Geldabheben, Überweisungen, EC-Karten Kontogebühren? Ja, bitte!

Kontoführung, Überweisungen, Geldabheben: Viele Banken und Sparkassen bieten ihre Dienste nicht mehr kostenlos an. Das ist verständlich - und sollte der Anfang einer neuen Ehrlichkeit sein.

Geldautomaten der Sparkasse
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Geldautomaten der Sparkasse

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"Abzocke", "Schock", "Gebühren-Hammer": Wenn es ums Girokonto geht, verstehen die Deutschen keinen Spaß. Seit durch die Medien ging, dass einige Sparkassen und Volksbanken mittlerweile bei bestimmten Kontomodellen Geld fürs Abheben am Automaten verlangen, herrscht allseits helle Aufregung. "Sparkassen schaffen die kostenlose Bargeldversorgung ab", tönte das Finanzportal biallo.de, das den vermeintlichen Skandal vor zwei Wochen aufdeckte.

Wohlgemerkt: Es ging um Beträge wie die 29 Cent, die zum Beispiel die Sparkasse Erding-Dorfen abbucht, wenn Kunden mit einem bestimmten Kontomodell sich mehr als viermal im Monat Geld am Automaten ziehen.

Nun kann man darüber streiten, ob ein gesondertes Entgelt fürs Geldabheben besonders geschickt ist, wenn man Kunden behalten will. Aber skandalös ist es sicher nicht.

Ob Geldautomaten, Überweisungen oder EC-Karten: Die Dienstleistungen, die Banken und Sparkassen rund um Girokonten anbieten, verursachen Kosten. Für die Kreissparkasse Düsseldorf zum Beispiel sind es laut "Handelsblatt" pro Geldautomat etwa 13.000 Euro im Jahr.

Viele Jahre lang wurden solche Kosten durch Gewinne aus anderen Bereichen quersubventioniert. Das Girokonto galt als sakrosankt. Während Sparkassen und die meisten Volksbanken immerhin noch eine monatliche Grundgebühr dafür verlangten, boten viele andere Banken die Konten komplett gratis an - und legten für jeden neuen Kunden sogar noch ordentlich Begrüßungsgeld drauf.

Ärgerlich, aber seriös

Dass diese Zeiten langsam zu Ende gehen, ist offensichtlich. Zwar gibt es immer noch ein paar Anbieter, die auf Null-Euro-Konten setzen. Doch die Auswahl ist erheblich geschrumpft (mehr dazu erfahren Sie hier). Das liegt vor allem an den extremen Niedrigzinsen, die den Banken das Geldverdienen erschweren und sie zum Sparen zwingen. Doch es gibt auch so etwas wie ein Umdenken in der Branche: Sie will die Kostenloskultur loswerden.

Für die Kunden ist das zunächst ärgerlich. Doch tatsächlich ist es seriös, wenn die Banken für etwas Geld verlangen, das ihnen Kosten verursacht. Und sicher besser, als die Girokonten auf Dauer zu subventionieren.

So seltsam das klingen mag: Es ist gerade in Deutschland sehr schwierig, mit klassischem Bankgeschäft - also dem Verleihen und Verwahren von Geld - dauerhaft ordentliche Gewinne zu erwirtschaften. Rund 2000 Kreditinstitute gibt es in der Bundesrepublik. In kaum einem anderen Land ist die Konkurrenz so groß - und in kaum einem anderen Land sind die die Gebühren für klassische Bankdienstleistungen rund ums Konto so niedrig.

Stattdessen haben die Banken und Sparkassen hierzulande ihr Geld stets anders verdient - und zwar leider nicht gerade seriöser:

  • Einige von ihnen wollten in der ganz großen Finanzwelt mitspielen, verzockten sich mit komplizierten Wertpapieren, die sie oft selbst nicht verstanden und mussten am Ende vom Staat gerettet werden.
  • Und fast alle verkauften ihren Kunden Versicherungen und Fonds, die oft zwar wenig Rendite für die Anleger, dafür aber immer hohe Provisionen für die Banken brachten. Eine Praxis, die sich durch verschärfte Regeln der Aufsichtsbehörden bis heute nur geringfügig verbessert hat. Schließlich liest sich kaum jemand jedes Detail seitenlanger Beratungsprotokolle durch.

Hier liegt der triftigere Grund für die Kunden, sich aufzuregen. Oder überspitzt gesagt: Wer sich jetzt über die Gebühren fürs Girokonto ärgert, sollte sich fragen, ob es ihm wirklich lieber wäre, stattdessen weiter bei der Altersvorsorge über den Tisch gezogen zu werden.

Dieses Argument zieht natürlich nur, wenn die Banken und Sparkassen sich in Zukunft tatsächlich ehrlicher machen. Wenn sie also nicht mehr für den Verkauf oft schlechter Provisionsprodukte Geld verlangen, sondern nur noch für Dienstleistungen, die es auch wert sind. Und wenn sie dies dann auch transparent kommunizieren, statt die Kosten für die Kunden in komplizierten Kontomodellen zu verstecken.

Zugegeben: Davon ist die deutsche Finanzbranche noch weit entfernt. Aber die Gebühren rund ums Konto könnten ein Anfang sein auf einem Weg zu mehr Ehrlichkeit und Transparenz.



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insgesamt 342 Beiträge
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Seite 1
ansv 14.04.2017
1.
Ich verstehe das irgendwie nicht: weil Banken ihre Kunden bei der Altersversorgung abzocken ist es in Ordnung, wenn sie jetzt Gebühren verlangen? Ich habe da keine Hoffnung, dass Banken deshalb "ehrlich" werden. Ich möchte auch gar keine Kosten verursachen, doch bin ich gezwungen ein Konto zu haben, wie jeder hier. So sorgt der Staat doch verlässlich dafür, dass Banken Kunden haben. Und wenn was schiefgeht, ist der Staat auch mit Steuergeld zur Stelle. Auf diesem Weg hat m. E. Auch jeder schon genug bezahlt, oder?
jay.boehner 14.04.2017
2. den Kommentar kann ich nicht nachvollziehen
ich gebe meiner Bank ein dauerhaftes und jeden Monat sich um einen mittleren vierstelligen Betrag erhöhendes Darlehen (nichts anderes ist es, dass die Bank mein Gehalt als Buchgeld erhält und nicht ich in bar). Im Gegenzug erhalte ich keine Zinsen, bezahle der Bank noch monatliche Kontoführungsgebühren und soll nun auch noch Gebühren für die Valutierung von teilweisen Darlehensbeträgen bezahlen? Ich denke nicht. Wenn es ach so hart ist, als Bank Geld mit der ureigenen Tätigkeit einer Bank zu verdienen, dann möge der Kapitalismus sein Werk verrichten und seine unnützen Knechte dem Konkurs überantworten. Bis dahin kann ich nur jedem empfehlen, Vermögensanlage ohne Bankberatung zu betreiben und Girokonten bei online-Direktbanken zu führen, die einem diese dreisten Gebühren nicht abverlangen.
yougotowned 14.04.2017
3. Tja
Selber schuld, wenn man sich das gefallen lässt. Die kassieren teilweise 15(!)% für Überziehungen. Warum für das Girokonto einer Direktbank zahlen? Das wird nicht erklärt....
mimak 14.04.2017
4. Ehrlichkeit und Transparenz ?!?!
Durch erheben von Kontogebühren soll Ehrlichkeit und Transparenz in Bnakgeschäft kommen. Verzeihung aber was hat der Autor geraucht um sich dermassen sich von der Wirklichkeit zu entfernen? Dieses Bestreben nach Gebühren ist nur eine von den Banken getriebenes Spiel um ihre Gewinne zu optimieren.
marthaimschnee 14.04.2017
5. und wer garantiert die Ehrlichkeit?
und nicht nur, daß da einfach mehr abgezockt werden soll, einfach weil man es kann? "Wer billig kauft, kauft doppelt", heißt es. Nur was dabei verschwiegen wird:heute garantiert teuer nicht automatisch, daß man nicht trotzdem doppelt kauft! Die Wirtschaft hat sich 100% Mißtrauen redlich verdient, unter anderem, weil die Rendite niemals genug sein kann und dem im Notfall alles geopfert wird. Und die Banken an der Spitze dieser Bewegung, die keineswegs aus der Krise gelernt hat, außer daß sie die Allgemeinheit beliebig erpressen können.
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