Geldanlage Niedrig-Zinsen beunruhigen Lebensversicherer

Die Zinsen verharren auf einem Rekordtief, nun geht es auch mit der Rendite klassischer Lebensversicherungen bergab. Für Millionen Bundesbürger reißt das tiefe Löcher in die Altersvorsorge. Die Finanzkonzerne suchen deshalb alternative Anlageformen, um genug Erträge zu erwirtschaften.

Planung der Altersvorsorge (Symbolbild): Weniger Rendite auf das eingesetzte Kapital
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Planung der Altersvorsorge (Symbolbild): Weniger Rendite auf das eingesetzte Kapital

Von Karen Schmidt


Die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt machen nicht nur den privaten Krankenversicherungen das Leben schwer, sondern auch den Lebensversicherern. "Die Unternehmen haben in der klassischen Lebensversicherung langfristig garantierte Verbindlichkeiten gegenüber ihren Kunden", sagt Tim Ockenga, der Leiter der deutschen Versicherungsanalyse bei Fitch Ratings. "Der durchschnittliche Garantiezins liegt für die Branche bei rund 3,4 Prozent, und in Abhängigkeit vom Neugeschäft werden die meisten noch auf lange Sicht einen Zins von über drei Prozent bedienen müssen."

Da diese Garantien per Gesetz sicher erwirtschaftet werden müssen, macht der Anteil festverzinslicher Papiere rund 85 Prozent der Kapitalanlagen aus. Mit Bundesanleihen, die nach einer längeren Abwärtsphase (siehe Grafik links) im Schnitt gerade noch 2,3 Prozent Zinsen bringen, ist da nicht viel zu holen. "Sinken die Zinsen für diese Papiere, so sinken unweigerlich die Kapitalanlageergebnisse der Gesellschaften", so Ockenga.

Mit der Überschussbeteiligung geht's bergab

Und damit schlussendlich auch die Überschussbeteiligungen der Versicherten. Bestandskunden bekommen also weniger Rendite auf ihr eingesetztes Kapital. Das dürfte Lücken in die geplante Altersvorsorge reißen.

Für Neukunden läuft es nicht besser. Denn auch ihr Garantiezins von 2,25 Prozent wackelt. Für die Branche ist die Frage dabei nicht "ob", sondern "wann". "2012 erwarte ich eine Absenkung auf unter zwei Prozent, wenn die Zinsen nicht plötzlich erheblich steigen", so Lukas Ziewer, Experte der Praxisgruppe Versicherungen bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Doch wie reagieren die Finanzkonzerne auf die neue Situation? Drei Fragen an Jörg Ladwein, bei Allianz Leben verantwortlich für Kapitalanlagen von rund 150 Milliarden Euro.

Frage: Wie lange können Sie die aktuelle Niedrigzinsphase durchhalten, wenn Sie nur noch den Garantiezins von aktuell 2,25 Prozent ausschütten?

Ladwein: Unsere Garantien halten wir beim aktuellen Zinsniveau ewig durch. Selbst wenn die Zinsen für Bundesanleihen von heute 2,3 Prozent auf 1,5 Prozent fallen, können wir unsere Garantieverzinsung jederzeit darstellen.

Frage: Wie wollen Sie mehr als die Garantieverzinsung für Ihre Kunden herausholen?

Ladwein: Auch in der aktuellen Niedrigzinsphase gibt es Anlageklassen mit sehr attraktiven Chancen. Das gilt für Unternehmens- und Schwellenländeranleihen und für Gewerbeimmobilien. Wir erwerben derzeit etwa eine Immobilie im Monat für bis zu 200 Millionen Euro, vor allem Shoppingcenter und Bürogebäude in Deutschland und im europäischen Raum.

Frage: Mit welchen Renditen rechnen Sie da?

Ladwein: Bei erstklassigen Objekten erhalten wir eine Verzinsung von fünf bis sechs Prozent. Zusätzlich erwarten wir eine Wertsteigerung von ein bis drei Prozent. Besonders attraktiv sind zudem Investments in Private Equity, Infrastruktur und erneuerbare Energien wie Wind- und Solarparks. Da erwarten wir Renditen von 6,5 bis 8,5 Prozent.

Der Artikel stammt aus dem Magazin "DAS INVESTMENT".



insgesamt 28 Beiträge
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weltbetrachter 01.01.2011
1. Freud und Leid
Die Lebensversicherer können einem nicht wirklich leid tun. Jahrzehntelang wurden Milliarden verdient. Wenn das jetzt mal etwas "abschmilzt" geht die Welt nicht zugrunde. Dann müssen die Aktionäre eben mal ein paar Jahre mit etwas weniger Dividende auskommen. Die niedrigen Zinsen sind aber auch gut für Investitionen. Die Wirtschaft braucht derzeit diesen niedrigen Zins um in Anlagen usw. zu investieren. Da werden langfristig Arbeitsplätze geschaffen. Also ist Freud und Leid wiedermal sehr nahe beieinander.
großwolke 01.01.2011
2. !
Und genau da liegt der Hase im Pfeffer, bei der sogenannten Selbstvorsorge... Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die die Altvorderen beim Ausarbeiten des ursprünglichen deutschen Rentensystems schon so extrem weitblickend waren, dass sie sowas bereits gesehen haben, oder ob sie einfach nicht für möglich halten konnten, welcher Wahnwitz das Weltfinanzsystem noch befallen würde. Aber kapitalbasierte Rentenmodelle sind, verglichen mit dem, was wir haben (oder sollte ich bereits sagen: hatten?) vielfach im Nachteil. Ich will das nicht unbedingt im Detail ausargumentieren, da mir bewusst ist, dass entlang meiner Argumentationslinien vielfach ökonomische Glaubenssysteme aufeinanderprallen (ist Sparen an sich nun gut oder schlecht? Kapitalanlagen: Heuschrecken-Teufelszeug oder unabdingbares Brenn- und Schmiermittel für die Weltwirtschaft?) Aber unser Umverteilungssystem hat einen ganz gewaltigen Vorteil: es ist robust, weil es einfach ist. Konsequent angewendet, also ohne Beitragsbemessungsgrenzen und mit eventuell notwendigen Rentenkürzungen bei entsprechender Beitragslage, wäre das ein System für die Ewigkeit. Währungsumstellungen, Kapitalmarktcrashs, was man anspart, sind Rentenpunkte, deren Aussage sich bis zum Zeitpunkt der Rentenberechnung erstmal darauf beschränkt, wieviel man an der Gesellschaft schon Gutes getan hat, und wieviel man dann, zu gegebener Zeit, auch wieder Gutes erwarten kann, relativ zum dem, was diese Gesellschaft dann gerade zu geben haben wird. Das setzt naürlich ein gewisses soziales Grundempfinden bei allen Beteiligten voraus sowie die Grundeinsicht, dass, wie hoch die Lebensarbeitsleistung auch immer war, die Zukunft nicht automatisch ein Schlaraffenland ist für die, die selbst nichts mehr beitragen können. Die dazu notwendige Bescheidenheit scheint aber leider immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Als jetzt noch junger Mensch bedaure ich das vor allem deshalb, weil die momentane Tendenz, jeden immer mehr nur noch für sich selbst kämpfen und vorsorgen zu lassen, am Ende für die Mehrheit eher Verlust als Gewinn sein wird. Und für die, die solche düsteren Prophezeihungen gern angreifen, hier noch etwas Handfesters: in Zeiten von zunehmend prekären Arbeitsverhältnissen und allgemeiner Einkommensunsicherheit wir auf jeden Fall die Zukunftsunsicherheit zunehmen und als Folge dessen der soziale Frieden schwinden.
fritzyoski, 01.01.2011
3. ...und im Notfall
"Der durchschnittliche Garantiezins liegt für die Branche bei rund 3,4 Prozent, und in Abhängigkeit vom Neugeschäft werden die meisten noch auf lange Sicht einen Zins von über drei Prozent bedienen müssen" der Steuerzahler wird's schon richten. Vor allem wenn man sich mit hoeheren Renditen in "Schwellenlaendern" mal wieder verzockt.
jhartmann, 01.01.2011
4. .
Die üblichen "Experten" faseln von Boom, derweil die Umlaufrendite auf Niedrigstniveau stagniert. Prosit Neujahr!
Kommentator33 01.01.2011
5. Umlage oder Kapitaldeckung
Zitat von großwolkeUnd genau da liegt der Hase im Pfeffer, bei der sogenannten Selbstvorsorge... Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die die Altvorderen beim Ausarbeiten des ursprünglichen deutschen Rentensystems schon so extrem weitblickend waren, dass sie sowas bereits gesehen haben, oder ob sie einfach nicht für möglich halten konnten, welcher Wahnwitz das Weltfinanzsystem noch befallen würde. Aber kapitalbasierte Rentenmodelle sind, verglichen mit dem, was wir haben (oder sollte ich bereits sagen: hatten?) vielfach im Nachteil. Ich will das nicht unbedingt im Detail ausargumentieren, da mir bewusst ist, dass entlang meiner Argumentationslinien vielfach ökonomische Glaubenssysteme aufeinanderprallen (ist Sparen an sich nun gut oder schlecht? Kapitalanlagen: Heuschrecken-Teufelszeug oder unabdingbares Brenn- und Schmiermittel für die Weltwirtschaft?) Aber unser Umverteilungssystem hat einen ganz gewaltigen Vorteil: es ist robust, weil es einfach ist. Konsequent angewendet, also ohne Beitragsbemessungsgrenzen und mit eventuell notwendigen Rentenkürzungen bei entsprechender Beitragslage, wäre das ein System für die Ewigkeit. Währungsumstellungen, Kapitalmarktcrashs, was man anspart, sind Rentenpunkte, deren Aussage sich bis zum Zeitpunkt der Rentenberechnung erstmal darauf beschränkt, wieviel man an der Gesellschaft schon Gutes getan hat, und wieviel man dann, zu gegebener Zeit, auch wieder Gutes erwarten kann, relativ zum dem, was diese Gesellschaft dann gerade zu geben haben wird. Das setzt naürlich ein gewisses soziales Grundempfinden bei allen Beteiligten voraus sowie die Grundeinsicht, dass, wie hoch die Lebensarbeitsleistung auch immer war, die Zukunft nicht automatisch ein Schlaraffenland ist für die, die selbst nichts mehr beitragen können. Die dazu notwendige Bescheidenheit scheint aber leider immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Als jetzt noch junger Mensch bedaure ich das vor allem deshalb, weil die momentane Tendenz, jeden immer mehr nur noch für sich selbst kämpfen und vorsorgen zu lassen, am Ende für die Mehrheit eher Verlust als Gewinn sein wird. Und für die, die solche düsteren Prophezeihungen gern angreifen, hier noch etwas Handfesters: in Zeiten von zunehmend prekären Arbeitsverhältnissen und allgemeiner Einkommensunsicherheit wir auf jeden Fall die Zukunftsunsicherheit zunehmen und als Folge dessen der soziale Frieden schwinden.
Die Sache ist wieder einmal viel komplizierter, als Sie als Verfechter des Umlagesystems darstellen. Alle denkbaren Systeme haben Vor- und Nachteile. Das Umlagesytem funktioniert nur dann auf Dauer, wenn die arbeitende Generation genügend erwirtschaften kann. Dazu gehört zuerst, dass es genügend Kinder gibt. Gerade das ist in Deutschland nicht der Fall. Die Bevölkerung anderer Staaten kann aber im Umlagesystem nicht herangezogen werden. Auch anders ist das Problem nicht zu lösen. Einerseits können die Altersbezüge nicht beliebig gesenkt werden, sonst sind sie nicht mehr existenzsichernd. Andererseits können die Abgaben nicht unbegrenzt gesteigert werden. Mit dem Wort "sozial" bringt man auf Dauer nicht große Teile der Bevölkerung dazu, ohne Zukunftserwartungen sehr viel in ein System einzuzahlen, das für sie selbst keinen Vorteil erbringt. Oder wer zahlt schon 50 bis 55 Jahre 50 % seines Bruttoeinkommens in eine Kasse, die ihm dann ab einem Lebensalter von 75 Jahren eine Rente in Höhe von 30 % des Brutto gewährt? Der Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze führt auch nicht weiter. Das führt einfach zu höheren Rentenansprüchen und verlagert das Problem in die Zukunft. Soll gleichzeitig eine Höchstrente eingeführt werden, so ist das System für diese Beitragszahler nicht attraktiv. Und gerade dieser Personenkreis kann das am ehesten entziehen, entweder durch Preiserhöhungen oder Verlagerung der Tätigkeit ins Ausland. Bei einem kapitalgedeckten Verfahren ist das System von den Verhältnissen auf den Kapitalmärkten abhängig. Ein niedriges Zinsniveau führt zu geringen Erträgen. Ein Problem ist das der Erwartung. Davon handelt der hier diskutierte Artikel. Es gibt einen Garantiezins, der gegenwärtig kaum zu überbieten ist, weshalb die von den Versicherten erwarteten Überschussbeteiligungen nicht so entstehen. Ob tatsächlich wirtschaftliche Probleme für das Alter auftreten, hängt nur teilweise von der Höhe der Verzinsung ab. Entscheidend ist vielmehr das Verhältnis zwischen der erzielten Finanzierung und der Inflationsrate. Das kapitalgedeckte Verfahren löst das Demographieproblem einzelner Länder. Durch die Kapitalmärkte und die Gewährung verzinster Kredite kann auch die Leistung der Bevölkerung anderer Staaten zur Alterssicherung herangezogen werden.
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