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EU-Richtlinie: Gen-Pollen im Honig müssen nicht aufs Etikett

Hohe Standards bei den Zutaten und ausführliche Kennzeichnung für den Verbraucher? Von dieser Linie weicht die EU beim Produkt Honig ab: Gen-Pollen dürfen nun grundsätzlich drin sein - und das muss nicht draufstehen.

Naturprodukt Honig: 80 Prozent der Ware kommt aus dem Ausland Zur Großansicht
DPA

Naturprodukt Honig: 80 Prozent der Ware kommt aus dem Ausland

Brüssel - Noch vor zweieinhalb Jahren hatten die Imker den großen Sieg über die Gentechnik-Lobby gefeiert: Nach dem Willen des Europäischen Gerichtshof sollte Honig mit Gen-Pollen nicht mehr verkauft werden. Jeder Honig sollte geprüft werden und bei einem Anteil von Gen-Pollen über 0,9 Prozent als "genetisch verändert" gekennzeichnet werden.

Nun haben die EU-Staaten am Donnerstag in Brüssel beschlossen, diesen Zulassungsaufwand zu vermeiden: Honig darf auch künftig Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen enthalten - ohne dass dies auf der Packung vermerkt ist.

Die EU wertet Pollen als natürlichen Bestandteil von Honig und nicht als Zutat, die extra gekennzeichnet werden muss. Dies gilt auch für Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen. Ist im Umkreis des Bienenstocks ein Feld, auf dem beispielsweise Genmais angebaut wird, gelangen so die entsprechenden Pollen in den Honig. Dies ist vor allem bei importiertem Honig der Fall, den es in Deutschland zuhauf gibt.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner kritisierte, dass Deutschland der Regelung zustimmte. "Damit tritt die Bundesregierung erneut den Willen der Verbraucherinnen und Verbraucher und auch der Imkerinnen und Imker mit Füßen", erklärte Ebner.

Die fachlich nicht zuständigen Handelsminister hatten grünes Licht gegeben. Dies ist nicht ungewöhnlich, da es um eine formale Bestätigung eines zuvor von den Fachkollegen ausgehandelten Kompromisses ging. Zuvor hatte das EU-Parlament bereits zugestimmt.

Die EU-Richtlinie tritt in den nächsten Wochen in Kraft, danach haben die 28 EU-Staaten ein Jahr Zeit zur Übertragung in nationales Recht.

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1. Und der Imker?
Pythonspezi 08.05.2014
Wer schuetzt mich eigentlich davor Honig oder Lebensmittel von Bauern zu kaufen, die im Privatleben ruecksichtslos Gentechnik Lebensmittel essen? Die negativen Schwingungen wuerden sich doch trotzdem auf die von denen hergestellten lebensmittel auswirken?
2. Wie soll man es anders machen?
mariameiernrw 08.05.2014
Wie soll man es auch anders machen ohne die Imker in massiven Regressforderungen auszusetzen. Die Imker wissen nicht wohin ihre Bienen fliegen. Sie müssten ja dann jedes Glas testen! Das kann kein Imker, die oft dies eher als Hobby machen, leisten.
3. Da kann man sehen
TOST 08.05.2014
wohin TTIP führen wird, trotz aller Beteuerungen der Lobbyisten und gekauften Politiker und Journalisten (und gemessen an der pro-TTIP Propaganda auf allen Kanälen sind fast alle Politiker und Journalisten) werden die hart erkämpften verbraucherschutz- und Qualitätsstandards in Europa zugunsten der Interessen amerikanischer Multis geschleift werden. Sie werden ja jetzt schin i9n vorauseilendem Gehorsam von der EU kassiert.
4.
Jabagrafs 08.05.2014
Zitat von PythonspeziWer schuetzt mich eigentlich davor Honig oder Lebensmittel von Bauern zu kaufen, die im Privatleben ruecksichtslos Gentechnik Lebensmittel essen? Die negativen Schwingungen wuerden sich doch trotzdem auf die von denen hergestellten lebensmittel auswirken?
Sie sollten solche Lebensmittel, bei denen der Verdacht auf unzüchtige Lebensweise des Bauern besteht, zehnmal kräftig schütteln und auf den Tisch stossen. Wenn Sie dann auch noch mit 10²° verdünnten Wasser kochen und mit einer Prise Schüsslersalz würzen, müssten Sie auf der sicheren Seite sein.
5. Deswegen wird Abschottung nicht funktionieren
abc-xyz 08.05.2014
Man kann zum Gen-Zeug stehen wie man will, mittelfristig wird alles durchmischt sein. Sei es Pollen, Samen, etc. die durch Luft und Wasser verteilt werden, es wird überall ankommen und letztlich wird kaum noch einer die einzelnen Herkunftsorte trennen können. Es gibt ohnehin Dritt- oder Viertwege (Futter vom Futter vom Futter vom.... etc.) und dann ist es ebenso vorbei. Wir sollten uns eher damit auseinander setzen, was Genfood langfristig bedeutet. Verhindern werden wir es nicht können. Der Geist ist schon aus der Flasche.
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