Benzin und Lebensmittel Gefühlte Inflation sinkt erstmals seit 2009 ins Minus

Auch wenn Preise fallen, fühlt es sich für Verbraucher häufig nicht so an. Jetzt hat sich das zum ersten Mal seit mehr als fünf Jahren geändert: Die "gefühlte Inflation" in Deutschland rutschte im Dezember auf minus 1,2 Prozent - obwohl die Preise sogar stiegen.

Tankstelle in Schleswig-Holstein: "Gefühlte Deflation" in Deutschland
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Tankstelle in Schleswig-Holstein: "Gefühlte Deflation" in Deutschland


Berlin - Zum ersten Mal seit der Finanzkrise vor fünf Jahren fallen die Preise in der Wahrnehmung der Deutschen - und das kräftig. Die von der Großbank Unicredit ermittelte gefühlte Inflation rutschte im Dezember auf minus 1,2 Prozent ab, während die offiziellen Daten des Statistischen Bundesamtes noch einen Preisanstieg von 0,2 Prozent ausweisen. "Hinter dem stärksten Rückgang seit Oktober 2009 stecken die deutlich billiger gewordenen Kraftstoffe", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt der Großbank Unicredit, Andreas Rees. Aber auch Lebensmittel seien günstiger geworden.

Sowohl Benzin und Diesel als auch Nahrungsmittel werden von den Verbrauchern regelmäßig gekauft. Ihnen fallen Preisveränderungen bei diesen Produkten daher viel stärker auf als bei selten gekauften Waren wie Möbel und Computer. Unicredit gibt ihnen daher ein stärkeres Gewicht: In die Berechnung für die gefühlte Inflation fließen die Kraftstoffpreise mit 10 Prozent und Nahrungsmittel mit 27 Prozent ein - im amtlichen Warenkorb hingegen nur mit rund vier beziehungsweise gut zehn Prozent.

"Für die Konjunktur sind das gute Nachrichten", sagte Rees über den Preisrutsch. "Ein Teil des gesparten Geldes wird zwar sicherlich im Sparstrumpf verschwinden, aber es wird auch mehr ausgegeben. Zusammen mit der Rekordbeschäftigung und steigenden Löhnen sind das sehr gute Voraussetzungen dafür, dass der Konsum auch in diesem Jahr die Wachstumsstütze Nummer eins bleibt."

Schon 2014 hatten die kauffreudigen Verbraucher die deutsche Wirtschaft gegen internationale Krisen wie den Konflikt mit Russland abgeschirmt. Dadurch wuchs Europas größte Volkswirtschaft um 1,5 Prozent und damit etwa doppelt so stark wie die Eurozone insgesamt. Kraftstoffe wie Benzin und Diesel kosteten im Dezember durchschnittlich 12,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Grund dafür ist der Preisrutsch an den internationalen Ölmärkten. Ein Barrel ist derzeit nur noch knapp halb so teuer wie im vergangenen Sommer.

nck/Reuters

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insgesamt 27 Beiträge
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wermoe 19.01.2015
1. Veralbern kann ich mich selber !
7,38 Millionen Hartz IV Empfänger werden hocherfreut sein, über gesunkene Benzinpreise ...
bmehrens 19.01.2015
2. Gut gefühlt
Ja klar, wenn Diesel, wie abgebildet, unter Euro 1/l kostet. Wie unglaublich billig jetzt unsere 631 ABGEORDNETEN fahren PLUS 10% Diätenzulage PLUS er-/überhöhten Werbungskostenfreibetrag.
grabenkaempfer 19.01.2015
3.
gefühlt hat sich wegen der geringeren Spritpreise nichts verändert, die machen grade mal 25€ im monat aus das billigere Heizöl merke ich nicht direkt, da das Wetter zusätzlich Auswirkungen hat ....
aleman61 19.01.2015
4. Deflation?
Haben wir nun Deflation wenn der Warenkorb anders gewichtet wird oder offiziell noch etwas Inflation von 0,2% aber gefühlt schon Deflation von -1,2%? Gilt auch hier der alte Grundsatz "Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht/manipuliert hast." Bitte um Aufklärung, da nun sehr verwirrt.
KuGen 19.01.2015
5. Das ganze Gewäsch um Deflation ist......
.....unbegründet. Klar, wenn man meint, in einem Jahr kostet alles 10% weniger, wird man die Anschaffung eines PKWs zurückstellen. Aber bei 1 oder 2 Prozent ? Das ist gänzlich unwahrscheinlich ! Und bei Gütern des täglichen Gebrauchs passiert gar nichts, da wird weiter konsumiert. Also halten wir fest : Preissenkungen oder der Rückgang des VPI um 1-2Punkte führen NICHT zu einem Einbruch der Konjunktur. Wenn die Dragi-Leute und andere dies behaupten, sollte man hinterfragen, welchem Herrn sie dienen.
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