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Neues Gutachten: Genpollen fliegen statt 30 Meter bis zu 4,5 Kilometer weit

Maispollen fliegen laut einem neuen Gutachten viel weiter als bislang angenommen. Die mögliche Verunreinigung dürfte damit nicht nur unmittelbare Nachbarfelder treffen. Nun soll die Risikobewertung überarbeitet werden.

Protest gegen Genmais (Archivbild): Annahmen auf wackligen Füßen Zur Großansicht
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Protest gegen Genmais (Archivbild): Annahmen auf wackligen Füßen

Bremen - In der EU wird das Risiko, das von gentechnisch veränderten Pflanzen ausgeht, neu bewertet. Grund ist eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Bremen. In einer zehnjährigen Untersuchung von 216 Standorten fanden die Forscher heraus, dass Maispollen häufig mehrere hundert Meter weit fliegen. Mitunter halten sie sich sogar einige Kilometer in der Luft, der Rekordwert lag bei 4,5 Kilometern.

Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA, zuständig für die Zulassung von Genpflanzen, kündigte als Reaktion auf das Ergebnis an, ihre Risikobewertung zu überarbeiten. Die EFSA war bislang davon ausgegangen, dass ein Sicherheitsabstand von bis zu 30 Metern zu einem Feld mit Genpflanzen ausreichend sei, um das Nachbarfeld vor Verunreinigungen zu schützen. "Diese Großstudie belegt erneut, auf welch wackligen Füßen die Annahmen der EFSA stehen", sagt Mute Schimpf vom Umweltschutzverbund Friends of the Earth in Brüssel.

Die bisherige Bewertung der EFSA war Gentech-Konzernen wie Monsanto Chart zeigen entgegengekommen, etwa bei der Zulassung von deren Maissorte MON 810. Probleme könnte eine Neubewertung nun auch dem US-Unternehmen Pioneer machen. Der Saatgutmulti ringt seit Jahren um die Zulassung einer Genmaissorte. Juristen des Konzerns hatten deswegen sogar die EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt.

nkl

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insgesamt 143 Beiträge
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1. 30m????
Hasengetia 05.03.2015
Diesen Quatsch haben die sog. Experten hoffentlich selbst nicht geglaubt? Und sich dafür wenigstens gut bezahlen lassen? Mal wieder alles unfassbar...
2. 30m eh?
Exeunt 05.03.2015
Wusste jeder Bauer vorher, wird aber leider nix ändern wenn (nicht falls) TTIP kommt. Dann verklagen die uns halt wegen Handelshemmnissen. Ich verdrehe inzwischen nur noch die Augen..
3. aber hallo! Ist da
Luna-lucia 05.03.2015
jemand, etwa von der "BIld" mitgeflogen? Nur so am Rande vermerkt - es gibt Föhnstürme, Leewellen, ein ideales Wetter für Streckenflüge mit Segelflugzeugen, mega Aufwinde, und dann sagt uns jemand, > Neues Gutachten: Gen-Pollen fliegen statt 30 Meter bis zu 4,5 Kilometer weit < ??? Diese Gutachter haben wohl zuviel "Maisbier" intus!
4. Pollen braucht klare Regeln!
hinifoto 05.03.2015
Dabei weiss doch jeder, dass man immer erst den Beipackzettel lesen muss. Kann der blöde Pollen denn nicht lesen? Fliegt einfach so rum wie es ihm gefällt. Wir sind hier in Deutschland, da gibt es Vorschriften! Wenn das alle so machen würden!?!??
5. Bienensterben & Gen-Pflanzen
kalumeth 05.03.2015
..durch mehr Pestide. Auch gerade Genmais wird resistent gegen heftige Pestizide gezüchtet.
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Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene Basen: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.

Hintergrund
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Evolution
Die Veränderung des Erbguts und damit des Phänotyps von Individuen von Generation zu Generation.
Population
Eine Gruppe von Organismen einer Art oder auch verschiedener Arten (Mischpopulation) an einer bestimmten Örtlichkeit.
Phänotyp
Das Erscheinungsbild eines Individuums ist die Gesamtheit der durch die Erbanlagen (Genotyp) und die Einflüsse der Umwelt sich ausprägenden Merkmale eines Lebewesens.
genetische Variabilität
Die einzelnen Individuen einer Art besitzen genetische Unterschiede.
natürliche Selektion
Das Erbgut von Individuen einer Art wird nicht mit gleicher Wahrscheinlichkeit weiter gegeben. Manche Individuen einer Population vermehren sich stärker als andere - je nachdem wie überlebenstüchtig sie in einer bestimmten Umwelt sind. Selektionsfaktoren der Umwelt üben eine natürliche Selektion aus.
sexuelle Selektion
Ein Individuum bevorzugt bei seiner Partnerwahl bestimmte Merkmale. Dadurch haben nicht alle potentiellen Sexualpartner die gleichen Chancen zur Fortpflanzung, es findet somit eine Selektion statt. Die Erbanlagen, die die Merkmale hervorbringen, die fr die Partnerwahl entscheidend waren, werden dadurch weiter gegeben.
künstliche Selektion
Vom Mensch gewünschte Eigenschaften werden durch Selektion und Zucht einzelner Individuen gezielt vermehrt.
genetische Drift
Auch Gendrift genannt. Vorgang bei der Evolution, der zu einer Veränderung im Genbestand kleiner Teilpopulationen gegenüber der Ausgangspopulation führt. Je kleiner eine Population ist, umso leichter kann der Zufall eine vom allgemeinen Durchschnitt abweichende Kombination von Genen zusammenführen. Gelangen beispielsweise nur wenige Individuen einer Art in ein isoliertes Gebiet (Insel, abgeschnittenes Gebirgstal), so können sich nun von ihrem Selektionswert unabhängige Mutationen aufgrund des Zufalls durchsetzen oder verlorengehen. Dies kann zu Formen führen, die in einzelnen Merkmalen nicht angepasst sind (beispielsweise auffällige Färbung, die sie als Beutetiere mehr gefährdet). Der Wirkungsgrad der Gendrift kann durch die mathematische Statistik erfasst werden.

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