Young-Money-Blog "Wenn's ums Geld geht, benehmen sich viele Frauen wie Prinzessinnen"

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Wenn ich mit befreundeten Pärchen über Geld spreche, erzählen meistens Männer, wie sie ihr Geld anlegen. Ihre Partnerinnen schweigen. Oder sagen dann: "Finanzen sind doch Männersache" oder "Mein Mann kümmert sich darum".

Natascha Wegelin, die einen Finanzblog für Frauen betreibt, bestätigte mir kürzlich in einem Gespräch meinen Eindruck. Sie sagt: "Besonders wenn es ums Geld geht, benehmen sich viele Frauen wie Prinzessinnen. Dann wollen sie auf einmal beschützt und versorgt werden. Sie übergeben die Verantwortung für ihre privaten Finanzen lieber ihren Männern."

Young-Money-Blog
    Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 27 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fonds-Anteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog.

Tatsächlich ergab kürzlich eine Umfrage der Postbank: 29 Prozent der Frauen kümmern sich überhaupt nicht um ihre Finanzen. Nur sind solche Umfragen von Banken und Versicherungen interessengesteuert und mit Vorsicht zu genießen. Doch zumindest die Tendenz dürfte stimmen: Viele Frauen vernachlässigen das Finanzielle.

Doch gute Vorsorge ist gerade für junge Frauen unabdingbar. Denn Frauen verdienen als Angestellte immer noch weniger als Männer. Daran können Berufseinsteigerinnen oft unmittelbar nichts ändern. Aber: Sie können sich unabhängig von Arbeitgebern machen und ihre Finanzplanung auf diese Situation ausrichten.

Hinzu kommt: Frauen verzichten zugunsten der Familie häufiger auf ihre Karriere als Männer, pausieren etwa, wenn Nachwuchs kommt und kehren dann meist in Teilzeit in ihren Job zurück. Im Schnitt erhalten Frauen deshalb 53 Prozent weniger Rente als Männer. "Frauen haben ein höheres Risiko, im Alter arm zu sein", sagt Natascha Wegelin.

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Die 32-Jährige fordert deshalb, dass Frauen so früh wie möglich ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen. "Finanzielle Unabhängigkeit ist ein essenzieller Bestandteil eines sorgenfreien, glücklichen Lebens", sagt sie.

REUTERS

Gemeinsam mit Natascha Wegelin stellen wir im Young-Money-Blog fünf Finanztipps für junge Frauen vor:

1. Geld in Aktien investieren

Junge Frauen sollten - wie andere junge Menschen auch - von Anfang an auch in Aktien investieren. Gerade Aktieninvestments, etwa breitgestreute Indexfonds, lohnen sich auf Dauer - auch für Leute ohne das ganz große Geld und ohne viel Kenntnis von der Börse.

Wirtschaftswissenschaftler prognostizieren fürs kommende Jahrzehnt eine Aktienmarktrendite von fünf Prozent pro Jahr (nach Abzug der Inflation) - so wie im langjährigen Durchschnitt der vergangenen 100 Jahre. Eine heute 25-Jährige, die Monat für Monat 100 Euro breit in den Aktienmarkt investiert und Jahr für Jahr diese Rendite erzielt, kann sich im Alter von 55 auf ein Vermögen bis zu 111.320 Euro freuen.

Und in Aktien zu investieren ist gar nicht so schwer, wie viele denken. Eine Anleitung gibt es hier.

2. Familienplanung in die Finanzplanung mit einbeziehen

Viele Frauen verzichten zugunsten ihrer Familie auf ihre Karriere. Falls sich Frauen für die Familie entscheiden, sollten sie das von Anfang in ihre Finanzplanung einbeziehen. "Kümmert sich die Frau um die Kinder, sollte sie dafür einen finanziellen Ausgleich von ihrem Partner bekommen", schlägt Natascha vor. Das gelte auch für Frauen, die in Teilzeit arbeiten.

Der Mann könnte etwa für die Frau in dieser Zeit in eine private Altersvorsorge einzahlen, etwa in einen Aktienfonds, um ihren Lohnverzicht auszugleichen. Das würde verhindern, dass den Frauen im Fall einer Scheidung Altersarmut droht.

Natascha Wegelin ist 32 Jahre alt und lebt in Berlin.
Jacqueline Häußler

Natascha Wegelin ist 32 Jahre alt und lebt in Berlin.

3. Ein Drei-Konten-Modell einführen

Natascha schlägt außerdem vor, dass Paare ein Drei-Konten-Modell einführen. Jede(r) hat dann ein eigenes Konto, auf dem das jeweilige Gehalt landet. Beide überweisen einen Betrag X auf das gemeinsame Haushaltskonto zur Deckung gemeinsamer Kosten wie Miete und Lebensmittel. Alles andere bleibt auf dem persönlichen Konto, wo jeder mit dem Geld machen kann, was er/sie will. Auch Hausarbeit und Kinderbetreuung seien ein Job, der finanziell vom Partner honoriert werden müsse.

"Es ist wichtig, auch in einer Beziehung für sein eigenes Geld verantwortlich zu sein und sich nicht in eine Abhängigkeit zum Partner zu begeben", sagt Wegelin.

4. Die Ausgaben fair aufteilen

Ihrer Meinung nach sollten Paare ihre Ausgaben dabei fair aufteilen. Und das muss nicht zwangsläufig 50:50 sein, wenn die Frau weniger verdient. Ihrer Ansicht nach ist es nicht fair, wenn Frauen die Hälfte der Mietkosten zahlen, wenn sie weniger verdienen. Die Höhe der Anteile an den gemeinsamen Kosten sollte sich prozentual nach dem Einkommen richten. Beispiel: Eine junge Frau verdient 2000 Euro, ihr Freund 3500 Euro. Macht ein Haushaltseinkommen von 5500 Euro. Also sollte die Frau 36 Prozent der Mietkosten zahlen.

5. Unabhängig informieren

Viele Frauen stören sich daran, dass es verständliche Finanzinformationen, wenn überhaupt, meistens nur von Männern für Männer gibt. Und männliche Bankberater versuchen oftmals, teure Produkte zu verkaufen, die schwer verständlich sind.

Für junge Frauen bietet es sich deshalb an, sich auf unabhängigen Plattformen zu informieren, die speziell für Frauen gemacht sind.

  • Empfehlenswert ist etwa Nataschas Blog "Madame Moneypenny". Sie hat auch eine Facebook-Gruppe gegründet, in der sich Frauen untereinander über Geldfragen austauschen können.
  • Lohnenswert ist auch der Blog "Her Money", der von einer ehemaligen Managerin der Investmentfondsbranche betrieben wird.
  • Die Stiftung Warentest hat pünktlich zum Internationalen Frauentag einen "Finanzplaner für Frauen" veröffentlicht, auch der ist einen Blick wert.
  • Svea Kuschel berät seit vielen Jahren Frauen bei Finanzfragen, Ähnliches bietet die Beratung "Frau & Geld an".
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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
katja78 08.03.2018
1. Bedingt sinnvoll.
Wie altmodisch. Warum wird nur die Frauenperspektive dargestellt? Wie viel % der Männer kümmern sich überhaupt nicht um ihre Finanzen? Verdienen diese immer mehr als ihre Partnerinnen? Die Vorschläge sind bedingt sinnvoll. Z.B. die vom Gatten zu zahlende Altersabsicherung: Sicher sinnvoll, aber eben für beide Partner. Im Falle einer Scheidung wird eh ein Versorgungsausgleich vorgenommen, da muss der Besserverdiener abgeben. Also gehören beide abgesichert. Besser wäre es, beide würden ihre Berufstätigkeit in gleichem Maße verringern, dann sind die Wiedereinstiegschancen gleich hoch und man sichert sich gegenseitig gegen Jobverlust, Berufsunfähigkeit usw. ab. Ausgaben fair teilen, ja, drei Kontenmodell funktioniert auch gut. Am sinnvollsten ist es jedoch, sich einfach vor Augen zu halten, wie viel Gehalt, Rente, usw. bei welchem Arbeitszeitmodell zur Verfügung stehen wird. Für die gesamte Familie wie für den Einzelnen. Dann können auch informierte Finanzentscheidungen getroffen werden.
meista 08.03.2018
2. Und die Männer hauen ihr Geld also nur für Luxus raus?
So hört sich das hier immer an. Dabei machen die Männer mit Ihrem "vielen" Geld das sie verdienen nämlich in der Regel nur eins: Die Familie über die Runden bringen. D.h. das mehr verdiente Geld ist dann in der Regel eh weg. Und zum Thema Rente: Das Thema Zugewinnausgleich im Falle einer Scheidung hat wohl noch nie jemand gehört? Und ohne Scheidung gibts dann in der Regel 60% Witwenrente...
Zokka11 08.03.2018
3. Rosinenpickerei vs. Gleichberechtigung
Ich verstehe einige Ratschläge hier nicht, z.B. wenn es um die Aufteilung der Miete nach Einkommen geht. Wenn Frauen zunehmend auf Gleichberechtigung bestehen, die Männer gleiche Anteile am Haushalt und an der Kindererziehung übernehmen (bzw. das finanziell zusätzlich neben den bei einer Scheidung praktizierten Versorgungsausgleich zusätzlich ausgleichen) sollen, dann wäre es doch logisch, dass eine Frau auch den gleichen Anteil an den Lebenshaltungs-Kosten übernimmt. Und mit gleichem Anteil meine ich, dass hälftig geteilt wird und nicht nach Einkommen. Das wäre wahre Gleichberechtigung,. Ich vermute allerdings, dass es wie immer auf Rosinenpickerei der Frauen hinausläuft.
Nordstadtbewohner 08.03.2018
4. Selbst vorsorgen ist das Zauberwort
"Im Schnitt erhalten Frauen deshalb 53 Prozent weniger Rente als Männer." Ich kann mich Frau Wegelin nur anschließen. Frauen müssen lernen, sich selbst aufs Alter vorzubereiten und dementsprechend finanziell vorsorgen. Wer wenig einzahlt, weil er/ sie weniger arbeitet, bekommt auch später 53% weniger Rente. Frauen müssen mehr Eigenverantwortung zeigen und sich selbst absichern.
lesheinen 08.03.2018
5.
Wenn eine Frau andere Frauen in irgendeiner Weise auffordert, die Finanzen in die eigene Hand zu nehmen oder zumindest im Rahmen einer Lebensgemeinschaft insoweit mitzureden, ist das eine gute Sache. Erst recht, wenn sie praktische Tipps, also Hilfestellung, gibt. Ich frage mich nur: Was ist besonders an Finanzratschlägen von "der Frau" für "die Frau"? Einer Geldanlage ist es relativ gleichgültig, wer sie vornimmt. Gute Ratschläge können von Frau und von Mann kommen. Schlechte auch. Jedes Bankinstitut versucht, seine Produkte, z. B. Anteile an von seinem Verband getragenen Fonds, an den Mann oder die Frau zu bringen. Die Berater sind entsprechend geschult und wahrscheinlich auch angewiesen, die "Hausprodukte" und nicht die Konkurrenzprodukte anzupreisen. Da kommt es nicht darauf an, ob eine Frau oder ein Mann als Berater fungiert. Geht es um Aktien, ist es der Bank gleichgültig, welche Aktien die Kundin/der Kunde kauft. Die Provision ist ja gleich hoch. Bei Aktien kann eine Beratung "Welches Unternehmen empfehlen Sie?" durch eine Frau oder einen Mann in etwa einem Blick in die Glaskugel ähneln. Das Geschlecht ist unerheblich, keine/r ist Hellseher/in. Wer Aktien kaufen will, egal, ob Männlein oder Weiblein, wird gezielt vorgehen und nicht sich arglos beraten und überzeugen, sprich verführen, lassen.
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