Geldanlage Wie Sie vom Wandel der Weltwirtschaft profitieren

Die Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft ändern sich, und damit die Aktienmärkte. Warum Sie nicht mehr allzu sehr auf deutsche Firmen setzen sollten - einige grundlegende Hinweise.

Commerzbank
DPA

Commerzbank

Eine Kolumne von


Die Commerzbank, immerhin Gründungsmitglied des Dax, wird Ende dieses Monats aus dem deutschen Leitindex hinausgeworfen. Eine Aktie von Deutschlands zweitgrößter Bank ist gerade noch acht Euro wert.

Die Deutsche Bank, einst das größte Bankinstitut Europas, ereilte unlängst ein ähnliches Schicksal: Das Geldhaus fliegt nach 20 Jahren aus dem Eurostoxx 50, dem wichtigsten Börsenindex der Eurozone. Der Kurs der Deutschen Bank ist von einst 90 Euro im Jahr 2007 auf unter 10 Euro gerutscht.

Was da passiert, ist Ausdruck einer grundlegenden Veränderung der Aktienlandschaft. Wer sein Geld zum Teil in Aktien anlegt, sollte sich verstärkt außerhalb seines Heimatlandes umsehen.

Zur richtigen Geldanlage gehört neben einem Tages- und einem Festgeldkonto das Sparen mit internationalen Aktien. Am besten mit einem kostengünstigen Indexfonds, der bestehende Aktienindizes nachbaut. Denn eine Anlage in einem klassischen gemanagten internationalen Aktienfonds ist viel teurer.

Warum Sie keine gemanagten Fonds nehmen sollten

Fondsmanager verlangen oft eineinhalb bis zwei Prozent des angelegten Geldes als jährliche Gebühr. Von den mehr als 1200 Weltmarkt-Aktienfonds auf dem deutschen Markt kosten 250 mehr als zwei Prozent Gebühr im Jahr, rechnet die Stiftung Warentest vor.

Bei einem Anlagevolumen von 10.000 Euro sind das schon wenn der Kurs nicht steigt bei zehn Jahren Anlagedauer 2000 Euro Gebühr. Die müssen die Manager dann erstmal zusätzlich erwirtschaften. Das gelingt den meisten aber nicht.

Meine alten Kollegen von der Stiftung Warentest führen eine regelmäßige Statistik. Die zeigt zum Beispiel: Ein großer indexnaher Dekafonds (Sparkassengruppe) mit knapp 1,5 Prozent jährlichen Kosten hat aus 100 Euro seit Auflage im August 2010 schöne 200 Euro gemacht (Deka Dividendenstrategie CF). Der am besten passende Index, der MSCI World, kam dagegen auf 260 Euro.

Indexfonds kriegen Sie preiswert bei vielen Onlinebanken

Dann nehmen Sie doch besser gleich einen Indexfonds. Den kriegen sie preiswert bei vielen Onlinebanken. Und streuen Sie Ihr Geld möglichst breit. Zum Beispiel im Stoxx Europe 600.

Finden sich im Dax gerade 30 Werte, bündelt der Stoxx Europe 600 die wertvollsten 600 Aktien Europas. Die Deutsche Bank macht da gerade noch gut 0,2 Prozent vom Index aus, die Commerzbank sogar nur 0,1 Prozent .

Oder nehmen Sie den MSCI Euroland, in diesem kommen 248 Werte zusammen. Oder den MSCI World, der insgesamt 1600 Firmen aus den offiziellen Industriestaaten listet.

Die Indizes des MSCI funktionieren wie ein Baukastenmodell. Wird ein Konzern in den nationalen Index aufgenommen, findet er sich auch in den MSCI-Indizes. Ihre Geldanlage ist so automatisch immer auf Stand.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Das ist durchaus beruhigend, denn die Weltwirtschaft verschiebt sich. Der historisch wohl unvermeidliche Bedeutungsverlust der hiesigen Wirtschaft geht weiter.

Heute werden in China fünfmal so viele Autos hergestellt wie in Deutschland, zum Teil sogar von deutschen Firmen. Nach Bilanzsumme sind die vier größten Banken der Welt chinesisch. Ein deutsches Institut befindet sich nicht mehr in den Top Ten.

Der deutsche Anteil am weltweiten Bruttosozialprodukt ist von 7,5 Prozent allein für Westdeutschland 1980 auf 4,5 Prozent für das wiedervereinigte Deutschland im vergangenen Jahr geschrumpft. Und das, obwohl Deutschland sich im Welthandel wacker schlägt.

Als Arbeitnehmer oder Rentner spüren wir den Bedeutungsverlust. Als Kleinanleger muss uns das nicht beunruhigen. Denn tatsächlich können Sie schon ab 50 Euro pro Monat an der weltweiten Entwicklung der Wirtschaft und der Aktienmärkte teilhaben.

Richtig draufzahlen werden nur Aktionäre, die zu sehr auf einzelne Firmen gesetzt haben. Auf Energieversorger und Autokonzerne. Und eben auch auf die beiden großen deutschen Banken.



insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dasmagazin2017 08.09.2018
1. Zum Teil großer Unsinn!
Richtig draufzahlen werden diejenigen, die auf Einzelaktien gesetzt haben? So ein Quatsch. Mit Daimler erzielt man allein durch Dividenden über 6% jährliche Rendite und Daimler wird nie in der Bedeutungslosigkeit verschwinden oder pleite gehen. Das gilt auch für die Deutsche Bank. Wenn die es -wider Erwarten- nicht irgendwann alleine schafft, dann wird sie geschluckt, was den Kurs nach oben treiben wird. Und wer auf Apple oder SAP gesetzt hat, steht auch besser da als mit irgendeinem ETF. Stockpicking ist nur mühsam, lohnt aber. Zu Verteufeln gibt es da nichts.
Objectives 08.09.2018
2. Meide den Heimatmarkt
Eine gute und wichtige Empfehlung. Ich verfolge dieses Credo schon seit Jahren und verzichte weitestgehend auf sämtliche deutsche Aktien. Ich würde aber sogar noch einen Schritt weitergehen und diese Aussage beinahe auf den gesamten europäischen Kontinent ausweiten. Ansonsten gilt weiterhin der Grundsatz: Minimiere zuerst die Kosten. Am günstigsten fährt man mit einer Einzelaktien Strategie, da hier keine laufenden Kosten anfallen. Für diese braucht man aber auch die größte Expertise und die meiste Zeit. Für alle die beides nicht haben, sind passiv gemanagte ETFs nahezu perfekt. Beaonderns Themen ETFs sind einen Blick wert (z.B. Automatisierung, Robotik, Gesundheitspflege, Digitalisierung, Demographie, etc.), häufig von den laufenden Kosten aber auch etwas teuer, im Vergleich zu einem Standard ETF auf den MSCI World. Jeder, der noch Zeit bis zum Ruhestand hat, sollte sich aber damit beschäftigen.
Darwins Affe 08.09.2018
3. Nicht so einfach
1) Herr Tenhagen hat völlig recht, sich vom DAX fernzuhalten: 2/3 sind Banken, Versorger und Autowerte, deren Zukunft allesamt nicht gerade rosig aussieht. 2) Leider hat sich seit dem Jahr 2000 der Stoxx Europe 600 auch nicht besser als der DAX entwickelt. Wenn man in Europa bleiben will, sollte man mal den rasanten Kursverlauf von MDAX und TechDAX ansehen. 3) Zurzeit chinesische Aktien zu empfehlen, finde ich fast schon sträflich: Der SZSE Component (der Hauptindex Chinas) hat sich seit 2015 halbiert und allein schon 2018 über 20% an Wert verloren. 4) Der MSCI World hat in 10 Jahren immerhin 65% gewonnen, der amerikanische S&P aber 130% und der Nasdaq gar 320%.
hpampel 08.09.2018
4. Sehe ich ganz anders
Es ist eine Art Staatsräson die Wirtschaft durch die Politik zu unterstützen. Und wenn die Gewinne, und nur darum geht es, ausbleiben, dann gibt es Zwangsmaßnahmen gegen die Arbeitnehmer in Deutschland. Das war schon Anfang der 8ziger und bei der Agenda2010 so. Genau aus diesem Grunde haben wir ein 20 Jahre altes Lohnniveau. Wer in Deutschland sein Glück als AN sucht, dem ist nicht mehr zu helfen.
ac farmer 08.09.2018
5. Sehr vernünftig
... aber nicht besonders spannend. Mit einzelnen Aktien ist der Blick in's Depot ein bißchen wie ein Krimi. Macht Spaß!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.