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Geldautomaten: Banken starten neues Gebührensystem

Geld abheben bei fremden Banken wird billiger: Ab sofort müssen die Institute ihre Automatengebühren anzeigen - und zwar vor der Auszahlung. Die größere Transparenz soll die Kosten für die Kunden drücken. Doch Verbraucherschützern gehen die Änderungen nicht weit genug.

Kunde am Geldautomaten: Gebühren werden jetzt angezeigt Zur Großansicht
dpa

Kunde am Geldautomaten: Gebühren werden jetzt angezeigt

Berlin - Wer sich Geld an fremden Bankautomaten besorgen musste, erlebte bisweilen eine böse Überraschung: Erst auf dem Kontoauszug sah man die Höhe der Gebühren - und die konnten durchaus zehn Euro betragen. Doch damit ist jetzt Schluss. Seit diesem Samstag werden die Kosten angezeigt, bevor der Kunde die Bargeldauszahlung bestätigt. Wem der Preis zu hoch ist, der kann den Vorgang abbrechen und zu einem anderen Automaten gehen.

Die neue Transparenz wird zu niedrigeren Gebühren - da sind sich alle Experten einig. Trotzdem sind Verbraucherverbände nicht ganz zufrieden. Denn die von ihnen erhoffte Obergrenze wird es nicht geben. Zu einer Höchstgebühr erklärten sich nur die Privatbanken bereit: Maximal 1,95 Euro verlangen sie von Kunden anderer Institute. Immerhin kann man davon ausgehen, dass sich auch Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken an diesem Wert orientieren dürften.

Unterschiede wird es allerdings nach wie vor geben. Denn jede Sparkasse und jede Genossenschaftsbank entscheidet selbst, wie viel sie einem Fremdkunden abknöpft. "Jedes Institut ist geschäftspolitisch eigenständig", heißt es beim Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Man gehe aber davon aus, "dass die Preise stark sinken werden." Auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) verweist auf die Eigenständigkeit seiner Mitglieder. Die Preise "sollen sich im Wettbewerb bilden", heißt es.

Erst auf Druck der Politik reagierten die Banken

In Deutschland gibt es vier Bankengruppen: Die Sparkassen mit rund 25.700 Automaten, die Genossenschaftsbanken (19.000 Automaten), die Cash Group der großen Privatbanken wie Deutsche Bank und Commerzbank (9000 Automaten) und der Cash Pool kleinerer Privat- und Direktbanken (2500 Automaten).

Über eine gemeinsame Höchstgebühr waren sich die Gruppen nicht einig geworden. Eine geplante Obergrenze von fünf Euro hatte das Kartellamt als zu hoch abgelehnt, doch die Sparkassen und Genossenschaftsbanken wollten nicht niedriger gehen. Zusammen besitzen sie mit Abstand die meisten Geldautomaten - und wollen dieses dichte Netz den Kunden der Konkurrenz nicht zu günstig zur Verfügung stellen. Verbraucherschützer befürchten daher nach wie vor zu hohe Preise - gerade in ländlichen Gebieten, in denen nur wenige Geldautomaten zur Verfügung stehen.

Der Kompromiss - Gebührenanzeige, aber keine Höchstgebühr - war nach Druck von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) im August zustande gekommen. Nach dem neuen System zieht die Bank die Gebühr direkt vom Fremdkunden ab. Zuvor war der Betrag dem Geldhaus des Fremdkunden in Rechnung gestellt worden, dieses hatte den Betrag dann vom Konto des Kunden abgebucht.

Nach Angaben des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) wird die neue Gebühr zunächst nicht immer auf dem Bildschirm dargestellt. In einer "Übergangsphase" könne sie auch "über einen deutlich sichtbar aufgebrachten Aufkleber angezeigt" werden.

hut/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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1. nicht unverständlich
DJ Doena 15.01.2011
Ich kann die Institute mit ihren Gebühren verstehen. Sie erbringen eine Dienstleistung für nicht Kunden und die lassen sie sich bezahlen. Natürlich könnte man die Preise zum Teil unverschämt nennen aber andererseits gibt es kein Automatenmonopol, dass es den anderen Banken verbietet, ebenfalls überall ihre Automaten aufzustellen. In unserem 10.000 EW-Dorf gibt es mindestens drei Automaten: einen von der Spaßkasse, einen Volks/Raiffeisen und einen Postbank (Cashgroup). Das die Gebühr jetzt angezeigt wird, ist aber dennoch völlig ok.
2. Völlig richtig
Medman 15.01.2011
finde ich das Verhalten der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. So ein Geldautomat kostet in der Unterhaltung ja auch Geld, und häufig sind es diese "kleinen" Sparkassen und Volksbanken, die noch erhebliche Gebühren für das Führen eines Kontos verlangen. Meines Erachtens ist in diesen Kontoführungsgebühren auch eine Art "Flat-Rate" für Abhebungen am Geldautomat einkalkuliert. Schließlich findet man ja auch in jedem Dorf den Geldautomaten einer Sparkasse und eines Genossenschaftsbank. Fremde Kunden, die oftmals nur wegen des tatsächlich vorhandenen Einsparungspotentials du Direktbanken u.ä. gewechselt haben, sollen sich ruhig an den Kosten für Geldautomaten beteiligen. Die Höchstgrenze für 5 EUR hätte ich für richtig befunden. Wenn es den Direkt- und Privatbanken zu teuer war hätten Sie ja eine Möglichkeit: Beteiligung an den Kosten der Geldautomaten (ein großer "Cashpool") der kleineren Banken und Sparkassen und sofort könnten ihre Kunden kostenlos Geld abheben. Manchmal grenzt diese Diskussion über die Höhe der Gebühren an Augenwischerei und der Verbraucherschützer. Richtig und wichtig finde ich die verpflichtende Offenlegung der entstehenden Gebühren für die Abhebung an fremden Geldautomaten. Dies sollte so schnell wie möglich direkt auf dem Monitor des Automaten angezeigt werden und nicht nur auf Aufklebern.
3. Dass Sparkassen und Raiffeisen-Banken...
nichtaufregen 15.01.2011
...nicht die Bargeldversorgung für fremde Kunden in der Fläche machen wollen, ist doch verständlich. Ich finde die Gebührenanzeige hilfreich, mehr aber auch nicht.
4. .
takeo_ischi 15.01.2011
Zitat von DJ DoenaIch kann die Institute mit ihren Gebühren verstehen. Sie erbringen eine Dienstleistung für nicht Kunden und die lassen sie sich bezahlen. Natürlich könnte man die Preise zum Teil unverschämt nennen aber andererseits gibt es kein Automatenmonopol, dass es den anderen Banken verbietet, ebenfalls überall ihre Automaten aufzustellen. In unserem 10.000 EW-Dorf gibt es mindestens drei Automaten: einen von der Spaßkasse, einen Volks/Raiffeisen und einen Postbank (Cashgroup). Das die Gebühr jetzt angezeigt wird, ist aber dennoch völlig ok.
Sehe ich auch so. Es kann ja nicht sein, dass z.B. Banken, die auf Filialen und Automaten verzichten und sich damit einen legalen Wettbewerbsvorteil verschaffen die Infrastruktur der normalen Banken vielleicht sogar unentgeltlich mitnutzen dürfen. Dadurch wäre der Wettbewerbsvorteil m.E. nicht mehr in Ordnung.
5. Zu hoch und nicht immer gerecht
MissMorgan 15.01.2011
Zitat von Medmanfinde ich das Verhalten der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. So ein Geldautomat kostet in der Unterhaltung ja auch Geld, und häufig sind es diese "kleinen" Sparkassen und Volksbanken, die noch erhebliche Gebühren für das Führen eines Kontos verlangen. Meines Erachtens ist in diesen Kontoführungsgebühren auch eine Art "Flat-Rate" für Abhebungen am Geldautomat einkalkuliert. Schließlich findet man ja auch in jedem Dorf den Geldautomaten einer Sparkasse und eines Genossenschaftsbank. Fremde Kunden, die oftmals nur wegen des tatsächlich vorhandenen Einsparungspotentials du Direktbanken u.ä. gewechselt haben, sollen sich ruhig an den Kosten für Geldautomaten beteiligen. Die Höchstgrenze für 5 EUR hätte ich für richtig befunden. Wenn es den Direkt- und Privatbanken zu teuer war hätten Sie ja eine Möglichkeit: Beteiligung an den Kosten der Geldautomaten (ein großer "Cashpool") der kleineren Banken und Sparkassen und sofort könnten ihre Kunden kostenlos Geld abheben. Manchmal grenzt diese Diskussion über die Höhe der Gebühren an Augenwischerei und der Verbraucherschützer. Richtig und wichtig finde ich die verpflichtende Offenlegung der entstehenden Gebühren für die Abhebung an fremden Geldautomaten. Dies sollte so schnell wie möglich direkt auf dem Monitor des Automaten angezeigt werden und nicht nur auf Aufklebern.
Ich finde 5 Euro einfach zu hoch. Gerade um die Feiertage herum waren hier wieder 2 von drei Geldautomaten kaputt und ich musste fremdgehen. Das ist ein Stundenlohn. Und dann die Diskussion mit meiner Bank. Der Automat wäre ja nur zwei Stunden kaputt gewesen, ich hätte ja nochmal kommen können etc. Persönlich fände ich etwa 2 Euro okay. Und man sollte auch nicht vergessen, dass es einige Menschen gibt die nicht einfach überall ein Konto bekommen. Angeblich gibt es diese Selbstverpflichtng der Banken jedem ein Guthabenkonto zu geben - aber in der Realität sieht es leider anders aus. So lange diese Wahlfreiheit tatsächlich nicht herrscht - und ich habe für eine Dame sieben Anträge stellen müssen bis sie endlich ein Konto bekam, dürfen gar keine Fremdgebühren verlangt werden. Es ist ja auch verboten, das Benzin teurer zu machen um die Kreditkartengebühren wieder hereinzuholen. Das ist der Service der Händler dessen Kosten sie alleine zu tragen haben. Vergleicht man dies, kann man durchaus auf Gebühren bei Fremdabhebungen verzichten.
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Wer betreibt wie viele Geldautomaten?
Die Sparkassen - Das dichteste Netz
Mit rund 16.000 Geschäftsstellen und 25.700 Geldautomaten haben die Sparkassen das dichteste Netz in Deutschland. Rund 90 Prozent der Sparkassen-Kunden haben einer bankinternen Umfrage zufolge ein ganzes Jahr lang praktisch nie einen fremden Geldautomaten zum Geldabheben genutzt und damit auch keine Fremdgebühren gezahlt.
Die Volks- und Raiffeisenbanken - Das Bankcard-Servicenetz
Rund 1150 Volksbanken, Raiffeisenbanken, PSD-Banken, ein Teil der Sparda-Banken und sonstige Kreditgenossenschaften haben bundesweit 18.600 Automaten aufgestellt. Ihr Verbund Bankcard-Servicenetz bietet damit neben den Sparkassen einen großen Teil der Infrastruktur für Bargeldabhebungen, wie der Verband betont. Auch hier nutzen 90 Prozent der eigenen Kunden nur diese Automaten.
Die Cash-Group - Das Netz der großen Privaten
Zu diesem Verbund haben sich die großen deutschen Privatbanken zusammengeschlossen: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank und Postbank sowie deren Tochterunternehmen. Sie haben bundesweit mehr als 7000 Geldautomaten in Betrieb.
Der Cash-Pool - Das kleine Netz
Zu diesem Verbund gehören verschiedene Institute wie die Sparda-Banken, die schwedische SEB-Bank, die spanische Santander, die Targobank (früher Citibank), Wüstenrot, Degussa oder Nationalbank. Sie bieten ihren Kunden zusammen rund 2500 Automaten zum kostenlosen Abheben von Bargeld.
Die Direktbanken - Mit der Kreditkarte abheben
Diese Institute haben häufig nur ein kleines Automatennetz und bieten ihren Kunden teils an, per Kreditkarte gebührenfrei an den Automaten anderer Institute abzuheben. Normalerweise fallen für das Abheben mit Kreditkarten hohe Zusatzkosten an. Sparkassen und Genossenschaftsbanken kritisierten diese Praxis der Direktbanken immer wieder, weil diese kein eigenes großes Automatennetz aufbauen und sich auf die Infrastruktur der Wettbewerber verlassen.


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