Sparen mit staatlicher Förderung Wie Sie im tiefsten Zinstal riestern

Keine Zinsen, nirgends. Und jetzt steigen auch noch die Gebühren. Wer mit Riester-Banksparplänen fürs Alter vorsorgt, hat derzeit wenig Freude. Aber gegen manche Tricks der Banken können Sie sich wehren.

DPA

Eine Kolumne von


Über 800.000 Sparer haben in den vergangenen 15 Jahren einen Riester-Banksparplan abgeschlossen. In der Gewissheit, dass bei diesem Riester-Produkt bereits der erste einbezahlte Euro direkt im Vertrag landet. Denn: Vorwegprovisionen wie bei Versicherungen und Bausparverträgen gibt es nicht. Auch Ausgabeaufschläge wie bei Riester-Fonds werden den Sparern nicht abgezogen. Verbraucherschützer haben auch deshalb das Produkt im Prinzip gelobt. Und als die Produkte starteten, gingen oft noch Zinsen von 4 Prozent im Jahr ein.

Doch die goldenen Zeiten sind lange vorbei. Zuerst haben die Banken die Zinsen für solche Sparpläne wieder und wieder gesenkt. Das durften sie auch, die anbietenden Volksbanken und Sparkassen haben ihre Zinsangebote für solche Verträge von Anfang an variabel gestaltet.

Große Anbieter wie die Mainzer Volksbank (knapp 25.000 Verträge), die Sparkasse Holstein (10.000 Verträge) und die Volksbank Gronau-Ahaus (10.000 Verträge) zahlen heute zwischen 0,05 und 0,18 Prozent. In Gronau war eine Zinsgarantie immer Bestandteil des Vertrages. Wer in Gronau recht früh abgeschlossen hat, darf sich immer noch über Garantiezinsen von 1,5 Prozent freuen. Bis 2015 gab es noch 1 Prozent. Für die letzten Neuverträge 2016 schrumpfte die Garantie auf traurige 0,1 Prozent.

Einen variablen Zinssatz dann auch tatsächlich zu senken, ist nicht unfair. Denn der Zins für einen solchen Riester-Sparplan orientiert sich bei all diesen Banken immer an einem Marktzins, den man bei der Bundesbank nachprüfen kann. Ob ein Angebot fair ist oder nicht so fair, das entschied sich stattdessen ursprünglich an der Frage, wie viel weniger als den Marktzins die Banken Kunden auf ihr Erspartes zahlten. Die genannten Häuser gehörten dabei immer zu den besseren Anbietern. Weil die Orientierungszinsen seit Jahren aber nahe null liegen, müssen Sparer fast immer aktuell auf jegliche Anlagerendite verzichten.

Praktisch keine Zinsen - das ist kein Vergnügen. Aber bei Riester-Verträgen gibt es ja eine ordentliche Förderung, sodass bis zum Renteneintritt immer noch eine vergleichsweise schöne Förderrendite garantiert ist. Jedes Jahr wieder gibt es für voll eingezahlte Verträge 175 Euro Zulage für den eigenen Vertrag. Und dann noch einmal 300 Euro Zulage pro Kind, sofern die Kinder 2008 oder später geboren wurden. Für kinderlose Besserverdiener ersetzt die steuerliche Förderung die Kinderzulage, bei 1925 Euro Einzahlung sind bis zu 700 Euro Erstattung vom Staat drin.

Endlich verständlich

So ergeben sich auch ohne Rendite von der Bank für langfristige Verträgen 2 bis 3 Prozent Rendite, bei kurzfristigen auch schon mal bis zu 10 Prozent. 680.000 Verträge halten Kunden bislang noch bei Volksbanken und Sparkassen - trotz des Zinstiefs.

Die Zahl der Kunden ist auch deswegen bemerkenswert, weil die Bundesregierung mit ihrer letzten Reform zu Verträgen der Altersvorsorge 2016 den Banksparplänen beinahe ganz den Garaus gemacht hätte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und sein Staatsekretär Jens Spahn (der hat im Münsterland Bankkaufmann gelernt) erhöhten die formalen Anforderungen für neue Riester-Verträge so sehr, dass die meisten kleinen Anbieter die Segel strichen.

Wo einst Kirchenbanken wie die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn mit der Sparkasse Gelsenkirchen und der Volksbank Gronau-Ahaus konkurrierten, gibt es seit 2017 nichts mehr. Die drei Banken haben Ende 2016 den Vertrieb der Riester-Banksparpläne eingestellt - und mit ihnen viele andere.

Einige Banken klagten damals laut, anderer eher verhalten, waren möglicherweise froh, keine weiteren Verträge anbieten zu müssen.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Stattdessen wandten sich die Institute einer neuen Strategie zu, die eigenen Kosten der Verträge zu senken. Die Idee: Wenn die Kunden neue Gebühren zahlen, bringen die Riesterverträge wenigstens ein bisschen was ein. Falls die Kunden aus Verärgerung gehen, auch gut. Zuletzt erhöhte die Mainzer Volksbank die jährliche Verwaltungsgebühr von 10 auf 25 Euro. Gestartet waren sie mal mit 5 Euro.

Ganz wehrlos sind Sie als Kunde gegen diese Gebührensteigerung nicht. Wir wissen von Kunden, dass die Gronauer beim Versuch, Verwaltungsgebühren einzuführen, in den vergangenen Jahren manchmal gescheitert sind. Die Riester-Verträge der Volksbank Gronau-Ahaus sahen zunächst überhaupt keine Gebühren vor. Die Kunden schalteten den Ombudsmann ein oder Verbraucherverbände wie den Verbraucherservice Bayern. Die haben mindestens in Einzelfällen die Gebührenkonstruktion der Westfalen kassiert.

Für jeden Kunden ist das trotzdem eine enttäuschende Erfahrung - und eine unnötige Bestätigung von Vorurteilen. Viele, die auf Banksparpläne gesetzt haben, haben das gerade getan, weil dort eigentlich keine hohen Vorabgebühren fällig werden und man dem Sparplan von Anfang an beim Wachsen zusehen kann. Um die 25.000 Kunden bei der Mainzer Volksbank zu nehmen: Bei 0,05 Prozent Zinsen müssten schon mehr als 50.000 Euro auf dem jeweiligen Riester-Konto stehen, um die 25 Euro Jahresgebühr zu erwirtschaften.

Was können Sie als Kunde also jetzt tun?

  • Wer alte Verträge bei Banken mit womöglich ordentlichen Garantien oder Bonusregeln für mehr Zinsen hat, hält an den Verträgen fest. Und widerspricht schriftlich neuen Gebühren. Egal, wie es Ihre Bank im Anschreiben formuliert, sie kann Ihnen die Gebühren nicht ohne Weiteres aufzwingen. Einen Widerspruch dürfen die Banken nicht einfach abtun. Bei der Volksbank Gronau-Ahaus (mit Garantiezins) ist es, wie gesagt, im Einzelfall gelungen, Gebühren so abzuwehren.
  • Wer unzufrieden ist und sich von Riester-Aktienfonds trotz der Ausgabeaufschläge auf Dauer mehr Rendite verspricht, hat als jüngerer Kunden die Chance, das Geld in einen guten Riester-Fondssparplan zu stecken. Das Spargeld, dass der Kunde in einen neuen Riester-Vertrag einzahlt, muss der neue Anbieter zum Renteneintritt garantieren, sodass erstmal kein Verlustrisiko besteht. Ein Wechsel ist nur dann nachteilig, wenn Ihr Guthaben weit unter Ihren Einzahlungen liegt.
  • Auch ohne neue Gebühren kann man natürlich mit der Zinssituation des eigenen Riester-Sparplans unglücklich sein. Wer aber schon älter ist, deutlich jenseits der 50, bekommt keinen aktienlastigen Riester-Fondssparplan mehr. In dem Fall bleibt nur: ausharren. Alternativ können Sie den Vertrag beitragsfrei stellen. Und künftig das Altersvorsorgegeld ohne staatliche Förderung in einen Aktienfondssparplan stecken.
  • Keinesfalls sollten Sie als Kunde die Verträge aber einfach kündigen. Denn wer den Vertrag kündigt, verliert die Zulage und die steuerliche Förderung. Das ist immer ein Verlustgeschäft.

Viel Erfolg. Und lassen Sie sich von den Bankern weiterhin nicht ins Bockshorn jagen.

insgesamt 6 Beiträge
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Objectives 26.01.2019
1. Staatliche Altersvorsorge zum Scheitern verurteilt
Staatliche Produkte haben so gut wie nie funktioniert. Sie sind häufig zu kompliziert konstruiert, weisen keine Rendite aufgrund einer völlig überhöhten Sicherheit auf, oder ed sind nur Gebührenschleudern, an denen letzten Endes nur die Banken- oder Versicherungswirtschaft funktioniert. Ich bin Mitte 20 und habe meine Altersvorsorge selbst in die Hand genommen. Dabei wird ein Teil sicher zurückgelegt und der andere Teil in Unternehmen investiert, die gewisse Anforderungen erfüllen, die ich selbst vorgebe. Bis jetzt fahre ich seit einigen Jahren mit diesem Modell hervorragend und ich konnte mir neben der bisherigen Rendite noch einiges an Wissen aneignen. Ich kann nur jedem empfehlen, selbst aktiv zu werden und sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Dann gibt es hinterher kein böses Erwachen.
achimbronco 26.01.2019
2.
Wieder ein Artikel über die Riesterrente, der mit keinem Wort die katastrophale Bilanz in der Auszahl- bzw. Verrentungsphase erwähnt. Bekanntermaßen werden bei kapitalgedeckten Renten, etwas anderes ist der riestergeförderte Banksparplan letztendlich nicht, Lebenserwartungen zu grunde gelegt, die die eigentlich gute Rendite durch Zulagen und Steuerersparnis zunichte macht. Genauso gut kann ich mein Geld unters Kopfkissen legen.
SanchosPanza 26.01.2019
3. Riester
Zu bürokratisch, zu kompliziert, zu teuer und in der Anfangsphase nicht einmal im Ausland auszahlbar. Wenn in der jetzigen Phase sämtliche Wertzuwächse als Gebühren bei den Banken landen und die Rendite des Sparers einzig aus den staatlichen Zuschüssen stammt, dann war das ganz offensichtlich eine nur die Finanzindustrie bereichernde Fehlkonstruktion. Andere Länder fördern die private Altersvorsorge wesentlich flexibler und günstiger für den Sparer. Ohne "Staatsknete". Bei uns dominiert wieder mal die staatliche Bevormundung. Was bin ich froh, dass ich das in meiner Jugend trotz intensiver Werbung nicht unterschrieben sondern in Aktienfonds und vor allem ETF investiert habe.
RGK20 26.01.2019
4. Solange der Staat, die Regierung sich die Freiheit nimmt
völlig unsystematisch und der jeweiligen politischen Couleur entsprechend auch NACHTRÄGLICH (siehe GMG aus 2004) jedwede Form der "privaten Altersvorsorge" (siehe Riesterrente, klassische Betriebsrenten oder auch Direktversicherungen) mit zusätzlichen Abgaben zu beaufschlagen (mal 9 %, dann 18 % später vllt. 25 % ?), solange macht private Vorsorge als zweites Standbein zur staatlichen Rente keinen Sinn. Es mangelt an Vertrauen in Politik, es mangelt an juristischer Vertragstreue, es mangelt an Bestandsschutz für Altverträge. Wenn unsere Jugend heute 30 Jahre laufende Verträge ansparen soll zur privaten Altersvorsorge und der Staat ihnen in der Auszahlungsphase wieder ein Fünftel abnimmt, dann bekommt der Ansparer garantiert WENIGER ausbezahlt als er Netto einbezahlt hat, abzüglich der 30-jährigen Verwaltungs- und Provisionskosten. Private Vorsorge ist unter diesen volatilen gesetzlichen Rahmenbedingungen IMMER ein Minusgeschäft. Es ist eine Schande, dass die Politik immer noch versucht, unsere jungen Bürger zu einem Versicherungsabschluss hinzuführen. Sie können das Geld besse unters Kopfkissen legen.
K:F 26.01.2019
5. Riester und Neokapitalismus
Der Markt wird es regeln. So ein Blödsinn. Die Provisionsgeier der Banken und Versicherungen haben sich eine goldene Nase verdient. Die Riesterverträge müssen von der Bundesschulenverwaltung unentgeltlich geführt werden. Die Auszahlungen müssen ohne Steuern und Sozialversicherungsabzüge erfolgen. Die Riesterauszahlungen sind vor dem Staat und der Habgier zu schützen. Erst wenn diese Garantien gegeben sind, macht Renten sparen Sinn. So wie Schröder das organisiert hat war das nur ein Segen für die Bankster.
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