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Geldanlage: Wie man Negativzinsen vermeidet

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Euro-Münzen: Wohin mit dem Geld?

Die ersten Banken verlangen Strafzinsen von Kunden mit hohen Guthaben. Die Empörung ist groß. Dabei nehmen bereits Millionen Deutsche negative Renditen in Kauf.

Die Commerzbank ist ganz vorn dabei: Als erste deutsche Großbank verlangt sie von institutionellen Kunden Zinsen, nur weil die ihr Geld dort lagern wollen. Bis dahin zahlte das Institut brav Zinsen. Noch am Abend dieser Ankündigung riefen alte Studienfreunde an und fragten mich, ob sie demnächst ebenfalls zahlen müssten, wenn sie Geld zur Bank tragen.

Ich konnte sie beruhigen: Auch künftig müssen kleine Privatkunden keinen Strafzins zahlen. Davor schützt der Selbsterhaltungstrieb der Banken. Strafzinsen würden nämlich den einen oder anderen Sparer auf den gefährlichen Gedanken bringen, Geld unterm Kopfkissen zu horten. Das wiederum brächte die Banken in die Bredouille, vielleicht nicht liquide genug zu sein. Schließlich legen sie das Geld der Sparer ihrerseits an.

Abends im Bett ging mir das Thema weiter durch den Kopf. Denn wenn man die Sache genauer durchdenkt, gehören Negativzinsen schon heute zur Realität für Bankkunden. Wer etwa auf seinem Girokonto übers Jahr im Schnitt 1000 Euro liegen hat und zum Beispiel die Dienste der Volksbank Lastrup in Niedersachsen in Anspruch nimmt, der zahlt jeden Monat 8,90 Euro Gebühren. Bezogen aufs Jahr kommen so fürs Girokonto 106,80 Euro zusammen, das entspricht rund zehn Prozent Strafzinsen.

Noch ein Beispiel: Wer 5000 Euro auf dem Tagesgeldkonto bei der Berliner Sparkasse (der größten in Deutschland) liegen hat, bekommt im Internet aktuell 0,30 Prozent Zinsen angeboten. Macht also 15 Euro Zinsen im Jahr. 20.000 Euro auf dem Festgeldkonto für drei Jahre bringen dort insgesamt rund 90 Euro Zinsen. Beide Zinssätze fangen nicht einmal die aktuelle Inflationsrate auf.

Die Kunden verlieren also Kaufkraft, wenn sie ihr Erspartes auf solchen Konten parken. Ganz zu schweigen von der bemerkenswerten Tatsache, dass die Berliner Sparkasse weniger Zinsen auf Festgeld als auf Tagesgeld anbietet.

Tags drauf versuchte ich vergeblich, meine Freunde anzurufen: Ihr könnt die Negativverzinsung bei den Banken bekämpfen, sollte die Botschaft sein. Ein kostenloses Girokonto mit kostenloser Kreditkarte spart im Vergleich zu dem gebührenpflichtigen Modell über 100 Euro im Jahr - oder mehr als zehn Prozent bezogen auf die 1000 Euro auf dem Girokonto. Ein gutes Tagesgeldkonto bringt 1,3 Prozent Zinsen oder, bezogen auf die 5000 Euro des Musterkunden, 65 Euro Zinsen statt 15. So ein Konto gibt's sogar bei einer Sparkasse. Bei einer Anlage von 20.000 Euro Festgeld für drei Jahre zeigt der Blick in die Finanztip-Datenbank 1,86 Prozent Zinsen im Jahr beim Spitzenreiter. Das ergibt in drei Jahren 1137 Euro Zinsen, über zwölfmal mehr als bei der Berliner Sparkasse.

Wenn Sie einen Teil Ihres Geldes länger nicht benötigen, dann sollten Sie beim Kampf gegen Negativzinsen auch eine Anlage in Indexfonds (ETF) erwägen. Solche Indexfonds auf den weltweiten Aktienindex MSCI World kosten wenig Gebühren und bieten die Chance auf eine ordentliche Rendite. In den vergangenen zehn Jahren hätten solche Anlagen auch wegen der niedrigen Gebühren und trotz der zwischenzeitlichen Finanzkrise rund 7,5 Prozent Rendite im Jahr gebracht.

Sichern Sie Ihre Ersparnisse. Negativzinsen können Sie selbst bekämpfen, in dem Sie Ihr Geld von der teuren Bank mit den niedrigen Zinsen zu der preiswerten Bank mit den hohen Zinsen bringen. Der große Vorteil: Anders als bei der Bargeldlagerung zu Hause brauchen Sie keinen teuren Safe und kein kostenpflichtiges Schließfach. Mit ein paar Klicks haben Sie den Strafzins abgewendet. Erzählen Sie das ruhig auch Ihren Freunden. Ich versuche es auch noch mal am Wochenende.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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insgesamt 156 Beiträge
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1. Genau...
iamwiesl2 29.11.2014
die Finanzbranche wird reguliert, muss alles dokumentieren und sich ein Bild über den Kunden machen. Das gilt jedoch natürlich nicht für den Autor. Der macht munter weiter mit Empfehlungen, die wenn überhaupt, nur auf einen Bruchteil der Kunden passen.
2. wieso
iamwiesl2 29.11.2014
sollte ich in Indexfonds investieren wenn die Krise wieder kurz vorm zuschlagen ist und die Börsen nach unten gehen. ich hoffe der Autor hat eine entsprechende Haftpflichtversicherung damit er für seine Empfehlungen auch haften kann!
3. Ein Berater empfiehlt.......
KuGen 29.11.2014
...... das Risiko. Wer verdient daran ? Die Emittenden, der Berater. Auch der Anleger ? Sagen wir es doch mal mit aller Klarheit: Wer früher das Wirtschaftssystem ändern wollte, wurde blitzschnell als Kommunist oder schlimmeres bezeichnet. Und jetzt ? Unser Wirtschaftssysstem basiert auf Zins als Leistung für das Bereitstellen von Liquidität. Und Draghi und Konsorten sind mit frecher Stirn dabei, dieses System abzuschaffen..... sie haben ca die Hälfte geschaftt. Und wir schauen zu.
4.
marthaimschnee 29.11.2014
"7,5 Prozent Rendite im Jahr" schon merkwürdig, bei Prokon hieß es, 6-8% im Jahr, das muß man doch sehen, daß das unseriös ist!
5. Ich verstehe nicht...
Sibylle1969 29.11.2014
...warum so viele Leute so große Angst vor dem Aktienmarkt haben Anscheinend hat auch so gut wie niemand den Zinseszinseffekt verstanden. Beschäftigt man sich mit dem Gesetz der Großen Zahlen, so ist klar, dass das Risiko bei ausreichend breiter Streuung (was bei Indexfonds der Fall ist) gering ist. ETFs performen stets so wie der Markt, und der Markt performt im langjährigen Mittel (Zeitraum von mehreren Jahrzehnten) stets deutlich besser als verzinste Anlagen. Wenn man dann noch in mehrere ETFs streut, die verschiedene Indizes abbilden, ist man auf der absolut sicheren Seite. Ich betone, dass dies mittel- und langfristig der Fall ist. Kurzfristig kann der Markt natürlich auch mal kräftig nach unten gehen (was ich auch schon 2x mitgemacht habe). Man muss nervenstark genug sein, das auszuhalten. Für Altersvorsorge kommt m.E. aber für den Kleinanleger heutzutage neben Immobilien nur noch ETFs in Frage. Ich für meinen Teil habe 1/3 meines Vermögens in einer vermieteten Eigentumswohnung und 2/3 in Aktien angelegt, davon ein großer Teil ETFs angelegt. Mit der Performance bin ich sehr zufrieden und sehe einem sorgenfreien Alter entgegen. Ich habe noch nie in verzinsliche Anlagen wie Lebensversicherungen o.ä. investiert (Ausnahme: ein paar 1000 € Tagesgeld für unvorhergesehen Ausgaben), auch nicht, als es noch 3-4% Zinsen gab. In meinem Bekanntenkreis stößt diese Strategie aber auf starkes Unverständnis. Hier will man unbedingt "sichere" Anlagen und versteht nicht, dass man einer Verzinsung von nur 0,x% Geld verliert und nicht gewinnt.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

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