Fondsgebundene Versicherungen Der Steuertrick mit dem Mantel

Die Razzia bei der Commerzbank hat sogenannte Versicherungsmäntel in den Fokus gerückt. Der Steuertrick für Superreiche ist im Kern legal - und funktioniert auch bei Normalanlegern. Doch Vorsicht ist geboten.

Bankenviertel in Frankfurt: Die Sache hat einen gewaltigen Haken
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Bankenviertel in Frankfurt: Die Sache hat einen gewaltigen Haken

Von Christian Kirchner


Winterzeit ist Mantelzeit - zum Glück für viele Träger! So ein Mantel ist schließlich eine feine Sache. Und das nicht nur modisch.

Auch in der Anlageberatung erfreuen sich Mäntel seit den späten neunziger Jahren einer großen Popularität - genauer genommen Versicherungsmäntel für Geldanlagen. Die kaschieren zwar nicht das eine oder andere Pfund, sondern ganz andere Dinge. Etwa, ob der Kunde tatsächlich eine profane Versicherung abgeschlossen hat mit dem Mantel. Oder ob in Wahrheit eine Vermögensverwaltung darunter steckt. Genau darum ging es auch Anfang der Woche, als Räumlichkeiten der Commerzbank (die nur als Zeuge geführt wird) durchsucht wurden.

Der Trick, mit einem Versicherungsmantel Steuern sparen zu wollen, ist nicht neu und im Kern völlig legal, und zwar auch für Leute, die nicht superreich sind, sondern nur hundert Euro im Monat sparen. Der Kniff mit dem Steuerprivileg für Versicherungen war eine kleine Konzession der schwarz-gelben Bundesregierung an die in Berlin bestens verdrahtete Versicherungslobby, als man 2008 die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge einführte.

Und so läuft er: Abgeltungsteuer fällt pauschal auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne an - nicht aber auf Erträge, die Anleger mit ab 2005 abgeschlossenen Kapital- oder Rentenversicherungen erzielen, sofern diese wenigstens zwölf Jahre laufen und der Begünstigte bei Fälligkeit bei aktuellen Policen wenigstens 62 Jahre alt ist. Dann müssen Versicherungsnehmer nur die Hälfte der Erträge mit ihrem dann gültigen persönlichen Steuersatz versteuern.

Indes gelten Versicherungen nicht eben als Renditeturbos, auch, weil sie in Sachen Anlagepolitik enge Fesseln tragen. Die Spielart der sogenannten fondsgebundenen Versicherungen erlaubt es jedoch, renditestärkere Investmentfonds mit eben jenem steuerschonenden Mantel zu umhüllen. Vorteil für den Versicherer: Er kann, er muss aber nichts garantieren und kann das Anlagerisiko auf den Kunden abwälzen, der umgekehrt nicht weiß, wie viel Geld am Ende der Laufzeit zur Verrentung zur Verfügung steht. Vorteil für den Kunden: Er kann sich die Investmentfonds oft selbst aussuchen, gelegentlich umschichten und Steuern sparen.

Doppelt privilegiert

Nun klingt die unterschiedliche Besteuerung harmlos: Abgeltungsteuer auf Aktien, Anleihen, Zinsen, Fondssparpläne auf der einen Seite, die Hälfte des Ertrags mit Versicherungen mit dem persönlichen Steuersatz auf der anderen. In der Praxis sind Versicherungen so aber gleich doppelt privilegiert: Die absolute Steuer liegt schon angesichts der geltenden Steuersätze unter der Abgeltungsteuer von 25 Prozent, wenn nur die Hälfte des Gewinns besteuert werden muss. Zudem nagt die Abgeltungsteuer jährlich an Zinsen und Dividenden und beschneidet so den Zinseszinseffekt, während diese Ausschüttungen im Mantel der Versicherung über die ganze Laufzeit wachsen und gedeihen können, ehe die Besteuerung greift.

Machen wir ein grob vereinfachtes Beispiel dieses Steuereffekts: Ein 40-Jähriger plant, bis zum Renteneintritt mit 67 monatlich 100 Euro zu sparen. Zur Auswahl stehen dazu ein Aktien-Indexfonds direkt sowie eine Fondspolice, die einen Aktienfonds umhüllt. Für beide Vehikel, den reinen Aktienfonds sowie die Fondspolice, unterstellen wir jeweils fünf Prozent Gebühren je Rate und ein Prozent jährliche Verwaltungsgebühren. Die Rendite des Aktien-Indexfonds sei langfristig fünf Prozent vor Gebühren und Inflation pro Jahr und setze sich je zur Hälfte aus Dividenden und Kursgewinnen zusammen.

Unter Berücksichtigung der Abgeltungsteuer inklusive Solidaritätszuschlag kommt ein Anleger mit dem reinen Fondssparplan so auf rund 48.000 Euro Endvermögen, seine effektive Rendite beträgt dann rund 2,8 Prozent pro Jahr.

Mit der fondsgebundenen Police kommt er auf ein Endvermögen von 54.700 Euro und muss dann die Differenz zur Summe seiner Einzahlungen von 32.400 Euro - also rund 22.300 Euro - hälftig versteuern. Beim geltenden Durchschnittssteuersatz von derzeit 25 Prozent betrüge sein Endvermögen dann dank des Versicherungsmantels rund 51.900 Euro, die effektive Rendite rund 3,3 Prozent pro Jahr, mithin also einen halben Prozentpunkt mehr.

Und: Je höher die Renditen, desto größer auch der Vorsprung der Police bei identischen Renditen wegen des Zinseszins- und Steuerstundungseffekts. Überdies sinkt im Alter mit dem Einkommen ja meist auch die Besteuerung.

Hat die Sache einen Haken? Ja, einen ganz gewaltigen: Fondspolicen mögen steuerlich privilegiert sein, in der Praxis sind sie aber auch in der Regel teuer, da Gebühren sowohl auf Versicherungs- als auch Fondsebene anfallen. Zudem ist die Auswahl der ummantelten Fonds oft begrenzt, weil Versicherer nur zu teuren Produkten bestimmter Vertriebspartner greifen. (Um zu erfahren, wie dick eine fondsgebundene Police ist, hilft die Kennziffer "Reduction in Yield". Sie gibt an, um welchen jährlichen Prozentsatz sich die Rendite wegen der Kosten von Versicherung und Fonds zusammen vermindert.)

Hinzu kommt: Viele Anleger beenden die Einzahlungen frühzeitig oder kündigen gar den Vertrag, haben aber einen Großteil der Gebühren mit den ersten Raten gezahlt und die Fondspolice somit von einem Steuersparmodell in ein Renditegrab verwandelt.

Steuerspartrieb stärker als der Sexualtrieb

Findige Berater wissen aber, dass der Steuerspartrieb vieler Deutscher stärker ausgeprägt ist als der Sexualtrieb, wie ein Fondslobbyist einst treffend bemerkte. Jeder siebte in Lebens- und Rentenversicherungen eingezahlte Euro fließt derzeit in fondsgebundene Modelle, nicht nur, aber gewiss auch wegen der mit der Einführung der Abgeltungsteuer 2009 geschaffenen steuerlichen Privilegierung. Vor zehn Jahren war es nur jeder zwölfte. Und: Dreht man nur geschickt an den Variablen von Kosten, Renditen und Besteuerung, lässt sich in der Anlageberatung natürlich jedes Produkt als überlegen darstellen. Und je höher die Gebühren sind, desto üppiger fällt meist - es ist der klassische Fehlanreiz in der Beratung - auch die Belohnung des Beraters aus.

Gerade wegen der Gebührenproblematik und weil die Auswahl der richtigen Vehikel innerhalb der Fondspolice entscheidend ist, eignet sich der Griff zu einem Versicherungsmantel daher vor allem für disziplinierte und gut informierte Anleger. Denn im Vergleich zur Direktanlage gibt es durchaus wettbewerbsfähige Angebote: Einige Versicherer bieten ihre wenig bekannten "Mäntel" mit Produktkosten von unter einem Prozent pro Jahr an und lassen Anleger die Fondspolice mit kostengünstigen Indexfonds bestücken, die sich ihrerseits mit jährlichen Verwaltungsgebühren von 0,2 bis 0,3 Prozent begnügen - und das ganz steuerlegal.



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sitiwati 08.12.2013
1. wundern
würde es mich, wenn es für den normal Sparer was wäre, also , ich lass die Finger von allen Fonds, bedauerlich sind ja alle neuen Versicherungen auf Fondsbasis, dh, geht der Fond baden, schaut man in die Röhre, in dn guten alten Zeiten hat man einfach 100 DM im Monat gespart und dann gutes Geld bekommen, heute muss man schon eine BWL Lehre hinter sich haben, um durch den Finanzdschungel durchzusteigen, Geldanlegen mit 3% ZInsen, davon gehen dann 1,5% für Verwaltung drauf, aber bitte nein!
peterbond0815 08.12.2013
2. Nächster Schritt?
"Abgeltungsteuer fällt pauschal auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne an - nicht aber auf Erträge, die Anleger mit ab 2005 abgeschlossenen Kapital- oder Rentenversicherungen erzielen, sofern diese wenigstens zwölf Jahre laufen und der Begünstigte bei Fälligkeit bei aktuellen Policen wenigstens 62 Jahre alt ist." Okay, ich möchte den "Steuerspartrick" nutzen. Habe nur keinen vor 2005 abgeschlossenen Vertrag. Ich nehme an, dieser Problem haben auch einige "Superreiche" und damit kommt das Konzept der "Mäntel" ins Spiel. Wie diese funktionieren, genutzt bzw. missbraucht werden und wie sich dies aus gesetzlicher Sicht darstellt ist weder für Superreiche noch für den Normalsparer aus dem Artikel ersichtlich. Schade.
u.loose 08.12.2013
3. Das Problem
hätte man leicht vermeiden können, wenn Herr Steinbrück es nicht anders eingeführt hätte: Halbeinkünfteverfahren statt Doppelbesteuerung bei Aktien Dividenden und Beibehaltung der Haltefristen. Daraus folgt - richtig formuliert ist der Mantel nicht "doppelt privilegiert", der Fiskus greift nur etwas weniger beherzt zu. Aber irgendwoher müssen die Milliarden die man als Zuschuss bei den Riester-Renten versenkt ja kommen. Ich bin richtig froh nicht heute noch ein Vermögen aufbauen zu müssen - bis 2009 war das durchaus möglich, nach 2009 gibt es nur noch einen Gewinner: Der Fiskus.
alpenkraut 08.12.2013
4.
Danke für die kurze Einführung in dieses Thema. Ich habe nur nicht ganz verstanden, warum ich regelmäßig echte 100€ in einen Ozean aus Spielgeld werfen sollte, damit ich - möglicherweise - im hohen Alter 1000€ mehr habe. Aber für Superreiche mag es sich schon lohnen.
spon-facebook-10000354432 08.12.2013
5. was soll uns dieser Artikel sagen?
Nach neun Jahren kommt dieser Artikel mit der Überschrift "Trick" daher! Dabei werden darin nur altbekannte Möglichkeiten aufgezeigt, wobei allerdings wieder nur auf die reine Rendite abgezielt wird und nicht auf das versicherte Risiko (Tod in LV oder Langlebigkeit in RV) eingegangen wird. Vielleicht sollte man sich einmal fragen, wieso derartige Versicherungen steuertechnisch begünstigt sind? Eben weil biometrische Risiken abgedeckt werden, die ein reiner Fondssparplan nicht abdecken kann und darf und auch das vorhandene soziale Sicherungssystem Schwächen und Lücken aufweist. Und da bei derartigen Verträgen nur ein einseitiges ordentliches Kündigungsrecht besteht, nämlich auf Seiten des Kunden, ist es doch nur logisch, dass gewisse Kosten (nicht alle) aus Planungs- und Kalkulationssicht anfangs abgezogen werden. Es ist schließlich eine Absicherung eines biometrischen Risikos und eben keine reine Geldanlage! Aber damit lässt sich ja keine Stimmung machen...
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