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23. Februar 2013, 11:05 Uhr

Geldwerte Leistungen

Wenn der Chef das Handy zahlt

Von Berrit Gräber

Wer mehr Netto auf dem Konto will, kann sich den üblichen Gehaltspoker sparen: Geldwerte Zusatzleistungen bringen oft viel mehr - zum Beispiel wenn der Chef die Kosten für Kita, Tanken oder Haarschnitt übernimmt. Am Ende profitieren beide Seiten.

Hey Boss, ich brauch mehr Geld: Den Arbeitgeber nach mehr Lohn zu fragen, kostet meist Überwindung, Standhaftigkeit und jede Menge Überzeugungskraft. Vor allem in kleineren und mittelständischen Firmen. Und dann lassen Sozialabgaben und Steuern das hart erkämpfte Plus rasch wieder dahinschmelzen. Hinzu kommt die Inflation.

Wer beim nächsten Mal garantiert mehr in der Tasche haben will, kann sich den üblichen Gehaltspoker gleich schenken. Die schlauere Variante für Durchschnittsverdiener ist die schlichte Bitte: Chef, wie wär's mit geldwerten Extras?

Allein mit Einkaufsgutschein und Jobticket könne ein Arbeitnehmer schon circa 200 Euro mehr im Monat herausholen - und zwar ohne Abzüge, rechnet Thomas Schmidt von der Gesellschaft für Lohn- und Gehaltsoptimierung vor. Leichter zu verhandeln als eine Lohnerhöhung sind die Extras allemal. Das Einkommensteuergesetz gibt den Unternehmen nämlich jede Menge Möglichkeiten, um am Fiskus vorbei legal einige hundert Euro mehr netto zu spendieren - steuerfrei oder zumindest steuerermäßigt.

Folgende Extras können für Mitarbeiter wie Chefs interessant sein:

Zu den häufigsten Sachleistungen zählen Tankbons oder ein Jobticket für öffentliche Verkehrsmittel. Pro Monat und Mitarbeiter darf der Chef dafür 44 Euro ausgeben. Dieser Zusatz zum Gehalt bleibt völlig steuer- und abgabenfrei, für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber. Um auf den gleichen Wert zu kommen, müsste der Beschäftigte bei der normalen Gehaltsrunde - abhängig von seiner Steuerklasse - ein Plus von etwa hundert Euro brutto rausholen.

Möglich ist auch, die Firma 44 Euro monatlich für Strom, Gas, den Friseur oder Warenkäufe jeder Art zahlen zu lassen. Aber: Die Sachleistung gibt es nur einmal im Monat. Tanken, Strom, Shoppen und der Friseurbesuch können also nicht kombiniert werden. Alternative: Der Mitarbeiter bekommt die Fahrtkosten in voller Höhe gezahlt oder die Tankrechnung bis zu 375 Euro im Monat. Diese Ausgabe muss der Chef allerdings pauschal mit 15 Prozent plus Soli und Kirchensteuer versteuern.

Monatlich 21 Euro sind zusätzlich drin, wenn der Mitarbeiter für die Firma Reklame fährt und sich einen Werbeaufkleber ans Auto pappt - auch das erlaubt das Einkommensteuergesetz. Möglich ist sogar, zusätzlich zum Urlaubsgeld noch einmal eine "Erholungsbeihilfe" von mehr als 300 Euro im Jahr zu kassieren, je nach Familiensituation.

Gibt es keine Kantine, können Firmen zusätzlich die Verpflegung ihrer Mitarbeiter sponsern. Das geht mit Hilfe von Restaurantgutscheinen oder Essenschecks, die bei bestimmten Anbietern, Lieferanten oder auch Supermärkten eingelöst werden können. Bons bis zu 6,03 Euro pro Arbeitstag bleiben abgabenfrei. Allein mit 15 Essensbons im Monat lassen sich mehr als 90 Euro abgabenfrei dazubekommen. Um aufs gleiche Netto-Plus zu kommen, müsste der Chef etwa 180 Euro brutto zusätzlich locker machen.

Richtig viel Entlastung ist drin, wenn der Arbeitgeber die Betreuung von Kindern bis zum schulpflichtigen Alter sponsert. Kriegt etwa ein junger Vater statt 150 Euro mehr Gehalt im Monat beispielsweise den gleichen Betrag als Krippenzuschuss, kann er davon 1:1 profitieren. Von einer Gehaltserhöhung um diesen Betrag blieben im Schnitt gerade mal knapp 70 Euro übrig. Kindergartenzuschüsse sind abgabenfrei bis zu der Summe, die die Einrichtung als Beitrag verlangt. Auch Hortgebühren oder das Honorar für eine Tagesmutter können vom Chef bezuschusst oder gar komplett übernommen werden.

Einen Zuschuss von pauschal bis zu 50 Euro im Monat können Beschäftigte für ihre privaten Internetgebühren aushandeln. "Um das gleiche Geld netto zu haben, müssten 110 Euro mehr brutto überwiesen werden", sagt Experte Schmidt. Einen nach oben hin unbegrenzten Zuschuss darf die Firma gewähren, wenn sie ihrem Mitarbeiter für zu Hause gleich die gesamte Hard- und Software überlässt. Die Geräte dürfen auch ausschließlich privat gebraucht werden, ohne dass Steuern und Sozialabgaben anfallen. Voraussetzung: Die Firma ist der Eigentümer oder Mieter (bei Leasing). Verschenkt der Chef ein Gerät, will der Staat Steuern sehen.

Die Firma darf einen Mitarbeiter finanziell unterstützen bei Kursen und Trainings, die der Gesundheit dienen. Als Extra zum Gehalt sind etwa Wirbelsäulenübungen aushandelbar, Anti-Stress- oder Burnout-Trainings, Entspannungs- und Nichtraucherkurse sowie Lehrgänge rund um die gesunde Ernährung. Dafür sind pro Mitarbeiter jährlich bis zu 500 Euro abgabenfrei drin. Aber: Mitgliedschaften bei Sportvereinen und Fitnessstudios sind ausgenommen. Die müssen aus der eigenen Tasche gezahlt werden.

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