Umfrage zu Anlageformen Deutsche wollen mehr Spekulation wagen

Die niedrigen Zinsen lassen die risikoscheuen Deutschen bei ihren Geldanlagen umdenken. Eine neue Umfrage zeigt: Tagesgeldkonto und Sparbuch verlieren an Attraktivität.

Stier im Handelssaal der Frankfurter Börse: Aktien attraktiver
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Stier im Handelssaal der Frankfurter Börse: Aktien attraktiver


Nürnberg - So mancher Banker scheint am Sparverhalten der Deutschen zu verzweifeln. Anlagestrategen beschwören die Sparer bereits, sie sollen ihr Geld doch lieber ausgeben, statt es auf unprofitablen Tagesgeldkonten und Sparbüchern zu bunkern. Tatsächlich sind die Bürger konsumfreudiger geworden - und auch die Bereitschaft zu etwas riskanteren Anlageformen wird offenbar größer.

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Heft 7/2015
Strategien gegen den Anlagenotstand

Laut dem Investmentbarometer des GfK Vereins, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, haben das Tagesgeldkonto und das Sparbuch deutlich in der Gunst der Anleger verloren. Während 2011 noch jeder Dritte Tagesgeld als attraktive Anlageform nannte, sagten dies zuletzt nur noch 19 Prozent der Befragten. Das Sparbuch empfinden nur noch zehn Prozent als lukrativ (2011: 24 Prozent). 70 Prozent der Deutschen sehen es als unattraktiv, die Hälfte davon bewertet es sogar als völlig unattraktiv.

Im Verhalten ist dieses Umdenken aber noch nicht angekommen. Denn laut GfK Verein haben aktuell 43 Prozent der Deutschen Geld auf dem Sparbuch. Gold wiederum sieht zwar fast ein Drittel der Befragten als lukrative Anlageform, doch nur sechs Prozent haben in das Edelmetall investiert.

Die Erinnerung an die Finanzkrise lasse die Bürger noch immer mehr auf Sicherheit als auf Erträge setzen, sagt GfK-Verein-Geschäftsführer Raimund Wildner. Aber angesichts der Niedrigzinsen setze ein Umdenken ein. "Risikolose Anlagen verlieren an Attraktivität, während durch ihre Erträge Aktien und Fonds attraktiver werden."

Bei einer Umfrage 2011 empfanden acht Prozent eine Investition in Aktien als attraktiv, inzwischen sind es 17 Prozent. Genauso hoch ist auch die Zustimmung zu Investmentfonds (2011: 14 Prozent).

Die Umfrage zeigt allerdings auch, dass die Deutschen trotz Niedrigzinsen längst nicht zu Spekulanten werden. Immerhin 15 Prozent halten es für sinnvoll, ihr Geld einfach zu Hause zu bunkern. Dass Sicherheit und altgediente Anlageformen den Bundesbürgern immer noch wichtig sind, zeigen auch die Top Drei der attraktivsten Investmentformen: Ein Eigenheim ist für drei Viertel der Befragten ideal, dahinter kommen die betriebliche Altersvorsorge und ein Bausparvertrag.

Immerhin: Mit ihrer Vorliebe für das Eigenheim sind die Deutschen nicht allein. Auch in Frankreich, Spanien, Großbritannien und den USA steht die eigene Immobilie auf Platz eins der begehrtesten Anlageformen. Für die Umfrage wurden 6000 Privatleute in Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien und den USA befragt.

Dabei zeigte sich: Ähnlich wie die Deutschen sind auch Franzosen, Spanier und Briten eher vorsichtig, wenn es um Investitionen geht. Dagegen sieht in den USA fast jeder Dritte Aktien als attraktiv an, jeder Vierte sieht Investmentfonds positiv.

mmq

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insgesamt 50 Beiträge
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marthaimschnee 12.02.2015
1.
Und wieder eine Meldung aus dem Elfenbeinturm. Daß bei der Hälfte der Bevölkerung praktisch nichts zum sparen übrig bleibt, daß für mehr als drei viertel der Bevölkerung das was sie verdienen absolut existenznotwendig ist und auch der vom täglichen Bedarf übrig bleibenden kleinste nicht mal eben leichtfertig verspekuliert werden kann, scheint wohl völlig egal zu sein. Und nicht zuletzt, daß die Politik alles dafür tut, daß man sein Geld lieber nicht ausgibt, sondern es spart, weil man morgen vielleicht dringendst darauf angewiesen ist, schein bei solchen Betrachtungen keine Rolle zu spielen.
Lagrange 12.02.2015
2.
Ich glaube ja, dass es für 80% der Bevölkerung richtig ist keine Aktien- und Fondsprodukte zu besitzen. Das Anlagerisiko ist hier nämlich nur überschaubar, wenn man sich mit den Produkten auskennt und bereit ist, einen Teil seiner Freizeit in das Aktienmanagement zu investieren.
canUCme 12.02.2015
3. Ja, so kennen wir die Banker, ...
.. jetzt wollen sie uns wieder in hochspekulative Anlageformen locken und wenn nach dem nächsten Finanzcrash die ganze Kohle futsch ist, gibt es nur ein Achselzucken: Oooh, das tut uns aber leid! Mit mir nicht.
European 12.02.2015
4. Leute, das darf doch nicht war sein
jetzt, wo die Börsen hochgejubelt sind und damit die Abwärtsrisiken am größten sind, entdeckt ihr die Börse. Dann seit doch wenigstens so klug in Aktien aus dem Öl & Gas Sektor und Russland zu investieren, die liegen wenigstens noch im Dreck.
g.s.hess 12.02.2015
5.
Und später heulen sie wieder alle rum und die Banken sind schuld.
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