Hühnchen in der industriellen Tierhaltung bekommen. Der Verband versuche zu punkten, ohne substantiell irgendwas zu verbessern.

Dass der Verband sich zu dieser Kampagne genötigt fühle, zeigt laut Uhlenhaut vielmehr: "Die Luft wird dünn für die Geflügelwirtschaft." Viele Verbraucher wüssten, dass die Tiere mehr Platz und längere Mastverfahren benötigen und unter starkem Einsatz von Antibiotika gehalten werden. "Der Verband versucht, die industrielle Tierhaltung positiv darzustellen, bevor diese vom Gesetzgeber mit weiteren Einschränkungen und Verboten rechnen muss", resümierte Uhlenhaut.

cte/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Sachlich betrachtet ein sehr schweres Verbrechen
taxidriver 07.08.2012
Zitat von sysopÉine Transparenzoffensive der Geflügelwirtschaft stößt auf Skepsis. Die Züchter wollen in den kommenden Jahren ihre Ställe öffnen, um dem Misstrauen der Verbraucher zu begegnen. Grüne und Tierschützer sprechen von einer reinen PR-Aktion. Geflügel: Tierschützer trauen neuer Transparenz nicht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,848784,00.html)
Wenn ich mir vorstelle ich müsste mein ganzes Leben in so einer Betonhalle verbringen - das wäre der blanke Horror. Hier wird das gezeigt: Masthühner in Deutschland - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=SUt65vIIUTk) Ganz sachlich betrachtet hat es wohl in der gesamten Entwicklungsgeschichte des irdischen Lebens (500 Millionen Jahre) nichts auch nur ansatzweise Grausames gegeben. Klar, alle Lebewesen sterben irgendwann, aber sie dafür das ganze Leben einzukerkern, so wie es der Mensch seit Neuestem tut, ist wohl das perverseste Verbrechen das dieser Planet je gesehen hat. Und gerade was Vögel angeht kann es übrigens wissenschaftlich nicht ausgeschlossen werden dass diese betreffend ihrer Empfindsamkeit u.a. den Menschen ebenbürtig oder sogar überlegen sind. Da wurde viel verdrängt: Vögel sind keine "Spatzenhirne" (http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2005/msg00042.htm) Wenn man so ein Tier oder seine Eier im Kühlschrank hat, dann sollte man wenigstens abends vorm Einschlafen daran denken, wie dieses dafür sein ganzes Leben in der perversen Kunsthölle gelitten hat.
2. Die Grünen das ich nicht Lache
dalir 08.08.2012
Ham die Grünen irgend etwas grundlegendes geändert als SIE an der Macht waren? Die sind doch genauso ein verlogener liberaler Lobbyistenverein wie die FDP, egal ob es um Waffenlieferungen oder Tierschutz geht oder um die Verbraucher.
3.
Goldwin 08.08.2012
Zitat von sysopÄhnlich kommentierte der BUND-Agrarexperte Tilman Uhlenhaut das Projekt: "Die Endphase kurz vor der Ausstallung, wo tote Tiere herumliegen und es schrecklich aussieht, wurde bislang noch nie gezeigt." Das werde sich wohl auch bei dieser Initiative nicht ändern. Der Stallbesuch zeige zudem nicht, wie viele Medikamente die Hühnchen in der industriellen Tierhaltung bekommen. Der Verband versuche zu punkten, ohne substantiell irgendwas zu verbessern. Geflügel: Tierschützer trauen neuer Transparenz nicht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,848784,00.html)
Herr Uhlenhaut hat da sicherlich Recht. Natürlich werden dann v.a. die 1a Betriebe und auch da nur die "vorzeigbaren" Seiten gezeigt. Aber warum sich ein BUND-Sprecher über ein unvollständige Berichterstattung beklagt erschließt sich mir nicht. Das ist doch genau die Vorgehensweise vieler Tierschutzorganisationen. Nur eben von der anderen Seite.
4. Esst mehr Obst!
rvdf11974 08.08.2012
;) Bei den Berichten die rumgehen und auch wenn man mal logisch drüber nachdenkt, ist es schier unmöglich so eine Masse an Menschen so billig mit Fleisch zu ernähren. Das es doch gemacht wird, zeigt nur, dass es ohne Massenhaltung nicht geht...
5. Transparenz auch über die Verdrehungen des BUND
georgkeckl 10.08.2012
"Warum sich ein BUND-Sprecher über eine unvollständige Berichterstattung beklagt"? Evtl. weil was an den eigenen Verlautbarungen nicht stimmt und man weiß, dass es nicht stimmt, dass die Gegenseite mehr der Realität entspricht? Weil man in dem System der doktrinären eigenen "Wahrheit" keine Opposition brauchen kann? Wer dem "Waldsterben", also einem Mix aus Wahn, Hysterie, Fälschungen, Verdrehungen und Übertreibungen, seine Posten verdankt, der hält gerne an dem Rezept fest. Die Deutschen habe da eine Schwäche für. Die Bauern müssen die Stalltore öffnen und den Leuten damit auch die Wahrheit über den BUND und andere, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen, zeigen. Grüße: Georg Keckl
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Verbraucher & Service
RSS
alles zum Thema Geflügel
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 7 Kommentare
  • Zur Startseite